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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-02 · Heft 22 (2.6.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 22 (2.6.1899)
Date
1899-06-02
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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WDMMWWMM 3 -- objektiv nicht beleidigend sei. Wegen groben Unfugs könne eine Verurtheilung nicht stattfinden, weil der Nachweis fehle, daß das Flugblatt auch auf der Straße vertheilt sei. Die Kosten der Nebenklage wurden den Nebenklägern auserlegt. Zweifellos wird nun wieder Revision beim Reichsgericht eingereicht werden. g. Barmen, 26. Mai. Ein großer Verlust steht der hiesigen Gemeinde bevor. Unser Rabbiner Dr. Koch, der seit ungefähr 5 Jahren zum Segen der Gemeinde thätig war, hat einem ehrenvollen Rufe der israelitischen Gemeinde in Gothenburg (Schweden) Folge geleistet und wird demnächst dort das Amt des Rabbiners antreten. Nicht nur in jüdischen Kreisen ruft das Scheiden unseres Rabbiners lebhaftes Bedauern hervor; verstand es ja Herr Dr. Koch, wie wohl selten Jemand, die guten Beziehungen auch zu Andersgläubigen zu pflegen. Seine Verdienste aber um unsere junge Gemeinde sichern ihm ein ehrenvolles Andenken; ist doch unser neuerbautes Gotteshaus hauptsächlich durch sein Wirken erstanden. Dr. Koch übernahm die hiesige Stelle, nachdem die jüdische Gemeinde kurze Zeit vorher gebildet war, und ist es wahrlich keine geringe Arbeit gewesen, die er zu überwinden hatte, um sein Ziel in unserer Gemeinde zu erreichen. r. Wesel, 29. Mai. Als Beispiel, wie sehr unsere Voreltern ihre Rechte zu wahren suchten und, wenn auch sehr langsam, doch Erfolge erzielten, wollen wir erwähnen, daß am 17. August 1838, trotz der umständlichen Reisen jener Zeit, nachstehend genannte Herren im Hause des Herrn Zacharias Zaudy hierselbst zusammentraten. Es waren die Herren Jacob Mayer (gest. in Mülheim a. Ruhr), Israel Mayer aus Wesel (gest. in Lüdenscheid), Lazarus Latz aus Cleve, Herzog und Levison aus Minden, A. Gerber, S. Cohen und D. Binger aus Süchtelen, Hellwitz aus Soest, Romberg aus Iserlohn, Hellwitz aus Köln und Gottschalk aus Düsseldorf. Dieselben richteten als Mitglieder verschiedener Logen eine Eingabe an die preußische Großloge um Zulassung zu den maurischen Sitzungen und erreichten, nachdem noch einige Jahre später eine größere Versammlung in Berlin stattgefunden, ihren Zweck, wenn auch erst 1866 die völlige Zulassung als permanente Besuchende gestattet wurde. Heute steht bekanntlich die preußische Großloge, noch ganz allein auf dem Erdboden, der direkten Aufnahme unserer Glaubensgenossen entgegen. Hoffentlich eine Frage kurzer Zeit! s. Frankfurt a. M., 20. Mai. Der einundfünfzigste Bericht des hiesigen Israelitischen Frauenvereins berichtet zunächst über das Mädchenwaisenhaus, das Anfang 1698 25 Zöglinge hatte; dazu kamen im Lause des Jahres durch Neuaufnahmen 6, so daß während des Jahres im Ganzen 31 Waisenmädchen in der Anstalt waren. Ausgetreten find im Laufe des Jahres 4 Zöglinge. Von diesen hat eine eine lohnende Stelle als Komptoristin, die andere einen Dienst als Kindermädchen angenommen, für die dritte und vierte, Schwestern, die je 8 Jahre der Anstalt angehört, haben ihre inzwischen durch eigene Arbeit in bessere Verhältnisse gekommenen Brüder die weitere Fürsorge übernommen. Bon den 27 Mädchen, welche sich am Schluß des Jahres 1898 in unserer Anstalt befanden, waren 17 schulpflichtig. Die gesammte Leitung der Waisenanstalt liegt in der bewährten Hand der Hausmutter, Fräulein Bertha Pappenheim. Die aus der Schule bereits entlassenen Zöglinge werden zu allen Arbeiten im Hause und in der Küche herangezogen und von der Hausmutter, die darin von Fräulein Recha Stern unterstützt wird, für ihren künftigen Beruf vorbereitet; sie nehmen an dem für alle Zöglinge von Frau Fanny Cahn eingerichteten Handarbeitsunterricht und an dem von Frau Hanz ertheilten Unterricht im Maschinennähen Theil. Zur Pflege des Gesanges ist auch eine Gesangstunde unter Leitung des Lehrers Schneider eingerichtet. Endlich ist seit Oktober v. I. für die erwachsenden Zöglinge allsabbathlich eine Bibelstunde eingerichtet mit planmäßigen Belehrungen aus dem Gebiete der jüdischen Religion und Geschichte. Dieser Unterricht ist dem Oberlehrer am Philanthropin, Dr. Schwarz, übertragen. Nach der Reihenfolge des Amtsalters hatten am 31. Dezember v. I. aus dem Borstande auszuscheiden: Frau Henriette Kahn, Frau Justizrath Pauline Geiger und Frau Direktor Philippine Hochschild; sie wurden sämmtlich wiedergewählt. Die Pauline und Leopold Höchberg'sche Stiftung mit einem Vermögen von 26 800 Mark erweist sich durch die Zuschüsse, die sie für die Sparkassenbücher gewährt, dauernd als eine große Wohlthat; ihr schließen sich die Benedikt und Henriette Landau'sche, die Freifräulein Hannah Louise von Rothschild'sche Stiftung und daS Legat der fel. Frau Fanny Spanier geb. Goldschmidt an, dessen Zinsen laut testamentarischer Bestimmung am Sterbetage der Mutter der Legatarin, Frau Käthchen Goldschmidt, vier Zöglingen, die sich durch Betragen und Fleiß auszeichneten, als Prämien zuerkannt und den Sparkassenbüchern hinzu-; gefügt wurden. Bei dieser Gedenkfeier wurde auch der anderen Heimgegangenen Wohlthäter unserer Anstalt, insbesondere ihres Begründers, des fel. Dr. I. M. Jost, und der sel. Frau Baronin Carl von Rothschild gedacht. Die Einnahmen des Vereins betrugen Mark 27 468,40, die Ausgaben Mark 24 360,49. Mitglieder der Verwaltung des Vereins sind die Frauen Dr. Fanny Reiß, Vorsteherin, Elise Bonn, Martha Gans, Justizräthin Pauline Geiger, Amalie Hirschhorn, Philippine Hochschild, Lyda Höchberg, Henriette Kahn, Pauline Löwengard, Dr. Louise Rosenstein, Charlotte Speyer, Johanna Stern, Dr. Toni Stern, Franziska Weismann, Charlotte Wetzlar; die Herren Direktor Dr. Baerwald, Vorsteher, Heinrich Cahn-Blumenthal, Kassirer, Adolph Doetor, Gegenschreiber. (D Soden, 26. Mai. Die hiesige Kuranstalt für arme Israeliten theilt in ihrem Jahresbericht für 1898 mit, daß der Gedanke, der vor 15 Jahren die Gründer des Vereins veranlaßt hat, in Bad Soden eine Heilanstalt für Lungenkranke zu errichten, einen mächtigen Aufschwung genommen hat. Allenthalben rüstet man sich, um Volksheilstätten und Sanatorien erstehen zu lassen, die dazu bestimmt sind, dem Erbfeinde der Menschheit, der Lungentuberkulose, entgegenzuwirken. Die einzige wohl derartig existirende jüdische Anstalt dürste die hiesige sein, die seit ihrem Bestehen Tausenden Heilung und Rettung vor dem sicheren Untergang verschafft hat. Aber dieses Wirken hat bei unseren immer hilfsbereiten Glaubensgenossen noch nicht die Anerkennung gefunden, die ihm gebührt. Noch sind die Anstaltsräume äußerst primitiv, noch entsprechen die Einrichtungen durchaus nicht den heutigen Forderungen der modernen Hygiene. Immer und immer waren es dieselben hochherzigen Wohlthäter, die es ermöglichten, das zu leisten, was bis jetzt geleistet wurde, aber in allererster Reihe ist ein moderner Neubau nothwendig, für den bis heute noch keine Gönner sich gefunden haben. So sah sich die Verwaltung genöthigt, auch in diesem Jahre die Zahl der Aufzunehmenden (1898: 240 Patienten) zu beschränken. Möchte dieser Mahn-! ruf nicht ungehört verhallen. Die Stelle eines Assistenzarztes, die seit zwei I Jahren Dr. Stiebe! bekleidete, wurde mit Beginn des Sommersemesters j Dr. Rothschild hier übertragen. Die oberärztliche Leitung liegt nach | wie vor in den bewährten Kündendes Herrn Dr. Hughes, Herr Eugen | Rosenstiel in Berlin hat sich leider aus Gesundheitsrücksichten veranlaßt j j gesehen, sein Amt niederzulegen. In bereitwilliger Weise haben die j f Kuratoren des Krankenhauses der jüdischen Gemeinde in Berlin, die I j Herren Hugo Heilmann, Stadtverordneter Witkowsky und Rentner tf Alexander, es übernommen, die Gesuche von dort entgegenzunehmen, |f dieselben zu prüfen und die betreffenden Patienten durch die Kranken- Hausärzte untersuchen zu lassen. Die Verwaltung der Kuranstalt besteht aus folgenden Frankfurter Herren: Dr. med. E. Rosenbaum, Vorsitzender, Michael Moses Mainz, stellvertretender Vorsitzender, Lismann Fürth, Kassirer, Daniel August Worms, Oekonom, Bernhard Frenkel, Schriftführer, Manfred S. Goldschmidt, Heinrich Wisloch, M. A. Wolff. Die Einnahmen der Anstalt betrugen 53452,59 Mk., die Ausgaben 42325,58 Mk. o. München, 26. Mai. Auf dem israelitischen Friedhofe wurde heute der in weiten Kreisen bekannte, im Alter von 70 Jahren verstorbene Kunstmaler Louis Neustädler zu Grabe getragen. Ursprünglich zum Handwerk bestimmt, widmete er sich jedoch der Kunst und besuchte die Akademie in München. Er erzielte zahlreiche Erfolge und wurde wiederholt als Arrangeur der deutschen Abtheilung bei ausländischen Kunstausstellungen in Anspruch genommen. Die Verdienste die er sich hierbei erwarb, wurden mehrfach durch Verleihung in- und ausländischer Orden ausgezeichnet. Die letzten 20 Jahre verbrachte er in Tutzing, wo er wegen seiner Bemühungen um die Hebung und Verschönerung des Ortes zum Ehrenbürger ernannt wurde. Dem Sarge gab ein zahlreiches Trauergefolge, darunter Deputationen der , | Feuerwehr und des Verschönerungsvereins Tutzing u. s. w., das letzte Geleite. Im Namen der Gemeinde Tutzing widmete Herr Oberingenieur Behringer, im Namen der Künstlergenossenschaft Herr Kunstmaler Groß i dem Dahingeschiedenen ehrende Nachrufe. Beide legten Kränze am Grabe | nieder, ebenso die Feuerwehr und der Berschönerungsverein Tutzing u. s. w.

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