Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 21 (26.5.1899)
- Date
- 1899-05-26
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228333--55515-3291726- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
63. Jahrgang. Ar. LI. SerUn. 26. Mai 1899. Weikcrge %xxr „Allgemeinen Zeitung des Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Drutschland. 8. Berlin, 21. Mai. In der neuen Synagoge fand heute die Einsegnung der Konfirmandinnen statt. Rabbiner Dr. Rosenzweig leitete den feierlichen Akt. Nach dem Einleitungsgesange des Chores ergriff Dr. Rosenzweig das Wort zu einer zu Herzen gehenden Predigt, der der Text zu Grunde gelegt war (Jesaias 60, 1): „Auf, mein Licht, dein Licht ist gekommen, und die Herrlichkeit Gottes strahlet auf über dir". Eine der Konfirmandinnen legte alsdann für alle das Glaubensbekenntniß ab, die übrigen trugen die von ihnen gewählten Sprüche mit Innigkeit und Verständniß vor. Das Schlußwort wurde von einer der Konfirmandinnen in Form eines Gebetes gesprochen. Auf die Segensertheilung folgte der Schlußgesang des Chores. Auf die zahlreichen Zuhörer hinterließ die Feier einen tiefen Eindruck. 8. Berlin, 24. Mai. Die Rabbinerwahlkommission hat in ihrer letzten Sitzung mit vier gegen drei Stimmen beschlossen, den Rabbinatskandidaten Dr. Warschauer, einen Hörer der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, als Hilfsprediger und Dirigenten der II. Religionsschule in Vorschlag zu bringen. Die Angelegenheit nimmt nun ihren vorschriftsmäßigen Weg und muß zunächst dem Vorstand der Gemeinde unterbreitet werden, der sie alsdann erst der Repräsentanten- Bersammlung zur endgiltigen Entscheidung weitergeben kann. Herr Dr. Warschauer hat in den letzten Wochen wiederholt in den Gemeindesynagogen gepredigt. Berlin, 21. Mai. Von den „ Mittheilungen des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" ist soeben Nummer 51 erschienen. Dieselbe enthält die neuen Satzungen des Bundes, auf Grund deren er die Rechte einer juristischen Person erhalten hat, ferner einen sehr warmen Nachruf auf Steinthal von Rektor Dr. Holzman und auf Adolf S. Zahn in Frankfurt a. M., sodann Mittheilungen über die rheinische Rabbinerkonferenz, über die Versammlung zur Bekämpfung des Wanderbettels, hierauf die Bermögensbilanz — das Vermögen beträgt jetzt 346 476,48 Mark —, den genauen Rechnungsbericht mit sachlichen Bemerkungen, eine beherzigenswerthe Warnung vor Gewohnheitsbettlern und Verzeichnisse der Mitglieder und der Beamten des Bundes, dessen gedeihliche Entwickelung eine der wenigen erfreulichen Erscheinungen m unserem Gemeindeleben bildet. LQ Berlin, 24. Mai. An der, gelegentlich des hier tagenden Kongresses zur Bekämpfung der Tuberkulose als Volkskrankheit am letzten Sonnabend eröffneten „Ausstellung für Krankenpflege" in den Räumen der Philharmonie hat sich der „Verein für jüdische Krankenpflegerinnen" mit der Darstellung des Unterrichtszimmers für Krankenpflege-Schülerinnen insehr bemerkenswertherWeise betheiligt. Die Oberin des Vereins, Fräulein Rose Blau, welche dem Damenkomitee zugeordnet worden ist, hat eine Darstellung der Unterrichtsmethode gegeben, aus welcher der Gang der Ausbildung der Lehrschwestern klar zu erkennen ist. Neben vielseitigen Lehrmitteln, Instrumenten, einem für Operationen vollständig gepackten Sterilisationsapparat, Verbandstoffen, einem mit sämmtlichem Inventar für häusliche Gesundheitspflege versehenen Behältniß, einem Tisch mit Geräthen für Harnuntersuchung und dem hierzu gehörigen Chemikalienschränkchen, sind auch schriftliche Arbeiten der Schülerinnen, Kurven - Stationstagebücher, Krankenkostrezepte aufgelegt. Eine statistische Tabelle, welche die Entwickelung und den heutigen Fortschritt dieses noch jungen Vereins in überfichtlicher Darstellung wiedergiebt, ist gleichfalls einzusehen. Das Ausstellungszimmer des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen befindet sich neben demjenigen des „Victoriahauses" und erfüllt uns mit der Genugthuung, daß auf dem Gebiete der Einrichtungen für Krankenpflege und werkthätiger praktischer Menschenliebe auch unsere Glaubensgemeinschaft erfolgreich thätig ist und an dieser Stätte wenigstens konfessionelle Unterschiede verbannt sind. Wir wollen auch bei dieser Gelegenheit wieder auf den schönen Beruf aufmerksam machen, welchen der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen unseren jüdischen Frauen und Mädchen eröffnet, und die Hoffnung aussprechen, daß dieses Bewußtsein sich in immer weiteren Kreisen Bahn brechen möge. Das Schwesternheim befindet sich Auguststraße 17. S£2 Berlin, 24. Mai. Hinsichtlich der Fürsorge für jüdische Gärtner läßt die „Israelitische Erziehungsanstalt" zu Ahlem bei Hannover durch den D.-J. G.-B. folgende Bitte an die Bundesgegemeinden richten: „Wie aus dem Letzten Jahresbericht der Anstalt hervorgeht, verfügt diese bereits über etwa 30 Gärtnergehilfen, die das Institut absolvirt haben. Die ältesten der jungen Leute, die schon mehrere Jahre als Gehilfen thätig gewesen sind, müssen daran denken, eine feste, gesicherte Stellung zu erhalten. Das hält schwer, nicht etwa darum, weil es unseren jungen jüdischen Gärtnern an Tüchtigkeit gebräche, sondern wegen der Rücksicht auf die Feier des Sabbaths und wegen der der Berücksichtigung unserer Glaubensgenossen ungünstigen Zeitströmung. Darum mögen diese selbst Veranlassung nehmen, bei gebotener Gelegenheit die Zurücksetzung auszugleichen. Insbesondere verfügen unsere großen und mittleren Gemeinden über ein geeignetes Anstellungsgebiet: das ist die Friedhofsgärtnerei. Wir richten daher an die geehrten Vorstände unserer geschätzten Bundesgemeinden die Bitte, uns gefälligst anzeigen zu wollen, ob sie in der Lage und geneigt sind, bald oder später die Verwaltung der Friedhofsgärtnerei jüdischen Händen anzuvertrauen." — Außerdem versendet der D.-J. G.-B. einen Fragebogen des Rittergutsbesitzers Dr. S. Papilsky in Gablenz bei Gassen mit der Bitte, die Personalien der in dortiger Gegend befindlichen jüdischen Landwirthe darin anzugeben und die anderen Fragen, soweit es möglich ist, zu beantworten. Der Zweck dieser Fragebogen ist, einerseits ein statistisches Bild der an der Landwirthschaft betheiligten Glaubensgenossen zu gewinnen, andererseits dadurch zu ermöglichen, Stellen zu vermitteln für jüdische junge Leute re., welche sich der Landwirthschaft widmen wollen. F. Berlin, 22. Mai. Die „Wissenschaftliche Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin" hielt am 6. d. M. ihre Monatsversammlnng ab. Der Vorsitzende, Herr Rektor Dr. Adler, theilte mit, daß in der nächsten Zeit das zweite Heft des Wegweisers für den jüdischen Religionsunterricht, herausgegeben von Spanier und Flanter, erscheinen werde, und daß etwaige Beiträge baldigst an Herrn Flanter einzusenden seien, ferner daß die Verlagsbuchhandlung vvn Jacobsohn-Breslau auf das Erscheinen des 2. Bandes von „Brann, Geschichte der Juden und ihre Litteratur" in zweiter Auflage aufmerksam mache. — Alsdann erstattete Herr Dr. Joel sein Referat über: „Tachau, die prophetischen Bücher der Heiligen Schrift". Er wies an der Hand des Buches auf die Bedeutung des Wortes „Prophet", auf den Unterschied zwischen den früheren und späteren Propheten hin, auf die Aufgaben, die den Propheten gestellt waren, und auf die Art und Weise, wie sie die Aufgaben zu lösen versuchten. Das ganze Buch verrathe die Hand eines erfahrenen Pädagogen und könne speziell für Lehrer, aber auch für Schüler der obersten Klassen höherer Lehranstalten sowie für solche, die in den Geist der prophetischen Schriften eindringen wollen, ohne umfangreiche Kommentare zu benutzen, angelegentlichst empfohlen werden. In der Diskussion wurde es als ein Mangel bezeichnet, daß der Begriff der Inspiration gar nicht gewürdigt sei, aber auch geltend gemacht, daß im Uebrigen das Erscheinen des Buches mit Freude zu begrüßen fei, da es die erste jüdische Bearbeitung des Stoffes sei, die als durchaus nützlich bezeichnet werden müsse. — Die Bemerkung eines Mitgliedes, daß die „Wissenschaftliche Bereinigung" ihre Aufgabe verkenne, wenn sie zu häufig Referate über neue Erscheinungen auf dem einschlägigen Gebiete bringe, wurde zurückgewiesen, da von allen Seiten die Nützlichkeit solcher Referate anerkannt wurde, die dazu beitragen, die Mitglieder zu enger Beschäftigung mit solchen nützlichen Erscheinungen zu veranlassen. — Nicht ganz so günstig konnte sich der Referent über