Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 26 (1.3.1838)
- Date
- 1838-03-01
- Page
- Seite 103 (sequence 3)
- Language
- German
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103 die Offenbarung, zurückstoßend, so daß die Religion nicht als etwas Gegebenes, sondern Ln jeglichem Menschen Werdendes betrachtet wird, aus allem Organismus der Zeit und Menschheit herausschreitet, und das Jndenthum im Judenthume vernichtet, so kann nur die erste Klasse der Stockorthodoxen, der unbeweglichen Stabilität, jene auf ihrer Dampfwagenfahrt in's — Nichts, zurückhalten, und es wäre vorerst ein Unglück, wenn nicht naturgemäß das eine Extrem das andere hervorriefe und beharrend machte. — Glücklicherweise ist der vierten Gattung, die, wie Sie sagen, der besonnenen fortschreitenden Menge, welche zwar die einstigen Resultate des Judenthums als solche anerkennt, wol aber nach Gemäßheit der Bedürfnisse der gegenwärtigen Menschen und der Bedingungen der Zeit, die Nothwendigkeit der ceremoniellen Einrichtungen und Formen bekennt und bethätigt — gleicherweise, sage ich, ist auch dieser Gattung die dritte nothwendig, d. i. der neuen Quast-Orthodoxen, um -— nicht zu erschlaffen und Ln bequeme Lethargie zu verfallen, die Alles gehen läßt, wie es— Einzelnen im Augenblicke gefällt. Denn, bemerkten Sie wol, wie die Stabilen die alte todte Masse lediglich als solche festhalten, die Rationalen hingegen den Geist allein in seiner Spiritualität, ohne alle formelle Gestaltung darstellen wollen, so suchen die neuen Quasi-Orthodoxen den Geist in die todte Materie zu ziehen, um dieser den Schein des Lebens zu geben, wohingegen die vierte Gattung der besonnenen Fortschreitenden die Materie dem Geiste organisch accomodiren, sie den Gesetzen der geistigen Bewegung unterordnen, und von ihnen beherrschen lassen will. Es würden sich aber 'die Letzten nur als juste millleu zwischen jenen beiden Extremen geben, und so bald in nichts als einer unthätigen passiven Fluctuation zwischen beiden Enden bestehen, ohne alle eigene Lebensschöpfung, wenn nicht die neuen Quasi-Orthodoxen sie zu eigener Production zwängen und anhielten, um sich von ihnen zu unterscheiden, und ihre Bestrebungen zu unterscheiden. -Lassen Sie uns dies auch noch von einer andern Seite auffassen. Die ersten, die Orthodoxen, sind die Vergangenheit Israels, ohne alles Verhältnkß zur Gegenwart, eben so die Zweiten, die Rationalen, die Zukunft, ohne alles Verhättniß zur Gegenwart: so wie aber nun die Dritten, die neuen Quasi-Orthadoxen die Vermittelung der Vergangenheit zu bewirken streben, eben so suchen die besonnenen Fortschreitenden die Vermittelung der Zukunft mit der Gegenwart zu bewirken. Jeder umsichtige Forscher wird aber zugeben, daß in einer organischen Erscheinung alle diese Elemente vorhanden sein müssen, und daß in den Schranken dieser Giltigkeit, aber nur in diesen, eine jede Parthei ihr Recht hat, wenn sie auch nicht recht hat. Wir können das Judenthum nickt von seiner Vergangenheit, aber auch nicht von seiner Zukunft trennen; wir können das Judenthum eben so wenig als völlig abgeschlossen betrachten, als hinwiederum daß es, seine ganze bisherige Laufbahn zurückstoßend, seine bisherigen Ergebnisse mit einem Mate vernichten, und sich als ein ganz neues wiedergebären soll. Bei der tiefen Erforsckung des Judenthums stellt sich stets eine doppelte Frage dar: erstens, welches ist der Zweck des Judenthums? und zweitens, welches ist die rechte Form des Judenthums? Denn ein Jeder sieht ein, daß am zwecklichen Leben zugleich ein Formlebm vorhanden sein muß, und daß die Form nicht eher aufhoren kann, ehe nicht der Zweck erfüllt ist. Diese Form kann aber nur allein in dem Zwecke selbst ihre Wahrheit und ihre Gemäßheit finden. Wir haben hiefür schon zwei Perioden abgeschlossen vor uns liegen. Die erste Periode, der Tempel und die palästinensische Form; die zweite, die Synagoge und die mittelalterliche Form. Wie in den letzten Jahrhunderten des zweiten Tempels der Uebergang zu der mittelalterlichen Synagoge bewerkstelligt worden, so bearbeitet die Gegenwart den Uebergang zu der neuern Form. Der Zweck, und in ihm das Wesen, bleiben natürlich in allen Jahrhunderten dasselbe. — In diesen letzten Worten haben Sie meine Ansicht; es ist nicht eine historische, sondern die menschengeschlechtliche Auffassung des Judenthums, und bei der näheren Ausarbeitung dieser Andeutung würde sich eben so die Stellung des Judenthums zum Menschengeschlechte, als der Schlüssel zu der bisherigen Gestaltung und den bisherigen Schicksalen des Judenthums und seiner Anhänger ergeben. Dies aber muß ich mir bis auf ein andres Mal aufheben. Nur so viel noch, daß das Opfer Abrahams nicht so zwecklos von der heil. Schrift am Eingänge in die jüdische Geschichte hingestellt ist, sondern als Symbol, wie das ganze Geschlecht als wirkliches Opfer für den Glauben des einigen Gottes sich hingeben solle und würde. M. Correspondenzen, Auszüge, Repliken. München, Januar. Gottesdienst. Ich gehe von der Geschichte des Entstehens unserer Gemeinde und von der Aufzählung der hier bestehenden Vereine zu unserem Gottesdienste über: