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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-21 · Heft 16 (21.4.1899) · p. Seite 190

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 16 (21.4.1899)
Date
1899-04-21
Page
Seite 190 (sequence 10)
Language
German
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* ~-- -"7-^- —— 190 - gelb bei Jsak Umtauschen. Fahnenhjelmer hieß man Bankzettel, welche während des Krieges mit ausdrücklicher Genehmigung des Königs und mit der Unterschrift des Kämmerers Fahnenhjelm in Finnland hergestellt wurden, da große Noth an Kleingeld in der Armee herrschte. I» Schweden waren aber diese Zettel kaum unterzubringen, höchstens mit 15 Prozent Berlust. Nun war Aron nicht abgeneigt, auf den Handel einzugehen, zu seinem Unglück kam er auch zu Stande, und mit einem ganzen Borrath solcher Bankzettel ging Aron nach Abo in Finnland und wechselte in der Stadt auch eine stattliche Summe, über 17 000 Reichsthaler, bis eines Tages drei Männer von der Stadtwache, von einer großen Menschenmenge gefolgt, in sein Quartier kamen, ihn verhafteten und seine ganze Habe konfiszirten unter dem Vorwände, daß die von ihm verausgabten Bankzettel gefälscht wären. Aron mußte nun im Gesängniß sitzen. Er schickte sofort einen Courier an seinen Schwiegersohn, der alsbald zum Grafen Munk eilte und diesen veranlaßte, den Gouverneur von Finnland, den General Klingsporn, auszusuchen und ihm den wahren Sachverhalt mitzutheilen. Das nutzte aber nichts, und Aron Jsaks Schwiegersohn mußte erst eine Audienz bei dem König nachsuchen. Dieser schickte denn auch sofort einen Oberst und einen Justizkanzler als Koinmissare nach Abo, um die Sache in Ordnung zu bringen. Die königliche Ordre wurde natlirlich respektirt, und Aron reiste mit den Kommissaren zusammen nach Stockholm. Aber auch hier dauerte es über ein halbes Jahr, bis das Gericht Aron zu seinem Recht dem Grafen Munk gegenüber verhalf. Elf Wochen war er in Abo im Gefängniß, drei Wochen in Stockholm. Inzwischen war das Attentat auf den König von dem ehemaligen Gardeosfizier Ankerström auf einem Maskenball ausgeübt worden, wo Gustav 111. eine lödtliche Schußwunde empfing, an welcher er zwölf Tage darauf verstarb. Merkwürdig ist es, mit welcher Diskretion Aron Jsak in seinen Memoiren darüber hinweggeht. Er schrieb nur folgenden Satz ein: „Der König starb an Blessur, da er dreizehn Tage daran gelitten hatte." Die Ruhe, die nun eingetreten war. benutzt Aron Jsak, um einige Mittheilungen über den Fortgang der Gemeindeangelegenheiten in Stockholm zu machen. Diese Mittheilungen sind wenig erfreulicher Art. Er hat über „allerhand Schifflus" zu berichten. Nach seiner Rückkehr ans dem Kriege (er war über drei Jahre abwesend) hatte sich die Gemeinde getheilt. Nun kamen sie und wollten Frieden machen. Aron war damit nicht einverstanden, daß sie zwar einen Friedhof angelegt, aber noch kein Gotteshaus und kein Frauenbad, wie er behauptet, blos ihm zu „lelniclies“, gebaut hatten. Der Raw, ich glaube, er hieß Pinchas, „legte sich da mang", und es kam wirklich zum Ausgleich. Nach dem Tode des Rabbi Pinchas wurde Simon Kalkar als Rabbiner ausgenommen,. eine Synagoge wurde gebaut, zu der Jsak sowohl wie sein Schwiegersohn ansehnliche Summen spendeten, gleichwohl schließt er diese Mittheilungen mit der Erklärung: „Ich habe mir vorgenommen, niemals nicht bei mit sie zusammenzukommen." Und hierauf folgt das bekannte hebräische Citat aus 1. Mos 29, 6. Wenn man diese Abneigung Jsaks gegen die Mitglieder der Gemeinde in Stockholm verstehen will, so muß man daran denken, daß der Zufluß von neuen und nicht sehr zuverlässigen Elementen nach dem den Juden nunmehr eröffneten Lande eine Fülle von Unzuträglichkeiten mit sich führte, die sich zunächst alle auf sein Haupt entluden. Er giebt selbst einige Beispiele dafür, die sehr charakteristisch sind, und die man in seinen Memoiren Nachlesen möge. Am Schluß seiner Selbstbiographie giebt er ein Verzeichniß fämmtlicher Baale battim und sonstiger Wohnungsberechtigten sowie der Gemeindebeamten, die zu seiner Zeit dort lebten; es sind im Ganzen 69. Im 73. Lebensjahre schließt er mit einem Rückblick auf sein Leben. Dieser ist ein erfreulicher; sein Geschäft blüht, seine Schwiegersöhne sind angesehen am königlichen Hof, sein Kompagnon Michel Bendix ist Hofjuwelier. Der König selbst kauft nicht für „peruto adias“, d. h. für einen Pfennig anders als bei ihm, auch die Königin und alle hohen Persönlichkeiten; „denn wir sein borucli hascheni ehrliche Leut und haben niemals einen zu nahe gethan. Jehallekho sor welo ficlio." (Möge dich ein Fremder loben und nicht dein eigener Mund.) Den Schlußsatz seiner Selbstbiographie will ich, ehe wir von Aron Jsak scheiden, wörtlich hierher setzen, indem ich nur bemerke, daß die Uebersetzung nicht von ihm ist: „Ich Hab' sehr viel zu schreiben, was ich habe gethan lifne kol lmjluidini (für alle Inden), wie so leicht unter kol edosemi (unter der ganzen Gemeinde) nicht hat thun könne» und haben ein jeden kok hathauwos (alle Wohlthaten) gethan, kol mal» sdiebjediolti (nach meinen Kräften). Sie haben mir rnesdialem rooh lachas tauvoh gewesen (Böses für Gutes gethan), allein hakodausdi boruch hu, berauw rachamov berauw cliasdau (Der Heilige, gelobt sei er, gelobt seine Barmherzigkeit und große Gnade) hat mir mazliadi gewesen bediol derochaj (hat mir in allen meinen Wegen Glück gegeben)." Ehre dem Andenken des wackern Mannes! 6. K. Are Abtrünnige. Eine Erzählung von Paula Faber. III. er Professor kam nicht weit mit seiner Rede. Nach den ersten Sätzen unterbrach ihn die Frau des Hauses. „Was sollen die überflüssigen Redensarten, Herr Professor? Was Sie begehren, weiß ich ja. Und nachdem Sie mich gestern schriftlich um diese Unterredung baten, habe ich mit meiner Tochter lange und eingehend gesprochen. Weshalb wollen wir also unnütz Zeit verschwenden? Ich wenigstens bin nicht aufgelegt zum Austausch schöner, zweckloser Floskeln. Darf ich nicht sprechen, als hätten Sie bereits geredet?" „Selbstverständlich, Madame da Silva." Die Anrede „gnädige Frau" war zu jenen Zeiten, vor etwa dreißig Jahren, in Bürgerkreisen noch bei Weitem nicht so allgemein wie heutigen Tages. Speziell in der alten norddeutschen Handelsstadt hatte sich das „Madame" unserer westlichen Nachbarn — ein Ueberrest der französischen Okkupation zu Anfang dieses Jahrhunderts — länger erhalten als im ganzen übrigen Deutschland. „Selbstverständlich," wiederholte er, „und darf ich hoffen —" „Sie wiffen so gut wie ich, Herr Profeffor, welche Ehre in jeglichem Sinn des Wortes Ihre Bewerbung für jedes Mädchen ist. Ein Emanuel Steinhardt bekommt wohl von Keiner einen Korb. Ihr großer Name, Ihr hoher wissenschaftlicher Ruf, Ihr ganzer Charakter, Ihre glänzenden materiellen Verhältnisse, indeffen, was soll ich Ihnen ins Gesicht Ihre Vorzüge aufzählen? Die kennen Sie so gut wie ich. Nein, keine falsche Bescheidenheit, das steht Ihnen schlecht. Jeder rechte Mann soll sich seines Werthes voll bewußt sein. Wenn ich nun trotzdem ein Bedenken habe, Sie wiffen, welcher Art es ist?" EUILLETON

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