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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-21 · Heft 16 (21.4.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Ar. 16. ttt Berlin. 2jM;>ril 1899. Weitcrge zur „Allgemeinen JeiLung des IuöenIHums". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 13. April. Die heutige ordentliche Versammlung des „Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" im Saale der Gesellschaft der Freunde brachte einen sehr interessanten und lehrreichen Bortrag des Rechtsanwalts Dr. Fuld aus Mainz über den „Antisemitismus in der Wissenschaft", der wohl durch den Druck weiteren Kreisen noch zugänglich gemacht werden wird. Der Vorsitzende, Herr Dr. Horwitz, dankte dem Vortragenden für seine klaren und umfassenden Auseinandersetzungen und knüpfte daran die Hoffnung, daß der Appell nicht ungehört verhallen möge. Nachdem er einen warmempfundenen Nachruf dem verstorbenen Professor Steinthal und Dr. Ludwig Bamberger gewidmet, macht er einige geschäftliche Mittheilungen und berichtete u. a., daß sich die Gemeinden Krefeld und Wiesbaden ohne jede Aufforderung dem Verein angeschlossen hätten. Alsdann gab er einen sehr interessanten Ueberblick über die Thätigkeit der Rechtsschutzkommission des Vereins, aus der wir Folgendes herausheben möchten. Auf der Breslau-Trebnitz-Pxausnitzer Kleinbahn hatte ein Schaffner auf einer Station abgerufen: „Christen links, Juden rechts!" Ein jüdischer Passagier wandte sich hierauf beschwerdeführend an die Breslauer Betriebsdirektion und erhielt nach wenigen Tagen folgenden bemerkenswerthen Bescheid: „In Erledigung Ihres Schreibens danken wir Ihnen zunächst für Ihre Mittheilung bezüglich der Ungehörigkeit unseres Schaffners N. und theilen Ihnen gleichzeitig mit, daß wir denselben für seine Ungebührlichkeit in eine Ordnungsstrafe genommen haben. Sie können davon überzeugt sein, daß wir derartige Uebelstände, die uns nur zu wenig bekannt werden, strengstens rügen werden." In einem Orte im Fürstenthum Reuß war in einer Urtheilsbegründung das Zeugniß eines Juden — derselbe war als Entlastungszeuge in einem ebenfalls gegen einen Juden anstehenden Prozeß vernommen worden — wegen seines Religionsbekenntnisses in einer verletzenden Weise angezweifelt worden. Das Landesgericht entschuldigte dieses Urtheil des Richters, da man anzunehmen gewohnt sei, daß ein Glaubensgenosse in einem Prozeß gegen einen anderen nichts Nachtheiliges aussagen werde. Der Centralverein hat die Angelegenheit bis zum Präfidium des Oberlandesgerichts in Jena verfolgt und erst dort erzielt, daß die Urtheilsfaffung in energischer Weise gemißbilligt wurde. — Die „Deutsche Wacht" in Dresden brachte durch mehrere Nummern ein Feuilleton über eine Reise nach Palästina, in welchem die gröbsten Schmähungen gegen die Juden enthalten waren. Der Centralverein hat sich damit an die Staatsanwaltschaft in Dresden gewandt, welche darin nur „harmlose Reisebetrachtungen" erblicken wollte. Die sächsischen Rechtsverhältnisse ermöglichen es leider nicht, in dieser Sache Weiteres zu thun. — Endlich ist noch in Hannover, unabhängig vom Centralverein, von 14 dortigen Einwohnern gegen einen Apothekenbesitzer ein Prozeß anhängig gemacht worden, der bereits zum zweiten Male wegen der falschen Entscheidung vom Reichsgericht in die Vorinstanz zurückverwiesen worden ist. Die Angelegenheit schwebt noch, und werden wir nach Abschluß derselben darüber weiter berichten. 8. Berlin, 18. April. Am 12. d. M. verschied sanft iw 73. Lebensjahre der in Charlottenburg wohnhafte, in weiten Kreisen bekannte frühere Lehrer Dr. Max Simon. Der Verstorbene, ein wegen seiner großen Fachkenntnisse und seiner Liebenswürdigkeit allgemein geschätzter Mann, ist am 30. Januar 1626 zu Jastrow (Westpreußen) geboren. Vom Jahre 1884—1893 war er an der hiesigen jüdischen Knabenschule als Lehrer thätig, die er in den Jahren 1881—1882, nach dem Tode Horwitz's bis zum Amtsantritt des Rektors Dr. Holzman, interimistisch leitete. Gleichzeitig gehörte er von 1860—1897 dem Lehrerkollegium des Lehrerbildungsseminars an. Seine religiöse Richtung war eine entschieden liberale. Ein Sohn des Verstorbenen, Dr. Heinrich Simon, ist als Bibliothekar an der hiesigen Universitätsbibliothek thätig. Dr. Max- Simon war eine Autorität auf dem Gebiete des jüdischen Kalenders. Seine einschlägigen Publikationen sind allgemein bekannt und geschätzt. Aus Lehrerkreisen wird uns über die Lehrthätigkeit des Verstorbenen Folgendes geschrieben: 44 Jahre hat der Verewigte an der Knabenschule und an der Lehrer - Bildungsanstalt der jüdischen Gemeinde zu Berlin als Lehrer gewirkt. Rastloser Eifer, ein nie ermüdender Thätigkeitstrieb, verbunden mit der Liebe zu seinem Berufe und zu seinen Schülern, haben ihn die Erfolge erringen lassen, von denen die Geschichte dieser Anstalten erzählt. Vortrefflich wußte er in den von ihm vertretenen Disziplinen die Geister der Schüler zu fesseln; Anregung zur Selbstthätigkeit war das Ziel, das er in seiner unterrichtlichen Thätigkeit erstrebte. Durch seine achtunggebietende Persönlichkeit, durch seine milde, freundliche Art hat er sich die Herzen aller Derer gewonnen, die seiner Einwirkung unterstanden. Von dem größten Segen war seine Thätigkeit an der Lehrer-Bildungsanstalt. Die Zöglinge verehrten in ihm den Meister der Lehrkunst, die ihnen für ihren eigenen Unterricht vorbildlich geworden, den fürsorglichen Helfer, der durch seine freundliche Art auch im privaten Verkehr die Herzen der jungen Leute sich erschloß. Indem diese dann in den einzelnen Gemeinden sich zerstreuten, trugen sie die Spuren seines Geistes weit hinaus in die Gauen Deutschlands. Ein plötzlicher, sanfter Tod hat den Rüstigen, das Urbild schönen urkräftigen Greisenalters, hinweggerafft. An seinem Sarge hatte sich eine große Trauergemeinde versammelt; Schüler und Genossen, Freunde, Bekannte und Verwandte waren zusammengeströmt, um dem Verblichenen die letzte Ehre zu erweisen. Der Gesang: „Gras verdorrt, die Blume welkt", vom Seminarchor gesungen, eröffnete die Trauerfeier. An der mit Kränzen bedeckten Bahre hielt sodann Herr Seminardirektor Dr. Holzman die Gedenkrede. In beredten Worten, oft von Rührung übermannt, schilderte er die Charaktereigenschaften und die Thätigkeit des Verstorbenen, sein Verhältniß zu Schülern und Kollegen; er hob am Schluffe hervor, daß die Quelle seiner Kraft in der Liebe zu seiner Familie lag, daß das Familienglück, welches ihm in reichem Maße zu Theil geworden war, ihn stets von Neuem mit der allumfassenden Menschenliebe erfüllte. Mit dem Gesänge des Seminarchors „Was von Staub, geht heim zum Staube" schloß die schlichte Trauerfeier. Sein Andenken wird unvergessen bleiben! (Die A. Z. d.J. verliert in dem Dahingeschiedenen einen treuen Freund und Mitarbeiter, dessen Andenken sie stets hoch in Ehren halten wird. Die Red.) 22 Berlin, 11. April. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen hat gestern im Saale der Loge „Hammonia" seine sechste Generalversammlung abgehalten. Herr Louis Sachs erstattete den Bericht über die Wirksamkeit des Vereins im abgelaufenen Jahre, den wir bereits auszugsweise in der vorigen Nummer mitgetheilt haben. Die Einnahmen des Vereins betrugen 43 866,98 M., wovon 13 687 M. auf Mitglieder, 20 822,45 M. auf Pflegehonorare entfielen. Dem eisernen Fonds wurden 13 705,98 M. zugeschrieben; er beläuft sich jetzt auf 70 610,20 M. Sodann empfahl Herr Sachs eine kräftige Propaganda für den Verein und seine Bestrebungen. Bei der Neuwahl von sechs Vorstandsmitgliedern wurden die ausscheidenden Herren und Damen durch Zuruf wiedergewählt, so daß der Vorstand des Vereins folgendermaßen zusammengesetzt ist: Alb. PH. Meyer, Vorsitzender. Justizrath Dr. E. Apolant. Privatdozent Dr. M. Mendelsohn. M. Metzenberg. Stadtverordneter Louis Sachs. Geh. Medizinalrath Professor Dr. Senator. Stadtverordneter H. Witkowski. Frau Dr. Frankl. Frau Kommerzienrath Julie Gerson - Liebermann. Frau Hermine Rathenau. Frau Mathilde Weigert geb. Meyer. Außerdem wurde Decharge ertheilt und der Etat für das laufende Jahr nach dem Vor- / schlage des Vorstandes genehmigt. \ ^2 Berlin, 18. April. Die Wissenschaftliche Vereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin veranstaltet für ihr verstorbenes Mitglied, den Lehrer Jakobsohn, Sonnabend den 22. d. M. Abends

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