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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-12 · Heft 19 (12.5.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 19 (12.5.1899)
Date
1899-05-12
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Nr. 19. rjpjffy 4 Lerlin, rL. Mai 1899. Werkcrge zur „AUgemeinen Zeitung öes Iuöenthums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. §2 Berlin, 5. Mai. Die Stadtverordnetenversammlung hat in ihrer Sitzung vom 4. d.M. dem Vorschlag des Magistrats, der jüdischen Gemeinde einen Bauplatz in der Exerzierstraße neben der Reuter- Stiftung von 6419 Quadratmeter Größe zur Errichtung einer dritten Altersversorgungsanstalt unentgeltlich zu überlassen, ohne jede Debatte zugestimmt. Die Gemeinde, welche gegenwärtig in ihren beiden Altersversorgungsanstalten, Schönhauser Allee 22 und Große Hamburgerstraße 26, zusammen 240 Hospitaliten unterhält, wird schon seit längerer Zeit mit Gesuchen um Aufnahme würdiger und bedürftiger Männer und Frauen, die ihres hohen Alters wegen arbeitsunfähig geworden sind, derartig in Anspruch genommen, daß die ihr zu Gebote stehenden Räume bei Weitem nicht mehr ausreichen, um den dringendsten Anforderungen gerecht zu werden. Der Vorstand beabsichtigt nun, dem Nothstande durch den Bau einer dritten Anstalt abzuhelfen. Die erforderlichen Baukosten sowie die Mittel zur Unterhaltung der Anstalt sind theils vorhanden, theils sollen sie im Laufe der Zeit durch Zuwendungen von Wohlthätern aufgebracht werden. Der Vorstand gedenkt durch den beabsichtigten Neubau die Anzahl der Hospitaliten von gegenwärtig 240 auf 400 zu erhöhen und hat zur Begründung seines Antrages geltend gemacht, daß der Stadt Berlin durch die Unterhaltung einer so großen Anzahl arbeitsunfähig gewordener Personen, von denen der größte Theil zweifellos der öffentlichen Armeen- oder Hospitalpflege anheimfallen würde, eine erhebliche Entlastung erwächst, da der Vorstand die vollständige Erhaltung der Anstalten selbst bestreitet. Der Magistrat hat an seine Schenkung nur die beiden folgenden Bedingungen geknüpft, daß I. der Bau des Hospitals innerhalb Jahresfrist begonnen ist, und 2. das Grundstück in den Besitz der Stadtgemeinde Berlin zurückfällt, sobald die jetzige Zweckbestimmung desselben wegfallen oder geändert werden sollte. Die „Schlesische Zeitung" bemerkt hämisch zu obiger Nachricht: „Bon einer ähnlichen Freigebigkeit christlichen Kirchengemeinden gegenüber ist leider nichts bekannt " Eine Insinuation, die kaum einer Widerlegung bedarf. <^2 Berlin, 9. Mai. Am Sonntag den 14. d. Mts., Mittags 12 Uhr, findet im Großen Saale der Gesellschaft der Freunde, Potsdamerstraße 9, eine Gedenkfeier für den am 14. März d. Js. verstorbenen Professor Dr. Hajim Steinthal statt. Die Feier wird von den Hörern der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums veranstaltet und durch einen Prolog eingeleitet werden. Die Gedächtnißrede hält Herr Dr. Joseph. Der Rehfeld'sche Chor wird die Feier einleiten und beschließen. Alle Freunde und Verehrer des Verstorbenen haben zu derselben Zutritt. Eintrittskarten sind zu haben bei Herrn Cand. phil. Joseph Lehmann, Gipsstraße 22 HI links. 8. Berlin, 7. Mai. Die ordentliche Generalversammlung des Vereins Lehrlingsheim Pankow fand heute Vormittag in den Räumen der „Ressource von 1794" statt. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Kommerzienrath Löwe, die form- und fristgerechte Einberufung der Versammlung konstatirt, widmete er zunächst dem verstorbenen Herrn Adolf Ginsberg Worte ehrenden Andenkens. Auf die Verlesung des gedruckt vorliegenden Berwaltungsberichtes wird allseitig verzichtet. Wir entnehmen demselben folgende Daten. Der Verein hat jetzt sein drittes Geschäftsjahr beendet und tritt in die neue Verwaltungs- Periode mit 26 Zöglingen ein. 19 Gesuche haben aus Mangel an zureichenden Mitteln des Vereins zurückgewiesen werden müssen, was um so betrübender ist, als die Anstalt reichlich Raum für 60 Zöglinge bietet. Die Wirksamkeit des Instituts hat vollkommen den an seine Gründung geknüpften Erwartungen entsprochen. Die verschiedenartigsten Handwerke sind dort erlernt worden, und erfreulicherweise sind auch die Zöglinge ihrem Berufe treu geblieben. Ehemalige Zöglinge haben einen Verein gegründet, der die Pflege der Beziehungen zur Anstalt zum Hauptzweck hatam ersten Sonntag eines jeden Monats sowie an den Festtagen kommen sie in dem Heim, das ihnen ein zweites Mutterhaus geworden ist, zusammen. Eine höchst segensreiche Einrichtung ist von Herrn Arnold Weiß in der Anlegung von Sparkassenbüchern für besonders würdige und bedürftige Zöglinge getroffen worden; bereits 21 Schüler besitzen solche Bücher mit Einzelbeiträgen von 10—80 Mark. Die Bücher bleiben bis zum vollendeten 21. Lebensjahr des Zöglings, falls nicht ein besonderer Bedürfnißfall eintritt, in den Händen der Verwaltung. Der Bestand der Anstaltsbibliothek beläuft sich auf rund 400 Bücher. Der bisherige Leiter des Heims. Herr Max Wjlinski, ist nunmehr definitiv als Direktor angestellt. Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich wiederum vermehrt und beträgt jetzt 410. Der Bericht gedenkt zum Schluß der schweren Verluste, die der Verein durch den Tod der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth, welche einen der höchsten Beträge für die Vereinszwecke gespendet hat, und des Herrn Adolf Ginsberg, eines der eifrigsten Mitglieder des Kuratoriums, erlitten hat. Aus Anlaß des Hinscheidens des Letzteren sind von der Wittwe und den Kindern zwei Spenden mit einem Betrage von je 2500 Mark ins Leben gerufen worden. Der Rechnungsabschluß des Heims balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 36796,90 Mark. In der heutigen Generalversammlung fügte der Vorsitzende unter Worten herzlichsten Dankes hinzu, daß von Frau Franziska Ginsberg wiederum 5000 Mark eingegangen sind, und.daßHerr Rudolf Mosse dem Verein 1000 Mark zugewendet hat. Herr Rechtsanwalt Kraft ergänzt den Bericht dahin, daß der Verein beschlossen habe, zur Förderung seiner Ziele eine neue Propaganda in die Wege zu leiten, und zwar soll, da die meisten Zöglinge nicht aus Berlin stammen, in den Provinzen bei Instituten und Privaten nach Kräften für den Verein geworben werden. An den Vorstand der hiesigen jüdischen Gemeinde sei ferner eine Petition gerichtet worden, dem Verein für 3 Jahre je 6000 Mark zu gewähren. Es stände zu wünschen, daß der Gemeindevorstand sich dem Lehrlingsheim durch die Annahme der Vorlage ebenso geneigt zeige, wie er es z. B. dem Mädchenhaus Pankow gegenüber gethan hätte. Alsdann wurden die Rechnungsrevisoren dechargirt und per Akklamation wiedergewählt. An Stelle des Herrn Adolf Ginsberg wird Dr. I. Ginsberg in das Kuratorium abgeordnet. Zum Schluß befürwortete Herr M. D. Fei lchenfeld, der die spezielle Beaufsichtigung des Heims in dankenswerther Weife wieder übernommen hat, die Höhe des Voranschlages mit 20000 Mark. In bester Weise werde nicht nur für das geistige, sondern auch für das Leibliche Wohl der Zöglinge gesorgt, deren körperliches Gedeihen ein vorzügliches sei. Er richtete einen besonders warmen Appell an die Mitglieder des Vereins, den für die Zöglinge angelegten Sparkassenbüchern, deren Einrichtung sich als sehr werthvoll herausgestellt und wesentlich zur Entlastung der Anstalt beitrage, Beträge zuzuwenden. — Wir möchten den Bericht nicht schließen, ohne auch unsererseits auf das edle Ziel hinzuweisen, das sich der Verein gesteckt, dessen volle Erreichung aber nur möglich ist, je mehr Wohlthäter, Gönner und Freunde für das Heim geworben werden. H: Marienwerder, im Mai. Der Verein jüdischer Religionslehrer Westpreußens versendet die Einladung zur Generalversammlung in Thorn am 21. und 22. Mai im Konferenzzimmer der jüdischen Gemeindeschule. Die Tagesordnung ist folgende: Am 21. Mai Nachmittags 3 Uhr: 1. Begrüßung durch den Vorsitzenden. 2. Bericht über den ersten Berbandstag in Berlin am 26. und 27. Dezember v. I. vom Vorsitzenden. 3. Referat über das vom Verbandsvorstand gestellte Thema: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden. Referent Herr Rynaezewsky-Pr. Stargard. Am 22. Mai Vormittags 9 Uhr: 1. Lehrprobe: „Die Unterdrückung des Volkes Israel in Aegypten und die Geburt Mose". Herr G. Chaim-Thorn. 2. Antrag des Kollegen Herrn Mannheim-Graudenz, betreffend die Besserstellung der jüdischen Religionslehrer Westpreußens. 3. Bericht des Rendanten und dessen

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