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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-16 · Heft 24 (16.6.1899) · p. Seite 281

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 24 (16.6.1899)
Date
1899-06-16
Page
Seite 281 (sequence 5)
Language
German
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281 des Heimgegangenen auch von unserem Standpunkte aus, den eine Welt von Gegensätzen von demjenigen trennt, den er selbst eingenommen und vertreten, als ein wichtiges und bedeutsames in der Geschichte des modernen Judenthums angesehen werden. Thal was a man. Und nun hat das edle Herz zu schlagen aufgehört, und der rastlose Geist ist zu ewiger Ruhe eingekehrt. Sein Andenken aber hat leuchtende Spuren hinterlassen. Ein Lehrer und Weiser nach dem Zuschnitt der alten Rabbinen ist mit ihm dahingegangen, ein Mann mit der Kraft eines Helden und mit dem Herzen des Kindes. Nehmet alles nur in allem, wir werden seines Gleichen nimmer sehen! Lugete, quiescit. Are Einweihung des neuen jüdischen Kurhospitals in Kolderg. fm Oktober 1896 veröffentlichte der Direktor des jüdischen Kurhospitals in Kolberg, Rabbiner Dr. Goldschmidt, eine Broschüre über die Entstehung und Entwickelung der Anstalt bis Ende 1895. „Die vorhandenen Räume", so heißt es am Schlüsse dieser Broschüre, „sind eng, gedrückt, zu wenig luftig und entsprechen in keiner Weise den Anforderungen der Gesundheitspflege unserer Zeit. Möge die Gnade Gottes, die ja so sichtbar über unserem Hause bisher gewaltet hat, unseren sehnlichsten Wunsch, an Stelle unserer zum Theil verfallenen Gebäude einen zwar einfachen, aber würdigen Neubau zu setzen, baldmöglichst erfüllen.' Möge das Wohlwollen und die unermüdliche Opferwilligkeit edler Menschenfreunde, deren unsere Anstalt in Nah und Fern sich erfreut, uns schon,in kurzer Zeit in den Stand setzen, sowohl luftige gesunde Räume für unsere Pfleglinge zu schaffen, als auch möglichst alle an uns herantretenden gerechten Anforderungen zu befriedigen!" Nicht umsonst war der Ruf an die Freunde und Gönner der Anstalt ergangen. Bald bildete sich in Berlin ein Komitee, welches sich die Aufgabe setzte, die zu einem würdigen Neubau erforderlichen Mittel herbeizuschaffen; und der Aufruf, den dasselbe erließ, hatte einen so mächtigen Erfolg zu verzeichnen, daß man bereits im vorigen Jahre mit dem Neubau beginnen konnte. Rüstig schritt das Werk vorwärts, so daß nunmehr, 25 Jahre nach der Begründung des Hospitals, der Neubau desselben vollendet ist. Am 25: Mai wurde das Haus seiner Bestimmung übergeben. Um nun das 25jährige Jubiläum der Anstalt und die Einweihung des Neubaues festlich zu begehen, hatte der Vorstand des Hospitals an alle Förderer des edlen Werkes ein Wunschschreiben gesandt, in welchem er dieselben zur Einweihung des neuen Hauses am Donnerstag, den 8. Juni, Vormittags 11 Uhr einlud. Schon vor der angesetzten Zeit füllte sich die festlich geschmückte Hospitalsynagoge mit geladenen Gästen. Man bemerkte u. a. zahlreiche Vertreter des Kuratoriums; das Baukomitee war durch die Herren James Simon und Hermann N. Israel vertreten; mehrere Nachbargemeinden und Wohlthätigkeitsvereine hatten Abordnungen entsandt; auch die Spitzen der staatlichen und städtischen Behörden sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Geistlichkeit waren der Einladung gefolgt. Punkt 11 Uhr wurde die gottesdienstliche Feier durch ein Präludium des Harmoniums eingeleitet, unter dessen Klängen die Rabbiner mit den Thorarollen sowie Herren des Kuratoriums und Vorstandes in das Gotteshaus einzogen. Nachdem sodann Herr Kantor Sarasohn-Stettin mit seiner mächtigen, klangvollen Baritonstimme das vorgetragen hatte, hielt der Vorsitzende des Kuratoriums, Herr Gustav Löwenberg-Berlin, folgende Ansprache: „Hochgeehrte Festversammlung! „Freudige Veranlassung, Bethätigung schönen Strebens, Erfüllung unserer Liebespflicht gegen leidende Mitmenschen, frohe Genugthuung über das gelungene Werk haben uns hierher geführt und begleiten uns, so lange wir an dieser Stelle weilen und wenn wir sie verlassen haben. Ms eins derjenigen Mitglieder des Kuratoriums, welchem es durch Gottes Gnade beschieden gewesen, durch' eine lange Spanne Zeit, durch ein Vierteljahrhundert, die allmälige Entwickelung dieses Heims zu beobachten und mit ihren schwachen Kräften zu fördern, muß ich mit hoher Freude zunächst dem Allmächtigen dafür danken, daß er uns alle diesen Tag hat erleben lassen, welchen wir ersehnt haben, wo unser Werk fertig steht, gefestet und geschirmt. Sodann aber ist es mir ein Herzensbedürfniß, denjenigen wackeren Männern und Frauen innigst zu danken, welche, edel gesinnt und warmen Herzens, die Mittel spendeten, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Und nicht minder gebührt Ihnen, meine verehrten Herren, der Ausdruck herzlicher Anerkennung, Ihnen, welche in dem engeren Ausschuß mit weiser und wohlwollender Ueberlegung dauernd und fleißig Rath gepflogen, um alles einzurichten, wie es nothwendig und nützlich sei. Wenn ich, meine Verehrten, diese aus tiefem Herzen kommenden Worte an Sie zu richten mir gestatte, so nehmen Sie solche hin, nicht allein als einen Ausbruch persönlicher Dankgefühle, sondern auch als die Schilderung der Empfindungen Derjenigen, zu deren Sprecher ich mich ftlbst ernenne. Derjenigen, welchen zu helfen, welche zu heilen, von Qual und Sorge zu befreien durch Ihre werkthätige Hilfe unter Gottes Beistand nunmehr erhofft werden darf. Fertig ist der Bau, errichtet unser Haus an den Gestaden der Ostsee, an dem uralten, unendlichen Meere. Das unendliche Meer! Ein schönes, ein heiliges Symbol für die Menschheit! Unendlich ist die Liebe» die alles umfassende, welche das Herz zum Herzen führt, welche die Klage des Nächsten hört, welche sein Leid zu heilen strebt, seinen Kummer verscheucht und ihn zurückführt zu neuer Thatkrast, zu neuem Frohsinn, zu neuem Gottvertrauen. Das Meer^ es trennt nicht die Völker, längst hat man dieses Vorurtheil entschwundener Zeitepochen aufgegeben, es verbindet vielmehr durch seine breite, stolz schäumende Fahrstraße die Nationen, es führt sie zu einander, macht sie mit einander vertraut und bringt ihnen Freundschaft, bringt ihnen Frieden. Möge dieses Symbol ewig treu bleiben unserer neuen Schöpfung, welche durch viel Arbeit, viel Edelmuth und viel Gottvertrauen gezeitigt wurde. Möge in ihr wohnen auf ewige Zeit Liebe und Friede, auf daß die jetzigen Erbauer dankbar aufblicken zu Gott, auf daß künftige Geschlechter aller Derer freudig gedenken mögen, welche das Werk errichtet haben, Gott zur Ehre, den Unglücklichen zur Hilfe und unserem altehrwürdigen Judenthum zum Stolze." Nach diesen Worten sang der Chor Psalm 24, 7—10, und die Pforten der heiligen Lade wurden geöffnet. Es folgte der Umzug der Thorarollen unter den üblichen Gesängen und sodann die Gesänge beim Aus- und Einheben der Thora. Nunmehr trat Herr Rabbiner Dr. Bo gelstein-Stettin vor die ewige Lampe, um das Anzünden derselben mit folgender Ansprache einzuleiten: „Ein beständiges Feuer brenne auf dem Altäre und erlösche nicht." So hat der Allweise geboten, dessen erstes Wort, als er die Welt ins Dasein rief, gelautet, es werde Licht! . Durch das Licht seiner Lehre ist die Finsterniß des Wahns und des Aberglaubens aus der Menschenbrust verscheucht, ist unser Inneres empfänglich gemacht worden für Gotteserkenntniß und Menschenliebe. Das Licht, das Sinnbild der Wahrheit und Sittlichkeit, brennt darum in hellem, ungetrübtem Glanze in unseren Gotteshäusern und gemahnt uns, unser irdisches Dasein zu weihen durch wahrhafte Frömmigkeit und durch lauteren, reinen Wandel. Denn eine Leuchte für meinen Fuß ist Dein Wort und ein Licht für meinen Pfad; und in heiliger Inbrunst flehen wir in dieser Weihestunde: Segne uns, o Vater, uns alle int Lichte Deines Angesichts, gieb, daß es licht und hell in unserer Seele sei allezeit, auf daß unser Fuß nicht strauchle^ auf daß wir nicht abirren von dem Pfade der Tugend und der Gottesfurcht, der allein zum Frieden und zur Glückseligkeit führt. So erstrahle denn, geheiligt Licht der ewigen Lampe, und mit deinem Schimmer flamme auf unser frohes Dankgebet zu dem Geber alles Guten, daß Huld und Gnade unbegrenzt, daß Erbarmen nimmer endet. Gelobet seist Du» Ewiger, unser Gott, König der Welt, daß Du uns hast erleben und erreichen lassen diese Zeit." Ein stimmungsvoller Gesang, „Preis und Anbetung sei unserm Gott", folgte diesen Worten, worauf Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt- Kolberg die Kanzel bestieg. Der Festredner lnüpste an an das Prophetenwort Haggai 2, 9: „Größer wird die Herrlichkeit dieses späteren Hauses sein als die des früheren, und an diesem Orte werde ich Frieden geben", und an den bekannten Ausspruch Simons des Gerechten: „Aus drei

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