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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-05-05 · Heft 18 (5.5.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 18 (5.5.1899)
Date
1899-05-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 zuflößen verstand. So war er ein echter Bildner der Jugend, der in. der treuen Erfüllung seiner hehren Pflichten Allen ein Muster edelster? Art war. — Seinem vielgestaltigen äußeren Leben entsprach sein reichest Gemüthsleben. Was immer ihn bewegte, setzte fich bei ihm in Verse^ um; bei allen feierlichen Gelegenheiten, mochte es sich um religiöse obm patriotische Veranstaltungen oder um Festlichkeiten handeln, wie sie das; Leben der Schule mit sich bringt, gab er den Gefühlen der Kinder ins zarten formvollendeten Dichtungen Ausdruck. Doch nicht nur die Schule^ sondern auch das Haus und der Freundeskreis regten ihn zu immer? neuem dichterischen Schaffen an, und als schwere Krankheit ihn zwang, sein Amt niederzulegen, wußte er seine unfreiwillige Muße nicht schöner, zu verwendeu, als daß er seine Seele in Dichtungen ausströmen ließ. Redner trug einige solcher Gedichte vor, die den Verstorbenen als einen? Dichter erkennen ließen, dessen Geistesprodukte weit über das Mittelmaß, hinausreichten; als besonders treffende Belege dafür seien angeführte das Zecherlied, das er sich selber zur Silberhochzeit zum Preise dev; Liebe und des Weines dichtete, und das Lied, mit dem. er den, heimathlichen Wald begrüßte, als er an der Schwelle des Greisen-; alters jenes Fleckchen Erde betrat, das er als Knabe in leim' Herz geschlossen hatte. Bei einem so reichen Gemüthsleben war eW natürlich, daß seine Seele nicht nur nach Freundschaft strebte, sondern auch Freundschaft bot. Dies zeigte sich namentlich in seinem Verhalten den jungen Kollegen gegenüber, deren inniger Zusammenschluß in der« „Wissenschaftlichen Bereinigung" er freudig begrüßte und förderte. Wenm es ihm auch infolge seines Gehörleidens nicht möglich war, sich an dentz Verhandlungen so lebhaft zu betheiligen, wie er es wünschte, so be-. reitete es ihm doch hohe Freude, den Eifer zu erkennen, mit dem sich die Vereinsmitglieder die Förderung der Ziele der Vereinigung angelegen sein ließen. Sein lebhaftes Interesse für die Vereinigung bekundete m dadurch, daß er allen Festesfeiern durch seine Dichtungen eine höhere? Weihe verlieh, und noch einige Tage vor seinem Tode kam er in die? Vereinsversammlung, um ein Lied, das er für das bevorstehende Stif< tungsfest gedichtet hatte, zu übergeben. Schwer ist die Wunde, die das •) Hinscheiden dieses edlen Mannes dem Verein geschlagen, aber der Verein, wird seinen Senior dadurch ehren, daß er nicht nur in Liebe und Treue? seiner gedenkt, sondern auch seinem Beispiel nachzueifern bestrebt ist. —; Nach dieser Rede, die einen nachhaltigen Eindruck auf die Hörer machte, trug Herr Kantor Friedemann in meisterhafter Weife die Arie aus«, „Elias": „Dann werden die Gerechten leuchten" vor. Nachdem noG Herr Baranowitz einen von Lehrer Bernhard-Tarnowitz gedichteten. Nachruf deklamirt hatte, wurde mit dem Quartettgesang: „Was war Staub, geht heim zum Staube" die Feier in stimmungsvoller Weise geschlossen. L. Aus Westpreutzen, im April. Die Ehrenrettung zweier angesehener israelitischer Bürger dürste auch die Leser dieses Blattes interessiren. Am 1. Dezember 1898 erregte die unter dem Verdacht der Brandstiftung erfolgte Verhaftung des hochangefehenen Kaufmanns Pächter in Tiegenhof, Westpreußen, und des bei ihm angestellten Geschäftsführers Jacobsohn allgemeines Aufsehen. Am 6. Dezember! wurden die beiden Angeschuldigten auf die Beschwerde ihres Verteidigers aus der Untersuchungshaft entlassen. Sie sind jetzt endlich durch Be-! schluß der Elbinger Strafkammer auf Antrag der Staatsanwaltschaft« mit der ausdrücklichen Begründung außer Verfolgung gesetzt worden, daß der gegen die beiden Angefchuldigten anfänglich rege gewordene Verdacht gänzlich beseitigt ist. Bemerkenswerth ist die Thatsache, daß die beiden unschuldig Verfolgten ihr schweres Mißgeschick, lediglich dem Uebereifer eines auf falsche Fährte gerathenen Privatdetektivs zu verdanken haben, welcher im speziellen Aufträge und auf Rechnung des durch das Feuer schwer geschädigten Herrn Pächter eigens nach Tiegenhof gekommen war, um die Entstehungsursache des Brandes festzustellen und den Thäter zu ermitteln. — Am 1. April beging der Kantor der jüdischen Gemeinde in Nauenburg, Herr Prager^ das seltene Fest des 50jährigen Bürger- und Amtsjubiläums. Aus diesem Anlaß fand in der dortigen Synagoge ein Festgottesdienst statt, zu welchem der Jubilar von dem Vorstand und den Repräsentanten der Gemeinde abgeholt wurde. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Danzig hielt eine ergreifende Festrede. Im Namen des Magistrats und der Stadtverordneten beglückwünschte den Jubilar Herr Bürgermeister Buchhorn und Herr Rechtsanwalt Lau. Die Synagogengemeinde spendete ihrem langjährigen Kantor eine Geldsumme, auch trafen Gratulationen und Ehrengeschenke aller Art von außerhalb von früheren Nauenburgern ein. Die Fleischer-Innung ehrte den Jubilar durch Ueberreichung zweier Kandelaber. — Die neue Synagoge in Danzig ist jetzt mit einem Kostenaufwand von 25000 Mark im Inneren mit herrlichen Malereien geschmückt worden. — Herr Kaufmann Lehmann in Goldap ist zum Kreistagsmitglied gewählt worden. — Die zum Besten der Ausschmückung der neuen Synagoge inZempelburg veranstaltete Dilettantenvorstellung erfreute sich eines sehr großen Besuches. Die Gesammteinnahme betrug 370 Mark. Herr. Fabrikbesitzer und Vorsteher der Synagogengemeinde Goldfarb in Pr. Stargard wurde in den Vorstand des dortigen Kriegervereins gewählt. — Auch in Krojanke ist in dem gleichen Verein Herr Kaufmann Cohn in den Vorstand wiedergewählt — In Schlochau traf am 6. April im Aufträge eines Komitees für Ferienkolonien ein Herr aus Berlin ein, um für 20 jüdische Schulkinder bei jüdischen Familien freies Quartier während der Sommerferien zu beschaffen. Das Ansuchen wurde in befriedigender Weise erfüllt. Q, Lissa, 28. April. Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen versendet die Einladung zur 11. Jahresversammlung, welche am 25. Mai, Vormittags lO^ Uhr, in Posen in Sterns Hotel, Wilhelmstraße 1, stattfindet. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Berichterstattung. 2. Kassenbericht. 3. Vortrag über das Verbandsthema: „Welche Anforderungen müssen an die jüdischen Lehrer und Lehrerbildungsanstalten gestellt und von beiden erfüllt werden? Falkenstein-Birnbaum. 4. Referate über eingesandte Lehrbücher. 5. Beschluß über die fernere Mitgliedschaft der Säumigen. 6. Neuwahl des Vorstandes. 7. Neuwahl von 2 Delegirten. 8. Die beabsichtigte Gründung einer Berbandszeitschrift. 9. Tag und Ort der nächsten Versammlung. Anmeldung von Borträgen für dieselbe. 10. Anträge aus der Mitte der Versammlung. Lp. Aus der Provinz Posen, im April. Kürzlich hielt der Israelitische Frauenverein in Bromberg seine ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Geschäftsbericht zählt der Verein gegenwärtig 143 Mitglieder. Die Gesammteinnahme betrug im letzten Jahre 7151,90 Mk., die Ausgabe 1865,33 Mk. In den Vorstand wurden die Damen Johanna Loewenberg, Doris Aronsohn, Frau Fink und Frau Martha Baerwald theils wieder-, theils neugewählt. Als Schriftführer fungirt Herr Ludwig Weisbein. — In der Synagoge zu Schrimm war vor einiger Zeit ein Bursche von dem Synagogendiener abgefaßt worden, als er einen faustgroßen Stein in das Gotteshaus geschleudert und dabei mehrere Scheiben zerschlagen hatte. Der Synagogendiener wollte den Burschen hierfür züchtigen, doch suchten dies der Fischer Tarnowski daselbst, seine Frau und noch zwei andere Herren zu verhindern. Hierbei kamen sie in ernsten Streit und gingen zu Thätlichkeiten über. Der Fischer Tarnowski wurde von der Strafkammer zu Schrimm hierfür neulich zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt. — Zum Kantor der jüdischen Gemeinde in Schmiegel ist Kantor Teller aus Steinau gewählt worden. — Dem Hauptlehrer Rieß in Krotoschin ist die Lokalfchulinspektion über die dreiklasstge jüdische Schule daselbst übertragen worden. — Kürzlich starb in Samt er im Alter von 64 Jahren der Kaufmann Heimann Holländer. Derselbe war ein sehr eifriges Vorstandsmitglied der dortigen Chewra-Kadischa. — Dem Moritz Kaphahn'fchen Ehepaar in O st ro w o ist anläßlich seiner goldenen Hochzeit ein Gnadengeschenk von 30 Mk. überwiesen worden. — Der Gründer des israelitischen Waisenhauses in Kempen, Rentier M. L. Schaps daselbst, ist kürzlich in hohem Alter gestorben. — Der Etat der jüdischen Schulgemeinde in Wreschen ist pro 1899/1900 in Einnahme und Ausgabe auf 4050 M. festgesetzt. — Die Lehrerin Fräulein Selma Veilchenseld in R o g a s e n ist als Lehrerin nach Hamburg berufen worden. — Der Kaufmann Gerson Bergmann in Kröben hat aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages neulich dem Magistrat daselbst einen Betrag von 100 M. zur Bertheilung an Arme überwiesen. Außerdem hat derselbe der jüdischen Gemeinde einen Betrag von 300 M. zugewendet. — In den Mittelfeiertagen des diesmaligen Pessachfestes verstarb im Alter von 93 Jahren der frühere Kaufmann L. I. Selka in Posen, einer der bekanntesten Talmudgelehrten der Provinz. — Der langjährige Vorsteher der Synagogengemeinde in Ko fisch in, Herr Kaufmann Salomon Jtzig, ist kürzlich in hohem Alter gestorben. — Der Lehrer Paczkowski in Nakel hat einen einjährigen Urlaub genommen, um fich an einem Gesang- und Harmonielehr - Kursus in Berlin zu betheiligen. — Kantor Jäger in Pudewitz ist zum

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