Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 17 (28.4.1899)
- Date
- 1899-04-28
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228329--55438-3291639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
- 1Ö6 --- die doppelte Summe erhöht worden sei, knüpft die „Kreuzzeitzmg" einige recht gehässige Bemerkungen über die deutsche Schule in Konstantinoprl, die 1898 angeblich von 150 Juden, 141 evangelischen, 106 katholischen, 34 griechisch-orthodoxen und 16 muhamedanischen Schülern besucht gewesen sei und deshalb eine türkisch-jüdische genannt wird. Wenn die jüdischen Schüler Kinder deutscher oder schweizerischer Unterthanen sind, dann muß eben für sie gesorgt werden, und man kann ihnen unter keinem Vorwände die Aufnahme in eine von Reichswegen erhaltene Schule verweigern. Daneben muß wieder die ..Alliance Israelite Universelle“ herhalten, deren Schulen ini Orient französisch-national seien, und die „namentlich von deutschen Juden verhältnißmäßig hohe Beträge bezieht". Daß diese Behauptung einfach nicht den Thatsachen entspricht, hindert natürlich nicht den Schluß, wie bedenklich es sei, mit deutschem Gelde französische Judenschulen im Orient zu errichten. Die Reichsregierung kennt zum Glück die Verhältnisse der Alliance-Schulen bester als die „Kreuzzeitung". * Die Veröffentlichung der Aussagen im Dreyfus-Prozeß nimmt ihren Fortgang. Von den Publikationen der letzten Tage sind für uns zwei von besonderem Jntereffe. Als nach dem Kriegsgericht DreyfuS nach dem Gefängniß zurückgeführt wurde, rief er aus: „Mein einziges Verbrechen ist, daß ich Jude bin!" Er verlangte wiederholt nach seinem Revolver. Sehr belastend für Esterhazy ist die Zeugenaussage seines Freundes, des ehemaligen Majors Weil!. Weill erklärt, er habe auf die Bitte Esterhazys bei Frau Furtado-Heine und bei Rothschild Unterstützungen für Esterhazy gesammelt, welche damit begründet wurden, daß Letzterer der Sekundant des jüdischen Hauptmanns Crsmieux-Foa gewesen sei. Die Unterstützungen beliefen sich mindestens auf 10 000 Francs. Weill berichtete ferner, Esterhazy habe kurz vor der Prozeßverhandlung gegen Dreyfus zu ihm gesagt: „Meiner Ueberzeugung nach ist Dreyfus unschuldig. Das hindert aber nicht, daß er verurtheilt werden wird. Die einzige Ursache der VerurtheklUng ist in dem Antisemitismus zu suchen." * Sehr interessant ist das Schreiben, in dem Bernard Lazare, bis vor Kurzem einer der Führer des politischen Zionismus, seinen Austritt aus dem Aktionskomitee mitgetheilt hat. Es lautet: Paris, den 24. März 1899. Ich bitte Sie, meine Demission als Mitglied des zionistischen Aktionskomitees entgegenzunehmen und freundlichst diesen meinen Entschluß Ihren Kollegen zur Kenntniß zu bringen. Es ist mir unmöglich, länger an dem Werke eines Komitees theilzunehmen, dessen Tendenzen, Maßnahmen und Handlungen ich nicht billigen kann. Ich kann nicht das Mitglied einer Art autokratischen Regiments sein, welches als Prinzip eine unannehmbare Geheimthuerei (esotsrisme) aufstellt, die nichts in meinen Augen zu rechtfertigen vermag. Das Aktionskomitee nimmt sich heraus (pretenä), die jüdische Masse wie ein unwissendes Kind zu leiten, ohne nach ihren Bedürfnissen oder ihren Wünschen zu fragen, ohne stch über ihren ökonomischen, intellektuellen und moralischen Zustand Rechenschaft zu geben. Es ist das eine Auffassung, die mit allen meinen politischen und sozialen Anschauungen direkt in Widerspruch steht, und für welche ich daher die Verantwortung nicht auf mich nehmen kann. Morgen wird das Aktionskomitee ohne Zweifel das furchtbarste Instrument zur Unterdrückung und Demoralisation besitzen: die Kolonialbank. Ihre Regierung wird fernerhin ihre Vertretung in einem Geldschrank finden. Ich gehöre nicht zu dieser Regierung. Sie ist nicht diejenige, von welcher einst die Propheten oder jene bescheidenen Männer träumten, die die Psalmen verfaßt haben. Aber wenn ich mich von Ihnen trenne, so trenne ich mich nicht von dem jüdischen Volkevon meinem Volke von Proletariern und Elenden, und an seiner Be- I freiung werde ich weiterhin arbeiten, wenn auch auf Wegen, die nicht die Ihrigen find. Genehmigen Sie rc. Bernard Lazare. Wir haben nichts hinzuzufügen. Dieser Brief spricht für sich selbst. Aas Testament der Baronin Kirsch. t Wien, 24. April. on informirter Seite wird hiesigen Blättern mitgetheilt, daß der gesammte Nachlaß des Barons Hirsch mit 620 Millionen Francs zu beziffern ist. Ein großer Theil dieses Vermögens wurde nach dem Tode des Barons im Sinne seiner testamentarischen Bestimmungen an Verwandte, die Erbansprüche haben, und welchen er solche zuerkannte, außerdem den von ihm geschaffenen Humanitären Institutionen zugewendet. So hat Baron Hirsch das Kolonisationswerk in Argentinien vollkommen sichergestellt und von der Verwaltung des übrigen Vermögens, welche seine Gemahlin führte, mit 100 Millionen Francs losgelöst. Für die Berechnung der Erbsteuer ist das vom Baron Hirsch zurückgebliebene Vermögen maßgebend, weil die Taxe für die Wittwe eine geringere ist. Nach einer oberflächlichen Schätzung beläuft sich die Erbschaftssteuer auf 24 Millionen Francs, wovon der weitaus größere Theil auf Oesterreich entfällt. Die Summen, welche die Schwestern der Baronin und die Adoptivsöhne sowie die Verwandten des Baron Hirsch erben, belaufen sich zusammen auf etwa hundert Millionen Francs, so daß die Zuwendungen für wohlthätige Zwecke und öffentliche Einrichtungen 80 Prozent des gesammten Vermögens des Barons Hirsch betragen. Folgende wohlthätige Legate wurden im Testament der verewigten Baronin Hirsch angeordnet: „Der Eeole Normale Israelite Orientale in Paris (reconnue cTutiliU publique) legire ich ein unantastbares Kapital von vier Millionen Francs, dessen Zinsen zur Erhaltung und Vergrößerung der Schule, Honorirung der Lehrer, Verpflegung und Bekleidung der Schüler, Ausstattung derselben u. f. w. verwendet werden sollen. Ein ferneres Kapital von drei Millionen Francs zur Gründung eines Penstonsfonds für Lehrer und Lehrerinnen und deren Wittwen und Waisen, die nach abgelaufener Dienstzeit oder durch Krankheit oder Altersschwäche früher schon ihre Thätigkeit aufzugeben gezwungen waren. Diese Pensionen sollen für jeden Einzelnen nichl unter 1200 Francs sein, außer wenn es sich um mehrere Waisengeschwister handelt, und dürfen bis 3000 Francs und in besonderen Fällen noch mehr erhöht werden. Ich verfüge ferner, daß das Kapital dieser Stiftung von dem übrigen Vermögen der Eeole Normale Israelite Orientale; getrennt verwaltet werden soll, und ermächtige Sie, zu diesem Behufe aus den Revenuen des gestifteten Kapitals einen besonderen Beamten anzustellen und zu entlohnen. Die Gewährung der Pensionen steht dem Administrations-Komitee der Eeole Normale Israelite Orientale in Paris in Gemeinschaft mit dem jeweiligen Präsidenten oder in seiner Abwesenheil den Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle zu, und solle:, solche stets den Pensionären kosten- und gebührenfrei zugestellt werden. Ferner legire ich steuer- und gebührenfrei ein Kapital von drei Millionen Francs, dessen Grträgniß zur Bekleidung und Be speifung der ärmsten Kinder dienen soll, welche die Schulen der Allianee Israelite Universelle oder einst durch diese gegründete Schülern besuchen. Diese Stiftung fungirt bereits als Oeuvre de Nourriture. Jä> überlasse es meinen Erben, die geeignete Form zu finden, damit die Stiftung rechtsgiltig werde, für den Fall, daß mich der Tod ereilen sollte, ehe ich dies selbst vollbracht habe. Dem Baron v. Hirsch-Fonds in Nerv-Aork, Bereinigte Staaten von Amerika, legire ich ein Kapital von sechs Millionen Francs zur Erhaltung und Weiterführung der verschiedenen mit dieser Stiftung verbundenen Institutionen, Schulen, Hilfskomitees u. s. w. in: Sinne der dieser Stiftung durch meinen Mann Baron Moriz v. Hirsch' Gereuth vorgeschriebenen Normen. . Fu No M Ko ich übe er ode de soh fäll Ass ljü Frc des vier dru1 one puh Mi and Zrv ger gen isro 206 .^oc der legi legi iäh, soll lhäl; er§ Ass! old dem vie' ■10. üch -er und mal ^ür isra geb< Var: wen Kap Kai Mä zuzr Hir (wel 3 (t keil Mil