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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-05 · Heft 18 (5.5.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 18 (5.5.1899)
Date
1899-05-05
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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■Hmmvmm Jl% Kantor der Synagogengemeinde in Rogasen berufen worden. — Im Alter von 64 Jahren verschied neulich der Kaufmann Moritz Schreiber in Schrimm. Derselbe war Mitbegründer und Vorstandsmitglied des dortigen israelitischen Krankenpflegevereins sowie langjähriges Mitglied des dortigen Repräsentantenkollegiums. Außerdem war Herr Schreiber viele Jahre hindurch Beigeordneter der Stadt Schrimm und Mitglied der Handelskammer zu Posen. — Kürzlich feierte das A. W. Moses'sche Ehepaar in Kempen das Fest der goldenen Hochzeit. — Der jüdische Religionsunterricht an der städtischen Mittelschule zu Jnowrazlaw wurde bisher in einer Stunde wöchentlich ertheilt. Da die Zahl der jüdischen Schüler auf 52 angewachsen ist, so wird derselbe fortan auf Grund eines jüngst gefaßten Beschlusses der Stadtvertretung daselbst in wöchentlich zwei Stunden ertheilt werden. Dem den Unterricht ertheilenden Lehrer sollen hierfür jährlich 200 M. gewährt werden. y Dresden, 27. April. Der Berwaltungsbericht und die Jahresrechnung der hiesigen Israelitischen Religionsgemeinde auf das Jahr 1898 ist eben erschienen. Derselbe konstatirt vor allem die Thatsache, daß diese Gemeinde Ende 1898 485 stimmberechtigte Mitglieder hatte. Ausgeschieden sind 1898: 23 (21), davon 7 (9) infolge Ablebens, 16(11) infolge Wegzugs. Die Religionsfchule besuchten 1898: 269 Schüler, 143 Knaben und 126 Mädchen. Sie hat 6 Knaben- und 6 Mädchenklassen mit je zweijährigem Kursus für die unterste und die oberste Klasse. An ihr unterrichten Rabbiner Dr. Winter als Direktor, die Herren Auerbach, Wolffohn, A. Levi (an Stelle des abgegangenen Golde) und Frau Wolfsohn. Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung vom 3. Dezember 1695 befanden sich von überhaupt 9902 Juden in Sachsen: 2547 in Dresden, 4862 in Leipzig, 995 in Chemnitz, 147 in Zittau, 146 in Plauen, 90 in Annaberg. „Und darum Räuber und Mörder!" An Stelle des unvergessenen Emil Lehmann s. A., dem der Bericht einen warmen Nachruf spendet, ist der bisherige Deputirte Rechtsanwalt Dr. Felix Bondi zum Gemeindevorsteher gewählt. Zur Ehrung Emil Lehmanns und zum dauernden Gedächtniß seines Wirkens ist auf Anregung des Gemeinderathes eine Geldsammlung behufs Begründung einer Wohlthätigkeitsstiftung veranstaltet worden. Es wurde demnächst ein Betrag von 14 281,15 Mark aufgebracht, darunter 3500 Mark, welche die Hinterbliebenen Emil Lehmanns spendeten. Aus Anlaß des fünfundzwanzigjährigen Regierungs- Jubiläums des Königs widmeten demselben die israelitischen Religionsgemeinden zu Dresden, Leipzig und Chemnitz eine Adresse, die durch eine Deputation überreicht wurde. Die Deputation ist darauf zur königlichen Tafel gezogen, auch zur Vorstellung im Hoftheater geladen worden. Sie war durch eines ihrer Mitglieder bei dem aus Anlaß des Jubiläums veranstalteten Hofball vertreten. Dagegen ist die auf die Schächtangelegenheit bezügliche, an das Kultusministerium gerichtete Eingabe der Vorstände der israelitischen Religionsgemeinden zu Dresden, Leipzig und Chemnitz, vom 6. Dezember 1887, mittelst Verordnung vom 26. März 1898 abschlägig befchieden worden, der Gemeinderath wird aber doch auf diese Angelegenheit unter günstigeren Verhältnissen zurückzukommen. Ferner hat das Kultusministerium dem Vorstand mitgetheilt, daß auf den letzten Landtagen wiederholt aus den Kreisen der Abgeordneten Anstände erhoben seien gegen die Bewilligung des jährlichen Betrages von 600 Mark, welcher der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde aus Staatsmitteln seit dem Jahre 1836 gewährt wird. Da es sich insoweit um eine Ausgabe handle, zu deren Bewilligung eine Verpflichtung des Staates nicht bestehe, und da mithin zu erwägen, ob und inwieweit eine gleiche Unterstützung auch ferner bei dem Landtage zu postuliren sei, hat das königliche Ministerium dem Vorstand anheim gegeben, sich, dafern er nach Lage der Sache nicht vorziehen sollte, auf die Fortgewährung dieses Betrages überhaupt zu verzichten, eine Erklärung darüber abzugeben, ob und eventuell aus welchen Gründen noch die Fortdauer eines Bedürfnisses für eine solche Unterstützung behauptet werden könne. Dieser Staatsbeitrag ist seinerzeit, gelegentlich der Anstellung des Oberrabdiners Dr. Zacharias Frankel, in Rücksicht auf die damals getroffenen verbesserten Einrichtungen in Bezug auf den israelitischen Kultus in Sachsen bewilligt und seitdem unverändert bis jetzt fortgewährt worden. Wenn schon die Verhältnisse seitdem eine wesentlich andere Gestaltung angenommen haben und daher von einer Nothwendigkeit dieses Beitrags zur Ausgleichung eines Gemeindehaushaltes allerdings keine Rede sein kann, hat man doch auf diesen Beitrag deshalb besonderen Werth legen zu sollen geglaubt, weil durch denselben die staatliche Fürsorge auch für den israelitischen Kultus zum äußeren Ausdruck gelangt, und andere Religionsgemeinschaften mit verhältnißmäßig höheren Zuwendungen aus Staatsmitteln bedacht werden. Der Gemeinderath hat unter Bezugnahme hierauf dem Ministerium gegenüber zum Ausdruck gebracht, daß auf Fortgewährung des, wennschon geringen, Beitrages aus Staatsmitteln seitens der Gemeinde doch besonderer Werth gelegt werden müsse. Die Vermögenslage der Gemeinde war eine günstige. Die Einnahmen betrugen 55 675 Mark, die Ausgaben 51117 Mark. m Hamburg, 23. April. In der Israelitischen Haushaltungs schule, welche sich während der kurzen Zeit ihres Bestehens eines außer-- ordentlichen Aufblühens zu erfreuen hat, fand im Beisein der Damen und Herren des Kuratoriums, sowie vieler Freunde und Gönner des Instituts die erste Abgangsprüfung statt. Der Präses, Herr Gustav Tuch, begrüßte die Anwesenden und wies in einer längeren Ansprache auf die hohe Bedeutung der Haushaltungsschulen in praktischer und ethischer Beziehung hin. Sodann erfolgte die Prüfung der Zöglinge durch die Leiterin der Kurse, Fräulein Goldschmidt, der sich ein Probe- Essen, das von den jungen Mädchen zubereitet war, und das allgemeinen Beifall fand, anschloß. Mit einem Hinweis des Fräulein Goldschmidt, daß die jungen Mädchen jetzt in das praktische Leben eintreten und sie vor allen Dingen pflichtgetreu sein müssen, schloß die einfache aber würdevolle Feier. Von den entlassenen Schülerinnen haben bereits die meisten Stellung als Köchinnen, Hausmädchen, Stützen der Hausfrau u. s. w. gefunden. Seit Oktober vorigen Jahres werden auch täglich eine Anzahl Portionen Essen gegen geringes Entgelt an Wohlthätigkeits-Vereine und Private abgegeben, eine Einrichtung, die, wie der Vorsitzende konstatirt, sich außerordentlich bewährt hat. Das neue Semester Anfang April beginnt mit einem Doppelkursus von 24 Schülerinnen, ein Beweis dafür, wie sehr die fegenSvolleEinrichtung immer mehr Anklang findet.— Das Altenhaus der Deutsch-Israelitischen Gemeinde ist durch die ihm zugewendeten Spenden und Legate in die glückliche Lage versetzt, einen bedeutenden Erweiterungsbau aufführen zn können. Der Bau ist so rüstig fortgeschritten, daß er vielleicht schon im Sommer bezogen werden kann. Es ist dem Vorstand hierdurch die Möglichkeit gegeben, eine größere Anzahl betagter Leute wieder aufnehmen zu können. o. Frankfurt a. M., 30. April. Am 24. d. M. ist hier der durch sein Welthaus bekannte Generalkonsul Ludwig Kopp nach längerem Leiden gestorben. Ein zahlreiches Gefolge von Leidtragenden gab dem verdienstvollen Manne das letzte Geleit zu seiner Ruhestätte auf dem israelitischen Friedhof. Die tiefergreifende Trauerrede des Rabbiners Dr. Plaut schilderte den Verstorbenen als einen Mann, der trotz seiner ausgedehnten geschäftlichen Thätigkeit sich in hohem Maße den Sinn für die idealen Güter des Lebens bewahrte. Mit weit ausschauendem Blick in seinem Beruf hat General-Konsul Kopp weit über die vaterländischen Grenzen hinaus sein Haus zu einem Welthaus gemacht. Allezeit hatte er ein offenes Herz und eine offene Hand für die Noth seiner Mitmenschen. Am Grabe legten Kränze nieder Prof. Dr. Kamp für den Verein „Ausländerheim" und Buchdruckereibesitzer Fey für den Verein „Ornis". Ferner wurden Kränze niedergelegt im Namen des griechischen Geschäftsträgers in London, des gesummten Personals der Firma Jakob Kopp Söhne und von Hamburger Freunden. Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 1. Mai. In einer der jüngsten Sitzung des Landtages wüthete der Antisemit Schneider wieder in wahnwitziger Weise gegen den Landmarfchall, der ein Memorandum des Stampiglien- Schneider nicht zur Verlesung gelangen ließ; selbstverständlich handelte das saubere Machwerk über die Juden, über die Ritualmorde, über den neuesten Mord in Polna, den die Juden begangen hätten, trotzdem bereits ein verkommener tschechischer Trunkenbold namens Janda verhaftet und des Mordes dringend verdächtig ist — allein mit der Wahrheit ist eben diesen Leuten nicht gedient, sie wollen eben ihren „Ritualmord" durchsetzen! — In Nacho d ist wohl anscheinend Ruhe eingetreten, allein die kleineren jüdischen Geschäftsleute leiden hart unter dem Boykott, mit dem sie von den von gewissenlosen Agitatoren aufgewiegelten Arbeitern belegt werden. — In Graz wurde eine in der Buchhandlung „Styria" erschienene Broschüre: „Der Jude des 19. Jahrhunderts, oder warum sind wir Antisemiten?", nachdem bereits 6000 Exemplare abgesetzt worden waren, konfiszirt. — Am 9. Mai findet vor einem Erkenntniß-

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