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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-23 · Heft 25 (23.6.1899) · p. Seite 300

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 25 (23.6.1899)
Date
1899-06-23
Page
Seite 300 (sequence 12)
Language
German
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mM& es ihm gerade in den letzten Jahrzehnten von Seiten der „Jüngsten" an Anfeindungen nicht gefehlt hat. leuchtend „von Eckwelt zu Eckwelt". Unter den in der ganzen Ausstellung verstreuten SkulptuKr müssen wir der Vollständigkeit und Gerechtigkeit halber noch erwähnen die Statuette von Paul Becher-Berlin, einem Verwandten des bekannten Rabbiners Dr. Rülf, jetzt in Bonn, und das von demselben Künstler herrührende Relief „Mutter mit Kind". Denselben Vorwurf behandelt Min ca Bosch-Amsterdam in dem Modest zu einer Marmorgrnppe nach dem Verse Virgils „und sie küßte ihr Kind, und da war Niemand, der sie trösten konnte". Leider fehlen dieses Mal hier alle Meister ersten Ranges, Begas, Eberlein, Geiger, auch Herter, dessen Heine-Denkmal im nächsten Monat nunmehr endlich in New-Iork zur Ausstellung gelangt. Bedeutendere Schlager finden wir noch in der Gemäldeausstellung, der unsere Schlußwanderung gelten soll, sobald die Wiener Gruppe den jetzt noch kahlen Saal 21 bezogen hat. Unter den ausgestellten Bronzen interessirt eine Figur von Arthur Konn, einem Zögling des Auerbach'schen Waisenhauses, „Nymphe, die ein Liebespaar belauscht", besonders. Hier ist der Versuch, einen ganzen Vorgang aus dem Gesichtsausdruck eines Zuschauers zu veranschaulichen, vorzüglich gelungen. In der anmuthigen Lauscherstellung der Nymphe kommt ihre ein wenig erregite Antheilnahme an dem Wahrgenommenen gut zum Ausdruck. Der Körper verräth in seiner graziösen Formung sorgfältiges und verständnißvolles Studium. Fitterarische Mitteilungen. Herr Dr. M. Ginsburger hat in der Vorrede seines Fragmententargums in Bezug auf eine Handschrift in der Vaticana bemerkt: „Die von mir benutzte Abschrift ist von Herrn Dr. A. Berliner angefertigt und mir gegen eine entsprechende Entschädigungssumme überlassen worden". Diese Bemerkung ist nicht korrekt und bedarf daher einer Berichtigung meinerseits. Ich habe vor etwa 20 Jahren die Kopie von meinem damaligen Abschreiber Angelo di Capua in Rom anfertigep lassen, und die Kopialien, die ich dafür bezahlt habe, hat mir Dr. Gintzburger, dem ich aus Gefälligkeit die Abschrift später überlassen habe» wieder erstattet. Dies zur Vermeidung von Mißverständnissen. Dr. A. Berliner. — Der hebräische Litteraturverein Mekize Nirdamim wird im neuen Jahrgang folgende Schriften bringen: 1. iTVUlH exegetische Erklärungen des Anselm Astruc nach den Handschriften in Oxford und Mailand. - 2. N122, die nähere Darstellung eines Streitfalles in der castilianisch-portugiesischen Gemeinde zu Avellino von David Messer Leon, mit vielen wichtigen Beiträgen für die Geschichte und Litteratur der spanischen Gemeinden in der Zerstreuung in der ersten Zeit nach der großen Ausweisung 1492.; 3. Das Ritualwerk fiirPlK von Rabb. Aron Hakohen aus Lunel, zweiter bisher ungedruckter Theil, wobei wir zugleich bemerken» daß wir beabsichtigen, auch den sehr selten gewordenen ersten Theil> der in Florenz 1750 erschienen ist, wieder abdrucken zu lassen. 4. Die spanische rpTD!? zum Bersöhnungstage nebst dazu gehörigen Pijutim, von denen die meisten in nur sehr seltenen Ritualausgaberi zu finden find, mit einem Kommentar von Abudraham. 5. worin eine Rettung der Juden in Prag durch den Primas Samuel Tausk im Jahre 1704 behandelt wird. 6. Sammelband mit verschiedenen Abhandlungen. Der Druck der Schriften hat bereits begonnen; wir werden uns bemühen, daß sie rechtzeitig fertiggestellt werden. An die verehrlichen Mitglieder ergeht nun die Bitte: den Jahresbeitrag mit 10 Mark schleunigst einsenden zu wollen. Dr. A. Berliner. - -----David Leimdörfer: Zur Kritik des Buches „Esther". Frankfurt, I. Kaufmann, 1899. Der rühmlichst bekannte Forscher führt uns in das vielfach angegriffene und oft zu Anklagen gegen das Judenthum benützte Milieu des Esther-Buches an feine verwundbarste Stelle, d. i. zu dem Moment, in welchem Esther die Erlaubniß Ahasvers erbittet, die blutigen Szenen in Susa am zweiten Tage wiederholen zu dürfen. Durch seine homiletische Kunst, durch scharf logische Apologetik, vermittelst seiner Geschicklichkeit, die talmudische Hermeneutik in moderne Fassung zu bringen, versteht es der Verfasser, alle Einwendungen siegreich zurückzuweisen. Die Hilfstruppen, die er ins Feld führt, find seine intime Bekanntschaft mit den Talmuden, den späteren Dezisoren und der einschlägigen Litteratur von freundlicher und feindlicher Seite und die verblüffende Sicherheit, mit der er operirt. Dabei liest sich das Schriftchen mit seiner flüsstgen Sprache so leicht, daß Jedermann es verstehen kann. Als Probe diene die mit Begeisterung geschriebene Stelle auf Seite 5: „Konnte man es dem patriotischen Deutschen je verübeln, wenn er dem korsischen Eroberer nicht noch schlimmere Worte zurief, wenn er dem Erbfeinde des geliebten vaterländischen Bodens Fluch und Racheschwüre nachdonnerte? That dies aber der.. altjüdische Patriot (Psalm 94 und 137) angeflchts seines politischen Gegners und Eroberers, so vergaß man, daß dort Volk gegen Volk, im landläufigsten Volksbegriff, einander gegenüberstand, und nicht Religion gegen Religion und seinem politischen Unmuth kräftigen Ausdruck gab. Von den Juden verlangt man geduldiges Ertragen der Schmach, des Spottes, des Hohns, der Erniedrigung, gewiß eine erhabene Tugend, in der auch der religiöse Jude seit Pharaos Zeiten bis zur Gegenwart sich geübt hat, und daß er nicht aus der Uebung komme, dafür wird ja in jedem Zeitalter gesorgt. Allein ein politischer Jude, ein Jude, der eben sein heißgeliebtes Vaterland verloren, an dem er hing, wie jetzt die Deutschen an Deutschland, die Ungarn an Ungarn, er hätte kaltblütig den Hohn der Verfolger und Erbfeinde: „Singet uns (zur Belustigung) eines von den Liedern Zions!" hinnehmen sollen? Wäre das nicht ehrlose Feigheit? Und nun, da er seinem politischen Revanchegefühl — um modern zu reden — Luft macht und der Babelstochter und ihrer aufkeimenden Religion den Tod wünscht und gönnt und dem Vergelter ein Heil zuruft: Da folgt Verlästerung — seines „Rachegeisles". Wäre es wenigstens die des Rachegeistes des politischen Volkes, als welches Israel d amals bestand, und worauf die klare Einsicht jeden Leser dieses Psalms verweist, dann würden wir schweigen." Aus diesem Spiegelbilde, das der Verfasser seinen Zeitgenossen vorhält, erkennt der Leser zur Genüge die Tendenz der Schrift. Diese Worte — wem wären sie nicht aus dem Herzen gesprochen? Die Gemüthlichkeit der Sprache in der Broschüre verhindert nicht — und das ist eine besondere werthvolle Eigenthümlichkeit des Verfassers, dem Gelehrsamkeit und Unverständlichkeit keine kongruenten Begriffe sind —, daß ein wissenschaftlicher Silberfaden das Ganze durchzieht und umschlingt, den er bei seinen Ausführungen keinen Augenblick aus den Augen verliert. Wem beim Lesen des Buches Esther bange Zweifel aufgestiegen sind, oder wer wegen der gegen dasselbe erhobenen Angriffe und Anschuldigungen um eine Antwort in Verlegenheit ist, der lese Leimdörfers Schrift, und er wird aus ihr Beruhigung und befriedigende Belehrung schöpfen. Dr. M. Singer-Coblenz. --- Brainin, R.: Mimisrach Umimaarabh. Hebräisches Sammelbuch für Wissenschaft und Litteratur. Band IV. Berlin 1899. Selbstverlag. Unter den neuhebräischen Sammelwerken, deren in letzter Zeit eine große Anzahl erschienen ist, nimmt das vorliegende unbedingt den ersten Rang ein durch die Reichhaltigkeit des Inhalts sowohl als auch durch die Bedeutung der einzelnen Artikel. Deshalb wird auch das Erscheinen des IV. Bandes von allen Freunden der hebräischen Litteratur freudig begrüßt werden. Dieser IV. Band enthält sehr werthvolle und interessante wissenschaftliche Aufsätze vvn dem rühmlichst bekannten Herausgeber, von Zadoc Kahn, Professor Steinschneider, Dr. S. Mandelkern, Dr. H. Malter, Dr. Nathan Birnbaum, Dr. M. Schreiner, Dr. D. Neumark, Dr. D. Kinftlinger, Dr. M. I. Berditschewski, Dr. D. Farbstein, Dr. S. Rappaport u. A. Alte und neuere Litteratur, Philosophie und Volksleben, Poesie und Kunst kommen in diesem Jahrbuch zu ihren Rechten. Es kann deshalb allen Freunden der Litteratur auf das Wärmste empfohlen werden. Das. Werk ist durch alle jüdischen Buchhandlungen sowie auch durch den Herausgeber selbst, Herrn R. Brainin, Charlottenburg, Kaiser Friedrichstr. 75, zu beziehen. Druck und Verlag von Rudolf Mofse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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