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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-19 · Heft 20 (19.5.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 I zunächst seiner Freude Ausdruck, dieses Fest, wohl das schönste dieser Art, das unsere Gemeinde je beging, mitfeiern zu dürfen; er gedachte in ergreifenden Worten des Jom-Kippur-Gebetes, im Alter, in der Heit der Schwäche, nicht verlassen zu sein, dieses Gebetes, das hier, bei unseren Pfleglingen, so schöne Erfüllung finde. Er ermahnte die Jnsassen^zu Liebe und Verträglichkeit unter einander und gedachte in begeisterten, zu Aller Herzen sprechenden Ausdrücken all des Vielen, das an der Errichtung dieser Allersversorgungsanstalt mitgeholfen, mitgewirkt habe; Dank gebühre der das Ganze umschließenden Weisheit und der ins Einzelne gehenden Thatkraft. Dank vor allem aber Demjenigen, dessen Hochherzigkeit uns dieses Heim gründete. Indem er die Anstalt ihrer Bestimmung weihe, wünsche er, sie möge einst zu einem stolzen Bau in unserer Gemeinde werden. Der Vorsteher unserer Gemeinde, Herr D. Magnus, dankte hierauf in herzlich bewegten Worten Herrn Jacobson für das Große und Gute, das er der Gemeinde in dieser Anstalt geschaffen. Schon heute könne er im Namen des Vorstandes versprechen, daß dieser nach Prüfung der vorliegenden Satzungen der Anstalt an dem segensreichen Werke Mitarbeiten werde, zum Segen, zum Wohle der Leipziger Gemeinde. Mit dem Gesang des Mendelssohn'schen Duettes „Ich harrete des Herrn" schloß die schöne Feier; der provisorische Anstaltsvorstand Unterzeichnete das Uebergabeprotokoll, und die Vorbereitungen zur ersten Mahlzeit der Pfleglinge im neuen Heim wurden getroffen. Die Anstalt, mit der auch ein Garten verbunden ist, besteht, außer Speisezimmer, Zimmer der Jnspektorin und Wirthschaftsräumen, aus 5 Schlafräumen, in denen aber fast überall Platz für zwei, ja auch drei Insassen ist. Die vollständig von Herrn Jacobson geschenkte Einrichtung ist, bei aller Zweckmäßigkeit und Einfachheit, äußerst bequem und schön, alles hell und freundlich, ein echtes, rechtes Heim für die alten Leute, denen nach des Lebens Last und Mühe hier ein heiterer Lebensabend bereitet werden soll. Alle, die die Leipziger Israelitische Altersversorgungsanstalt gesehen haben, find voll Lobes über ihre zweckmäßige, bis ins Kleinste wohldurchdachte Einrichtung. Leider hat die schöne Einweihungsfeier einen traurigen Nachklang dadurch erhalten, daß am Tage darauf unser allverehrter Herr Alphons Jacobson schwer erkrankte. Doch befindet er sich bereits in der Wiedergenesung, und, so Gott will, werden wir ihn bald wieder in unserer Mitte haben zu neuem segensreichen Wirken und Schaffen für alles Gute und Edle! Gr. Essen, 14. Mai. Wie in Nummer 16 d. Bl. mitgetheilt, wird die diesjährige Hauptkonferenz des Vereins israelitischer Elementarlehrer für Rheinland und Westfalen hier in Essen (Hotel Kaiser Friedrich) am 22. und 23. d. M. abgehalten. Bei der Wichtigkeit der diesmaligen Tagesordnung werden die Mitglieder dringend ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Alsdann wird gebeten, die noch rückständigen Mitgliedsbeiträge sowie etwaige in der Gemeinde gesammelte Spenden und Gaben mitzubringen, denn die Unterstützungskasse, die so überaus segensreich gewirkt hat, und an welche auch P diesem Jahre sehr große, berechtigte Ansprüche gestellt werden, bedarf der thatkräftigen Mitwirkung aller Mitglieder. 6. Düsseldorf, 17. Mai. Die Mittheilung verschiedener antisemitischer Blätter, daß im hiesigen Regierungsbezirk ein Sch acht - verbot erlassen sei, beruht auf einem Mißverständniß. Die betreffende Verfügung, die die Betäubung aller Schlachtthiere (d. h. auch der bislang ausgenommenen Schafe) vorschreibt, bezieht sich nur auf die allgemeinen Schlachtarten; auf das jüdisch-rituelle Schächten findet dieselbe nach wie vor keine Anwendung. Oesterreich-Ungarn. □ Wien, 15. Mai. Die Landtagssitzung vom 13. d. Mts-, in welcher die Minorität fehlte, gestaltete sich wieder zu einer Spezialität) die man nur bei uns in Wien finden kann. Es wurde über den Beschluß verhandelt, womit der Verwaltungsgerichtshof die Angelegenheit der Kirchenbausubventionen entschieden hat. Die Beschwerde gegen diese Subvention hat bekanntlich der jüdische Gemeinderath Herr Lucian Brunner eingebracht, und vom Berwaltungsgerichtshof wurde auch feine Beschwerde anerkannt. Nun gestaltete sich diese Sitzung zu einer wahrest Schimpforgie gegen die Juden, von denen es einer wagt, gegen die herrschende Partei aufzutreten, gegen die obersten'Richter in Oesterreich," die einen Beschluß des allerhöchsten Dr. Lueger zu annulliren sichs getrauen, kurzum gegen alle Jene, die nicht zur antisemitischen Partei gehören. Berichterstatter war der früher vielgenannte deutsch-böhmische Abgeordnete Dr. Knotz, der sagte, den Juden sei jetzt der Kamm geschwollen, sie fingen an „frech zu werden". Troll: „Man soll die Juden austreiben." Der Landmarschall ertheilt Troll einen Ordnungsruf. Sodann hielt der Geistliche Scheicher eine Brandrede gegen die Juden. — Sehr kränken muß aber die Antisemitenbande die Thatsache, daß ihnen nach einander ein schön konstruirter „Ritualmord" nach dem anderen zu nichts zerrinnt: erst war mit Polna nichts, nun ist es auch mit dem Morde in der Salzburger Leichenkammer nichts geworden, da man auch in diesem Falle bereits den Thäter in der Person eines verkommenen christlichen Fleischergehilfen eruirt hat. — Am 1. d. Mts. wurden in Polna von einer Kommission, bestehend aus dem Amtsleiter des Bezirksgerichts, dem Staatsanwaltssubstituten und dem Polizeikommissar, die Kassabücher der israelitischen Kultusgemeinde abgeholt, angeblich um die Unterstützungen, die von der Kultusgemeinde im Laufe des Jahres gewährt wurden, zu prüfen. Es muß betont werden, daß das Märchen vom Ritualmord dort noch immer geglaubt wird, und daß dieser Glaube von gewissenlosen Agitatoren auf das Eifrigste genährt wird. — Der Gerichtssekretär in Brünn, Herr David Kornitzer, wurde zum Landesgerichtsrath für Ungarisch- Hradisch, Herr Markus Klug zum Steueroberinspektor für Galizien, Herr Wilhelm Bergmann zum Kanzleivorsteher im Handelsgericht ernannt. — Am 1. Mai feierte der verdienstvolle Direktor der türkischisraelitischen Schule, Herr Emanuel Groag, fein 25jähriges Lehrerjubiläum. Dem verdienten Jubilar kamen aus den besten Kreisen der Stadt Glückwünsche entgegen, einer stimmungsvollen Feier in der Schule, die Direktor Groag seit 25 Jahren so erfolgreich leitet, folgten herzliche Ovationen im Hause des verdienstvollen Mannes, dem wir noch eine lange ersprießliche Thätigkeit wünschen. — In Drohobyez ist im 73. Lebensjahre der Vizebürgermeister und Kultusvorsteher H. Goldhammer gestorben. Von Nah und Fern. ----- Am 14. d. M. ist hier Herr Louis Mankiewitz im 67. Lebensjahre gestorben, der 31 Jahre lang Mitglied des Lissaer Hilfsvereins zu Berlin war und 14 Jahre dem Vorstand dieses Vereins angehörte. — Die Wahl des antisemitischen Reichstagsabgeordneten Lotze (Pirna) ist von der Wahlprüfungskommission für ungiltig erklärt worden. Lotze ist im vergangenen Jahre mit 11118 gegen 10 007 sozialdemokratische und 652 Stimmen der freisinnigen Volkspartei gewählt worden. — Nicht der Einjährig-Freiwillige, sondern der ehemalige Einjährige Goldstern ist bei seiner achtwöchentlichen Uebung in Zittau Feldwebel geworden. — In Hann.-Münden feierte am 10. d. Herr Mannes K atz, der älteste Bürger der Stadt, und Frau die goldene Hochzeit unter allgemeiner Theilnahme. Das treffliche Ehepaar erhielt Gratulationen und Geschenke vom deutschen Kaiser, vom Regenten in Braunschweig, vom Herzog von Cumberland und vielen Anderen. Auch der Gemeindevorstand sowie die Sinai-Loge in Kassel überreichten Ehrengaben. Ebenso betheiligte sich die Schuljugend an der schönen Feier. — Rabbiner Dr. Koch in Barmen ist zum Rabbiner in Gothen bürg in Schweden gewählt worden.. — Der Bildhauer Bayrer in München, der mit einem jungen jüdischen Künstler in einem Kaffeehaus wegen brutaler antisemitischer Flegeleien in Konflikt gerathen war, ist zu Festungshaft begnadigt worden. Einen Tag zuvor hatte das gleiche Blatt gemeldet, daß Bayrer ein von ihm angefertigtes Originalporträtrelief des Prinzregenten dem Verband der Prinzregent Luitpold-Kanoniere zum Geschenk gemacht habe. — In Mannheim ist am 10. der englische Generalkonsul Ferdinand Ladenburg im 64. Lebensjahre gestorben. Derselbe war auch Jahre lang Mitglied des Vorstandes der jüdischen Gemeinde. — Auch in Mannheim wurde ein Vorstoß gegen das Schächten seitens des Bezirksthierarztes unternommen. Das Bezirksamt gab die Sache dem dortigen Thierschutzverein zur Begutachtung und dieser erklärte, er sehe das Schächten für die denkbar beste und humanste Art der Schlachtung an. — In Amsterdam ist der allgemein angesehene Philanthrop Dr. da Costa Gomez de la Penha gestorben. Er hat 36500 Gulden verschiedenen jüdischen Instituten hinterlassen, 10000 Gulden der portugiesischen Synagoge und 10000 Gulden der Armenkommisston der deutsch-israelitischen Gemeinde. i r 1 S a x ( t ii 9 ci n ii b n x l< Q u € % d C d fl zi E w se w gi zr m w w so Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Berlin.

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