Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 14 (7.4.1899)
- Date
- 1899-04-07
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 2 - Gemeindehundes. 4)er geschäftsführende Vorsitzende desselben, Professor Dr. Philippson, bat nun den Landtagsabgeordneten Dr. Max Hirsch um dessen persönliche Verwendung bei dem zuständigen Minister des Innern. Der genannte Herr erklärte sich hierzu gern! bereit, wünschte jedoch zuvor, eine Enquete yarüber veranstaltet zu sehen, wie es in den preußischen Städten bei Festsetzung der Märkte mit der Berücksichtigung der jüdischen Feiertage gehalten werde. Im Interesse; der Beschleunigung beschränkte sich der D. I. G.-B. auf ein Rundschreiben an die jüdischen Gemeinden der Provinz Brandenburg, denen folgende Fragen vorgelegt wurden: 1. Ist dort jemals ein Jahr-, Vieh-, Saat- oder ähnlicher Markt auf Rosch-Haschono oder Jom-kippur festgesetzt worden? 2. Ist im Bejahungsfälle gegen solche Veranlagung Einspruch erhoben worden und mit welchem Erfolge? Die einlaufenden Bescheide verneinten fast ausnahmslos die erste Frage, und damit entfiel die zweite. Die Gemeinde Prenzlau war in der Lage, eine durch Vermittelung der Landwirthschaftskammer für die Provinz Pommern in Stettin erlassene Verfügung der Königlichen Regierung zu Stralsund einzusenden, die sich zu Gunsten der Berücksichtigung des Sabbaths bei Festsetzung des Wollmarktes verwandte. Das so gesammelte Material wurde von Herrn Dr. Hirsch seinem Kollegen Herrn Rickert, dem bewährten Vertreter jüdischer Gleichberechtigung, mitgetheilt, und auf des Letzteren, als Vorsitzenden des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus, Veranlassung bei Abfassung einer von einer größeren Zahl jüdischer Interessenten in Kottbus aufgesetzten Petition verwendet. Dr. Max Hirsch hat diese Petition am 28. März dem Minister des Innern mit einer mündlichen Erläuterung überreicht. Der Minister nahm diePetition wohlwollend mit der Zusage sorgfältiger Prüfung entgegen; sollte es nach Lage der Sache zu spät sein, so werde der Minister gewiß für die Zukunft die stete Berücksichtigung der hohen jüdischen Festtage anempfehlen. Es wird fortan nach Ansicht des Herrn Dr. Max Hirsch nur nöthig sein, daß die Vertreter der jüdischen Gemeinden dieser Frage die nöthige Aufmerksamkeit schenken und erforderlichenfalls an der richtigen Stelle und rechtzeitig Einspruch erheben. Der Ausschuß des D.-J. G.-B. schließt sich der Ansicht des Herrn Abgeordneten, der durch sein warmes Eintreten in dieser Angelegenheit sich ein Verdienst um die Religionsfreiheit der deutschen Juden erworben hat, an. L2 Berlin, 31. März. Die Zeit der Jahresberichte ist da. Bon allen Seiten kommen uns solche zu, namentlich von Religionsschulen; nur Berlin steht noch in dieser Beziehung zurück. Nach dem letzten Beschluß der Repräsentantenversammlung wird auch darin eine erfreuliche Wandlung. eintreten. Der 56. Jahresbericht der Gemeindereligionsanstalt zu Bresla u bringt einen sehr lesenswerthen Aufsatz von Rabbiner Dr. Guttmann über den Unterricht in der jüdischen Geschichte: Die Anzahl der Zöglinge betrug am Ende des vorigen Schuljahres 379; neu hinzugetreten sind im Laufe des Jahres: 144, so daß im Ganzen am Unterricht theilnahmen: 323, und zwar: 332 Knaben und 191 Mädchen. Hierzu ist noch zu bemerken, daß der zu Michaelis 1898 neueröffneten Religionsunterrichts-Anstalt für die Odervorstadt, die gleichfalls Herrn Dr. Guttmann unterstellt ist, 40 Kinder überwiesen wurden, die in jenem Stadttheil wohnhaft find. Auch die neue Anstalt verspricht eine gedeihliche Entwickelung zu nehmen. — Der 49. Jahresbericht der orthodoxen Religionsanstalt zu Breslau enthält eine lesenswerthe Biographie des verstorbenen Dirigenten Dr. Samuelsohn von Rabbiner Dr. Rosenthal. Die Zahl der Schüler ist von 232 auf 332 gestiegen, die in achdKnaben- und vier Mädchenklassen unterrichtet werden. — Der Jahresbericht der Religionsschule, zu Stettin hat dagegen die unerfreuliche Thatsache zu konstatiren, daß die Schülerzahl von 253 auf 242 zurückgegangen ist, obwohl die Zahl der Gemeindemitglieder nicht unbeträchtlich gewachsen ist. Hoffentlich wird das von warmer Begeisterung diktirte Mahnwort des Dirigenten Rabbiner Dr. Bogelstein an die Eltern seine Wirkung nicht verfehlen. — In dem Jahresbericht der Religionsschule zu Königsberg i. Pr. giebt der Dirigent, Rabbiner Dr. Bogelstein, einen interessanten Rückblick auf die Entstehung und Entwickelung der Anstalt, die im laufenden Schuljahr von 270 Schülern, 157 Knaben und 113 Mädchen, besucht wurde, welche in Knaben- und sechs Mädchenklassen den Unterricht empfingen. — Auch der Jahresbericht der Religionsschule zu Thorn enthält ein beherzigenswerthes Mahnwort an die Eltern von Rabbiner Dr. Rosenberg. In der Gemeindereligionsschule, die 175 Zöglinge besuchten, wird hebräischer Unterricht in sechs Knaben- und fünf Mädchenklassen ertheilt. An den öffentlichen Lehranstalten leitet Rabbiner Dr. Rosenberg mit mehreren anderen Lehrkräften den allgemeinen Religionsunterricht. Auf mehrere andere Jahresberichte kommen wir gelegentlich zurück. K. Aus Westpreußen, im März. Das 25jährige Bestehen des „Vereins für Krankenpflege und Unterstützung armer Kranker" in Jastrow wurde am 19. Februar von der ganzen Gemeinde festlich begangen. Am Vormittag fand in der Synagoge ein öffentlicher Gottesdienst statt. - Nachmittags vereinigten sich etwa achtzig Personen zu einem Festessen im Barz'schen Saale. Daran schlossen sich Theateraufführungen und Tanz. Der Verein ist seinerzeit von den noch lebenden Herren Kaufmann Saling, Kaufmann Apolant und dem schon verstorbenen Tabakfabrikanten Simon gegründet. — In Lessen ist der Kaufmann Herr Max Löwenstein zum Vorsteher der Stadtverordnetenversammlung gewählt worden. — Herr Bernhard Löser in Elbing hatte, als er vor drei Jahren zum Kommerzienrath ernannt worden war, der Stadt Elbing ein Geschenk von 15 000 Mark gemacht, mit dem Ersuchen, das Geld zum gemeinnützigen Zweck zu verwenden. Herr Kommerzienrath Löser hat nun dem Magistrat gegenüber sich dahin ausgesprochen, daß es ihm sehr sympathisch sei, wenn die 15 000 Mark als Grundstock für den Bau eines Kaiser Wilhelm-Denkmals in Elbing Verwendung finden würden. Dem Vernehmen nach hat der Magistrat beschlossen, dem Wunsch des Geschenkgebers zu entsprechen und die Stadtverordnetenversammlung zu ersuchen, dem Beschluß beizutreten. Lp. Aus der Provinz Posen, im März. Der jüdische Schuletat in Wreschen beläuft sich pro 1899 in Einnahme und Ausgabe auf 4050 Mark. — Am 15. April er. werden es 25 Jahre, daß der Sekretär und Rendant der jüdischen Gemeinde in Lissa, Herr S. Ansorg.e, sein Amt angetreten hat. — Dem königlichen OekonomieundKommissionsrath David Goldstein in Ostrowo ist anläßlich seiner zum 1. April er. erfolgten Pensionirung der Rothe Adlerorden IV. Klasse verliehen worden. Herr Goldstein ist seit Bestehen der Kreisordnung Mitglied des Kreisausschusses des Kreises Ostrowo und hat sich als solcher durch seine Umsicht viele Verdienste erworben. — Am 1. April er. feiert der Kantor I. Prager zugleich mit seinem 50jährigen Bürgerjubiläum auch das Jubiläum als Kantor und Schächter der Synagogengemeinde Neuen bürg. Der Jubilar steht im Alter von 74 Jahren und waltet noch rüstig seines Amtes. — Die Stadtverordneten in Wreschen haben neulich den Kaufmann und Ackerbürger Hugo Ehrenfried daselbst einstimmig zum Magistratsmitglied gewählt. Herr Ehrenfried vertritt schon seit vielen Jahren die Stadt in der Kreisverwaltrmg. — Die Familie des Gemeindevorstehers und Stadtraths Koschmann Wreschner in Obornik hat dem Tempel daselbst eine Thorarolle nebst Gehängen sowie einen kostbaren Vorhang geschenkt. Die Geschenke repräsentiren einen Werth von ca. 4000 Mark. — Nach dem Bericht über die Thätigkeit des Armenvereins in Ko schm in hat derselbe im Jahre 1898 407 auswärtige Arme mit 486,40 Mark und 2 Arme dortselbst mit 30 Mark unterstützt. — Die Stadtvertretung in Ostrowo hat zum Andenken an den früheren Rabbiner Dr. Freimann daselbst eine Straße an der Synagoge mit dem Namen „Freimannstraße" genannt. — Kürzlich hielt der israelitische Borschußverein in Posen seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem in derselben erstatteten Jahresbericht hat der Verein im Jahre 1898 die letzten Verbindlichkeiten an Lehrlinge, die ihm nach dem alten Statut noch oblagen, erfüllt und ist der Verein nunmehr in der Lage, seine Mittel ausschließlich der ihm jetzt obliegenden Aufgabe widmen zu können, nämlich Darlehen an Gewerbetreibende und Handwerker zu ertheilen. Es wurden Darlehen im Betrage von 16 249,50 Mark, gegen 15 075 Mark im Vorjahre, ertheilt. Bon den Außenständen sind 342,83 Mark dubios geworden, davon sind 45 Mark gänzlich uneinziehbar. Es schieden durch Loos aus dem Vorstand die Herren S. I. Cohn, Julius, L. Jaeobsohn, Nathan L. Neufeld und vom Kuratorium Herr Sally Hamburger. Sämmtliche Ausscheidende wurden wiedergewählt. Gr. Essen, 3. April. Am letzten Freitag wurde hier eine der edelsten Frauen der israelitischen Gemeinde zu Grabe getragen. Frau Ww. Fanni Cohen starb nach einem Leben, das mit Tugenden ausgefüllt war, die sie stets im Stillen übte. Feind alles Geräuschvollen, vermied sie es, ihre fromme Liebesthätigkeit in der Oeffentlichkeit bekannt zu wissen. Niemals versäumte sie, ohne Rücksicht auf die Unbilden