Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 20 (19.5.1899)
- Date
- 1899-05-19
- Page
- Seite 236 (sequence 8)
- Language
- German
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muß, daß ich auch deutsche, lateinische, französische, griechische und englische schriftliche Arbeiten machen muß, so wirst Du einsehen, daß mir wenig Zeit zur Erholung und gar keine zu freiwilligen Schularbeiten bleiben kann. Und bleibt mir dennoch dann und wann eine halbe Stunde übrig, so muß ich auch hebräisch geschriebene philosophische Schriften aus dem Mittelalter lesen und jüdische Geschichte studiren. Ich glaube, wenn Du bedenkst, daß ich täglich sechs Stunden in der Schule bin, oft sogar sieben. Du kannst zweifeln, daß ich das oben Versprochene leisten werde. Ich th»e es fast selbst, bitte aber darum Gott, mich zu stärken, meinen Vorsatz auszuführen. Dein Bruder Chajim. Es wäre ein Frevel. z»i dem rührenden Schluß dieses Briefes, der unserer Jugend in dem theueren Entschlafenen ein schönes und großes Vorbild vorführt, noch etwas hinzufügen zu wollen. Wir geben nunmehr den hebräischen Theil des Schreibens wieder. Eine Uebertragung desselben ist für die Kenner unnöthig, für alle Anderen zwecklos, da es sich doch nur um eine hebräische Stilübung handelt. Der junge Briefschreiber beklagt darin, daß das schlechte Wetter eine Zusammenkunft mit dem geliebten Bruder verhindert habe, und freut sich, im Frühling mit diesem über Natur und Freiheit sich unterhalten zu können. Dann erzählt er ihm von seinem Studium der unter dem Titel „Schemoneh Perakim" bekannten Schrift Maimünis über Ethik und Psychologie. Charakteristisch sind die Einwendungen, die der junge Steinthat schon damals gegen die psychologischen Anschauungen des spanischen Religionsphilosophen erhebt. Man erkennt schon aus den wenigen Andeutungen, daß hier ein Geist zu uns spricht, der einmal berufen sein wird, auf diesem Gebiete Bahnbrechendes zu leisten. In diesem Sinn ist auch der hebräische Brief, der nunmehr folgen möge, ein werthvolles Dokument zu der Bildungsgeschichte des unvergeßlichen Mannes. p"eS a"nn nan nartmn m nv amaanra n"a 12. Oktober 1841. nstr “irr "treaa nnnrp itraa ntrs >’2ins ’mS niStr .nrm nra naan nmi ’traa San ’2 ’ma Saai 'Sana ’Sra > amian rn ’ana ntrs Sa ns pS manSi pmsnS ’nacan msa Saai itrar sS ns ’a-trana mpina “inan p’aa riatrSi > '22 >2 nmi -? rna’si 1 .’sen siaaSi mann mtrra nmaaa n’a’a rum > ’aaS nan psn Sr man naan mairn ja naai ntra /maria n’a’a mrS sian nns '2 -nanan ps nstrn mpn Sa s'.n mnas nnr psi ’aaS ns napai ’trsn ns nama s\m napr? nartra Sr '2 'W*r nmi maS ’S nnstran sm na sSi msa ma’ nan ’a .nnna nnatra ntrs mnaa patnn iSnm /Sann pr ’a’ n n"’ mna?) psapi mnp’ ms rrm trnna Sas .mSpSpr mnns 12S’ mama ’aSini mnns nnsi nms pnS maaa trnrsi ms nntra rpa’ ts a’asn maaaan strn psn sann njsi rnsnpS pnaina san jnna ntrs—lamnna nann pma rn’ nrn nntra naSai p*a na’snn Srn 'Msi maann nSirsS natr tr1 '2 -ia’a»a nnnaa sian ntrs ns rnsaaai nmmanSaai D’arn mnnm - lamna ntrs ’matrna ns pS ainas 'ns nnm .dw mnnsa ams nnp’ Saa sS 'a n"aan.nS apnan naiatr ns 'nsnpa ’natrn ntrs naan -nnapn rnrnSi mra ipnac sS ntrs trn .\n22n man ne p’nrsimmnai ansn trsaa /s pnsi 1 nnan Sr nam 1S2 nein nbnn ts mrn mnan ps- : S"n ara natra man svS nan ntrs tr’sn p Sn traan nsian smmnan pp'm anan nrsi mmna is mmpSm nSa nms rmtr pnac traan pna: man sam ntrs sanatr iaa nms nSm nrsi nsna’ ."ms'na' nai ims’>m nai i’pSm 1S2 span nS’nn rmtr Psychologie j"rSa isnp’ ntrs naanna nam naa nSnn p Sn -(aasnpaaamnsa) ptan na tntran an traan ’pSntr naisi nns-Sra nam »a nnsi ’Satrm nmrnan -nanan -tru-an i .^ ° 236 —:— traan na sS plan na ’a ipnaf sS n'pSnn nSs ps .laacrS parn piaa nas aaatra nanan sin aai s'.n man na ns '2 .aipan n?a iS pnac psi nsiam nasSaa nsn 1S2 nt :ntn psn ar 'ama SnannS naan' nsn? ns? ns ana naS p asi? a’samn naana im nnn ina ns msnnSi naS n’atr traan 'pSn '2 . sataa pnpnai pnaa ns Sas (pasanra a'aaarpnr nrns aaaiSSatrisa) nanan : nan inara ntrs nmnsm (jrasananaamnrara) pacnm nmrnam p'pSn 'atrS npSna s'.n '2 .nanana n’pSn 'Satrm trunan sini (a"p2'Saa’t prasanra a’aaarpnr arnraais) trunan ira'Saan nrn nrnS’a) a'trman ’anrn ia mar ntrs nan nin n:n tr’ manaS nai n’trinn ii’trn ntrs (rnasatrarara pra”ii n’s nasatrnra prasanr a anaarpnr ar nras) ’Satrni nap iai S’atr’ ia ntrs ina> nnsS sataan nan sini (raan Sma’ piana n’snran ampai .aacrna nsnan -SSaa nrnn .(?nns sin na -rm sS Sas map rm mtrn laatiaatr piana!pS mStr ratrn pnana nnv pS ainas nns nra Jnn mi JainpSi pmnS mStr mStr . . S"t nin n"a a”n 'pn prns Religion oder Ration. Bon Rabbiner Dr. A. Lew in in Freiburg. fie nationale Erhebung von 1870/71 hat naturgemäß neben dem vielen Herrlichen. Großen und Guten auch Widriges lind Niedriges gezeitigt. Das erwachte Nationalbewußtsein artet hier und da zum Chauvinismus aus.^ Der Ueberschätznng der eigenen Stammestugenden entstammt nicht allein die Unterschätzung anderer Völker, sondern auch das Bedürfniß nach einem Sündenbock in der eigenen Mitte, dem man die Schuld an allem Häßlichen und Schlechten aufladen, den man den Verursacher aller Noth und allen Elends nennen und als Verdüsterer der sonnengleichen Reinheit des Volkscharakters dem allgemeinen Hasse preisgeben kann. Dieser Sündenbock ist seit mehr als zwei Deccnnien in Deutschland — das Judenthum. Was und wer ist das Judenthum? Darüber kann man sich nicht einigen. Dem Einen ist's die Rasse, dem Zweiten das Volk, dem Dritten die Religion der Juden. Besonders phantasiereiche Skribenten — hierin haben die nachahmenden Franzosen die Delltschen übertroffen — nennen wahllos, was ihnen mißfällt: jüdisch, Jude, Judenthum. Da wir mit dem Staunen der Mißbilligung auf solch unwissenschaftliches, solch ungerechtes und aller Wahrhaftigkeit widersprechendes Treiben Hinblicken — werden wir uns bewußt, daß auch wir nicht bestimmt und klar die Frage beantworten können: Was ist das Judenthum? Wer ist ein Jude? Wisse, woher du kommst und wohin du gehst, so lautet im Munde der jüdischen Lehrer die Apollomahnung: Erkenne dich selbst. Solche Selbsterkenntniß ein wenig zu fördern, das Woher und Wohin des Judenthums etwas deutlicher vor Augen zu stellen, ist die Aufgabe, welche wir der Erörterung des Verhältnisses der nationalen zu den religiösen Elementen im Judenthum gestellt haben. Daß die Juden nicht eine Rasse bilden, auch nicht einer Raffe zugehören, daß nicht Rasseneigenthümlichkeiten es sind, welche den Juden zum Juden machen, das wissen wir — das wußten wir, auch bevor Renan es wissenschaftlich nachgezeigt hat, und bevor die Schädelmessungen, die Ermittelungen über die Blonden und Braunen es Allen, die hören wollen, vernehmlich gesagt haben. Wir wissen, daß nicht erst seit dem Auszuge aus Aegypten, sondern