Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1899)
- Date
- 1899-04-14
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228311-3228327--55414-3291613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
2 ~~ J.— "-■'■V - T - ' t-, w- -C -, v». -w^-p w^vr^x-Ti-f^no'rj^^ "W*«i Vorstandes der Israelitischen Gemeinde zu Hamburg die Schwester Amalie als Oberin des dort neu eröffneten Siechenheims entsendet. Wie schon des Oefteren, so benutzen wir auch heute wiederum die Gelegenheit, unsere jüdischen Mädchen und Frauen auf diesen neuen Zweig weiblicher Thätigkeit dringend aufmerksam zu machen; insbesondere mögen auch die Eltern, mehr als dies bisher der Fall war, ihre Töchter diesem edelsten aller Berufsarten der Frau zusühren, der, abgesehen von seiner segenbringenden Wirksamkeit, mehr als jeder andere weibliche Beruf die betreffenden Personen einerseits unabhängig macht, fie für alle Zukunft stcherstellt und auch andererseits ganz besonders geeignet erscheint, unsere jüdischen Mädchen eventuell für den Beruf der Ehe vorzubereiten. Wie wir hören, ist das Bedürfniß nach tüchtigen jüdischen Krankenpflegerinnen ein noch sehr großes, und ist der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen gern bereit, noch Schülerinnen bei sich einzustellen. Auskunft ertheilt die Oberin Fräulein Rose Blau im Schwesternheim, Auguststr. 17. Berlin, 11. April. Am 9. v. M. fand im Vorderhause der Synagoge Lützowstraße 16 die Generalversammlung des Vereins zur Unterstützung armer jüdischer Wöchnerinnen statt. ZuBorsteherinnen wurden Frau Bertha Mayer, Clara Unger, Sophie Strauß wieder¬ und Frau Mathilde Ellon an Stelle der eine Wiederwahl ablehnenden Frau Emma Manasse neugewählt; zu Stellvertreterinnen wurden Frau Rabbiner Dr. Weisse, Friederike Behrens, Laura Cunow, Frieda Neubrück, zum Rendanten Herr Oscar Berlin, zu dessen Stellvertreter Herr Hugo Heilmann wiedergewählt. Der Verein entwickelt eine sehr gedeihliche Thätigkeit, und es ist lebhaft zu wünschen, daß derselbe eine immer größere Zahl von Mitgliedern und Spendern aufzuweisen habe. ££2 Berlin, 9. April. Auch die zu Ende gehende Vortragssaison in den Litteraturvereinen hat noch viel Werthvolles und Interessantes zu Tage gefördert. In Tilsit sprach Rabbiner Dr. Ehrlich über das altisraelitische Gemeinwesen, Rabbiner Dr. L. Pick über Selbsterkenntniß, Stud. jur. Wilk über Emil Lehmanns Leben und Schriften, in Krotoschin Herr S. Laqueur-Breslau über Ad. Cremieux, Hauptlehrer Rieß über Moses Montefiore, Rabbiner Dr. Freund- Ostrowo über „Rissein den Mauern des Ghetto", Lehrer A. Margolius über den Einfluß der Bibel auf deutsche Dichter und Denker, in O str o w o Dr. C. Pinn über die Romantik des jüdischen Martyriums, Rabbiner Dr. Berger-Krotoschin über Poesie und Prosa im Talmud, in Schildberg Rabbiner Dr. Königsberger-Pleschen über Aphorismen aus dem Jdeenkreise der Hebräer, in Obornik Rabbiner Dr. Auerbach-Rogasen über Brauch und Sitten der Juden im Mittelalter, in Wreschen Rabbiner Dr. Königsberger über Proselyten im Judenthum, in Pleschen Dr. S. Grzymisch über Psalm 104, in Ratibor Apotheker Eckstein über die Juden in Afrika, in Breslau Rabbiner Dr. Bloch-Posen über Akiba b. Joseph und die letzten Stunden Judäus', in Leipzig Professor Dr. Cornill-Breslau über die Propheten als Dichter, in Bernburg Rabbiner Dr. Flaschner über jüdische Geschichte und Litteratur, Rabbiner Dr. Freudenthal über Glücke! von Hameln und ihre Memoiren, Rabbiner Dr. Ackermann-Brandenburg über die jüdische Poesie und ihre Entwickelung, in Hildesheim Dr. Seligmann-Hamburg über das Problem der jüdischen Kultur, in Bremen Dr. Pinetti über die Musik bei den alten Israeliten, in Geestemünde Landrabbiner Dr. Mannheimer- Oldenburg über das Thema: „Ein Spaziergang durch den Garten der Kultur", in Hamburg Professor Dr. Le ff mann-Heidelberg über Arier und Semiten, Dr. A. Feilchenfeld über die älteste Geschichte der Juden in Hamburg, in Barmen Lehrer Ziwi-Elberfeld über die jüdische Musik im Alterthum, Lehrer Steinberg über die Juden Englands, in Elberfeld Rabbiner Dr. Samuel-Essen über die Bücher Jona und Ruth, Rabbiner Dr. Rosenthal-Köln über Jsaac Abravanel und seine Zeit, in Köln Direktor Dr. I. Löwenberg-Hamburg über Gabriel Rießer, in K arlsruhe Professor Dr. Cohen-Marburg über die Weltanschauung des Judenthums, Konferenzrabbiner Dr. Appel über Gabriel Rießer, in München Rabbiner Dr. Finkelscherer über das altjüdische Sprichwort. Neue Litteraturvereine wurden gegründet in Augsburg, Nürnberg. Bremen, Schildberg, Obornik. 0 Breslau, 7. April. Am hiesigen jüdisch-theologischen Seminar beginnt das Sommersemester am Dienstag, 11. d. M. Während desselben werden folgende Vorlesungen gehalten werden: Talmud statarisch (für Abtheilung 1) Chulie, 6 Stunden, Dr. Lewy. Talmud statarisch (für Abteilung II) Schabbeth, 6 Stunden, Dr. Horowitz. Talmud | cursorifch (für Abtheilung 1) Berachoth, 2 Stunden, Dr. Lewy. Talmud cursorifch (für Abtheilung II) Megillah, 2 Stunden, Dr. Horowitz. Schulchan aruch Jo re Dea (für Abtheilung I) 4 Stunden, Dr Lewy. Sch. a. Orach Chajim (für Abtheilung II), 2 Stunden, Dr. Brann. Hebräische Grammatik, 2 Stunden, Dr. Horowitz. Pentateuch-Exegese, 1 Stunde, Dr. Brann. Erste Propheten, 1 Stunde, Dr. Brann. Letzte Propheten, 2 Stunden, Dr. Brann. Hagiographen (Megilloth) 1 Stunde, Dr. Brann. Pentateuch mit Raschi's Komm., 1 Stunde, Dr. Brann. Pentateuch mit den Kommentaren Jbn Esra's und Nachmanis, Dr. Brann. Jüdische Geschichte, 2 Stunden, Dr. Brann. Lektüre ausgewählter Piutim, 2 Stunden, Dr. Brann. Die Religionsphilosophie Jbn Gabirols, 2 Stunden, Dr.Horowitz. Midrasch Rabboth, 1 Stunde, Dr. Horowitz. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Dr. Horowitz. Pädagogik, Theil II, 1 Stunde, Dr. Brann. — Ein talentvoller Breslauer Künstler Jsmar Cohn, ist am 26. v. Mts. im jugendlichen Alter von 28 Jahren, aus dem Leben geschieden. Der Verstorbene stand am Anfänge einer Schaffensperiode, die eine glänzende zu werden versprach. Cohn hatte auf der hiesigen Kunstschule seine Ausbildung als Dekorationsmaler genossen und setzte dann später seine Studien im kunstgewerblichen Museum in Berlin unter den Professoren Schmidt und Koch fort. In Dresden, wohin er sich nach beendetem Studium wandte, schuf er sich bald durch die dekorative Ausstattung von „Alt Dresden" während der Dresdener Gewerbeausstellung in der Kunstwelt einen geachteten Namen, den er später durch keine Wandmalereien in dem bekannten „Linkischen Bade" befestigte. In seiner Vaterstadt Breslau wirkte er seit einem Jahre und hat hier außer zahlreichen Privatarbeiten durch die dekorative Ausschmückung der Lessing-Loge die Aufmerksamkeit weiterer Kreise auf sich gelenkt. — Zum Inspektor der Israelitischen Altersversorgungsanstalt in Kleinburg ist Waisenhausinspektor Boß in Jnowrazlaw gewählt worden. z. Rybnik» 3. April. Unter ungewöhnlicher Theilnahme aller Kreise der Bevölkerung wurde heute die Gattin des um das Gemeinwohl hochverdienten Rathsherrn Abraham Prager zu Grabe getragen. Die Verstorbene war Ehrendame des israelitischen Waisenhauses Hierselbst und zeichnete sich durch reiches Wohlthun und tiefe Frömmigkeit aus. Die städtischen Körperschaften, Vorstand und Repräsentanten der Synagogengemeinde sowie die Kuratoren des Waisenhauses folgten der Bahre. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal aus Ratibor zeichnete in ergreifender Rede das Bild der Verklärten. Ehre ihrem Andenken! in. Eberswalde, 10. April. Ein schönes Fest gab unserem sonst so eintönigen Gemeindeleben neuen Impuls. Am 2. d. M. waren es 25 Jahre, daß Herr S. Ra witsch er das Amtals Religionslehrerund Seelsorger in hiesiger Gemeinde antrat. Ohne Varwifsen des Jubilars hatte die Gemeinde, es war gerade Festtag, in der Synagoge Kanzel und Betpult bekränzt und erwartete fast vollzählig in dem hell erleuchteten prächtigen Gotteshause ihren Beamten. Bei seinem Eintritt wurde er von Vorstand und Repräsentanten begrüßt und seitens des Vorstands-Vorsitzenden durch innige Worte der Anerkenung und des Dankes geehrt. In der Festtagspredigt, welche an den Text seiner Antrittspredigt anknüpfte, legte der Jubilar in bewegten Worten Rechenschaft ab über seine 25 jährige Wirksamkeit. Nach dem Gottesdienste brachten die Schulkinder ihre Glückwünsche dar und überreichten ein kostbares silbernes Kaffeeservice. Die Gemeinde als solche hatte ein Ehrengeschenk übergeben. Am folgenden Tage erst erschienen die Gratulanten im Hause des Gefeierten. Mehrere Kollegen aus der Nachbarschaft hatten sich eingefunden, und der Vorstand des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Brandenburg unter Führung seines Vorsitzenden, Herrn Dr. Adler-Berlin, war durch drei Mitglieder vertreten. Der Vorstand der Synagogengemeinde wie das Büreau der Repräsentanten, die Kinder des Jubilars und viele Verwandte aus der Ferne waren anwesend. Herr Dr. Adler beglückwünschte Namens des Vereins den Kollegen, der durch segensreiche Wirksamkeit sich um seine Gemeinde, um das Judenthum und dadurch auch um seinen Stand verdient gemacht habe. Ein heiteres Mahl im Hause des Jubilars beschloß die in kleineren Gemeinden leider seltene Feier. Möge es dem Jubilar wie der Gemeinde beschieden sein, noch recht lange gedeihlich zu wirken.