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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-06-02 · Heft 22 (2.6.1899) · p. Seite 262

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 22 (2.6.1899)
Date
1899-06-02
Page
Seite 262 (sequence 10)
Language
German
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^»^ME»^t^,M>DPjMWWWDWMWWNMWWMWWWWWWWWMWW 262 dahin zurückkehrten10). Eine Beziehung auf den Römer Elia von Nola ist schon dadurch bei unserem Gedichte ausgeschlossen, daß dieser die Taufe genommen und den Namen Elia den Menachem Ha-Rofe di Nola in Joan Paolo Eustachio umgeändert hat. War es wirklich derselbe, der noch 1572 mit den bedeutendsten Rabbinern Italiens sein zustimmendes Gutachten von Rom aus abgab, als Josef de Foligno, der Enkel des berühmten Rabbiners Mose Nisfim de Foligno, die Gattin seines kinderlos verstorbenen Bruders ehelichen wollte? u) Sicher aber ist er derselbe, der mit Andreas Mastus in Briefwechsel stand und bereits 1555 mit kabbalistischen Schriftenia) Handel trieb, als deren Abschreiber für die Vaticana wir ihn in späteren Jahren nach seiner Taufe kennen lernen ia). Wenn wir die mechanische Kopistenthätigkeit dieses Täuflings betrachten, von der wir bis zum Jahre 1599 Zeugnisse finden, so werden wir an der Identität mit dem Urheber des Gutachtens von 1572 aus Rom gerechte Zweifel hegen. Jedenfalls trägt das Klagelied dazu bei, die Persönlichkeit des von Juden und Christen beweinten Arztes, Uebersctzers, Exegeten und Talmudkenners von Bologna, Elia b. Josef de Nola oder Nolano, schärfer herauszuheben und gegen die Vermischung mit dem sein Judenthum verleugnenden Elia b. Menachem de Nola, dem Schreiber der Vaticaim, sicher zu stellen. UILLETON Die Abtrünnige. Eine Erzählung von Paula Faber. IX. Kurz vor der Hochzeit kam es noch einmal zu einer Aussprache zwischen Mutter und Sohn. „Du hättest nicht so hartnäckig darauf zu bestehen gebraucht, daß die Hochzeit hier im Hause gefeiert wird," sagte Alphons so schroff, wie er noch nie zu seiner Mutter gesprochen hatte. „Regina, das heißt unsere Regina, hat keinen Moment beabsichtigt, derselben beizuwohnen. Und im Uebrigen verbietet es sich von selbst. Seit vierzehn Tagen ist sie mit ihrem leidenden Mann seiner Gesundheit wegen in Montreux." Hatte er gewähnt, durch seine letzten Worte eine weitere Erkundigung hervorzurufen, so hatte er sich getäuscht. Sie bewahrte eine so gänzlich unbewegte Haltung, daß er fast im Zweifel war, ob sie ihm überhaupt zugehört, ihn überhaupt verstanden hatte. Ihre wortlose Jnsichgekehrtheit während des übrigen Tages bewies ihm indessen, daß dies doch der Fall gewesen war. Wieder hatte dann im großen Staatszimmer des ersten Stockwerkes der Trauhimmel gestanden, wieder war alles gewesen wie schon einmal, nur war dieses Mal die das Ganze beherrschende Stimmung eine leichtere, glücklichere. — Die Mutter hatte dem jungen Paar das alte Familienhaus einräumen und für sich und Alphons eine andere Wohnung nehmen wollen. Eifriger Protest von Sohn und Schwiegertochter, die sich, wie sie sagten, nicht entschließen konnten, die geliebte Mutter zu verdrängen, ließ sie aber endlich von ihrer 10) Josef ha-Cohen, Emek habacha, deutsch von M. Wiener p. 113f., L. Zunz -jan D*T5 X, 134. n) pnjp ins III 26c. Vgl. Kaufmann REJ XXVII, 207 n. 2. 12) Perles a a. O. 216—220. 1548 schrieb er den Sohar in cod. München 68 ab. A. Berliner, Geschichte der Juden in Rom II, 193k. Vgl. jetzt M. Steinschneider, Monatsschrift 42, 554 ff. Idee abstehen. Ob bei der jungen Ina nicht neben dem pietätvoll vorgeschobenen Grunde auch noch die Erwägung, ein neues, modernes Haus in eleganterer Gegend sei dem alten, weitläufigen Gebäude in der engen, alterthümlichen Straße der sogenannten „Neustadt" vorzuziehen, mitsprach, mochte dahingestellt bleiben. Die Mutter zog es vor, derartigen Hypothesen nicht weiter nachzuhängen. Eng verwachsen, wie sie sich innerlich mit den Räumen, in denen sie schon als Kind gespielt, als junge Frau gewaltet hatte, fühlte, war sie mit der ihren eigenen Wünschen entsprechenden, der jungen Frau aber ein einer verwöhnten Prinzessin würdiges Heim bescheerenden Entscheidung wohl zufrieden. So blieb sie nun in den weiten Räumen mit Alphons allein, wie sie es vordem mit Raphael gewesen war. „Wenn jetzt unser Doktor auch heirathet, sind Madame ganz einsam in dem großen Kasten," bemerkte Judith bald nach der Hochzeit einmal mit der Vertraulichkeit der bevorzugten Dienerin. „Ja, Judith, das ist nun eben der Gang der Welt," erwiederte' ihre Herrin darauf in einem seltenen Anfall von Zugänglichkeit. „Darein müssen wir uns wohl finden. Uebrigens sind wir noch nicht so weit." „Na, lange wird's nicht mehr dauern." Eine Zeit lang schien es, als habe die alte Getreue wirklich in die Zukunft geschaut. Eines Tages kam, wie einst Raphael, diesmal Alphons. zu ungewohnter Zeit, aber, ungleich Jenem, in Begleitung einer schönen, stattlichen Dame nach Hause. Mit einer ihm sonst fremden Befangenheit führte er sie seiner augenscheinlich schon vorbereiteten Mutter mit den Worten zu: „Mutter, Fräulein Adele Hertz wünscht Deine Bekanntschaft zu machen." Simonette da Silva reichte dem jungen Mädchen mit der gewinnenden Liebenswürdigkeit, die sie, wenn sie wollte, entfalten konnte, die Rechte, die Jene ehrerbietig, aber ohne den von Raphaels Auserwählteu noch immer zur Schau getragenen angstvollen Respekt, ergriff. „Ich freue mich, Sie kennen zu lernen, mein liebes Fräulein," sagte sie dabei herzlich, „mein Sohn hat mir sehr viel von Ihnen erzählt." „Aber gewiß nicht mehr, als er mir von seiner Mutter berichtet hat, Madame da Silva," lächelte Fräulein Adele mit hinreißender Freundlichkeit. Dann fügte sie noch etwas wärmer hinzu: „O, ich hatte diesen Moment so sehnlich herbeigewünscht!" Von nun an war Adele Hertz ein häufiger Gast im Silva'schen Hause. Und die Dienstboten, die die sowohl von ihrer Gebieterin als auch von ihrem jungen Herrn offen bekundete Vorliebe für die schöne Fremde mit der jenen Leuten eigenen scharfen Beobachtungsgabe für die Angelegenheiten ihrer Herrschaft wohl gewahrten, sahen sich bereits am Vorabend der zweiten Hochzeit. Die Mutter wäre sehr damit einverstanden gewesen. Sie hatte das schöne Mädchen aufrichtig lieb gewonnen, meinte, in ihr eine geistig ebenbürtige Gefährtin für ihren Alphons zu erblicken, und hörte gleichzeitig von aller Welt das Lob der holdseligen Adele, die nicht aus der Stadt gebürtig, aber mit mehreren angesehenen Familien verwandt und jetzt nnt ihren jüngeren Geschwistern nach dem Tode ihrer Eltern hierher zu einem verwittweten Bruder ihrer Mutter übergesiedelt war. Auch für sich selbst erhoffte die einsame Frau vielleicht in dem hochbegabten Mädchen eine etwas anregendere Gesellschaft zu finden, als sie ihr bisher in der niedlichen, aber im Grunde ein wenig unbedeutenden Ina, in der Raphaels vergötternde Anbetung allgemach alle Eigenschaften eines verzogenen Kindes herausbildete oder wenigstens verstärkte, geworden. Daß das junge Mädchen beinahe mittellos war. kam nicht in Betracht. Ein da Silva hatte sich bei seiner Wahl noch nie durch

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