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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-19 · Heft 20 (19.5.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Zöglinge dieser Anstalt wirken, welche ihnen nachstreben sollen. — Als Zeichen der Zufriedenheit, als Ansporn für die Zukunft und zur Nacheiferung ermunternd, hat der Vorstand beschlossen, der Henriette Krakowiak und Rosa Meyer, die seit länger als drei Jahren ihrem Berufe obliegen, eine Brosche mit der Inschrift „Mädchenhaus Pankow. Für Fleiß und Ausdauer" und eine Belohnung von je 30 Mk. zur Vergrößerung ihrer Spareinlage zu verleihen. Sara Eisenstadt, welche erst iy4 Jahre beruflich thätig ist,ihren Dienst aber noch nicht gewechselt, mit einer Brosche zu erfreuen, — und indem ich Ihnen diese Auszeichnungen im Namen des Vorstandes übergebe, knüpft derselbe die Hoffnung daran, daß Sie sich auch in Zukunft würdig erweisen und durch Ihr Verhalten dem Hause, das Sie herangebildet, zur Ehre gereichen werden". — Freude und Dank leuchtete aus den Augen der Beschenkten. Nachdem die Damen und Herren noch einen Rundgang durch alle Räume der Anstalt gemacht und ihre volle Zufriedenheit über die überall herrschende Sauberkeit ausgedrückt, begaben sich die meisten der Theilnehmer in das in Pankow befindliche II. Waisenhaus der jüdischen Gemeinde, um an dem dort stattfindenden Festgottesdienst (Rüsttag des Wochenfestes) theilzunehmen. Der in würdiger Weise verrichtete Gottesdienst, namentlich der stimmungsvolle Gesang der Waisenkinder, wirkte erbauend auf alle Zuhörer und gab der schönen Feier einen würdigen Abschluß. 7. Königsberg i. Pr., 12. Mai. Unsere Gemeinde hat einen großen, ja unersetzlichen Verlust erlitten durch das Hinscheiden ihres ersten Vorstehers, des Herrn Professor Dr. Samuel, der am 9. d. M. plötzlich gestorben ist. Nicht geringer ist der Verlust, den die medizinische Wissenschaft erleidet. Denn der Verstorbene stand in der ersten Reihe der Forscher und Finder. Außer vielen Spezialitäten hat er sich durch sein Handbuch der pathologischen Anatomie einen sehr geachteten Namen unter seinen Fachgenossen erworben. Als Universitätslehrer erfreute er sich eines hohen Ansehens. Simon Samuel wurde 1833 zu Gr. Glogau geboren, studirte in Berlin unter Müller, Schönlein und Remak, erlangte 1836 die Approbation als Arzt und wollte sich 1860 an der hiesigen Universität habilitiren. Das Gesuch wurde jedoch abgelehnt, da nach § 105 der Statuten als Dozenten nur Evangelische fungiren durften. Die Fakultät richtete aber bald darauf ein Gesuch an den Minister, für den Erlaß des Kultusministers Ladenburg vom 14. Juli 1848, die Berechtigung der Juden zu allen Lehrämtern betr., die königliche Bestätigung nachzusuchen, und das Generalkonzil der Universität beschloß die Streichung des erwähnten Paragraphen. So wurde Samuel 1867 Privatdozent, 1874 außerordentlicher Professor der allgemeinen und experimentellen Pathologie und der Geschichte der Heilkunde. Was er für unsere Gemeinde gewesen, deren erster Vorsteher er seit dem Jahre 1883 mit nie ermattendem Eifer, mit nie versagender Hingabe gewesen, das läßt sich mit wenigen Worten gar nicht sagen. Samuel war das Muster und Vorbild eines modernen Juden: Deutscher durch und durch, für den innigsten Anschluß an das deutsche Wesen mit aller Kraft eintretend, und zugleich begeisterter Jude, der jeden Abfall und den Jndifferentismus entschieden verurtheilte. Noch unvergessen sind seine geistvollen, von edler Toleranz getragenen Reden anläßlich der Einweihung der neuen Synagoge, um deren Bau er sich außerordentliche Verdienste erworben hat. Das Leichenbegängniß am 12. d. M. war ein Zeugniß für das Ansehen und die Beliebtheit, die der Verstorbene hier in allen Kreisen genossen hat. Mit einer weihevollen Gedächtnißrede leitete Herr Rabbiner Dr. Vogelstein die Feier im Hause ein. Der zeitige Rektor der Albertina, Herr Prof. Dr. Hahn, sprach hierauf Namens der Univerfität innige Worte des Dankes und der Anerkennung für den so jäh aus dem Leben Geschiedenen, indem er ihn als einen jener Forscher bezeichnete, die wenig nach äußeren Erfolgen strebten, vielmehr den Lohn für ihre Arbeit in dieser selbst fänden. Dem Redner stünde es nicht an, Samuels wissenschaftliche Bedeutung zu feiern, aber er, wie Jeder, der den Todten gekannt habe, wisse, daß Professor Samuel ein Mann von außerordentlich weitgreifendem, vielseitigem Wissen gewesen sei, nicht etwa ein Spezialist, sondern ein Gelehrter, der sich auf vielen Gebieten heimisch gemacht habe. Fünfundzwanzig Jahre fast habe er als Professor an der Albertina segensreich gewirkt. Wer seine immerfrische Gestalt gesehen, wie er Freude am Leben und Freude an seiner Wirksamkeit gehabt habe, der glaubte wohl hoffen zu dürfen, daß es dem Rüstigen, der eben erst die Schwelle des Greifenatters überschritten habe, noch lange vergönnt sein werde, schaffend zu genießen. Das Schicksal habe es anders gewollt! Wie er stets stolz darauf gewesen. Mitglied des Lehrkörpers der Albertina zu sein, so werde diese ihm immer Dank wissen für seine ihr geweihten Dienste. Samuel sei aber nicht blos ein gelehrter, sondern auch ein in weitesten Kreisen geachteter und achtenswerther Mann gewesen, und als solcher werde er auch unter den Kollegen fortleben. Sein Andenken werde nicht erlöschen, seine Arbeit nicht vergebens sein. Der dritte Redner war Professor Dr. Winter, der Dekan der medizinischen Fakultät, der auf die wissenschaftliche Thätigkeit des Verblichenen näher einging. Am meisten sei Professor Samuel durch die abstrakten Dinge gefesselt worden, wie den Werdegang der Heilkunde, die Ursachen der Erscheinungen am Kranken und ähnliche in die Tiefen gehende Forschungen. Aus diesen Quellen habe er seine Gedanken geschöpft und damit anregend und befruchtend auf die studirende Jugend gewirkt, die zu seinen Füßen saß. Glücklich die Kollegen, die ihm näher getreten und erkannt hätten, daß neben dem tiefen Geiste auch ein warmes Gemüth in ihm wohnte. Auf dem Friedhofe feierte Herr Rabbiner Dr. Bogelstein noch einmal in erhebender Rede die Eigenschaften und Verdienste des Todten. Gebet und Gesang eröffneten und beschlossen die Feier. Vormittags fand im Gemeindesaale der neuen Synagoge eine Trauerfitzung statt, in der Rechtsanwalt Holz die Gedächtnißrede zu Ehren des Verstorbenen hielt, dessen Andenken fortleben wird in unserer Gemeinde. Landsberg a. W, 8. Mai. Herr Lehrer S. Cohn ist am Schluffe des Schuljahres nach 32 jähriger segensreicher Thätigkeit an unserer Religionsschule in den wohlverdienten Ruhestand getreten. In Anerkennung seiner Verdienste wurde ihm von der Gemeindeverwaltung eine entsprechende Pension bewilligt. Auf Wunsch seiner Kinder übersiedelte er vor einigen Tagen nach Berlin. Leider mußte von einer größeren Abschiedsfeier abgesehen werden, da der Gesundheitszustand des zu Ehrenden dies nicht erlaubte. Dennoch haben die einstigen Schüler es sich nicht nehmen lassen, den scheidenden Lehrer durch ein ansehnliches Ehrengeschenk und durch Überreichung eines Stockes uüt silbernem Griff und einer entsprechenden Adresse zu erfreuen. Möge dem pflichteifrigen Manne, der mit warmer Begeisterung seines Amtes waltete, im Kreise der Seinen ein heiterer Lebensabend beschieden sein. G Leipzig, 12. Mai. Seit mehr als drei Jahren erfreut sich unsere Gemeinde einer „Israelitischen Speiseanstalt", seit nur wenig kürzerer Zeit auch eines „Israelitischen Kinderhortes". Nun ist auch noch ein weiterer Wunsch uns in Erfüllung gegangen: Unsere Gemeinde besitzt, und zwar im zweiten Stockwerk desselben Hauses, woselbst die beiden vorgenannten Anstalten untergebracht sind, eine „Israelitische Altersversorgungs-Anstalt". Am 27. v. M. wurde die Anstalt mit vorläufig sechs Insassen eröffnet und von dem Begründer, dem unermüdlich wirkenden Herrn Alphons Jacobson, einem provisorischen Vorstande übergeben. Der Einweihungsakt, ursprünglich als eine einfache Hausfeier gedacht, gestaltete sich zu einer wenn auch schlichten, doch würdigen Feier, die Betheiligung war eine unerwartet große, obgleich eigentliche Einladungen nicht ergangen waren. Alle Kreise unserer Gemeinde waren vertreten, der Vorstand vollzählig zugegen. Die Feier wurde durch den Gesang des Mendelssohn'schen „Engel-Terzetts" außerordentlich stimmungsvoll eingeleitet. In innigen Worten, aus denen die Freude über das schön vollbrachte Werk und tiefe Bewegung über das Erreichen des langersehnten Zieles sprachen, hieß hierauf Herr Alphons Jacobson alle Anwesenden herzlich willkommen, besonders den Gemeindevorstand und Diejenigen, die durch namhafte Stiftungen die Vollführung des Werkes ermöglichten. Vor allem gedachte er auch dankbar eines früheren langjährigen Mitgliedes der Leipziger Gemeinde, dessen Stiftungsgabe, als die erste, so recht eigentlich den Grundstein zu dem jetzt vollendeten Werke gelegt, und der auch für später noch der Anstalt erhebliche Zuwendungen zugesichert habe. Er dankte allen den bewährten, treuen Mitarbeitern, namentlich den Mitgliedern des provisorischen Vorstandes, und wandte sich sodann mit liebevollen Willkommensworten an die gleichfalls anwesenden Pfleglinge der Anstalt, in deren Herzen es gewiß heute erklänge: „Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht". Auch der Vorstand der Anstatt werde in steter Fürsorge für seine Pfleglinge nicht rasten und ruhen. Freudig dankbar erwähnte er sodann verschiedene ihm heute schon gemachte Zusicherungen von Jahresbeiträgen und mehrere für die Anstalt übergebene werthvolle Geschenke. Mit dem Wunsche schließend, daß in diesem Hause, das Liebe gebaut, auch immer Liebe walten möge, bat er dann Herrn Rabbiner Dr. Porges, den offiziellen Weiheakt vorzunehmen. — Der Redner gab

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