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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-02 · Heft 22 (2.6.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 22 (2.6.1899)
Date
1899-06-02
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Nr. 22. iöerlm, 2. Lunr 1899. Weikage zur- „Allgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. <£2 Berlin, 30. Mai. Am 25. d. M. hat hier die erste ordentliche Mitgliederversammlung der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands unter Vorsitz des Herrn Rabbiner Dr. Vogelstein-Stettin stattgefunden. Ein eingehender Bericht über die Verhandlungen und Debatten wird in einer der nächsten Nummern erscheinen. Für heute begnügen wir uns mit dieser Notiz. Es war dies seit langer Zeit die erste liberale Versammlung deutscher Rabbiner, und sind alle Theilnehmer — 18 an der Zahl — von dem Verlaufe der Verhandlungen voll befriedigt gewesen. Die Vereinigung zählt schon 48 Mitglieder, aber viele waren durch Amtspflichten oder Krankheit am Erscheinen verhindert. Theil genommen haben folgende Herren Rabbiner: Biram-Hirschberg, Bloch-Posen, Blumenthal-Danzig, Tobias Cohn-Berlin, Elsaß-Landsberg a. W., Guttmann-Breslau, Hochfeld-Frankfurt a. O., Lewit-Stolp, Maybaurn-Berlin, Plaut-Frankfurt a. M., Posner-Karlsruhe, Rosenzweig-Berlin (als Hospitant), Rülf-Braunschweig, Rahmer-Magdebnrg, Schreiner-Berlin, Vogelstein- Stettin, Walder-Bromberg, Winter-Dresden. Wir freuen uns aufrichtig, daß nunmehr auch die liberale Bereinigung deutscher Rabbiner in Aktion zu treten begonnen hat. H. S. Berlin, 23. Mai. Heute fand im Hörsaale der Knabenschule der jüdischen Gemeinde die Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung jüdischer Lehrer in Preußen statt. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden Direktor Dr. Jutrosinski nahm die Versammlung den Bericht über das verflossene Triennium von dem Schriftführer Dr. Holzman entgegen. Danach besitzt der Verein jetzt ein Vermögen von 65 780 Mk. und konnte theils aus den Zinsen, theils aus den Beiträgen der Mitglieder in den verflossenen Jahren insgesammt etwa 13600 Mk. an Unterstützungen verausgaben. Dieselben kamen im Wesentlichen den Wittwen ehemaliger Lehrer und zum geringen Theil emeritirten Lehrern und Lehrerinnen zu gute. Es wurden Personen in fast allen preußischen Provinzen betheiligt, auch in solchen, von denen dem Verein Mitgliederbeiträge nicht zufließen. So arbeitet der Verein seit fast 60 Jahren an der humanen Aufgabe, den schwer belasteten Lehrern ihr Dasein zu erleichtern, ihnen manchen Kummer und insbesondere die drückende Sorge um die zurückbleibende Familie möglichst abzunehmen. Nun muß freilich gesagt werden, daß auch hier oft der Wille stärker ist als die Kraft, zu helfen. Darum möchten wir auch den Lesern dieses Berichtes den warmen Appell nicht vorenthalten, mit dem der Schriftführer sein Referat schloß. Es sei, so führte er aus, die heutige Generalversammlung die letzte im 19. Jahrhundert, das für die Entwickelung des Volksschulwesens von hoher Bedeutung gewesen ist. Der Stand der Volksfchullehrer hat sich erst seit dem Anfang des Jahrhunderts entwickelt, und schon fünfzig Jahre später wurde von einsichtsvollen Männern der Verein zur Unterstützung jüdischer Lehrer ins Leben gerufen. Möchte sich doch die Einsicht, die diese Männer leitete, erhalten und verbreiten zum Besten des jüdischen Volksschullehrers! Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Holzman, Julius Jaeoby, Dr. Jutrosinski und Dr. Kirschstein wurden wiedergewählt. S2 Berlin, 28. Mai. Die Baruch Auerbach'schen Waisen - Erziehungs-Anstalten, die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehen, haben nach ihrem eben erschienenen 66. Jahresbericht wieder wie bisher das Wohlwollen ihrer zahlreichen Gönner erfahren, sind aber, da dieses meist nicht sowohl ihren unmittelbaren Zwecken, als ihren dem Wohle früherer Zöglinge dienenden Stiftungen zu gute kommt, ungeachtet des in dem Neubau für mehr als 100 Zöglinge vorhandenen Raumes nur erst um drei Zöglingsstellen erweitert worden. Am Schluß des Berichtsjahres zählte das Knaben-Waisenhaus 52, das Mädchen-Waisenhaus 28 Zöglinge, die den Unterricht größtentheils in höheren Schulen genossen. Besonders begabte Knaben bleiben bis zur Abgangsprüfung, die Mädchen in der Regel bis zur erlangten Erwerbsfähigkeit im Hause. Aus dem Kreise der ehemaligen 328 männlichen, 116 weiblichen Zöglinge, für welche besonders bei ihrer Selbständigmachung oder Verheirathung in ausgiebigstem Maße gesorgt wird, und von denen 31 einen wissenschaftlichen oder künstlerischen, 168 einen kaufmännischen, 95 einen technischen oder Handwerkerberuf erwählt haben, und etwa die Hälfte der weiblichen Zöglinge sich verheirathet haben, während die übrigen als Lehrerinnen, Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Buchhalterinnen oder in der Hauswirthschaft, im Schneidern, Wäschezuschneiden re. beschäftigt sind, wird manch schöner Erfolg verzeichnet. Für die Bestreitung ihrer Bedürfnisse, die einschließlich Gottesdienst, Büreau, Renten, Stipendien u. a. Zuschüsse 74182 M. betragen haben, davon zur Verpflegung 18536 M., d. h. für den Kopf und Tag fast 53 Pf., sind die Anstalten auf die Zinsen ihres Vermögens im Betrage von rund 46 700 M., auf 9077 M. Jahresbeiträge und auf sonstige Zuwendungen und Geschenke angewiesen. Den Vorstand bilden neben dem Direktor Dr. Strelitz die Herren Berthold Marckwald, Kommerzienrath E. Lohnstein, General-Konsul Eugen Landau, Professor Dr. Felix Liebermann, Hermann N. Israel und Kommerzienrath Isidor Loewe. Ehrenmütter sind Frau Recha Marckwald und Frau Dr. Cäeilie Liebermann. §2 Berlin, 30. Mai. Am 29. Mai fand wiederum eine Komitee- Sitzung des Kind er-Sparvereins statt. Als Resultat der letzten Entleerung der Sparkästchen wurde die Summe von 8700 Mk. angegeben. Bewilligt für den jüdischen Kinderhort aufAntrag von Frau Justizralh Rosen- | heim, für die jüdischen Ferien-Kolonien aufAntrag des Herrn Ad. Meyer, | für die Taubstummen-Anstalt in Weißensee aufBefürwortung des Herrn Gef heimrath Dr. Boas je 500 Mk.; ferner für einige jüdische Familien f auf Antrag von Komitee-Mitgliedern Beträge von 100 und 150 Mk. | Von dem Bestände, der ungefähr 8000 Mk. beträgt, wurden 4000 Mk. |, zur Vertheilung für das zweite Semester bestimmt. Aus Anlaß der j | Geburt eines Enkels spendete Frau Cäcilie Friedländer 600 Mark; j zum eisernen Fonds. Endlich wurde beschlossen, noch in diesem Jahre wiederum einen Bericht herauszugeben. §2 Berlin, 30. Mai. Die Tagesblatter bringen jetzt vielfach Auszüge aus der eben erschienenen Kriminalstatistik für das deutsche |f: Reich pro 1897. Da finden wir denn u. a. folgende Daten: Wegen W Mordes sind 101 Personen 1897, 108 im Jahre 1896 und 113 im Jahre 1895 rechtskräftig verurtheilt worden. Juden find in allen drei Jahren wegen Mordes nicht verurtheilt worden. Wegen Todtschlags sind 174 resp. 162 und 170 in denVorjahren bestraft worden. Juden wurden auch wegen Todtschlags nicht verurtheilt. Wegen Kindesmordes wurden 185 resp. 173 und 167 Personen bestraft. Jüdinnen wurden dabei im Jahre 1897 zwei verurtheilt, während in den beiden voraufgegangenen Jahren keine Jüdin zur Verurtheilung gelangte. L2 Berlin, 26. Mai. Ein Handwerksmeister E. aus Perleberg suchte vor nicht langer Zeit die Erlaubniß der dortigen Polizeiverwaltung nach, um ein Flugblatt vertheilen zu können, das gegen die jüdischen Geschäftsleute gerichtet war. Die Polizeiverwaltung verweigerte aber die Genehmigung, weil das Flugblatt aufreizend sei. E. erhob darauf gegen die Polizeiverwaltung Klage beim Kreisausschuß und hob hervor, selbst wenn § 10 des preußischen Preßgesetzes noch giltig wäre, so könne die Polizeiverwaltung die Versagung nur auf die persönlichen Eigenschaften derjenigen Person stützen, die ein fl Flugblatt vertheilen will oder die Erlaubniß zur Vertheilung nachsucht. ( £ Die Polizei könne ihre Berechtigung zur Versagung der nachgesuchten * Vertheilung des Flugblatts auch nicht aus 8 10, II. 17. des Allgemeinen : Landrechts herleiten, da durch das Flugblatt die öffentliche Ordnung nicht gestört werden konnte; das Flugblatt hätte nur Juden und deren Freunde ' unangenehm berühren können. Der Kreisausschuß erkannte aber auf I

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