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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-16 · Heft 24 (16.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 24 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Laljrgang. Ur. 24. ♦ Berlin. 16. Luni 1899. 'Ueil'age zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 8. Juni. Der „Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" veranstaltete heute im AugustaViktoria- Saale, als letzte vor den Sommerferien, eine ordentliche Versammlung, die sehr zahlreich besucht war. Den Vortrag des Abends hielt Herr Rabbiner Dr. S. Hochfeld aus Frankfurt a. O. über das Thema: „Ein Jahrhundert geistiger Kämpfe". In interessanter Weise schilderte der Redner das Leben und Wirken der jüdischen Geistesheroen unseres Jahrhunderts, wie David Friedländer, Israel Jaeobsohn, Kley, Gotthold Salomon, Leopold Zunz, Markus Jost und Abraham Geiger, und beleuchtete die Berathungen und Resultate der Rabbinerversammlungen von 1844 und 1845 und der Synoden von 1869 und 1871. Er wies darauf hin, daß jeder die ernsten Fragen seiner Zeit durchkämpfen müsse, die Führer könnten nur die allgemeinen Gesichtspunkte angeben. Was uns heute im Kampfe schwäche, das sei das gedankenlose Nebeneinandertreiben der verschiedenartigsten Vorsiellungskreise. Bei größerer Selbstachtung werde das Judenthum, was es in besseren Tagen gewesen fei, wieder eine den übrigen modernen Kulturfaktoren ebenbürtige geistige Macht werden. Der Vorsitzende des Vereins, Rechtsanwalt Dr. Horwitz, berichtete alsdann, daß der Vorstand durch die Kooptation des Herrn Dr. Otto Wiesenthal eine dankenswerthe Ergänzung gefunden hätte, und gab dann einen Ueberblick über die letzten Ereignisse aus dem Antisemitenlager. Er schloß die Sitzung mit dem leider so frommen Wunsche, daß der Verein bald erreicht haben möge, was ihm in seiner Tendenz den Garaus mache, daß nämlich der Antisemitismus aus der Welt verschwinde. ££5 Berlin, 13. Juni. Im Büreau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes traten am 6. d. auf Einladung der Herren Rektor Dr. Adler und Professor Dr. Philippson mehrere Herren zusammen, um für die vom Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich eingerichtete Pensions-Wittwen- und Waisenkasse ein Kuratorium zu konstituiren. Nachdem der Vorsitzende, Dr. Adler, in einigen einleitenden Worten die Bestrebungen gekennzeichnet, denen die Kasse ihr Entstehen verdankt, und nachdem er rühmend der hochherzigen Stiftungen gedacht, durch die die Kasse mit einem Grundkapital von ca. 150 000 Mark ins Leben treten könne, wurde über die Form, in der das Kuratorium bis zur ersten ordentlichen Generalversammlung die Geschäfte zu führen habe, diskutirt und alsdann zur Wahl des Kuratoriums geschritten. Dieselbefiel auf die Herren: Rektor Dr.Adler- Berlin, Dr. med. Apfel-Köln, Dr. med. Barrach-Berlin, Bankier L. M. Bamberger-Berlin, Lehrer Blumenfeldt-Adelebsen, Bankier Croner- Berlin, Dr. Fiegel-Berlin, Direktor Haberland-Berlin, Lehrer Hanff- Berlin, Hauptlehrer Herbst-Lissa, Bankier Loewenberg-Berlin, Rechtsanwalt Dr. Lippmann-Hamburg, Handelsrichter Lustig-Berlin, Dr. Eugen Merzbacher-München, Rentier I. Meyer-Berlin, Rudolf Mosse-Berlin, Professor Dr. Philippson-Berlin, Dr. med. Reich-Breslau, Lehrer Steinhardt-Magdeburg. Es wurden dann Vorschläge über die Konstituirung der Kasse unter möglichster Vermeidung von Ausgaben gemacht und darauf vom Vorsitzenden über die Verhandlungen mit Versicherungsgesellschaften behufs Abschluß von Versicherungen für die der Kasse angehörigen Mitglieder Bericht erstattet. Darauf wurden gewählt: zum Vorsitzenden Dr. Adler, zum stellvertretenden Vorsitzenden Professor Dr. Philippson, zum Schriftführer Dr. Fiegel, zum stellvertretenden Schriftführer Herr Hanff, zum Schatzmeister Herr Lustig und zu dessen Stellvertreter Herr Loewenberg. Der Vorschlag, in späterer Zeit einen Versicherungstechniker in das Kuratorium hineinzuwählen, wurde angenommen. Schließlich wurden auf Anregung des Vorsitzenden zu Ehrenmitgliedern ernannt: Fräulein Clara Lachmann-Hamburg, Frau Dr. Barrach-Berlin, Geh. Sanitätsrath Dr. Kristeller-Berlin und beschlossen, ihnen ein würdig ausgestattetes Diplom über ihre Ehrenmitgliedschaft zu überreichen. Die Herren Haberland, Loewenberg, Lustig erMrten sich bereit, bis zum Eintreffen der landesherrlichen Genehmigung die Führung der Kasse zu übernehmen; auch wurde festgesetzt, daß das Büreau der Kasse zunächst mit demjenigen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes vereinigt sein sollte. F. Berlin, 13. Juni. In der Junisitzung der „Wissenschaftlichen Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" machte der Vorsitzende davon Mittheilung, daß Frau Nahida Ruth Lazarus an ihn die Anfrage gerichtet habe, ob und wann ein Referat über die „Ethik des Judenthums" gehalten worden sei. Da zur Zeit das Referat wegen Erkrankung des Referenten abgesetzt worden war, und der Referent noch nicht wieder hergestellt ist, wurde Herr Galliner beauftragt, über das Werk in der Auguststtzung zu referiren. Alsdann berichtete vor Eintritt ln die Tagesordnung Herr Flanter über die Provinzialöersammlung zu Halberstadt, bei der er den Eindruck gewonnen habe, daß man auch dort sich mit regem Eifer mit den Fragen, die die jüdische Lehrerwelt angehen, beschäftige. Auf der Tagesordnung stand die Fortsetzung der Diskussion über das biblische Schullesebuch von Tachau. Der Herr Referent wies noch einmal kurz auf die Ausführungen hin, die er in der vorigen Sitzung gemacht, und gab dann die Einwürfe des Herrn Professor Dr. Tachau wieder, die dieser gegen die Ausstellungen des Referenten erhoben; über jeden dieser Einwürfe wurde diskutirt, und es ergab sich als Resultat, daß dieselben, weil theils auf Mißverständnissen beruhend, theils den Kern der Sache nicht treffend, nicht stichhaltig seien. So wurde z. B. darauf hingewiesen, daß, wenn die Apokryphen und der Pirke Aboth in dieses biblische Lesebuch nicht ausgenommen seien, man zwar dem Verfasser keinen Vorwurf daraus machen könne, daß es aber gerade ein Vorzug der Auerbach'schen Bibel sei, daß sie diese Abschnitte im Anhang aufweise; daß ferner auch der Preis eine große Rolle spiele, wenn es sich darum handle, das Tachau'sche Buch in die Schule einzuführen, da man oft von der Einführung auch eines besseren Buches absehen müsse, wenn die Ausgabe von den Eltern der Kinder nicht geleistet werden könne. So wurden alle Einwendungen des Herrn Professor Dr. Tachau Punkt für Punkt besprochen und die Uebereinstimmung der Versammlung mit dem Referenten konstatirt. Allgemeine Besprechungen, wie solche über die Frage des Unterschiedes zwischen einer Schul- und Hausbibel und einem biblischen Schullesebuch, wurden der vorgerückten Zeit wegen auf eine spätere Sitzung verschoben. 8. Berlin, 12. Juni. Die „Jüdische Lesehalle" hat einen werthvollen Schmuck in einer Kiepert'schen Wandkarte von Palästina erhalten, die von Herrn Benas Levy gespendet worden ist. Die im Verlage von Reimer erschienene, in dem für Spezialkarten üblichen Maßslab von 1:200 000 und nach den neuesten Aufnahmen farbig ausgeführte Karte bietet neben einem anschaulichen Bild von Palästina noch zwei Spezialkarten von Jerusalem. Die Wandkarte, die sich in sehr eleganter Ausführung präsentirt, wird wegen ihres streng wissenschaftlichen Charakters sicher von den Lesern mit besonderer Freude und Dankbarkeit begrüßt werden. Wir können es uns nicht versagen, auch bei dieser Gelegenheit auf das Institut der Lesehalle wiederum hinzuweisen, die im Kreise der Gemeinde leider nicht so bekannt ist, wie sie bekannt zu sein verdient. Wir vermissen namentlich den Besuch junger Kaufleute, denen sie doch eigentlich eine willkommene Stätte sein sollte, ihr Wissen zu bereichern, zumal sie nicht nur fast alles, was auf dem Gebiete der jüdischen Litteratur und Publizistik erscheint, bietet, sondern neben einem großen Theil allgemeiner Zeitungen eine stattliche Reihe von Werken allgemein wissenschaftlichen Inhalts. Es ist wohl kaum zu erwähnen nöthig, daß alles frei zur Verfügung steht, daß die Bücher frei gegeben werden, und der Eintritt in die Lesehalle, die an Wochentagen Mittags von 1Vs—5 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 11—2 Uhr geöffnet ist, vollständig unentgeltlich ist. Gegenüber dem großartigen Aufschwung, welchen die Ethische Gesellschaft mit ihrer Lesehalle und Bibliothek genommen hat.

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