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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-26 · Heft 21 (26.5.1899) · p. Seite 250

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 21 (26.5.1899)
Date
1899-05-26
Page
Seite 250 (sequence 10)
Language
German
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,.yr WWWWWWWWWW» 2Ä0 Wir wollen den Franzosen keineswegs ihren Ruhm schmälern,- aber es muß doch gesagt werden, daß Halövy, dessen 100. Geburtstag am 27. d. M. ganz Frankreich in pietätvoller Weise begehe» wird, deutsches Blut in seinen Adern hatte, denn Fromental Eli Halävy war der Sohn Elia Halävys (Halphon) aus Fürth inBaiern, geboren um 1760, gestorben 1826, eines der ausgezeichnetsten und begabtesten hebräischen Dichter der Neuzeit. Die Zeitwellen hatten ihn jedoch von Fürth nach Paris gespült, und' seine beiden berühmten Söhne, der Komponist und der Dichter L6on Halvvy, haben aufs Neue dafür gesorgt, daß sein Name in unsterblichem Glanze fortlebe. Elia Halävy dichtete bekanntlich bei der Friedensverhandlung zu Amiens ein schwungvolles Meisterlied auf den Frieden und Bonaparte, das in der Synagoge zii Paris am 11. November 1801 gesungen wurde. Die Bilderpracht, die lebhafte Phantasie und die klangvollen Berse verliehen dieser Hymne einen hohen litterarischen Werth. In der Einleitung zu diesem Lied fleht der Dichter den lieblichen Sänger David an, ihm seine Harfe zu leihen oder seine Harfe mit dessen klingenden Saiten zu bespannen, um den Riesenkampf zu besingen, den Frankreich gegen eine Welt voll Feinde führte, und den man für eine griechische Fabel aus dem Kampf der Titanen mit den Göttern halten möchte. Der Komponist selbst hat aber so wenig wie Meyerbeer je sein Judenthum verleugnet. Er hat für die Pariser Tempel bezw. die dortigen Chöre herrliche Lieder komponirt und in der „Jüdin" zahlreiche altjüdische Melodien besungen, die nicht wenig zu dem außerordentlichen Erfolg dieser Meisteroper beigetragen haben. Am 5. November 1826 verlor er seinen Vater; es war diesem daher nicht vergönnt, seinen Sohn auf der Höhe seines Ruhms, den er durch die „Jüdin" nicht allein in Frankreich, sondern in ganz Europa errang, zu sehen. Am Tage vor desien Tod hatte jedoch Jacques Fromental noch den Trost, ihm verkünden zu können, daß er zum Gesangslehrer am Theater Jtalienne an Herolds, seines Freundes, Stelle, der an die große Oper ging, ernannt sei. In der zum ersten Mal am 23. Februar 1835 auf dem Theater der königlichen Akademie der Künste zur Musik gegebenen Oper feierte eigentlich das alte jüdische Lebe» und Denken einen glänzenden Triumph. Der Komponist entlehnte hier vom religiösen Gefühl seine strenge Gluth und seinen warmen Ernst; die breiten Tonfolgen, die selbst verhärtete Herzen zu rühren Pflegen, der alte tausendjährige Judenschmerz haucht hier seine melodiösesten Klagen aus. Die gequälte Liebe, welche gegen die Erkenntnisse oder gegen die sozialen Gesetze des Landes ankämpft, entlocken ihm bald das rührende Lied, bald entflammen sie ihn zum wildesten Aufschrei der Verzweiflung. Die Kunst, durch Töne zu rühren und durch verständnißvolle Harmonisirung die Zartheit wie die Wucht der Leidenschaft zu offenbaren, ist Halvvy in höchstem Grade eigenthümlich. Die Melodien des glaubensstarken, am Judenthum festhaltenden und seine ethischen Lehren verkündenden Eleasar drücken in herrlicher Weise die väterliche Liebe wie diejenige des siegesgewiffen Glaubens aus. Wenn im zweiten Aufzug das Osterfest bei Eleasar gefeiert wird, wer glaubt sich da nicht in eine fromme jüdische Familie am Sederabend versetzt? Die religiöse, orientalische, mit biblischer Würde gepaarte musikalische Behandlnng übt eine geradezu packende Wirkung aus. Recha, die Tochter Elcasars, ist keine moderne blasirte Jüdin, die in eitler Liebeständelei den Glauben ihrer Väter verleugnet und im Unglück schwankend allem Glauben untreu wird, sondern in ihrer Seele paaren sich die Liebe zu ihrem Vater mit der Liebe zu ihrer angestammten Religion, und willig stürzt sie in den Scheiterhaufen, weil sie sich nicht selbst untreu werden und die Ideale ihres Lebens nicht verleugnen will. Bezeichnend hierfür ist der letzte Auftritt des 5. Aktes, den wir hier auszugsweise mittheilen möchten; es ist unmittelbar vor der Besteigung des Scheiterhaufens, und es enspinnt sich folgendes Duett zwischen Recha und Eleasar, das dieses flüchtige Erinnerungsblatt würdig abschließen möge: Recha: Gott, erhöre du mein Flehen, Nicht mein Opfer woll' verschmähen. Fort in die Flammen hinab; Verlaß mich nicht, mein Vater! O bleib, o bleib bei mir Es stirbt dein Kind mit dir. Eleasar: Gott, dein Wille mag geschehen; Ach, unsrer harrt das Grab. Was soll ich thun, ach! welch Geschick, Mein Gott, erleuchte mich. Recha, ich sterbe jetzt, willst du leben? Recha: Wozu, um zu leben und zu leiden? Eleasar: Nein, um im Glanz dich zu erheben. Recha: Mit dir? Eleasar: Allein! Recha: Allein? Eleasar: Du sollst bekehren dich. Die Taufe hier empfangen Sprich, mein Kind, willst du das? Recha: Wie, ich eine Christin, ich? Zum Tode will ich gehen, o komm! Eleasar: Ihr Gott verzeiht! Recha: Und der unsre belohnt. Eleasar: Ha! Recha: Ich scheide in Frieden Und versöhnet von hier. Was versagt mir hienieden. Beut der Himmel mir. Eleasar: Leuchtend strahlet von den Höhen Mir sein göttliches Licht! Muß ich untergehen, Wankt mein Glaube doch nicht. EUILLETON Pit Abtrünnige. Eine Erzählung von Paula Faber. VW. ->§ wär das erste Mal, daß die Mutter direkt etwas über Reginas jetziges Leben vernahm. Allerdings hatte Raphael, wie sie wohl wußte, während der drei Jahre, die seine Schwester nun schon verheirathet war, sie mehrfach, wenn ihn Geschäftsreisen m ihre Nähe führten, ausgesucht. Aber seinem System ängstlicher Schonung getreu, hatte er nie Näheres über jene Ausflüge im Hörbereich seiner Mutter erwähnt. Als er jetzt, Alphons' nachdrücklich ermuthigenden Winken gehorchend, irgend eine beliebige Frage that, um das Gespräch im Gang zu halten, und zugleich dabei seine Mutter mit einem verstohlenen Blick streifte, da mußte er sich eingestehen, Alphons hatte Recht gehabt und er Unrecht. Wie begierig lauschte sie unter der dünnen Maske völliger Theilnahmlosigkeit auf die nebensächlichsten Einzelheiten! Bei diesem Verfahren blieben von nun an die Brüder. So oft es anging, nannten sie ihre Schwester in Gegenwart der Mutter, immer mit dem Erfolge, ihre Aufmerksamkeit vollständig zu fesseln, jedoch ohne daß sie dies je durch ein äußeres Zeichen verrieth. „Ein Anfang ist doch gemacht," meinte Raphael in einer Anwandlung

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