Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 15 (14.4.1899)
- Date
- 1899-04-14
- Page
- Seite 177 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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'^-7-..!V v^>5f .- >'v-7.- i r:-r - ,:v'^V'V-*; ■■•;•••'• ""••.•' •'" r " ■■ 177 andere Freude gekannt als das Studium der hebräischen Sprache und Litteratur. Er ist ein gelehrter Talmudist, und so ernst sind seine Bestrebungen, seine Kenntnisse auch Anderen mitzutheilen und die Litteratur unter die Studien eines wissensdurstigen Volkes aufzunehmen, daß er dies thut, ohne Honorar oder sonstiges Aequivalent entgegenzunehmen. Ich weiß auch, daß er in reger Korrespondenz mit vielen deutschen und polnischen Rabbinern steht. Dann giebt es noch einen extra angestellten Lehrer in Dunedin und auch einen Lehrstuhl des Hebräischen an der Otago-Universität. Die Universität zu Melbourne besitzt ebenfalls einen Lehrstuhl des Hebräischen, welchen Rev. Dr. Abrahams mne hat. Hier giebt es noch einige andere Vereinigungen, welche mit den jüdischen Gemeinden in Verbindung stehen. Mir sind folgende bekannt: 1. Melbourne: Erziehungshaus. Philanthropische Gesellschaft. Zweighaus der Englisch-Jüdischen Vereinigung. Ladies Dorcas- Stiftung. 2. Sydney: Sir Moses Montefiores Alterversorguugsanstalt. Jüdisches Erziehungshaus und Schule, wo mehrere Hundert Kinder täglich in der hebräischen Sprache und Litteratur unterrichtet werden. Englisch-Jüdische Vereinigung. 3. Perth: Philanthropische Gesellschaft. Debattir-Klub und Zweig der Englisch-Jüdischen Vereinigung. 4. Brisbane: Ladies Dorcas Society. 5. Adelaide: Philanthropische Gesellschaft. In Neu-Seeland unterhalten alle jüdischen Gemeinden ebenfalls mildthätige Stiftungen, wie ich deren schon erwähnt habe, doch keine Litteraturvereine. Ein schlagender Beweis für das Zusammengehörigkeitsgefühl, das unsere Brüder beseelt, ist die Begründung sinerChewra Kadischa, die in streng orthodoxer Weise eingerichtet wurde. Dunedin gebührt das Verdienst, eine solche vor etwa sieben Jahren unter der Leitung des Herrn I. Heymann, des Vorstehers der Gemeinde, begründet zu haben, und von hier hat sich die Bewegung nach Sydney und Brisbane fortgepflanzt. Ich schließe meinen Brief. Es würde mich herzlich freuen, wenn ich hoffen dürfte, mit diesen wenigen Zeilen das Jntereffe Ihrer Leser erregt zu haben. Fehler der Septuaginta und Vulgata als Ourllrn von Illustrationen und Skulpturen?) Bon Professor Dr. David Kaufmann. f er centralen Stellung, welche unter allen Büchern der Bibel der Psalter als Hauptquelle des täglichen Officium divinum in der Kirche einnimmt*), entspricht auch die Pflege und Bevorzugung, die er schon im frühen Mittelalter in der christlichen Kunst gefunden hat. Die, ich möchte sagen, wörtliche Uebersetzung der Psalmen in natürliche Zeichen, die Uebertragung ihrer Metaphern und Gleichniffe in sinnenfällige Bilder hat aber auch zugleich den Fornienschatz, die gesammte Ornamentik der mittelalterlichen Künste bereichert und befruchtet, so daß in dem festen Fond der Bildermotive, in der Buchmalerei der Miniaturisten wie in der Skulptur der Dombaumeister, manches uns entgegentritt, was in einem hebräischen Ausdruck des Psalters seinen Ursprung hat. Adolph Goldschmidt hat diesen Gedanken zuerst im Zusammen- >) S. J. Q. R. XI, 163 ff. 2) Vgl. F. X. Kraus, Geschichte der christlichen Kunst I, 2, p. 452 n. 3. hang an den Illustrationen des Psalters der St. Godehardskirche » in Hildesheim erwiesen, der nach dem Benediktinerkloster St. Albani j in der Nähe von London, in deffen Besitz er war, seinen Namen z trägt, und die Entlehnungen aufgezeigt, die in der Kirchenskulptur! des XII. Jahrhunderts und ihrer Symbolik auf diese bisher unbeachtete Quelle zurückgehen*). ■; Allein es war nicht der hebräische Urtext der Heiligen Schrift, aus dem die Künstler ihre Inspirationen schöpften. Manches, was uns wie ein Bilderräthsel entgegenstarrt, l ist aus dem Original gar / nicht, sondern nur aus der lateinischen Uebersetzung des Hieronymus und ihrer Vorlage, den LXX, zu erklären. Mißverständnisse, Fehler der Uebersetzer sind so zu Quellen von Kunstdarstellungen, Ungeheuerlichkeiten der Texteserklärung zu bleibenden Symbolen und ■ sinngebenden Ornamenten geworden, ähnlich wie in der Sprache fehlerhafte und irrthümlich entstandene Worte als Gefäße lebendigen Gedankeninhaltes fortbestehen. Ein merkwürdiges Beispiel liturgischer und künstlerischer Verwendung und Festhaltung solch eines alten Uebersetzungsfehlers bietet i das besonders in der byzantinischen Kunst und bei der Himmelfahrtsfeier in der morgenländischen Kirche^) verwendete Bild von den Fürsten, die Thore tragen. Auch der Albanipsalter enthält eine Illustration, die einen durch einen Goldreif auf der Mütze als Fürst gekennzeichneten Mann darstellt, der ein Paar Thüren zu Christus bringt b). Wer, der die Uebersetzungen nicht vor Augen hätte, würde ahnen, daß hier Ps. XXIV, 7 illustrirt werden soll! In seiner poetischen Belebung des tobten Stoffes heißt der Psalmendichter die Thore, deren Oberschwellen im jüdischen Alterthum offenbar beweglich und zum Aufheben eingerichtet waren, ihre Häupter erheben, damit der König der Ehre ungehindert, hochragenden Hauptes seinen Einzug halten könne. Durch einen Fehler in der Textesvorlage der LXX oder eine Flüchtigkeit des Uebersetzers ist der herrliche Vers entstellt in die Liturgie und in die Kunst der Kirche gedrungen; auS den Thoren, die ihre Häupter erheben, sind Häupter! geworden, die ihre Thore erheben. Hieronymus hat den Fehler der 1 LXX nur zu treu wiederholt, wie die Nebeneinanderstellung der Texte zeigt: nbii? Tina itttrm nawn ffw irw dgara nxXaq ot ccg%ovzeg vßäjv, Kal tndgd-ijzt tiI/xu auormi. (</' 23, 7).; attollite portas principes vestras etc. Ein zweites Beispiel eines Schule stiftenden illustrirten Fehlers bildet das in der Kirchenskulptur so häufige Motiv menschlicher nackter oder auch bekleideter Gestalten, die in Weinreben oder anderem Rankenwerk stehend oder kletternd angebracht sind. Goldschmidt*) hat die Quelle dieses Ornaments in einer Illustration des Albanii Psalters zu Ps. XXVII, 7 nachgewiesen, die sich ausdrücklich als die bildliche Wiedergabe der daneben geschriebenen Worte: et rellornit caro mea bezeichnet. Dieses Wiederaufblühen des Fleisches, die Errettung vom Tode, verdankt aber an dieser Stell: nur einem Mißverständniß oder einer freien Wiedergabe des griechischen Uebersetzers, dem wieder Hieronymus folgte, seine ganze Entstehung, denn das Bild ist in diesem Sinn überhaupt nicht biblisch (vgl. Jes. LXVI, 14). :: Aus den Worten Ps. XXVIII, 7: '2*? I^v'l im hebräischen Urtext i ist bei den LXX: xal ärt-Sakv ti f.iov und in der Vulgata et refioruit caro mea und so aus dem jubelnden Herzen der!! in Blüthe stehende Leib geworden. :!j; - ' sii 1! i) Der Albani-Psalter in Hildesheim und seine Beziehung zur ,,jj symbolischen Kirchenskulptur des XII. Jahrhunderts (Berlin 1895). 2) Vgl. : j -: I. I. Tikkanen, Die Pfalterillustration im Mittelalter (Helsingfors; j 1895) I, 1 p. 60 und 63. 3) Goldschmidt a. a. O. 95. ■*) 1b. 63 ff.! i|i