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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-26 · Heft 21 (26.5.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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s Kölns in wohlthuendster Weise einwirkte, geht unter anderem daraus hervor, daß gelegentlich eines vor einigen Wochen im Gürzenich stattgefundenen christlichen Wohlthätigkeits-Bazars auch für das hiesige jüdische Asyl 1000 Mark gespendet wurden. 522 Frankfurt a. M., 16. Mai. In der orthodoxen Gemeindesynagoge spielte sich während des gestrigen Abendpfingstgottesdienstes eine aufregende Szene ab. Drei Männer halten sich auf der Frauengalerie eingefunden und wurden von dem Kastellan Fischer aufgefordert, dieselbe zu verlassen. Im Augenblick der Aufforderung erhielt der 72 Jahre alte Mann von einem der drei Galeriebesucher offenbar mit einem scharfkantigen Stein einen gewaltigen Schlag auf den Hinterkopfder, trotzdem der erstere durch den Cylinderhut abgeschwächt wurde, eine tiefe, klaffende Wunde verursachte Dem zu Hilfe eilenden zweiten Kastellan Frech wurde mit einem Instrument ein Schlag auf die linke Seite des Kopfes verseht. Diese Vorgänge spielten sich so rasch ab, daß es den drei Individuen gelang, das Freie zu erreichen, doch wurden zwei von ihnen unweit der Synagoge eingeholt und der Polizei überliefert. Der dritte Attentäter entkam. Nachträglich hat die Untersuchung in dieser Sache ergeben, daß es sich um drei auswärtige Marmorarbeiter handelt, die keine Arbeit halten. Lediglich aus Muthwillen drangen sie in die Synagoge und verübten hier ihre Verbrechen, die gar schwere Folgen für sie haben können, denn die drei Arbeiter haben sich wegen schwerer Körperverletzung, Störung des Gottesdienstes und Hausfriedensbruches zu verantworten. Ob der angetrunkene Zustand, in welchem sich die Synagogeneindringlinge befanden, mildernd auf das Strafmaß wirken wird, wäre angesichts der Folgen zweifelhaft. Es ist auch festgestellt, daß nicht alle Drei sich auf der Frauengalerie befanden, sondern nur Einer, der Zweite befand sich noch auf der Treppe dahin, und der Dritte saß unten auf der Treppe. Vieles bedarf indeß immer noch der genaueren Aufklärung. Hc Bamberg? 14. Mai. Die israelitische Kultusgemeinde beging heute im festlich geschmückten Schulsaale die Jubelfeier des 25jährigen erfolgreichen Wirkens des Lehrers Fr änkel. Anwesend waren die Vertreter der hohen städtischen Behörden, der Stadtpfarrer Benker als Vorstand der Lokalfchulinspektion, die Rektoren der beiden Gymnasien und der Realschule, die Vorstandschaft der Kultusgemeinde, viele Mitglieder derselben und die Schuljugend. Die Feier wurde eingeleitet mit dem Chor: „Hebe deine Augen auf zu den Bergen", vorgetragen von den Mitgliedern des Lehrervereins Bamberg unter Leitung des Herrn Lehrers Drausnick. Dann ergriff der erste Vorstand der Kultusgemeinde, Herr Dr. Werner, das Wort zu einer herzlichen Ansprache. Der Redner führte aus, daß, wenn im Allgemeinen jedem Lehrer Dank gebührt, dies ganz besonders bei den Religionslehrern der Fall sein muß, da sie unsere Kinder zum echten Menschenthum erziehen, ihnen alle idealen Besitzthümer geben und so das Fundament für die fernere Wohlfahrt legen. Wenn nun ein Lehrer 25 Jahre in treuer Pflichterfüllung ausharrt und schon darin seinen Lohn findet, so kann doch nicht unterlassen werden, bei gegebener Gelegenheit Dank und Anerkennung auszusprechen, umsomehr, als der Gefeierte sein ganzes Wissen und Können, seine ganze Thätigkeit in den Dienst der Gemeinde stellte. Er hob weiter die ausgezeichneten Eigenschaften, die dem Jubilar sowohl als Lehrer wie als Menschen zieren, hervor und schloß mit dem Wunsche, daß die Vorsehung ihm Kraft und Stärke verleihen möge, damit er noch lange seinen Beruf ausüben könne. Als äußeres Zeichen der Anhänglichkeit übergab der Redner als Festgruß der Gemeinde ein werthvolles Geschenk, welches ein Beweis der nie verlöschenden Dankbarkeit gegen den hochverdienten Jubilar sein soll. Hierauf ergriff das Wort Rabbiner Dr. Eckstein, welcher seine meisterhafte Rede mit dem Satze einleitete: ,-Von Deinem Namen will ich reden zu meinen Brüdern, inmitten dieser ansehnlichen Versammlung will ich Dich loben." Der Redner besprach weiter, daß das Gelobtwerden dem Bescheidenen eine Last ist, die ihn schwerer drückt als den Unbescheidenen, der getadelt wird. Seinen weiteren Ausführungen legte Dr. Eckstein zu Grunde: „Was eingepflanzt ist im Hause Gottes, das blüht im Vorhof Gottes, jugendfrisch und jugendkräftig bis ins höchste Greisenalter", und wendete dies auch umgekehrt an: „Was eingepflanzt ist im Vorhof Gottes, das wird blühen und reifen im Hause Gottes." Hierauf übergab er Namens der Schule die Dorö'sche Prachtbibel und schloß mit den Worten: „Bis hierher hat Deine Gnade geholfen, bis hierher hat Deine Gnade mich nicht verlassen, verlaß mich auch in Zukunft nicht, Herr, mein Gott." Alsdann sprach Fräulein Strauß ein sinniges Gedicht unter Ueberreichung eines Blumenarrangements. Gerührt sprach der Jubilar den beiden Festrednern sowie allen Erschienenen seinen herzlichsten Dank aus und bat, daß Gott ihm die Gnade verleihen möge, noch recht lange zum Wohle der ganzen Gemeinde wirken zu können. Der ergreifende Gesang: „Gott, Du Allmächtiger und Allgütiger", schloß die erhebende Feier. — In der am 7. d. stattgefundenen Gemeindeversammlung wurde dem Lehrer Fränkel und dem ersten Kantor Klestadt das Dienstesdefinitivum einstimmig verliehen. Beiden Herren wurde Pensionsberechtigung für sich und ihre Relikten zuerkannt. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 22 Mai. Im niederösterreichischen Landtag spielen sich täglich die sattsam bekannten Szenen ab. Da wird geschrieen und geschimpft, ganze Klassen beschimpft und verlästert, wegen der Schmähreden gegen die Juden wurde dem Pater Scheicher und wegen Beschimpfung der obersten Richter in der Affäre Lucian Brunner, betreffend Kirchenbau-Subvention, dem Dr. Lueger der Ordnungsruf ertheilt — bekanntlich hat der Hofrath am Verwaltungs-Gerichtshof Dr. Josef Ritter von Heiterer, welcher in dieser Angelegenheit als Referent fungirte, an den Landmarschall Baron Gudenus eine Herausforderung gelangen lassen, weil er die Angriffe des Dr. Lueger auf den Richterstand ungerügt ließ. — Lueger selbst kann man nicht fordern, da er bereits in mehreren Fällen ritterliche Satisfaktion verweigerte; nun ist die Sache durch den nachträglichen Ordnungsruf „unblutig" beigelegt. — Unser Gemeindebudget bildet noch immer ein trauriges Kapitel. Nach dem letzten Rechenschaftsbericht wird das Etatsjahr 1899 mit einer „schwebenden Schuld" von 92952 fl. 33 Kr. schließen. Also die ersten hunderttausend Gulden werden bald voll sein, und damit wird wohl auch das Defizit ein chronisches bleiben, das sich progressiv immer steigern wird. Eine schöne Aussicht. — Der Justizminister hat den Gerichtssekretär Dr. Emanuel Weber zum Landesgerichtsrath ernannt. Dr. Weber ist ein Bruder des Direktors Ignatz Weber, der früher die Taubstummenanstalt in Währing leitete. — Dem Direktor der österreichischen Bodenkreditbank Dr. Isidor Baumfeld wurde der Titel eines Regierungsrathes verliehen. — In Leitmeritz starb im Alter von 59 Jahren der dortige Rabbiner Joachim Wittenberg, in Brünn der Konsul Jules Popper, eine in der Kaufmannswelt sehr geachtete Persönlichkeit, dessen Verdienste durch Verleihung des goldenen Verdienstkreuzes und des Ritterkreuzes der französischen Ehrenlegion anerkannt wurden. Er war Begründer und Chef der Brünner bekannten Exportfirma, hatte viele Reisen nach Nord- und Südamerika sowie nach Afrika unternommen und unserer Industrie vielfach neue Absatzgebiete erschlossen. B. Budapest, 12. Mai. Es wird sicher vor Allem den Leserkreis dieses Blattes interesflren, zu erfahren, daß unser innig verehrter Rabbiner Dr. Kayserling am kommenden 17. Juni seinen siebzigsten Geburtstag feiern wird. Aus diesem Anlaß werden hier und auswärts bereits Vorbereitungen getroffen, um den Ehrentag des gefeierten Gelehrten würdig zu begehen. — Für Vorlesungen aus dem Gebiete der jüdischen Geschichte und Litteratur, welche von der jüdisch-ungarischen Litteraturgesellschaft fallen gelassen werden sollten, erzielte eine im Interesse derselben veranstaltete Bewegung einen bedeutenden Erfolg. Auf Anregung eines Komitees sah sich die Litteraturgesellschaft veranlaßt, ihren Plan aufzugeben und für öffentliche Vorlesungen eine eigene Unterabtheilung ins Leben zu rufen. Mit der Leitung derselben wurde Dr. Adolf Agai (Porzo) betraut. Es wurden 16 Vorlesungen in Aussicht genommen. — Die Pester Kultusgemeinde bewilligte für die Kosten der gottesdienstlichen Zwecke 142 009 Kronen, für Unterrichtszwecke 215 000 Kronen, für Wohlfahrtseinrichtungen 370 000 Kronen, für sämmtliche Bedürfnisse zusammen mehr als eine Million Kronen. — Am 23. v. M. wurde in Bukovar Rechtsanwalt Dr. Salomon Baum im Alter von 42 Jahren zu Grabe getragen; er gehörte zu den bekanntesten und angesehensten Rechtsanwälten des Landes. Die Beerdigung gestaltete sich zu einer imposanten Trauerkundgebung. Alle Staats-, Komitats- und städtischen Behörden, alle angesehenen Bürger gaben dem Heimgegangenen das Geleit. In seinem warmen Nachrufe konnte Herr Oberrabiner Dr» Diamant mit vollem Recht auf die lautere Gesinnung, auf den reinen Charakter und

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