Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 16 (21.4.1899)
- Date
- 1899-04-21
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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—-- 2 - 8 */i» Uhr in der Aula des Auerbach'schen Waisenhauses (Schönhauser Allee 162) eine Gedenkfeier. Die Gedächtnißrede wird der Vorsitzende der Bereinigung, Herr Rektor Dr. Adler, halten. Außerdem weist das Programm Dichtungen des Verstorbenen sowie Gesänge auf. Freunde und Verehrer des dahingeschiedenen Lehrers sind zu der Feier freundlichst eingeladen. Berlin, l6. April. Die Gesellschaft Hachnassat Kallah zur Ausstattung von Bräuten, die bereits seit 180Jahren besteht, hielt am 10. d. M. ihre Generalversammlung ab. Der Vorsitzende, Herr Martin Simon, erstattete Bericht über die Entwickelung und die Wirksamkeit der Gesellschaft während der letzten Jahre. Es sind an Geschenken und Legaten 10630 Mk. eingegangen, wovon 6600 Mk. dem eisernen Fonds zugesührt wurden, der von 85950 Mk. auf 90550 Mk. gewachsen ist. Die Gesammteinnahmen betrugen 44233 Mk.; zur Ausstattung von Bräuten wurden 28595 Mk. verausgabt. Die ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes, die Herren Martin Simon, Oskar Berlin, Michael Fiegel, Joseph Fraenkel und Emil Pinkus, sowie die Revisionskommission wurden wiedergewählt und hierauf nach Berathung und Annahme einer unwesentlichen Statutenänderung die Versammlung geschlossen. L2 Berlin. 17. April. In diesen Tagen ist an sämmtliche Mitglieder unserer Gemeinde der Aufruf für Theilnahme an der Begründung eines Israelitischen LehrerinnenHeims, in welchem Lehrerinnen jüdischen Glaubens nach treuem, verantwortungsvollem Wirken eine Stätte wohlverdienter Ruhe finden sollen, verschickt worden. Wir haben über den Plan schon wiederholt berichtet und können uns deshalb für heute damit begnügen, den Ausruf der allgemeinen wohlthätigen Theilnahme durch Jahresbeiträge, Legate, Zuwendungen u. s. w. wärmstens zu empfehlen. An der Spitze des großen Komitees, das sich für diesen Zweck gebildet hat, stehen Rektor Dr. Adler, 1. Vorsitzender; Fräulein Pauline Münchhausen, 2. Vorsitzende; Frau Direktor Henriette May, 3. Vorsitzende; Fräulein Jda Zucker, Lehrerin, 1 Schriftführerin; Fräulein Marie Kutnewski, Pensionsvorsteherin, 2. Schriftführerin; Frau Berthold Burchardt, Potsdamerstraße 126; Fabrikbesitzer Carl Leopold Netter, Bellaüiance-Platz 7/8, Schatzmeister; Frau Professor Dr. Landau, Dorotheenstraße 54, stellvertretende Schatzmeisterin. 8. Berlin, 16. April. Der „Verein zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands" hielt heute Vormittag seine erste Generalversammlung ab, die einen recht interessanten Verlauf nahm. Der Vorsitzende, Herr Oberamtmann Cohn, gab an der Hand der gedruckten Jahresübersicht einen kurzen Rechenschaftsbericht und hob hervor, daß es außerordentlicher Kämpfe bedurft habe, um die Gegner der Tendenz des Vereins zu überführen. Durch die Errichtung von Schulgärten an verschiedenen Orten sei der Verein praktisch vorgegangen, um hierdurch schon in den Kindern die Liebe zum Landleben anzuregen. In der letzten Vorstandssitzung seien von den Herren Eugen Rosenstiel und Gustav Tuch verschiedene Anträge gestellt worden, die erst zum Theil durchberathen worden wären. Sie betreffen die Bildung von Lokalkomitees mit Ortsgruppen, die Subvention von Ackerpachtungen für kleine Landwirthe, die Ausbildung von israelitischen Landwirthen und eine Enquete über das Lehrlingswesen. Mit der Bildung der Ortsgruppen sei bereits ein Anfang gemacht worden, in München habe Rechtsanwalt Beer, in Hamburg Gustav Tuch, in Frankfurt a. M. Herr Wies loch den Vorsitz des Komitees übernommen. Es stehe zu hoffen, daß der Verein im Stande sein werde, auf dem beschrittenen Wege auch rüstig vorwärts zu kommen. In der angeregten Diskussion betont Herr Rosenstiel, daß die Schwierigkeit der Thätigkeit des Vereins noch im Mangel an Menschenmaterial liege. Die Ortsgruppen feien von der größten Bedeutung für die Vereinsarbeit; auch in Posen dürfte der Verein recht bald festen Fuß fassen. Zur Erledigung der eingebrachten Anträge solle ein Arbeitsausschuß errichtet, die Zahl der Berliner Vorstandsmitglieder vergrößert werden. Die gewünschte Enquete solle eine wichtige Grundlage bilden, weil dauernd darüber Zweifel kommen, ob die ausgebildeten Kolonisten auch eine Zukunft haben. Das Material zur Landwirthschast solle nur aus den mittleren Schichten genommen werden, wo die jungen Leute bei Stellenlosigkeit auch eventuell eine Unterstützung durch die Familie erfahren könnten. Der Rittergutsbesitzer Dr. Papilsky giebt alsdann einen Ueberblick über die Thätigkeit der Lehrlinge, die sich sämmtlich zu bewähren scheinen. Dieselben müssen wie die Knechte bei ihm arbeiten und würden keineswegs, wie befürchtet werde, nur zu Inspektoren herangebildet. Er sei der Ansicht, daß in Ahlem zu viel Werth auf die Blumengärtnerei und zu wenig auf Landwirthschaft und Ackerkultur gelegt werde. Die Neigung zur Landwirthschast habe bereits weite Kreise ergriffen. Auf die an ihn gerichtete Anfrage giebt er noch nähere Auskunft über den Pensionspreis für Lehrlinge, der ein mäßiger ist und schon nach einem Jahre unter Anrechnung der Arbeitsleistung herabgesetzt werden soll. Die Dauer der Lehrzeit lasse sich vorläufig noch nicht bestimmen; er gedenke, noch drei bis vier Lehrlinge bei sich aufzunehmen. Herr Redakteur Klausner betont, daß es nur wenige Unternehmungen innerhalb der Judenheit gebe, die so sympathisch seien wie die Förderung der Bodenkultur, und bittet, sich nicht durch Mißerfolge abschrecken zu lassen. Das lebendige Material sei sicher unter den Juden vorhanden. Die Hindernisse liegen nur darin, daß die Juden thatsächlich zum überwiegenden Theil eine städtische Bevölkerung seien, und deshalb nicht die hinreichende Neigung zur Landwirthschast hätten. Herr Werner aus Posen macht die Mittheilung, daß in Posen wahrscheinlich bald ein praktischer Anfang in der Förderung der Bodenkultur gemacht werden würde auf Grund eines Legates von 6000 Mark, das in einem sehr interessanten Testament aus dem Jahre 1872 (das auf Antrag Papilsky auch weiteren Kreisen bekannt gegeben werden soll) bereits zur Förderung der Bodenkultur ausgesetzt worden sei. Zu dem Ankauf eines ca. 30 Morgen großen Gutes in der Umgegend von Posen seien nur 4—5000 Mark erforderlich, der Bebauer würde hierbei bei rationeller Bearbeitung sehr gutseine Rechnung finden können Man sollte möglichst darauf achten, daß die Aecker in unmittelbarer Nähe kleiner Städte liegen, damit die jungen Leute nicht auf ihrem Gute ver-! bauerten. Der Vorsitzende' hebt hervor, daß der Verein noch keine Mittel I habe, um praktisch mit dem Ankauf von Gütern vorzugehen. Auf Anj trag zweier Mitglieder soll dem Vorstande unterbreitet werden, zwecks größerer Propaganda für den Verein auch die Tagespresse nutzbar zu machen und zu diesem Zweck Herrn Redakteur Klausner in den Vorstand zu kooptiren. Zu Punkt 2 der Tagesordnung wurde der Rechnungsabschluß pro 1898 gegeben, der bereits die doppelte Einnahme; wie im ersten Jahre aufweist; die beantragte Decharge wird ertheilt. Als Vorsitzender des Vereins wurde durch Zuruf Herr Oberamtmann z Cohn wiedergewählt; gegen die akklamative Wiederwahl der 13 ferneren j Vorstandsmitglieder wurde seitens des Herrn Klausner Widerspruch erhoben. In der Einzelwahl wurden die 13 Mitglieder wiedergewählt! und dazu noch die Herren Rechtsanwalt Beer-München, Professor j Badt-Breslau, Werner-Posen und Rosenthal-Posen, zu Revisoren! der Kaffe die Herren Ber und Jacobi.!! Sfi Berlin, 16. April. Außer der Israelitischen Erziehungsanstalt j in Ahlem bei Hannover, wo seit einigen Jahren mit gutem Erfolge jüdische Gärtner ausgebildet werden, finden jetzt bei dem Borstandsmitgliede des „Vereins zur Förderung der Bodenkultur unter den Juden Deutschlands", dem Rittergutsbesitzer Dr. S. Papilsky in Gablenz bei Gassen, Provinz Brandenburg, jüdische landwirthschafrliche Eleven Aufnahme und Gelegenheit, sich nicht nur in der praktischen, sondern auch in der theoretischen Landwirthschast auszubilden. Einige Zöglinge sind bereits ausgenommen, darunter einer, der die jüdische Gärtnerschule in Ahlem durchgemacht hat. Dr. Papilsky, der bereits vor neun Jahren in verschiedenen jüdischen Blättern für Gründung von Vereinen zur Ausbildung jüdischer Landwirthe eingetreten ist und im Jahre 1892 mit dem Baron Hirsch darüber eingehend konferirt hatte, beabsichtigt nun, wenn eine Anzahl geeigneter jüdischer junger Leute sich meldet, eine jüdische landwirthschaftliche Privatschule zu organisiren. Ferner hat Dr. Papilsky, um weiter Propaganda für die Sache machen zu können, es übernommen, ein Adreßbuch der jüdischen Gutsbesitzer, Gutspächter und Inspektoren u. s. w. herauszugeben. # Culm a. W. (Westpr.), 18. April. Am 1. April d. Js. legte unser allverehrter Kantor und Lehrer Herr Baruch Samuel sein Amt nieder, nachdem er 48 Jahre lang, davon 40 in unserer Gemeinde, desselben gewaltet hatte. Aus diesem Anlaß war Herr Samuel Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Bei der Schlußprüfung und Prämienvertheilung in der Religionsfchule widmete Rabbiner Dr. Guttmann dem scheidenden Lehrer warme Worte der Anerkennung und des Dankes. Am 2. April erschienen Vorsteher und Repräsentanten der Gemeinde in der Wohnung des Gefeierten, um außer einem namhaften Geldgeschenk eine kostbare