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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-19 · Heft 20 (19.5.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 20 (19.5.1899)
Date
1899-05-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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in die geheime Sitzung verlegt; Schochare Hattob und Benai Berith 2000 Mark für die Etatsperiode, 115 Schüler, Schulbesuch nicht erfreulich, am Tage der Inspektion fehlten nicht weniger als 27 Kinder; Verein in Steglitz 800 Mark, 11 Kinder, für die Kinder, die noch an keinem Unterricht theilnehmen, ist bereits das Nöttzige veranlaßt, Disziplin gut, Lehrer und Schüler bekunden guten Willst; Verein in Friedrichsberg 1000 Mark, 27 Kinder, 9 Kinder fehlten bei der Inspektion, Disziplin gut. In der anschließenden Debatte bestätigt Professor Geiger die Ausführungen des Referenten. Der Bericht sei in der That sehr traurig, daß man sich geneigt fühlen könnte, noch gar manches zu bemängeln. Er bittet, dem Verein Nweh Scholaum die Subvention zu versagen, um durch die Nichtbewilligung den Ernst und das Mißfallen der Versammlung über die Zustände in der Schule zu dokumentiren. Vom Vorstandstisch stimmt Herr Rechtsanwalt Lilienthal diesen Ausführungen zu. Der Vorstand sei überzeugt, daß diese augenblickliche Miftre nur ein Nothbehelf sei. Die Schulen hätten leider eine Existenzberechtigung, so lange die Gemeinde nicht in der Lage sei, eigene Schulen zu errichten; für die Erhöhung der Anzahl der Schulen solle jedoch das Möglichste gethan werden. Ein Hauptübelstand liege in der mangelnden Beaufsichtigung der Schulen, da die einmalige Inspektion der Rabbiner sich nicht als ausreichend betrachten lasse. Die Schulen hätten mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen, und es sei in der That nicht leicht, die Disziplin in ihnen aufrecht zu erhalten. Sobald eine dauernde Aufsicht vorhanden sei, würden auch bessere Resultate erzielt werden. Er bittet, der Streichung der Subvention nicht zuzustimmen. Schon der Antrag würde voll genügen, um den Leiter der Anstalt etwas anzuspornen, mitten in dem angebrochenen Etatsjahre könne dem Verein die Subvention nicht mehr entzogen werden. Der Referent schließt sich dieser Bitte an und hofft ebenfalls, daß die ernste Aussprache wohl schon genügen dürfte, um eine Besserung der Zustände in dieser Schule herbeizuftthren. Professor Geiger will die Existenzberechtigung der Schule in der Lothringerstraße nicht anerkennen und plädirt nochmals für Streichung der Subvention. Professor Blaschke ist der Ansicht, daß die Frage nur zu entscheiden sei, wenn man wisse, wer den Unterricht ertheile, und wie die Schule organisirt sei; auch das Schülermaterial könne ja ein schlechtes sein. Um genauere Auskunft Liber diese Fragen zu geben, wünscht der Referent, den vollständigen Jnspektionsbericht zu verlesen, beantragt aber zu diesem Zweck die Verweisung der Vorlage in die geheime Sitzung. Die übrigen Subventionen werden gemäß den Kommissionsanträgen beschlossen. Punkt 10 betrifft die Subvention von 500 Mark an den „Verein für jüdische Ge* schichte und Litteratur". Die Verhältnisse liegen hier, wie der Referent, Herr Leonhard Sachs, besonders hervorhebt, so erfreulich, daß'man wohl sagen könne, die Subvention sei gern gewährt worden. Zum Schluß wird die Vorlage auf Abänderung der Satzungen der Fürsorgekommission gemäß dem Anträge des Referenten, Herrn Lö went h al, in die geheime Sitzung verwiesen. Aus der letzteren erfahren wir, daß Herr Isidor Freymark in den Vorstand der Altersversorgungsanstalt gewählt worden ist. 8. Berlin, 14. Mai. Die aus Anlaß des Hinscheidens von Professor H. Steinthal von den Hörern der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums veranstaltete Gedenkfeier fand heute Mittag 12 Uhr im Saale der „Gesellschaft der Freunde" statt. Der Saal war aufs Würdigste geschmückt; im Hintergründe desselben war das Porträt des Verewigten, von Palmen?»nd Lorbeeren umgeben, aufgestellt. Ten dichtgedrängten Raum füllte ein auserlesenes Publikum; aus der Gelehrtenwelt bemerkten wir u. A. von der hiesigen Universität den Dekan der philosophischen Fakultät, Herrn Professor Schwartz, ferner die Professoren Weber, Weinhold und Paulsen. Das Kuratorium, Lehrerkollegium und die Hörer der Lehranstalt waren vollzählig erschienen. Vonmehreren studentischenKorpvrationen warenje drei Chargirte mit umflorten Vereinsbannern entsandt worden, so vom „Akademischen Verein für jüdische Geschichte und Litteratur" und der „Vereinigung jüdischer Studirender". Nach einleitendem Gesänge (Der Mensch der Blume gleich), der vom Chor der Synagoge Lützowstraße ausgeführt wurde, sprach Stud. phil. Schloessinger den von Stud. phil. Samuel gedichteten Prolog, in welchem in wirkungsvoller Weise der Schmerz um den Heimgang des geliebten Lehrers und Meisters zum Ausdruck gebracht wurde. Nach einem Sologesang des Fräulein Vera Goldberg hielt Dr. Max Joseph, ein Hörer der Lehranstalt, die Gedenkrede. Er suchte der schweren Aufgabe gerecht zu werden, das Lebensbild des theuren Heimgegangenen, dessen Leben sich mit seiner Lehre in selten anzutreffender Vollkommenheit deckt.', den aufmerksam lauschenden Zuhörern zu entrollen. Das Schwergewicht der Betrachtung legte Herr Dr. Joseph auf die Ethik und Religionsphilosophie Steinthals, die er in seiner formvollendeten und tiefdurchdachten Rede sehr eingehend und in philosophischem Zusammenhang schilderte. Mit abermaligem Chorgesang (Pf. 25), in dem die Solopartie von Fräulein Martha Schereschewski ausgeführt wurde, schloß die erhebende und stimmungsvolle Feier. b. Berlin, 14. Mai. Die traurige Lage der jüdischen Lehrerinnen und Erzieherinnen, die sich bekanntlich zum größten Theil in Privatstellungen befinden, hat in jüngster Zeit Vertreter des Berusskreises im Verein mit warmfühlenden Glaubensgenossen zu Maßnahmen vereinigt, die zunächst der mangelnden Altersversorgung der jüdischen Lehrerinnen abhelfen sollen. Der Beschluß, ein Israelitisches Lehrerinnenheim zu begründen, in dem jüdische Lehrerinnen nach treuem Wirken eine Stätte wohlverdienter Ruhe finden, hat in erfreulicher Weise die Sympathien weiter Kreise innerhalb unserer Glaubensgemeinschaft wachgerufen; dank dieser herzlichen, thatkräftigen Theilnahme stehen dem Verein, der stch zu diesem Zweck gebildet hat, bereits die Mittel zur Verfügung, vom 1. Oktober d. I. ab vorläufig fünf bis sechs Lehrerinnen Aufenthalt und Unterhalt in dem vom Verein einzurichtenden Heim, das provisorisch in Miethsräumen, in gesunder, ruhiger Gegend unweit des Westens von Berlin untergebracht werden soll, zu gewähren. Falls, wie zu erhoffen ist, die Ziele des Vereins die Unterstützung und Förderung immer weiterer Kreise finden, ist eine Vergrößerung des Heims sowie die Begründung von Erholungsstätten für diejenigen Lehrerinnen und Erzieherinnen in Aussicht genommen, die durch körperliches Leiden geschwächt sind und sich genöthigt sehen, ihre Thätigkeit eine Zeit lang zu unterbrechen, oder die in der Ferienzeit der Erfrischung und Krästigung bedürfen. Bei der beschränkten Zahl von Lehrerinnen, die zunächst im Heim Aufnahme finden können, und der zu erwartenden großen Zahl von Anmeldungen, liegt es im Interesse der Betheiligten, sich baldmöglichst über die Aufnahmebedingungen in das Heim beim Vereinsvorstand, an dessen Spitze Herr Rektor Dr. Adler in Berlin (Oranienburgerstraße 29) steht, zu informiren; ebenso wird es in erster Reihe Sache der betheiligten Lehrerinnen und Erzieherinnen sein, nach Kräften für ihr Heim in ihren Kreisen zu wirken und die Bestrebungen des Vereinsvorstandes durch treue Mitarbeit zu fördern. K. Pankow, im Mai. Eine kleine aber recht frohe Feier vereinigte am 14. d. M. die Vorstandsdamen und die Damen des Schuhkomitees des Mädchenhauses Pankow in den festlich geschmückten Räumen der Anstalt. Auf Anregung einiger Damen sollten diejenigen Mädchen, die aus diesem Hause hervorgegangen, und die bereits länger als drei Jahre dienen und darunter mindestens ein Jahr in einem Dienst gewesen, ehrende Anerkennungen erhalten. Etwa 15 Mädchen, die in Berlin dienen — die große Anzahl der Mädchen, die außerhalb Berlins in Stellung find, konnten der Einladung nicht Folge geben — und die 21 in der Anstalt befindlichen Zöglinge erschienen in schlichter aber blitzsauberer Kleidung im Sitzungssaal der Anstalt, wo bereits die Borslandsdamen mit ihren Gästen versammelt waren. Frau Louis M. Bamberger, die Vorsitzende des Schutzdamenkomitees, hielt etwa folgende Ansprache an die Mädchen: „Verehrte Anwesende, liebe Schutzbefohlene! Zum ersten Male seit Einrichtung des Mädchenhauses find wir in der Lage, drei Zöglingen unsere Genugthuung darüber zu bekunden, daß ste die Ziele unseres Hauses, welche die Heranbildung tüchtiger Helferinnen im Haushalt fordern, erfüllt und die Ausbildung, die sieiudemselben genossen, nunmehr auch weiter beruflich ausüben. Was der verewigte edle Stifter dieser Anstalt, Herr Justizrath Makower, erstrebt hat, beginnt jetzt Früchte zu tragen, und wenn es ihm auch nicht vergönnt gewesen, die Entwickelung bis zu diesem Zeitpunkt zu erleben, so gebührt ihm das große Verdienst, nicht nur den Grundstein dazu gelegt, sondern dem Hause durch Einrichtungen und Satzungen den Charakter ausgeprägt zu haben. Zu den Wünschen und Zielen gehört es auch, daß die ausgebildeten Mädchen ihren Beruf mit Eifer und Liebe erfüllen, daß sie das Vertrauen, das ihnen geschenkt wird, durch Treue rechtfertigen, daß sie seßhaft sind und den Familien, welchen fie ihre Dienste widmen, sich unentbehrlich machen und hierdurch vorbildlich für die

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