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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-26 · Heft 21 (26.5.1899) · p. Seite 252

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
Seite 252 (sequence 12)
Language
German
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262 ihnen weilte, fiel. Die neue Regina war ein herziges, frisches Geschöpf, das die gestrenge Schwiegermutter mit bescheidenem Liebeswerben umgab, und dem es auch gelang, einen Theil der nicht leicht» zu erringenden Zuneigung Simonette da Silvas zu erobern. Vielleicht, weil sie das liebliche Wesen wirklich ins Herz geschlossenhatte, vielleicht auch in Anbetracht der beschränkten Räume der Magnusschen Wohnung, hatte sie darauf bestanden, daß, der hergebrachten Sitte entgegen, die Vermählungsfeier in ihrem Hause stattfinden sollte. (Forts, folgt.) Ner Salon 1899. Bon M. Friedeberg. I. f ie diesjährige Kunstausstellung steht nicht ganz auf der Höhe wie ihre Vorgängerinnen in den letzten Jahren. Die Sezession ist nach Charlottenburg ausgewandert und wird dort unter Führung Max Liebermanns eine Sonderausstellung veranstalten. Hauptstücke sensationellen Charakters, die uns hier interessiren, geschweige denn von künstlerischer Bedeutung ersten Ranges, sind nicht vorhanden. Diese große akademische Ausstellung ist indeß ebenso wie der Pariser Salon eine offizielle staatliche Veranstaltung, die auch dem Mittelgut und den jugendlich aufstrebenden Künstlern zu gute kommen soll. Von diesem Standpunkt aus müssen wir den Gesammteindruck des diesjährigen Salons als einen recht befriedigenden bezeichnen, der auch hinter dem der akademischen Ausstellungen der 70er und 80er Jahre nicht zurücksteht. Die Zahl der jüdischen Künstler, welche mit zum Theil sehr tüchtigen Werken hier vertreten sind, hat gegen die Vorjahre sogar eher zuals abgenommen. Nur in der Plastik fehlen diesmal biblische Vorwürfe und Anlehnungen an das Stoffgebiet des Judenthums fast gänzlich. Deshalb mangelt es aber weder an jüdischen Bildhauern, die ausgestellt haben, noch an Bildwerken, namentlich Porträtbüsten, die uns hier interessiren. Leider sind die Skulpturen, zum größten Theil von schönen Palmenarrangements umgeben, dieses Mal durch die ganze Ausstellung zerstreut. Gleich beim Eingang fesselt in Saal 1a das allegorische Bildwerk „Besiegt" von Jacob Stolz: ein müder Mann liegt am Boden, der schmerzbewegte Ausdruck des Antlitzes wie überhaupt das ganze Werk machen einen sehr natürlichen Eindruck. In Saal 1b, gleich am Eingang, finden wir eine frische und lebenswahre Büste des Direktors der Charite, des bekannten Stadtverordneten Geheimrath Spinola, von Martin Wolfs-Charlottenburg, deren Pendant auf der anderen Seite eine Marmorbüste des Unterstaatssekretärs Fritsch in würdevoller Pose von Fanny Kreismann- Berlin bildet, übrigens einer Verwandten unseres Glaubensgenossen, des berühmten Assyriologen Oppert in Paris. Infolge der diesmal beliebten Verstreuung der Bildwerke über den ganzen Salon fanden wir leider bisher noch nicht die im Katalog angekündigte Gipsstatuette „Ausverkauft" und die Büste des Geheimraths Professor B. Fränkel von Hugo Rein hold, der vor wenigen Jahren noch Kaufmann und damals auch Ausschußmitglied des „Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes" war. Es ist staunenswerth, wie dieser in reiferen Jahren zum Bildhauer gewordene Mann, dessen Gruppe „Am Wege" heute die Nationalgalerie schmückt, im jedem Jahre mit neuen und immer bedeutenderen Schöpfungen hervortreten kann. Dagegen fehlt Max Levi, dessen „David und Goliath" uns noch in frischer Erinnerung ist, dieses Mal ganz, Arthur Lewin-Charlottenburg sandte zwei Werke, „Vaterfreuden" und eine Knabenbüste. In Saal 1b. fesselt uns die lebenswahre Büste eines jungen Mannes in AlltagStrachi mit keck aufgesetztem Hütchen von Gotthard Sommerfeld-Berlin. Ein geradezu prachtvolles Stück Skulptur ist Nr. 1581 von Julius Wolff-Berlin, betitelt „Hoffnungsvolle Jugend", ein Knabe in Kniestrümpfen studirt in einem Buche. Jacob Plessen-Berlin debutirt mit einem Gipsrelief „2(uf dem Felde" und einer Statuette „Der Bär". Da wir dieses Mal den Skulpturen durch alle Säle der Ausstellung nachwandern müssen, wobei uns bei den schönen Palmen das Dichterwort einfällt: „Niemand wandelt ungestraft unter Palmen", wird uns der Uebergang von den Porträtbüsten zu den gemalten Bildnissen nicht allzu schwer. Der eigentliche Hauptarrangeur der Ausstellung, Professor Max- Koner, hat in Saal 4 ein neu in diesem Jahre gemaltes Bildniß des Herrn Julius Bleichröder, eines angesehenen Mitgliedes der Berliner jüdischen Gemeinde, ausgestellt, das viele Beschauer in hohem Grade fesselt. In einem blau gepolsterten geschnitzten Lehnsessel sitzt der würdige Greis, der sich indeß noch großer körperlicher Frische erfreut, in der schlichten Art, die diesen allem Titelwesen und jeder Pose abholden Mann kennzeichnet, die linke Hand ruht auf dem Sessel. Das leuchtende kluge Auge, der ruhige, doch scharf beobachtende Ausdruck und die frische Gesichtsfarbe sind ebenso wie das grau melirte Haar treffend wiedergegben. Derselbe Künstler stellt in Saal 6 das Bildniß des Herrn Geh. Kommerzienrath Ernst v. Mendelssohn- Bartholdy aus, das in der Technik ebenfalls meisterhaft ist. Das Grab Moses Mendelssohns auf dem alten Berliner jüdischen Friedhof in der Großen Hamburgerstraße hat in diesem Salon H. Schnee-Berlin zum Gegenstände eines Bildes gewählt, auf das wir noch zurückkommen. Ebenfalls einen „Judenkirchhof" malte Carl Jrmer-Düffeldorf. Wir sehen eigentlich nur ein paar verwitterte Leichensteine, die an einem Bergesabhang stehen, und doch, von wie viel Kämpfen unserer hier ruhenden Altvorderen würden diese großen, in einfacher Art verzierten Leichensteine eines mittelalterlichen Beth Olam erzählen können. Wie anders empfindet hier der noch so gebildete andersgläubige Besucher der Kunstausstellung und wie anders der gläubige Jude, dem das „Haus der Ewigkeit", wie unsere Alten die Stätte des Todes benannten, für ewig heilig ist, selbst dann, wenn die zerstörende Macht der Zeit ihm den Anschein des Ruinenhaften ausgeprägt hat! Technisch ist das Bild sehr virtuos gemalt. Manches interessante Werk treffen wir auch bei den „Münchenern" in den Sälen 40 und 41. So fesselt unwillkürlich Daniel Israels (München) „Wahrsagerin" den Beschauer. Eine schwarze Wahrsagerin prophezeit im Harem mehreren Schönen; das Bild ist sehr gut im Kolorit und in der Auffassung, und darum wollen wir mit dem Künstler nicht rechten, daß er diesen im Grunde wenig ansprechenden Stoff gewählt bat. Pseudo-orientalisch sind auch die Sujets von Nathanael Sichel, der mit einem und demselben dieses Mal als „Semiramis" und „Tochter des Ghetto" kostümirten Modell einen großen Ruf erlangt hat. Das sinnberückend schöne Weib mit dem schwarzen Lockenhaar (Saal 20) besitzt wohl Grazie und den gemacht orientalischen Typus, aber nichts von jenem jüdischen Geiste, den wir im Ghetto unserer Ahnen vermuthen; sie erinnert uns nicht einmal an den schmerzvollen Ausruf des alten Shylock: „O Jessika, mein Kind!" Mehr noch als Sichel, dessen technisch höchst virtuose Manier bekannt ist, enttäuscht uns dieses Mal Max Rabes-Berlin, der bekannte Orientmaler. Aus der ganzen, etwa 60 Nummern umfassenden Kollektivausstellung des geschätzten Künstlers interessiren hier nur Nr. 882 „Im Thal des Todes". Nr. 890 „Semit" und Nr. 903 „Der Blick auf die Dächer von Jerusalem". Druck und Verlag von Rudolf Mossr in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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