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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-04-14 · Heft 15 (14.4.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 15 (14.4.1899)
Date
1899-04-14
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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63. Jahrgang. Nr. 15. Weikage Öt^4 Berlin. 14. Avril 1899. zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenthurns". Korrespondenzen und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 9. April. Die heutige Repräsentantensitzung, welche nur kurze Zeit in Anspruch nahm und wenig interessante Vorlagen aufwies, wurde durch den Vorsitzenden, Herrn Louis Sachs, mit der Mittheilung eröffnet, daß an Stelle der mit Urlaub abwesenden Herren Stadtrath Weigert, Kommerzienrath Friedländer und Rechtsanwalt Dr. Simon die stellvertretenden Repräsentanten Herren Benas Levy und Adolph Mayer einberufen sind. Der Vorsitzende giebt ferner der Versammlung von einem Schreiben des Gemeindevorstandes Kenntniß, Punkt 8 der geheimen Sitzung, betreffend Wahl eines Rabbiners, von der Tagesordnung abzusetzen, weil Dr. Jacob aus Göttingen in einem Schreiben vom 6. April gebeten habe, von ei ner Wahl Abstand zu nehmen, da er auf Wunsch seiner Gemeindemitglieder in seinem Amte verbleiben möchte. Debattelos genehmigt wurden alsdann die Punkte 2—5 der Tagesordnung, nämlich die Zuwendung des Herrn Nathan Schlesinger in Höhe von 12000 Mark an die Altersversorgungsanstalt, die Nachbewilligung von 120 Mark für die Speisung der Strafgefangenen in Rawitsch, die Bewilligung von 1500 Mark als Subvention für den „Verein für Arbeitsnachweis", welcher 3000 Mark beantragt hatte, welche durch größere Miethsunkosten und durch Erhöhung verschiedener Gehälter motivirt waren, und der Abschluß eines Miethsvertrages betreffs des zum Jugendgottesdienst verwendeten Saales in der Beuthstraße 20. Bon der Vorlage, betreffend Vermiethung der Plätze in der Alten, Neuen und Kaiserstraßen- Synagoge hat die Versammlung nur Kenntniß zu nehmen. In der alten Synagoge sind unter Abrechnung von Freiplätzen im Betrage von 1973 Mark 11702 Mark eingenommen worden, in der Neuen Synagoge unter Abrechnung von ca. 1100 Mark für Freiplätze ca. 26600 Mark. Punkt 7 der Tagesordnung zeitigte eine längere Debatte. Es handelt sich um den letzthin gefaßten Beschluß der Repräfentantenversammlung, einen Bericht über die Knaben- und Mädchenschule und über die Lehrerbildungsanstalt zu Ostern 1900 erscheinen zu lassen. Der Gemeindevorstand ist dem Beschlüsse betreffs eines Berichtes über die Gemeindeschulen beigetreten, will sogar noch einen Bericht über die Religionsschulen hinzufügen, aber hinsichtlich der Lehrerbildungsanstalt hat er sich nicht dem Votum der Repräsentanten anschließen können, da der Zusammenhang der Lehrerbildungsanstalt mit der Gemeinde nur ein loser sei. Im Namen des Ausschusses III berichtet Professor Blaschke über diese Vorlage. Der Ausschuß sei einstimmig der Meinung gewesen, daß so lose, wie der Vorstand meine, der Zusammenhang zwischen Lehrerbildungsanstalt und der Gemeinde nicht sei, und zwar nicht nur aus dem äußeren Grunde, weil die Gemeinde zur Unterhaltung der Anstalt einen Beitrag zahle, sondern vielmehr aus inneren Gründen, weil der Schul- und Talmud-Thora-Borstand als solcher in die Reihe der Verwaltungskommifsionen gehört, deren Mitglieder zum größten Theil durch die Repräsentantenversammlung gewählt werden. Eine Minderheit des Ausschusses habe eine Vermittelung herbeizuführen gesucht, dahingehend, daß der Bericht über die Religionslehrer und Kantoren mit Berücksichtigung der übrigen Ausbildung erstattet werden solle. Dagegen habe der Ausschuß mit Majorität beschlossen, auf dem in der vorigen Sitzung gefaßten Beschluß zu beharren, da der vom Gemeindevorstand angeführte Grund nicht stichhaltig und sachliche Bedenken dagegen nicht vorgebracht feien. Dr. Lachmann weist auf Grund der erst neuerdings angenommenen Satzungen des Schul- und Talmud-Thora- Borstandes nach, daß der letztere nur das dem Gemeindevorstand zustehende Auffichtsrecht über die Lehrerbildungsanstalt führe, daß also die Stellung der Gemeinde zu den Schulen eine wesentlich verschiedene sei wie zu der Lehrerbildungsanstalt. Geheimrath Blumenthal weist die Ausführungen des Kommissars zurück und stellt die Forderung nach einem Bericht, der von vielen Seiten gewünscht werde, als vollkommen berechtigt hin. Inzwischen ist von den Herren Geiger, Minden u. A. eine Resolution eingegangen, wonach die Repräfentantenversammlung unter Absetzung des in der vorigen Sitzung gefaßten Beschlusses hofft, daß auf Veranlassung des Vorstandes Ostern des nächsten Jahres ein Berichts über die Ausbildung der Religionslehrer und Kantoren in der Lehrerbildungsanstalt erscheint. Herr Leonhard Sachs führt aus, daß der Zusammenhang zwischen der Gemeinde und der in Rede stehenden Anstalt in der That ein loser sei. Das Talmud-Thora-Jnstitut sei eigentlich ein selbständiges gewesen und habe aus dem ererbten Hause Spandauerstraße 64 seine Bedürfnisse gedeckt. Das Verhällniß sei allerdings ein anderes geworden, seitdem die Gemeindebehörden einen Zuschuß zu den Kosten des Instituts geben. Gegen den Vermittelungsvorschlag sei jedoch nichts einzuwenden. Nachdem noch Justizrath Apolant, Geheimrath Blumenthal gegen und Professor Blaschke für die Annahme der Resolution gesprochen, kommt es zur Abstimmung, in der mit überwiegender Majorität die Resolution zum Beschluß erhoben wird. — In der darauf folgenden geheimen Sitzung standen nur unwesentliche Vorlagen zur Berathung. L2 Berlin, 8. April. Vor einiger Zeit wurde in einem in der Repräsentantenversammlung gehaltenen Referate von einem „Rückgang" in der Schülerzahl der Knabenschule der hiesigen jüdischen Gemeinde gesprochen. Wie irrthümlich diese Angabe ist, ist aus der Thatsache zu ersehen, daß sich bei dem Beginn dieses Semesters zur Aufnahme in die unterste Klasse 80 Schüler gemeldet hatten, von denen wegen mangelnden Platzes nur 48 zur Aufnahme gelangen konnten. Auch für die übrigen Klassen waren zahlreiche Anmeldungen ergangen, die aus demselben Grunde fast ausschließlich unberücksichtigt bleiben mußten. * ££ Berlin, 9. April. Der fünfte Jahresbericht des Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen pro 1898 entrollt ein getreues Bild von der stetigen Entwickelung dieser gedeihlichen Institution. Die Zahl der Schwestern ist in regelmäßigem Wachsthum begriffen, und wenn dieselbe auch heute noch bei Weitem nicht genügt, neben den Ansprüchen, welche die Privatpflege stellt, auch der Armen- und Hospitalpflege ausreichende Kräfte zur Verfügung zu stellen, so darf man doch die Hoffnung hegen, daß der Verein in allmäligem Fortschritt diesem Ziele immer näher kommen wird. Die Meldungen neuer Schülerinnen sind von 48 im Jahre 1897 auf 60 Personen im vergangenen Jahre gestiegen. Die strenge Prüfung der.sich meldenden Personen in Bezug auf ihre gesundheitlichen, auf Bildungs- und Familien-Verhältnisse, bringt es mit sich, daß von 60 sich meldenden Personen nur 13 versuchsweise zur Einstellung gelangen konnten, und von diesen Schülerinnen im Laufe des Lehrjahres 7 wieder entlassen werden mußten, und zwar wurden 2 wegen unzureichender Gesundheit, 3 wegen mangelnder Begabung, 2 wegen ungeeigneten Benehmens verabschiedet. Am 31. Dezember 1898 betrug der Bestand der Schülerinnen 10, neu eingestellt 13, wieder entlassen 7, bleiben 6, Summa 16, zu Schwestern ernannt 7, bleiben 9; Bestand der Schwestern 19, Zugang 7, davon entlassen 3, bleiben 4, Summa 23, so daß das neue Jahr mit 23 ausgebildeten Schwestern und 9 Schülerinnen begonnen werden kann. Die Schwestern Louise Makowski, Minna Neumann, Ernestine Kochmann, Henriette Karpes, Emilie Neumann erhielten am Chanukahfeste das Vereinsdiplom und damit das Dokument, welches fie für ihre ganze Lebenszeit, auch im Falle des vorgerückten Alters und der Arbeitsunfähigkeit, unter den Schutz und die Versorgung des Vereins stellt. Gleichzeitig empfingen 3 Schülerinnen das Vereinszeichen, und rückten dadurch in die Zahl der fertigen Schwestern. Schon im vorjährigen Jahresbericht wurde mitgetheilt, daß dem Verein die Ausbildung von Schwestern für die Gemeinden in München und in Nürnberg gegen Bergütigung von je 1000 Mk. übertragen worden ist, und daß daselbst beabsichtigt wird, nachdem eine genügende Zahl von Schwestern ausgebildet sein wird, Filial-Anstalten unseres eceias zu errichten. Im laufenden Jahre wurde auf Wunsch des

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