Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-23 · Heft 25 (23.6.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228337--55583-3291798
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

63. Jahrgang. Nr. 25. Weikage Berlin. 23. Juni 1899. zur „Allgemeinen Zeitung des Iuöenltzums". Korrespondenten und Nachrichten. Deutsch lan-. 8. Berlin, 18. Juni. Die heutige Sitzung der Repräsentantenversammlung, die kaum eine Stunde in Anspruch nahm, verlief bei zahlreicher Betheiligung der Mitglieder, aber in Abwesenheit von Friedensstörern, sehr ruhig und geschäftsmäßig. Vor Eintritt in die Tagesordnung verlas Rechtsanwalt Dr. Simon eine von 9 liberalen Repräsentanten und Repräsentanten-Stellvertretern Unterzeichnete Erklärung, worin dieselben gegen die seitens der Konservativen in der letzten Sitzung geübte Taktik (Verlassen des Saales bei Gelegenheit der Berathung der Vorlage betreffs der Auflösung der Kommission zur Revision des Gebetbuches der Neuen Synagoge) Verwahrung einlegen. Zum geschäftlichen Theil verlas alsdann der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, daß der Gemeindevorstand dem Beschlüsse der Auflösung der ebengenannten Kommission beigetreten sei. Zu Punkt 1 der Tagesordnung, betreffend die Amtsdauer der Vorsteher- und Repräsentanten- Steüvertreter, führt der Referent, Juftizrath Apolant, aus, daß die Bestimmung des alten Statuts, wonach die Stellvertreter nach 3 Jahren ausscheiden, auf Verfügung des Oberpräsidenten dahin geändert sei, daß immer nur die Hälfte der Stellvertreter ausscheiden soll, und die anderen 6 Jahre im Amte bleiben. Der Ausschuß schlägt vor, es hierbei trotz der sich ergebenden Mißstände zu belassen. Der Paragraph solle später so geändert werden, wie er früher bestanden hätte. Vermuthlich sei die neue Bestimmung nur auf ein Mißverstehen eines Paragraphen des Gesetzes von 1847 zurückzuführen. Nach kurzer Diskussion wird die Vorlage in dieser Gestalt angenommen. — Zur Stellvertretung des auf Urlaub abwesenden Herrn Willibald Löwenthal wird Herr Adolf Mayer in das Kuratorium der Ephraimstiftung entsendet, ferner die Mittheilung der Stellvertretung des Herrn Deutsch für Herrn Metzenberg als Rendant des Jüdischen Krankenhauses zur Kenntniß genommen. Zur Entsendung von 11 Zöglingen des II. Waisenhauses in Ferienkolonien werden 600 Mark bewilligt, zur Herstellung einer Badestube in der Kastellanwohnung der Synagoge Lützowstraße 150 Mark, zur Neuanschaffung von Inventar und Kleidungsstücken im II. Waisenhaus 1525 Mark, zu baulichen Veränderungen der Synagoge Oranienburgerstraße (Aenderung der Thüren, die laut Polizeiverordnung nach außen zu öffnen sein müssen) 3380,35 Mark. Debattelos wird dem Fortbildungsverein Montefiore ein Beitrag von 300 Mark bewilligt. Für das II. Waisenhaus wird der Vorschlag genehmigt, die Zinsen des eisernen Fonds zum Kapital zu schlagen. Zum Schluffe der Sitzung erfolgen einige Rechnungsabschlüsfe pro 1898/1899. Die alte Synagoge hat einen Zuschuß von 28946 Mark erhalten, für die vermietheten Stände sind 11756 Mark vereinnahmt worden. Es ergiebt sich ein Minderverbrauch von 1892,91 Mark. Der Rechnungsabschluß der Synagoge Kaiserstraße schließt mit einem Minderverbrauch von 3121,46 Mark, derjenige des Reichenheim'schen Waisenhauses mit einem Minderverbrauch von 7235,69 Mark und derjenige der Waisenkommission mit einem Minderverbrauch von 5182 Mark. Die letzterwähnte befremdliche Thatsache erklärt Geheimrath Blumenthal dahin, daß sich bei der Waifenkommisston nur durch die großen Zuschüsse des Kindersparvereins ein Minderverbrauch habe erzielen lassen. Die aufgeführten Positionen sind eingehend geprüft und mit den Büchern in Uebereinstimmung befunden worden. Es wird daher einstimmig für alle Decharge ertheilt. §2 Berlin, 19. Juni. Die Königlich preußische Akademie der Wissenschaften hat in ihrer Gesammtsitzung vom 8. d. Mts. den Beschluß der historisch-philosophischen Klasse zur Kenntniß genommen, Herrn Professor Dr. Nicolaus Müller hier zur Herausgabe der altjüdischen Inschriften in Italien 1500 Mk. zu bewilligen. Professor Müller ist Lehrer der christlichen Archäologie an der hiesigen Universität. Er hat in den Römischen Katakomben hebräische Grabschriften gefunden, während die bis jetzt gefundenen ca. 150 zum größten Theil griechisch, etwa 40 aber in lateinischer Sprache abgefaßt sind. Professor Müller hat 1885 sogar einen besonderen jüdischen Friedhof (eoemetoriurn) an der via Appia Pignatelli entdeckt und darüber seinerzeit in den „Mittheilungen des kaiserlich deutschen Instituts" referirt. Man darf daher seiner größeren Arbeit über die jüdischen Grabschriften in Italien mit großer Spannung entgegen sehen. . B. C-n. Berlin, 19. Juni. Im Herbst dieses Jahres wird eine gemeinnützige Schöpfung ins Leben treten, die Dank der Initiative des Fräulein Pauline Münchhausen und der opferwilligen Mitwirkung zahlreicher Menschenfreunde nach mühseliger Vorarbeit nun praktische Form annimmt. Die Altersversorgungsfrage eines großen Theiles unserer gebildeten Frauenwelt, und zwar des sittlich höchststehenden Kontingents, der. Lehrerin, verdient in reichem Maße die Antheilnahme aller Einsichtsvollen. Kein anderer Stand ist wie der der Erzieherin und Lehrerin berufen, an der Förderung des Menschengeschlechtes mitzuarbeiten. Meist liegt ein Leben voll steter Entsagung, voll bitterer Mühen und Enttäuschungen gerade hinter diesen Damen. Wer Andere wohl zu leiten sttebt, — Muß fähig sein, viel zu entbehren, hat Goethe als Motto über den Stand des Erziehers gestellt. Er hat den Kernpunkt solcher Existenz, die völlige Selbstverleugnung, damit treffend erfaßt. Die Gründung eines Heims für israelitische Lehrerinnen scheint in den Kreisen der Glaubensgenossen mit wärmster Sympathie ausgenommen worden zu sein. Obschon Fräulein Münchhausen selbst seit nahezu acht Jahren unermüdlich für ihr edles Ziel wirkt, ist ein größerer Jnteressenkreis erst seit einem halben Jahr zur Mitarbeiterschaft gewonnen. Es heißt, eine gute Sache empfiehlt sich selbst, und nach dem Erfolg zu schließen, muß das Heim als ein wirklich gutes Werk aufgefaßt werden. Dicht in der Nähe Berlins, im besten Theil des hübschen Vorortes Steglitz, ist eine ungemein anheimelnde Wohnung gemiethet, die am 1. Oktober dieses Jahres ihre Thüren vorerst für sechs würdige Damen öffnen wird. Es ist in dieser Form wenigstens ein Anfang gemacht, denn noch reichen die Mittel nicht weiter. Bei der bedeutenden Anzahl weiblicher Lehrkräfte, deren Lebensabend trotz allen Fleißes der Noth preisgegeben bleibt, ist ein großer Zudrang zu gewärtigen. Deshalb muß opferfreudige Güte das schöne Werk noch weiter fördern helfen. Man hat die Altersgrenze für die Aufnahme auf 55 Jahre festgesetzt, und den eintretenden Damen ist bei einer Anzahlung von 500 Mark ein angenehmes Heim erschlossen. Es wird viele heimliche Seufzer verstummen lassen und nach reicher Arbeit ein würdiges Alter gewähren. Wir wollen diesen Appell an alle Menschenfreunde ergehen lassen, daß sie auch hier helfen kommen, wo noch Hilfe dringend von Nöthen ist. L2 Berlin, 18. Juni. JnderAusstellung fürKrankenpflege hat am 16. d. M. Vormittags die feierliche Preisvertheilung stattgefunden. Der Vorsitzende der Jury, Generaloberarzt Dr. Schjerning, übergab das Urtheil der Preisrichter dem Geh. Rath v. Leyden, der es den versammelten Ausstellern'kundgab. Jnsgesammt sind 190 Auszeichnungen verliehen worden, darunter eine große Anzahl an Glaubensgenossen. Besonders erfreulich ist es, daß von den sechs Porträtmedaillen der Kaiserin, der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen in Berlin eine erhalten hat. Eine goldene Ausstellungsmedaille erhielt die „Allgemeine Elektrizitätsgesellschaft", silberne Staatsmedaillen die Berliner Firmen: Moritz Böhme, Louis und S. Löwenstein, silberne Ausstellungsmedaillen Dr. Paul Berliner, E. Wulff, I. Fromm, Frankfurt a. M., bronzene Staatsmedaillen Rosenzweig und Baumann, S. Sachs, H. Schlesinger. Auch bei den bronzenen Ausstellungsmedaillen und Ehrendiplomen sind Juden mehrfach betheiligt. ££2 Berlin, 21. Juni. Dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Berlin ist eine hohe Auszeichnung zu Theil geworden. Derselbe hatte bekanntlich in der Ausstellung für Krankenpflege in den Räumen der Philharmonie ein Unterrichtszimmer mit allen für

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.