Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 23 (9.6.1899)
- Date
- 1899-06-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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schienen, der Kreisrabbiner Dr. Beermann-Jnsterburg in gewohnter Meisterschaft die Festrede hielt, die einen tiefen, unvergeßlichen Eindruck auf alle Hörer machte. In geistreicher Ausführung wies der verehrte Redner nach, daß nur dann das neue Gotteshaus eine Himmelspforte werde, wenn es aufgefaßr wird als rechtes Bet- und Lehrhaus, als heiliges Weihe- und Wehrhaus. Auf dem Bauplatz, wo sich trotz der Ungunst des Wetters ein zahlreiches Publikum versammelt hatte, wurde mit der Grundsteinlegung unter Segen und Gebet des Rabbiners die erhebende Feier beendet. Kp. Aus der Provinz Posen, im Juni. Die Hinterbliebenen des jüngst verstorbenen Rentiers Sina Holzmann in Ostrowo haben dem dortigen israelitischen Holzverein und Mildthätigkeitsverein je 100 Mark überwiesen. Die Vorstände der Vereine, deren Ehrenmitglied der Verstorbene gewesen, haben beschlossen, die Summe zinslich anzulegen, den Verstorbenen als immerwährendes Mitglied zu führen und aus den Zinsen des gespendeten Betrages die Mitgliedsbeiträge zu decken. — Kaufmann Hermann Mottek in Wronke ist zum Magistratsmitglied daselbst gewählt worden. — Der jüdische Frauenverein in Jnowrazlaw hielt neulich seine Generalversammlung ab. Nach dem von Frau Kommerzienrath Levy verlesenen Jahresbericht zählt der Verein 170 Mitglieder. In den Vorstand wurden außer Frau Kommerzienrath Levy, Frau Löwensohn, Frau Rabbiner Dr. Tietz, Frau Maier, Frau Mazur, Frau Latte, Frau Rosenfels, Frau Schwersenz und Frau Marcus gewählt. — Die Gemeindevertretung in Ostrowo hat ein Legat des vor Kurzem daselbst verstorbenen Rentiers Salomon Moskiewicz, wonach der Synagogengemeinde 2 Sitzplätze im ungefähren Werthe von 400 Mark zufallen sollten, abgelehnt, weil der Testator bestimmt hat, daß die Erträge aus den Plätzen in den ersten 10 Jahren durch den privaten Testamentsvollstrecker an Arme vertheilt werden und erst nach Ablauf dieses Zeitraumes dies durch den Gemeindevorstand geschehen soll. — Die in Berlin lebenden Erben des in Ostrowo verstorbenen Kaufmannes Hermann Silber haben der Synagogengemeinde in Ostrowo 2 Sitzplätze im Gotteshause im Werthe von 600 Mark mit der Bestimmung überwiesen, daß die Erträge aus denselben alljährlich am Sterbetage des Verstorbenen an die Armen daselbst vertheilt werden sollen. Der Kaufmann R. Jaffö, Mitinhaber der Firma Gebrüder JaM in Wreschen, verläßt ebenfalls, wie jüngst sein Bruder, diese Stadt, um nach Posen überzusiedeln. Herr Jaffv hat aus diesem Anlaß zur Umfriedigung des israelitischen Friedhofes 2000 Mark gespendet und außerdem die Zinsen von 1000 Mark .für die dortigen Kultusbeamten gesichert, mit der Verpflichtung, die üblichen Gebete für das Seelenheil seiner verstorbenen Angehörigen zu verrichten. & & Breslau, 5. Juni. Im Alter von 79 Jahren ist hier der Kaufmann M. W. Hermann am 3. d. verstorben, ein Mann, der sich in weiten Kreisen unserer Stadt hohen Ansehens und großer Beliebtheit erfreute, und der auch im öffentlichen Leben mehrfach hervorgetreten ist. Anfangs der fünfziger Jahre gründete der Verblichene hier ein Geschäft in Requisiten und Apparaten für Zuckerfabriken, das bald einen glänzenden Aufschwung nahm und die Entwickelung der schlesischen Zuckerindustrie nicht unwesentlich fördern half. Bis vor einigen Jahren, wo er krankheitshalber sein Mandat niederlegte, gehörte er der Stadtverordnetenversammlung als Mitglied an, wo er eine erfolgreiche Thätigkeit entfaltete. Außerdem war er langjähriges Vorstandsmitglied der israelitischen Gemeinde zn Breslau und Mitbegründer des israelitischen Waisenhauses und der Krankenverpflegungsanstalt. Auch sonst erwies er sich vielfach als stiller Wohlthäter der Armen. Das Leichenbegängniß fand am Montag Nachmittag 4 Uhr statt. Eingeleitet wurde der Trauerakt durch einen Gesang des gemischten Sängerchors der Synagogengemeinde. Alsdann ergriff Rabbiner Dr. Guttmann das Wort zur Leichenrede, in welcher er besonders des Heimgegangenen Thätigkeit auf dem kommunalen Gebiete und sein Wirken als stiller Wohlthäter der Armen und Bedrückten betonte. Nach einem weiteren Gesangsvortrage setzte sich der Trauerzug nach der Familiengruft in Bewegung; dort wurde der Sarg unter den Klängen eines vom Chor gesungenen Trauerliedes in das Grab gesenkt. S. Myslowitz, 28. Mai. In einfacher, aber würdiger Weise wurde heute auf dem israelitischen Friedhofe eine Gedenkfeier für den vor Jahresfrist verstorbenen Rabbiner Dr. Iaffe, mit welcher die Uebergabe des Denkmals seitens der Synagogegenmeinde an die Hinterbliebenen verbunden war, abgehalten. Nachdem Kantor Spandau ein Lied vorgetragen und ein Gebet für den Dahingeschiedenen gesprochen hatte, ergriff, da allem Anschein nach sämmtliche Rabbiner Oberschlesiens, an welche Einladung ergangen war, verhindert waren, zu erscheinen, der Vorsteher des Nepräsentantenkollegiums, Rechtsanwalt Richter das Wort, indem er im Namen der Synagogengemeinde der Wittwe und den Kindern des verstorbenen Dr. Jaffs den Denkstein zum Zeichen des Dankes und der Anhänglichkeit für den langjährigen Seelsorger der Gemeinde übergab. Herr Dr. Jaffe, ein Sohn des Verstorbenen, dankte im Namen der Familienmitglieder. a. Dresden, 4. Juni. Die Stiftungen der hiesigen israelitischen Neligionsgemeinde haben durch eine Stiftung, die besondere Hervorhebung verdient, einen Zuwachs erhalten. Der Gemeinderath der gedachten Gemeinde hat zum ehrenden Gedächtniß des am 25. Februar 1898 hier verstorbenen Gemeindevorstehers, Herrn Rechtsanwalt Emil Lehmann, eine „Emil Lehmann-Stiftung" ins Leben gerufen, die für alle Zeiten den schuldigen Dank für das segensreiche Wirken dieses verdienstvollen Mannes zum Ausdruck bringen soll. Der Grundstock zu dieser Stiftung wurde beschafft durch eine unter den Mitgliedern der hiesigen israelitischen Gemeinde veranstaltete Sammlung, die bis jetzt, einschließlich 3500 Mark, welche von den Hinterbliebenen Emil Lehmanns beigesteuert wurden, 14 781,16 Mark ergeben hat. Die Stiftung hat den Zweck, Personen, welche durch schriftstellerische oder Lehrthätigkeit irgend welcher Art zur Aufklärung über Judenthum — dessen Religion und Geschichte, oder durch Hebung des geistigen, insbesondere religiösen Lebens im Judenthum — beigetragen haben oder im Begriffe stehen, beizutragen, sofern sie dessen in Hinsicht ans ihre Thätigkeit bedürfen, durch Bewilligung von Ehrengaben in ihrem Unternehmen zu fördern, bezw. für solches auszuzeichnen; die Konfession ist für Zubilligung der Ehrengaben nicht ausschlaggebend. Gesuche um Berücksichtigung sind bei dem Gemeinderath einzureichen. Jährlich, am Sterbetage Emil Lehmanns, findet zur Erstattung des Rechenschaftsberichts und Annahme der Jahresrechnung eine für die Mitglieder der hiesigen israelitischen Gemeinde öffentliche Sitzung statt, verbunden mit einer würdigen, aber einfachen Gedächtnißfeier zum Andenken an den theuren Verewigten. L. Hannover, 4. Juni. Anläßlich des hundertjährigen Bestehens der M. M. David'schen Stiftungsschule wurden derselben namhafte Spenden zugewendet. Eine Sammlung früherer Schüler ergab ca. 5000 Mark. Außerdem spendete ein vormaliger Zögling der Schule, Herr Baron Georg v. Rosenthal, 10 000 Mark, Herr Fabrikdirektor Josef Berliner, ebenfalls ein ehemaliger Schüler, bewies durch eine Ehrengabe von gleicher Höhe seiner früheren Bildungsstätte seine Dankbarkeit. Ein anderer ehemaliger Schüler, der sich schon an der oben erwähnten Sammlung mit einer namhaften Summe betheiligte und der sich bei verschiedenen Sammlungen, die in letzter Zeit innerhalb unserer Gemeinde vorgenommen wurden, in der hochherzigsten Weise zeigte, hat ebenfalls eine Summe von 10 000 Mark in Aussicht gestellt. — Für den verstorbenen Gemeindevorsteher S. Oppenheimer wurde einstimmig Herr S. Neuberg zum Mitglied des Gemeindevorstandes gewählt. Herr Neuberg ist seit einer Reihe von Jahren Wortführer der Repräsentanten und dem Vorstand der Chewra Kadischa. Er hat bisher mit großem Verständniß und Geschick seine ihm übertragenen Ehrenämter versehen und weder Zeit noch Mühe gescheut, Gutes zu stiften. Die Neuwahl zweier Repräsentanten wird in nächster Zeit stattfinden. — Der dritte Bericht über die Israelitische Erziehungsanstalt zu Ahlem behufs praktischer Anleituug zur Bodenkultur (Gärtnerei, Obstbau, Landwirthschaft) und Erziehung armer Knaben umfaßt den Zeitraum vom 15. September 1897 bis zum 31. Dezember 1698. Inzwischen sind in das Kuratorium neu eingetreten: Dr. med. W. Block in Hannover, Rabbiner Dr. Plaut in Frankfurt a. M., Dr. Max Ginsberg in Berlin, Letzterer an Stelle seines Vaters, des Herrn Ad. Ginsberg in Berlin, der der Anstalt eine treue Stütze gewesen. Auch dem Vorstand wurden binnen kurzer Frist zwei liebe Freunde und Mitarbeiter durch den Tod entrissen, Dr. S. Kayserling und Herm. Lichtenberg. Neu gewählt wurden: Oberamtmann Ludwig Cohn in Berlin, Jacob de Beer in Hannover, Louis Lamm. Um weitere Kreise, namentlich in Süddeutschland, für die Unterstützung der Anstalt zu gewinnen, unternahm es Rabbiner Dr. Finkel in Breslau, durch eine Reihe von Vorträgen belehrend und aufklärend zu wirken. Um die in Süddeutschland gewonnenen Sympathien sestzu-