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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-28 · Heft 17 (28.4.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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' -•" “ - “-V“' ” ’ ‘V. * «-• t «,?'' Etats für 1899 in Höhe von 28,000 Mark genehmigt. Es folgt alsdann die ErgänzungSwahl für den Vorstand. An Stelle des verstorbenen Herrn Adolf Ginsberg wird Herr Ludwig Ginsberg gewählt. Die in diesem Jahre ausscheidenden Vorstandsmitglieder, Geheimrath Dr. Boas- Berlin, Banquier Köhler-Fürstenwalde, Ferdinand Landsberger-Breslau, Gustav TuchHamburg, sowie die Herren Revisoren, Heinrich Frankel, Oskar Rathenau, Oscar Berlin, werden wiedergewählt! Beim letzten Punkt der Tagesordnung: «Vereinsangelegenheiten", entspann sich eine lebhafte Debatte über die eventuelle Aufnahme von ausländischen Zöglingen. Die Mehrheit der Versammlung ist der Ansicht, daß bit Anstalt in erster Reihe nur Zöglinge aus Deutschland zu berücksichtigen habe. Mit einem warmen Appell an die anwesenden Vereinsmitgliederin ihren Kreisen für die Tendenz Äs Vereins zu wirken, schließt der Vorsitzende die Versammlung. v. Trbg. Berlin, 19. April. Nach einer Meldung in einer der letzten Nummern dieses Blattes hat sich in Siebenbürgen eine judaifirende Sekte, die „Adventisten des siebenten Tages", gebildet. Es dürfte weitere Kreise interesfiren, daß diese Sekte auch in Berlin ihre Anhänger hat. Sie feiern den Gabbath, haben, irre ich nicht, eine eigene Kapelle und besitzen eine Bibelausgabe, die nähere Aufschlüsse über ihre Ziele und Hoffnungen giebt. An einem der vor zwei Jahren von Pastor Faber veranstalteten Bekehrungsadende trat ein Anhänger dieser Sekte gegen die Judenbekehrungsversuche mit vielem Eifer auf und erklärte alle Religionsformen als unvollkommene Vorstufen des Judenthums. „Nicht alle Juden sollen Christen, sondern alle Christen müssen Juden werden," sagte er in seiner gegen den.-Pastor Faber gerichteten Erwiederung. Außer dem Redner waren noch zwei andere Herren dieser Richtung damals in der Bersanunlung anwesend. In der Privatunterhaltung hörte ich als Domizil Weißensee nennen, nur habe ich nicht recht verstanden, ob sich dort die Privatwohnung des Redners oder die Betstätte der Sekte befindet. Auch in anderen Städten, z. B. Köln, wohnen Anhänger der Sabbathfeier am 7. Tage der Woche. Es darf bei der Gelegenheit auf ein neulich erschienenes Inserat eines nichtjüdischen Kaufmanns hingewiesen werden, dessen Geschäft am Sonnabend streng geschlossen bleibt. Die „Adventisten des siebenten Tages" sind jedenfalls mit den Unitariern wefensverwandt und haben gleich diesen eine streng monotheistische Auffassung von Gott. Immerhin sind derartige Bestrebungen, die innerhalb einMMerdings kaum nennenswerthen Bruchtheils im Christenthum entstanden find, für den unparteiischen Beobachter von hohem Interesse. k. Berlin, 21. April. Die Orientreise des Kaisers wird jetzt vielfach in öffentlichen Vorträgen behandelt. Einen sehr anziehenden Bortrag über dieses Thema hielt kürzlich der erste Vorsitzende des deutschen Gastwirthsverbandes, der in weiten Kreisen bekannte Herr Theodor Müller. Von seinemBesuch der Insel Corfu erwähnteder Vortragende den interessanten Besuch im Achilleion der verstorbenen Kaiserin Elisabeth von Oesterreich, auf dessen Schloßhof Heinrich Heine unter einem Baldachin fitzt, das Bildwerk schmücken die bezeichnenden Verse des Dichters: „Was will die einsame Thräne, was trübt sie meinen Blick?" In Jerusalem hat der Reisende „Tausende von Juden, in weißen Kleidern von den Bergen herabkommend, an den Gräbern beten" gesehen. Ebenso hat er während seines Aufenthaltes in der heiligen Stadt keinen Tag versäumt, um die Kaussel maarowith, „die Klagemauer der Juden", aufzusuchen. „Es ist das kein leeres Gethue," — sagte der Redner seinen christlichen Zuhörern, — „immer wieder waren wir ergriffen von den Gebeten dieser Männer, von denen einige in herrlichen Gewändern, innig betend, dastanden, andere in der armseligsten Tracht zerknirscht beteten. Die Juden sind, wie Herr Th. Müller in seiner einfachen, aber auf guter Beobachtung beruhenden Reisefchilderung hervorhob, die Hauptarbeiter in Jerusalem, am Sabbath ist fast nichts zu bekommen. Das Land Palästina erscheint ihm sehr kutturfähig, nur liegen die Einheimischen dort auf der Bärenhaut. Es ist wirklich ein Land, in dem „Milch und Honig fließt", und sehr schön schloß der Vortragende mit einer Schilderung des Libanon, „auf seinem Haupte ruht der Schnee, zu seinen Füßen ist ewiger Frühling". K. Aus Westpreuße«, im April. Auf Vorstellung der jüdischen Gemeinde in Jastrow hatten die Schuldeputation und der Magistrat daselbst beschlossen, die dort bestehende jüdische Privatschule als öffentliche städtische Schule zu übernehmen und in der sechsklassigen evangelischen Knabenbezw. Mädchenschule je eine siebente Klasse einzurichten. In der Stadtverordneten-Versammlung vom 5. d. M. wurde der erste Antrag, betreffend die jüdische Schule, angenommen, der andere dagegen abgelehnt. Die jüdische Gemeinde zahlt zu den Kosten jährlich 200 Mark und giebt ferner das Schullokal und sämmtliche Schulgeräthschaften und Lehrmittel, — In B er ent feierte der israelitische Frauenverein sein 13. Stiftungsfest. Rabbiner Dr. Münz schilderte in einer Ansprache die Ziele und Zwecke des jüdischen Frauenvereins. — In L ö bau ist Herr Kreisphyfikus Dr. Wolff zum Magistratsmilglied gewählt worden. — Am 5. v. Mts. fand in Danzig 'die -Generalversammlung der Hilfskasse für israelitische Beamte der SynagogengeWeinden Pommerns, Ost- und Westpreußens mit folgender Tagesordnung statt: 1. Wahl des Vorstandes, 2. Stellungnahme zum Bericht der Kommission zur Regelung der Anstellung rc. der jüdischen Religionslehrer Ostpreußens, 3. Ernennung eines Ehrenmitgliedes u. a. — In den Vorstand des Vaterländischen Frauenvereins in Strasburg sind die Damen Frau Oberlehrer Hirschberg und Frau Rentier I. Louis wiedergewählt worden. — e. Breslau, 21. April. Der Vorstand der Synagogengemeinde läßt bekannt machen, daß er beabsichtigt, für solche Damen jüdischer Religion, welche Lehrerinnenseminare besuchen oder das Lehrerinnenexamen bereits bestanden haben, unentgeltliche Unterrichtskurse einzurichten, durch welche ihnen Gelegenheit geboten werden soll, sich als Religionslehrerinnen auszubilden. Um zunächst die Zahl der eventuellen Theilnehmerinnen an den Unterrichtskursen festzustellen, richtet er an diejenigen Damen, welche obigen Bedingungen entsprechen und die Ausbildung als Religionslehrerinnen erstreben, die Bitte, baldgefälligst eine entsprechende Mittheilung an das Gemeindebüreau, Graupenstraßelld, gelangen zu lassen. — Die Zinsen der Sophie Schweitzerfchen Stiftung und des Freifrau v. Pilot'scheu Legates sind an einige würdige hilfsbedürftige Personen männlichen oder weiblichen Geschlechts als Beihilfe zu einer ärztlich als nothwendig bescheinigten Badereise zu vergeben. Die Bewerber müssen der hiesigen Synagogengemeinde angehören, dürfen jedoch nicht Almofenempfänger sein. Meldungen sind unter Beifügung eines ärztlichen Ältestes bis zum 5. Mai an den Vorstand der Synagogengemeinde einzureichen. Das Kuratorium für die „Hebräischen Sprachkurse", bestehend aus den Herren Professor Dr. Badt, Fabrikbesitzer Julius Sachs und Referendar Dr. Pollack, kündet den Beginn des Sommersemesters — sowohl für Herren wie Damen — für den^ 16. April an. Die hebräischen Sprachkurse waren im vorigen Wintersemester von über 100 Theilnehmern besucht, von denen den ersten Kursus (für Anfänger) 45, den zweiten Kursus 40, den dritten und vierten Kursus 25 Damen und Herren besuchten. Liffa u P., 23. April. Am 15. d.M. feierte Herr Ansorge als Rendant nnd Sekretär der hiesigen jüdischen Gemeinde sein 25jähriges Jubiläum. Genannter Herr hat nicht nur seine Kräfte seinen obliegenden Pflichten gewidmet, sondern er stand Jedermann, der an ihn herantrat, gern mit Rath und That zur Seite. Welch allgemeiner Beliebtheit sich Herr Ansorge erfreut, davon zeugen die zahlreichen Aufmerksamkeiten .die ihm von Nah und Fern an seinem Jubiläumstage erwiesen wurden. Unter den Gratulanten erschienen auch der Schulvorstand und eine Deputation des Gemeindevorstandes und der Repräsentanten und überreichte die letztere unter einer Ansprache des Herrn Stadtraths Jakubowski einen werthvollen Silberkasten mit Widmung. g. Glogau, 25. April. In der heute Abend stattgefundenen Repräsentanten-Versammlung wurde auf Vorschlag des Gesammtvorstandes und der Kultusdeputation Herr Rabbiner Dr. Lucas in Berlin einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde an Stelle des unvergeßlichen Rippner s. A. gewählt. Sein Amtsantritt dürfte zum Schewuothfeste erfolgen. V Magdeburg, im April. Der Verein israelitischer Lehrer Mitteldeutschlands versendet die Einladung zu der am 21. und 22. Mai d. I. in Halberftadt in den Räumen der Behrend- Lehmann-Loge, Gerberstraße 15, fiattfindenden Konferenz. Die Tagesordnung ist folgende: I. Tag: 1. Geschäfts-und Kassenbericht. 2. Bortrag: Ueber Bibellesen. (Direktor Professor Tachau-Wolfenbüttel.) 3. Berathung der Thesen zu dem vorjährigen Referat des Kollegen Mühlfelder über „Methodik des Biblischen Geschichtsunterrichts". 4. Be-

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