Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1899)
- Date
- 1899-04-28
- Page
- Seite 197 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Dem Jewish Board of Guardians in London für dessenLoan Fund legire ich drei Millionen Francs. Dem Baron v. Hirsch-Institut in Montreal (Kanada, Nordamerika) 600 000 Francs. Die in meinem Besitze befindlichen oder auf meinen Namen in das Aktienregister der Jewish Go Ionisation Association (Jüdische Kolonisations-Gesellschaft) eingetragenen Aktien dieser Gesellschaft legire ich meinem Adoptivsohn Maurice Arnold de Forest-Bischoffsheim und übertrage somit alle mit dem Besitze derselben verbundenen Rechte, die er Zeit seines Lebens ausüben soll. Das nackte Eigenthum der Aktie oder Aktien vermache ich jedoch der Ecoie Normale Israelite Orientale de Paris, welcher nach dem Ableben meines obengenannten Adoptivsohnes auch die Ausübung aller aus diesem Besitze fließenden Rechte zufällt. Ich richte an den Verwaltungsrath der Jewish Colonisation Association das Ansuchen, dieser meiner Verfügung Folge zu geben. Dem von mir gegründeten Home for Jewish Working Girls (jüdische Arbeiterinnen) legire ich die Summe von drei Millionen Francs, deren Erträgniß zur Erhaltung des Homes und zur Förderung des Fortkommens der darin aufgenommenen Frauen und Mädchen dienen und ebenso wie das übrige Vermögen administrirt werden soll. Dem Gomite de Bienfaisan'ce Israelite in Paris (reconnue drutilite publique) legire ich ein unantastbares Kapital von fünf Millionen Francs zu Darlehen und Almosen. Der Societe Philanthropique in Paris (reconnue d’utilite publique) legire ich ebenfalls ein unantastbares Kapital von einer Million Francs, dessen Erträgniß zur Hälfte dem Asile Maternei, zur anderen Hälfte der Societe des Habitations economiques zusallen soll. Ich legire: Dem Magistrat der Stadt Wien zu wohlthätigen Zwecken 200000 Francsder israelitischen fortschrittlichen Kultusgemeinde der Stadt Wien 1000O0 Francs, der israelitischen Kultusgemeinde der Stadt Brünn 150000 Francs, der fortschrittlichen israelitischen Kultusgemeinde der Stadt Budapest 100000 Francs. Den israelitischen fortschrittlichen Kultusgemeinden in Paris 200000 Francs, in Brüssel 1O0000 Francs, in Frankfurt a. M. ^0000 Francs, in Mainz 50000Francs, in München 100000 Francs, der Fondation Bischoffsheim in Paris 100.000 Francs. Jedem der zwanzig Büreaus der Bienfaisance der Stadt Paris legire ich 25 000 Francs (zusammen 500 000 Francs). Der Jewish Golonisation Association, deren Sitz in London ist, legire ich ein Kapital von 10 Millionen Francs, dessen Erträgniß alljährlich der Alliance Israelite Universelle in Paris ausgezahlt werden soll zur Erhaltung und Gründung ihrer Schulen und anderer wohltätiger Institute. Sollte in der Zukunft die Alliance Israelite Unis erselle in Paris aufhören, zu bestehen, so soll die Jewish Golonisation Association diese Revenuen zu ähnlichen Zwecken verwenden, besonders solchen, denen sie infolge Vorschrift meines verstorbenen Gemahls aus dem durch ihn ihr zugewiesenen Vermögen nicht beistehen könnte. Sollten oie der Ecoie Normale Israel. Orient, in Paris durch mein Kodizill vom W. September 1896 legirten Summen aus irgend einem Grunde dieser -licht zugeführt werden können, so sollen diese beiden Legate ebenfalls -er Jewish Golonisation Association z'ufallen und von ihr so verwaltet mb denselben Zwecken zugeführt werden, wie ich es für die Ecoie Normale Israel. Orient, vorgeschrieben hatte. Dasselbe gilt für das Legat, rnr die Oeuvre de nourritures, dessen Erträgniß alljährlich der Alliance israelite Universelle Paris zur Ausführung meiner Intentionen zu übergeben sein wird oder in Ermangelung der Alliance Israelite Univers. Paris durch die Jewish Colonisation Association vollstreckt werden soll, wenn meine Erben keinen anderen sicheren Weg zur Sicherstellung des Kapitals für die Oeuvres de nourritures gefunden hätten. Ich legire der von mir dotirten „Baronin Clara v. Hirfch- Kaiser-Jubiläums-Stiftung zur Unterstützung von Knaben und Mädchen in Oesterreich" in Wien ein dem eisernen Fonds derselben zuzuschlagendes Kapital von 2 (zwei) Millionen Francs und der Baron Hirsch-Stiftung für den Bolksschulunterricht in Galizien rc. (welche 30 Millionen Francs beträgt) für seine Zwecke ein Kapital von -1 (drei) Millionen Francs. Der „Baronin Hirsch-Kaiser-Jubiläums-Wohlthätigkeits-Stiftung" legire ich die Summe von 1500000 Francs (einer Million fünfmalhunderttausend Francs) mit der Bestimmung, daß dieses Kapital dem eisernen Fonds derselben einverleibt werde, und daß das Erträgniß desselben zu einfachen, außerhalb des Rahmens der in § 2 b) des Stiftbriefes vorgesehenen Unterstützungen, namentlich aber auch für Galizien, verbraucht werde, als Ersatz für die zu meinen Lebzeiten von Herrn Dr. M. Friedländer verwaltete Handkasse und die durch das Kuratorium der Baronin Hirsch-Stiftung vertheilten Spenden." Zur Erläuterung dieses in seiner Art einzig dastehenden Testaments ist nur wenig hinzuzufügen. Es sind alle Institute darin bedacht, denen die spezielle Fürsorge der Verewigten bei Lebzeiten galt, von den Gemeinden diejenigen, in denen sie und ihre Gatten oder ihre nächsten Verwandten gelebt haben. Der Ausdruck „fortschrittliche" Gemeinden bezieht sich, wenn anders die Uebersetzung eine richtige ist, auf die Thatsache, daß die Haupt gemeinden in den erwähnten Städten die ausgesetzten Legate erhalten sollen. Bezüglich der galizischen Stiftung mag nicht unerwähnt bleiben, daß die Baronin noch einige Monate vor ihrem Tode zur Errichtung von Wirthschaftsschulen für arme jüdische Mädchen in Galizien und zur Bekleidung der ihre Stiftungsschulen besuchenden Kinder eine Stiftung von drei Millionen Francs errichtete, worüber sich der Stiftungsbrief noch bei der Statthalterei in Lemberg befindet. Möge aus diesem großherzigen Vermächtniß Segen ersprießen und der Name der edlen Stifterin unvergessen fortleben! Are französische Gesellschaft und die Affäre Areyfns. Von Ignatz Sakrewski, kaiserlich-russischer Senator.') . . Les hommes de loi russes 11011s donnent des le^ons bien nieritees de liberalisme et de Separation de pouvoirs“ schreibt der „Figaro" in der Nummer vom 9. März und erkennt derart unsere Anschauungen über die französischen Angelegenheiten an, die auch nach anderen Zeitschriften der Begründung nicht entbehren. Alles ist hienieden vergänglich. Einst lehrten uns die Franzosen so vieles, und jetzt ist an uns die Pflicht herangetreten, unsere Lehrer, wenn auch mit aller Achtung, daran zu erinnern, was sie uns einst gelehrt haben. Wir können nicht anders! Zu beklagen ist es nur, daß bei allen Veränderungen, die auf unserem Planeten Vorkommen, man das Gesetz des fortwährenden Fortschrittes der menschlichen Gesellschaft nicht wahrnimmt, den einige ehrenwerthe Denker vorausgesqgt haben, die sich den stolzen Namen Soziologen angeeignet haben. Es unterliegt gar keinem Zweifel, daß man in der Welt des Gedankens immerwährend eine Evolution wahrnimmt, die auch den moralischen Verstand berührt. Allein es steht dem modernen Menschen nicht an, zu stolz sich über seine Ahnen zu erheben. Er besitzt allerdings ein großes Wissen, und dieses blos dank der Entdeckungen und der ernsten Arbeiten und Forschungen einiger auserwählter Denker. Sein Leben ist viel bequemer. . . Aber persönlich ist der jetzige Mensch nicht viel gescheidter als die Männer vergangener Geschlechter, und seine Moral ist dennoch sehr oberflächlich. Bei Gelegenheit zeigt sich derselbe Thier-Mensch, und dann umso gefährlicher, da er viel raffinirtere Eigenschaften fl Der Verfasser dieses Aufsatzes ist ein berühmter russtscher Jurist, Präsident des Kassationshofes in Petersburg. Der Artikel wurde in der Petersburgskaja Wjedomosti zuerst publizirt und erregt« in Rußland großes Aufsehen. Wir verdanken die Uebertragung der Güte unseres geschätzten Mitarbeiters L. A. Trachtenberg in Odessa. Es ist ohne Zweifel von großem Interesse, die Stimme eines Russen über de» französischen Antisemitismus zu hören. Die Red.