Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 22 (2.6.1899)
- Date
- 1899-06-02
- Page
- Seite 261 (sequence 9)
- Language
- German
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281 t zu seinem Referat über das Berbandsthema: „Welche Anfor- \ derungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden?" In einstündiger Rede gab der j Referent, nachdem er im Allgemeinen sein Einverständniß mit den Ausführungen des Kollegen Feiner-Hamburg in der „Allgemeinen Zeitung ' des Judenthums" erklärt hatte, eine ausführliche Geschichte der Lehrerbildungsfrage im Allgemeinen und setzte dann die Anforderungen aus einander, die an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten im Besonderen gestellt werden müßten, damit sie allen Ansprüchen, die die moderne Zeit stelle, genügen könnten. Seine Anschauungen legte er in sieben Leitsätzen nieder. Da diese sich zum. Theil mit den Forderungen decken, die von der Lehrerschaft im Allgemeinen gestellt werden, so wurde als erster Leitsatz folgender Vorschlag des Dr. Fiegel einstimmig angenommen: Der Verein jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg erklärt sich in Bezug auf die allgemeine Vor- und Ausbildung der Lehrer im Einverständniß mit den auf der Breslauer Lehrerversammlung vom Jahre 1898 ausgestellten Grundsätzen. Die zweite These wird nach längerer Debatte in folgender Fassung angenommen: Mit Rücksicht auf die besonderen Anforderungen, die an die jüdischen Lehrer gestellt werden, ist zu verlangen: 1. Beim Eintritt ins Seminar eine genügende Vertrautheit: a) mit der biblischen Geschichte und den wichtigsten Epochen der nachbiblischeu Geschichte, b) mit dem Pentateuch im Urtext und mit dem Gebetbuch. 2. Bei Abschluß der Seminarjahre: a) der Nachweis der fachwissenschaftlichen Bildung in der jüdischen Religion und Geschichte, b) im Hebräischen die Kenntniß der Bibel und das Verständniß einfacher rabbinischer Texte, e) Bekanntschaft mit der Liturgie und dem Borbeterdienst. — Nach Annahme dieser Thesen wurde, da die Zeit schon weit vorgeschritten war, der Abschluß der Berathung auf die nächste Sitzung verschoben. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde eine aus den Herren Kolodzinskr, Falkenberg, Flanter, Friedmann und Hanfs zusammengesetzte Kommission gewählt, welche in eine Borberathung der übrigen Thesen eintreten und das Ergebniß der Vorberathung der nächsten Versammlung vorlegen soll. — Da Anträge von Mitgliedern nicht eingegangen waren (ein ausführlich begründeter Antrag des Kollegen Nathan-Rackwitz auf Gründung eines Prämienfonds war bereits dem Kuratorium für die Penstonskasse überwiesen), wurde in Erledigung des letzten Punktes der Tagesordnung als Ort der nächsten Versammlung Berlin und als Termin der 22. November bestimmt. Damit war die Tagesordnung erledigt, und die Sitzung wurde um 5 Uhr vom Vorsitzenden geschlossen. Dr. Fiegel (in Bertr.). Glia b. Josef de Uoia in Bologna. Von Professor Dr. David Kaufmann. »in Klagelied auf den Heimgang des Arztes Elia von Nola dürfte schon vermöge des norditalienischen Ursprungs der kleinen handschriftlichen Gedichtsammlung, aus der ich es zum ersten Male veröffentlicht Habel), auf denjenigen Träger dieses Namens,zu beziehen sein, deffen Blüthezeit die Mitte des 16. Jahrhunderts und deffen Heimath Bologna gewesen ist. Neben Abraham ben Jsak, dem Enkel Jechiels aus Pisa 2), von deffen Aufenthalt in Bologna ich heute noch nach einem zeitgenössischen Beschneidungsregister das Zeugniß der Geburt eines Sohnes vom 2. Juli 1534 hinzufügen kann»), weiß Gedalja Jbn Jachja an Gelehrten nur noch Jsak Monfelice und Elia von Nola als bekannte Namen dieser Stadt anzuführen, denen er keine weitere Bemerkung hinzufügen zu müssen glaubt^). Es ist der berühmte Arzt Elia de Nola oder 1) Bgl. dm Text dieser Elegie Revue des etudes juives XXXV, 298 ff. 2) S. Kaufmann in RN. XXXII, 130 ff. 8) Die Eintragung am Schluß meiner B'W D'pT DT31p betitelten Handschrift lautet: ua n"3t“! '3',“! DV X"31^133 "12 i"5t sa’Sö omsK/nn 4) r6apn nbtrw ed. Venedig f. 65b: .cir rniiö '3-1 M. Nolano, deffen nach David de Pomis' Aufzählung der größten jüdischen Aerzte seinerzeit Bologna sich rühmen durfte. Wenn wir in ihm denselben zu erkennen haben, der des Bischofs von Lincoln, Robert GroßlSte, Summe der acht Bücher der Physik des Aristoteles aus dem Lateinischen ins Griechische übersetzte8 9), so erfahren wir dadurch zugleich, daß Elias Vater Josef geheißen, und daß Elia am Ende des Jahres 1537 bereits als Schriftsteller und hebräischer Uebersetzer aufgetreten ist. Da wir andererseits in dem Helia Nolanus8), dem Mitarbeiter des Uebersetzers von Themistius' Paraphrase der vier Bücher des Aristoteles vom Himmel und der Welt, des wohl in der Nacht auf den 17. April 1605 zu Venedig verstorbenen Mose Alatino7), sicher ebenfalls den Unseren erblicken dürfen, die Uebersetzung des Mose aber 1574 in Venedig erschienen ist, so werden wir dadurch die Spur Elia ben Josefs aus Nola fast um vier Jahrzehnte länger verfolgen können. Wohl schweigt das Klagelied von seiner Uebersetzerthätigkeit, da es Elia aber als vielseitigen Gelehrten und mancher Wiffenschaft kundigen Arzt darstellt, so wird an der Identität mit dem Uebersetzer aus dem Lateinischen nicht zu zweifeln sein. Dafür erfahren wir den neuen Zug in dem Lebensbilde Elias, daß er als exegetischer Schriftsteller hervorgetreten sei und, wenn ich die dritte Strophe richtig deute, einen Kommentar zu den Psalmen geschrieben habe, neben anderen Werken, die seinen Ruhm gemehrt hätten. Zu diesen anderen Werken wird es dann erlaubt sein, den Kommentar zum Hiob zu zählen, der uns in eoä. 348 Oxford erhalten ist8). Der Autor trägt hier denselben Ehrennamen des berühmten Arztes, Elia Nolano D'KSmn “P3R, der seine ständige Bezeichnung geworden war. Höchstwahrscheinlich geht auf denselben Verfaffer die Handschrift Ghirondi 104 zurück, deren philosophisch-agadische Abhandlungen und Kommentarien zur heiligen Schrift sehr wohl dem philosophisch gebildeten Arzte in Bologna angehören können, den wir in Elia ben Josef erkannt haben. Samuel Archevolti, der vom 22. Ab bis zum 16. Elul 1563 in Bologna in Eile den Codex abschrieb, wird mit 3'83inn “P3K kSiOB Enm unseren Elia bezeichnet haben, den er kurz auch *6l33 d. i. nrr rrs'.n rrSx 'Tin nennt8). Von Juden und, wie unser Gedicht ausdrücklich angiebt, von Christen gleich verehrt, seine Zeit der ärztlichen Praxis und dem Studium des jüdischen Schriftthums widmend, brachte Elia seine Jahre in Bologna hin. Ob er auch dort verstorben ist? Wenn eine Vermuthung gestattet und in dem Verse: nSj3 3121 233 l'T '33 das Wörtchen 3V als' Chronostich mit Absicht gebraucht ist, dann wäre Elia b. Josef von Nola am ersten Tage des Wochenfestes, „am Tage, da der Gottvertraute am Sinai die Thora empfing", das ist ani 20. Mai 1580, verstorben. Er könnte trotz dieses Datums immerhin in Bologna zu Grabe gekommen sein, wissen wir doch, daß trotz der Flucht der Juden aus Bologna im Jahre 1569, die auch Asarja de Rosst zwang, seine Zelte daselbst abzubrechen und nach Ferrara zu übersiedeln, die jüdischen Bewohner bald wieder 8) M. Steinschneider, Die hebräischen Uebersetzungen des Mittelalters p. 476 n. 93. °) Id. p. 126 n. 130. ’) Kaufmann in Berliners Magazin 17.172 f. Das Epitaph Mose Amram Alatinos s. 3'Z3dt ed. A. Berliner Nr. 48, das seines Sohnes Emanuel ib. Nr. 125; vgl. Israelitische Letterbode III, 102. 8) Dadurch erledigt sich Neubauers Fragezeichen Catalogue p. 932, s. v. Elijja de Nola. 9) M. Steinschneider, im Katalog hebräischer Handschriften... M. S. Ghirondis p. 32 vermuthet: .(?) ,13'V' 12K“! Dadurch erledigt sich auch der Zweifel I. Perles', Beiträge zur Geschichte der hebräischen und aramäischen Studien p. 220. I | '; H