Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-28 · Heft 17 (28.4.1899) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 17 (28.4.1899)
Date
1899-04-28
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228329--55447-3291648
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

63. Jahrgang. Nr. 17. CÜ>£ttt£itttk£lf Berlin. 28. Äpril 1899 'Ueikcrge zur „Allgemeinen Zeitung des IuöentHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsch l an-. LZ Berlin, 25. April. Eine wichtige und erfreuliche Meldung bringen die Tagesblätter, die nämlich, daß der Magistrat den Beschluß gefaßt hat, der jüdischen Gemeinde den Grund und Boden zu einer dritten Altersversorgungsanstalt unentgeltlich zu überlassen. Bekanntlich wird die Attersversorgungsanstalt der hiesigen jüdischen Gemeinde, die gegenwärtig in den beiden Häusern Schönhauser Allee 22 und Große Hamburger Straße 26 240 Hospitaliten unterhält, schon seit längerer Zeit mit Gesuchen um Aufnahme würdiger und bedürftiger Männer und Frauen, die ihres hohen Atters wegen arbeitsunfähig geworden find, derartig in Anspruch genommen, daß die ihr zu Gebote stehenden Räume bei Weitem nicht mehr ausreichen. Die erforderlichen Geldmittel für den Bau der Anstalt sind theils bereits vorhanden, theils zugesichert, nur für die Erwerbung eines Baugrundes sind Mittel nicht vorhanden. Die Bitte der Gemeinde erging nun an den Magistrat, von städtischem Bauland kostenlos cm die jüdische Gemeinde ein zur Erbauung dieser Anstalt passendes Grundstück zu überlassen. In Rücksicht auf die vielen Wohlthätigkeitsanstatten und Wohlfahrtseinrichtungen, welche die jüdische Gemeinde hier eingerichtet hat und unterhält, wodurch der Stadtgemeinde beträchtliche Kosten erspart werden, hat der Magistrat beschlossen, der Stadtverordneten-Versammlung eine Vorlage zur Genehmigung zu unterbreiten, wonach der jüdischen Gemeinde ein Grundstück von 6400 Quadratmeter kostenfrei überlassen wird, das in der Exerziersträße neben'der Reuter- Stiftung liegt. Die Gemeinde wird nach der Errichtung dieser Anstalt mehr als 400 alte Männer und Frauen versorgen können. 8. Berlin, 24. April. In der letzten geheimen Sitzung der Repräsentanten ist über die Bertheilung der Kantoren an die einzelnen Synagogen debattirt worden. Wenn auch Einstimmigkeit darin erzielt wurde, die Kantoren nicht mehr in den verschiedenen Synagogen abwechselnd funktioniren zu lassen, so ist doch kein Beschluß gefaßt worden. Wie nunmehr verlautet, ist von konservativer Seite ein formeller Antrag eingelaufen, der die Funktionen der Kantoren und Li turg en regeln soll. Dem Geschäftsgänge gemäß wird dieser Antrag in der nächsten Sitzung der Repräsentantenversammlung, welche am 30. d. M. stattstndet, zunächst dem Ausschuß zur Vorberathung überwiesen werden. L2 Berlin, 25. April. Der siebzehnte Bericht über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums wird von allen Freunden der Anstalt mit aufrichtiger Genugthuung gelesen werden. Voran geht eine streng wissenschaftliche Abhandlung des Herrn Dr. Baneth, der zweite Theil der Studien über Maimunis Neumondsberechnung. Den Abschluß bilden zur Erinnerung an Steinthal die beiden am Grabe des Unvergeßlichen gehaltenen Reden. Der Jahresbericht gedenkt zunächst des großen Verlustes in tiefer Wehmuth. Die wachsende Theilnahme für die Lehranstalt, wie sie sich in dem Spendenverzeichniß dieses Jahres kundgiebt, ist ein erfreuliches Zeichen. Hoffenilich spornt das edle Beispiel auch weitere Kreise dazu an, ihr Interesse für diese Hochschulen jüdischer Wissenschaft zu bethätigen. Zum ersten Male wird über die Lehrkurfe zur Vorbereitung und Ausbildung von akademisch gebildeten Lehramts-Kandidaten für den jüdischen Religionsunterricht an höheren Lehranstalten berichtet. Diese wären von sechs Kandidaten und vier Lehrerinnen frequentirt. Die Zahl der ordentlichen Hörer betrug in diesem Jahre 31, die der Hospitanten 10. Die Rabbinatsprüfung bestanden die Herren Dr.Dr. Lucas, Lewit, Morgenstern, Samuel. Die von dem Generalkonsul Franz Philippson zum Andenken an seinen unvergeßlichen Vater begründete Stiftung hat die landesherrliche Genehmigung erhalten. Den Preis der Moritz Meyer-Stiftung hat Herr N. Schornstein erhalten. Für die Dr. Kirschstein-Stiftung ist folgende Preisaufgabe gestellt worden: „Darstellung der Religionsphilosophie des Levi ben Gerson." Der eiserne Fonds hat in diesem Jahre 16600 Mark an Spenden erhalten, die Stipendienkasse 1267 Mark, die Montagsvorlesungen haben dieser Kasse 1569,25 Mark zugeführt. Im Ganzen waren 22 Stipendiaten vorhanden. Die David Herzog'fche Freitisch-Stiftung hat an durchschnittlich 17 Hörer 5002 Tischmarken vertheilt und hierfür 3071,50 Mark verwendet. In das Kuratorium ist an Stelle des Herrn Rechtsanwalts Dr. Landau jetzt Herr Georg Meyer eingetreten. Wir können diesen Bericht nicht schließen, ohne die Anstalt noch einmal der Sympathie und der werkthätigen Theilnahme aller Derer auf das Wärmste zu empfehlen, die Sinn und Herz für die Wissenschaft des Judenthums haben. LZ Berlin, 25. April. Wie wir hören, sind in der Rudolf Mosse'schen Erziehungsanstalt zu Dt.-Wilmersdorf augenblicklich sämmtliche Knabenstellen besetzt, für Mädchen sind noch einitze wenige Plätze frei. Doch können nur sechsjährige jüdische Mädchen aus gebildeten Familien BMckstchtigung finden. Anmeldungen find, unter eingehender Schilderung der Verhältnisse und Beibringung von Empfehlungen, schriftlich an den Direktor, Dr. Heinitz, Dt. Wilmersdorf bei Berlin zu richten. L2 Berlin, 25. April. Am 23. d. M. ist hier, wo er seit vielen Jahren in stiller Zurückgezogenheit seinen Studien lebte, der ehemalige Rabbiner Dr. Isidor Rosenfeld in beinahe vollendetem 84. Lebensjahre nach jchWrem Leiden gestorben. Derselbe war im Jahre 1811 zu Zduny geboren, besuchte das Gymnasium in Breslau und die Universität zu Berlin, wo er ein Schüler von Zunz war, wurde dann Rabbiner zunächst in Nordhausen und hierauf in Worms. Rosenfeld war ein frommer, liebenswürdiger und gelehrter Mann, dessen Name bei seinen zahlreichen Freunden in treuer Erinnerung fortleben wird. Die Beerdigung des Verstorbenen findet am 27. d. M. in Weißensee statt. Ehre seinem Andenken! *** Berlin, 24. April. Am Sonntag, den 23. d. M., fand in den Räumen des Brüdervereins, Unter den Linden 4 a, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereins „Freunde der Taubstummen" statt. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Geheimraih Mareuse, eröffnet die Sitzung und widmet vor Eingang in die Tagesordnung dem im vorigen Jahre verstorbenen Vorstandsmitglied, Herrn Adolf Ginsberg, einen tiefempfundenen Nachruf: „Das Wohlwollen, welches der Verewigte für die Bestrebungen des Vereins jahrelang bekundet habe, sichere ihm für alle Zeiten eine dankbare Erinnerung." Die Versammlung ehrt das Andenken des um alle Bestrebungen des Judenthums hochverdienten Mannes durch Erheben von den Sitzen. Hieran anknüpfend berichtet der Vorsitzende über die Thätigkeit des Vereins im abgelaufenen Geschäftsjahr und spricht dem zeitigen Direktor der israelitischen Taubstummenanstalt zu Weißensee, Herrn M. Reich, der im vorigen Jahre sein 25 jähriges Jubiläum als Leiter der aus kleinen Anfängen hervorgegangenen Anstalt beging, die Glückwünsche und den Dank der Generalversammlung aus. Die Anstalt, die im Jahre 1873 mit fünf Zöglingen in Fürstenwalde eröffnet wurde, unterhielt im abgelaufenen Geschäftsjahr 38 Zöglinge (16 Mädchen und 22 Knaben), und zwar 17 Freizöglinge, 12 Halbfreizöglinge und 9 Pensionäre. Die Zöglinge wurden von dem Direktor, drei Lehrern und einer Erzieherin in getrennten Klassen nach einem vom Königlichen Provinzial-Schulkollegium genehmigten Lektionsplan unterrichtet. Im engen Zusammenhang mit der allgemeinen Ausbildung steht der Religions- und der hebräische Unterricht. Auch dem Handfertigkeitsunterricht wird die genügende Zeit und Aufmerksamkeit gewidmet. Die Anstalt ist bestrebt, diesen bedauernswerthen Kindern, so weit es möglich ist, die Familie zu ersetzen; sie speisen mit den Lehrern und der Erzieherin zusammen, und es wird für das ganze Hauswesen nur eine Küche geführt. Die Sabbathe und Festtage werden würdig gefeiert und die Kinder zum Berständniß des Gotteswortes hingeleitet. Hierauf beantragt Herr Oscar Berlin Decharge-Grtheilung, die auch einstimmig erfolgt. Ebenso einstimmig wird der Voranschlag des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.