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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-31 · Heft 13 (31.3.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 Worten die Tugenden und Eigenschaften der Mutter der Waisenkinder, an der nicht nur die Anstalt, sondern auch die Gemeinde ihre beste Zierde verloren habe. Im Namen der ehemaligen Zöglinge sprach Herr Lehrer H. Emanuel aus Burgsteinfurt. In meisterhafter, von edler Wärme getragener Rede gab er den Gefühlen Ausdruck, die gerade die ehemaligen Zöglinge beseelten, und bei seinem Scheidegruß an die Todte wurde manches Erwachsenen Auge von Thränen gefeuchtet. In tiefer Rührung folgte die ganze Trauerversammlung der Todten zur letzten Ruhestätte. Dort ruht nun ihre irdische Hülle, ihr Geist aber lebt weiter fort in den Herzen ihrer Freunde und ihrer Zöglinge, und ihr Name wird unvergessen sein. x. Oberhausen, 24. März. Am letzten Freitag beging unsere Gemeinde die Einweihung der neuen Synagoge. Unsere Stadt ist ein Kind der Industrie und des Bergbaues und hat vor 50 Jahren kaum bestanden. Mit dem Wachsthum des Ortes hat auch unsere Gemeinde zugenommen, die schon vor 26 Jahren einen Bauplatz für das Gotteshaus erwarb. Nachdem viele Jahre vergeblich die Errichtung der Synagoge erstrebt worden war, konnte im August 1898 der Grundstein dazu gelegt werden. Rasch ist der Bau vollendet und endlich am Freitag geweiht worden. Zu derselben waren die obersten Behörden der Stadt erschienen. Eingeleitet wurde die Feier durch den Vortrag eines Prologs, gedichtet von Fräulein Henriette Hirschberg in Berlin. Den Weiheakt vollzog Rabbiner Dr. Frank aus Köln, der eine ausgezeichnete Festpredigt hielt über die Liebe zu Gott, zu den Menschen und zur Wahrheit. Unser Synagogenchor, von Lehrer Rosenthal aus Ruhrort eingeübt und dirigirt, trug wesentlich zur Erhöhung der Feier bei, ebenso Herr Rosenthal, der das Borbeteramt ausüble. — Am Sabbathmorgen sprach Herr Dr. Frank über Frieden und Kindererziehung in sehr wirkungsvoller Weise. Am Sabbathnachmittag war ein Kaffeekränzchen, und Sonntagabend schloß die Feier mit Konzert und Ball ab. Diese Feier wurde ebenfalls durch den Vortrag eines Prologs eröffnet, welcher von Herrn Lehrer Meyer aus Lünen gedichtet worden war. A Köln, 27. März. Der Geburtstag des hochseligen Kaisers Wilhelm I. war für die hiesige jüdische Gemeinde in diesem Jahre von großer Bedeutung, da an diesem Gedenktage die neuerbaute Synagoge ihre religiöse Weihe erhielt. Da die von dem verstorbenen Freiherrn Abr. v. Oppenheim der Gemeinde geschenkte, nur 400 Sitzplätze enthaltende Synagoge schon lange nicht mehr dem Bedürfniß der auf 10 000 Seelen angewachsenen Gemeinde entsprach, so wurde von dem Borstand ein Grundstück auf dem herrlich gelegenen Königplatz mit einem Kostenaufwand von 210 000 Mark angekauft, worauf der neue Tempel errichtet und am 23. Oktober 1895 der Grundstein gelegt wurde. Zur Einweihungsfeier hatten viele Häuser in den benachbarten Straßen ohne Unterschied der Konfession Flaggenschmuck angelegt, und waren vom Vorstand die Spitzen der Behörden, der Herr Oberpräsident der Rheinprovinz, der Regierungspräsident, der Stadtgouverneur, der Polizeipräsident, der erste Beigeordnete als Vertreter des im Herrenhause weilenden Oberbürgermeisters, die Rabbiner der Rheinprovinz eingeladen und auch fast sämmtlich erschienen. Schon vor Beginn des Gottesdienstes war der ganze Raum mit Gemeindemitgliedern bis auf den letzten Platz gefüllt, um 10 Uhr Morgens vollzog sich der weihevolle Akt in folgender Weise: Die 12 in goldgestickten Sammet gehüllten und mit Silberkronen geschmückten Thorarollen wurden von den ältesten Vertretern der Gemeinde, gefolgt von sämmtlichen Rabbinern und Ehrengästen, aus dem Trausaal bis an die Pforten des Gotteshauses-gebracht, letzteres unter den üblichen Formalitäten geöffnet und in feierlichem Zuge unter den begleitenden Klängen eines vom städtischen Orchester gespielten Präludiums vor die heilige Lade gebracht, der Chor sang Mah tauwu, dirigirt vom Musikdirektor des hiesigen Stadttheaters, Herrn Filler. Der Rabbiner Herr Dr. Rosenthal zündete das Ner tomid mit sinnreichen Worten an, bezugnehmend darauf, daß Licht das erste Wort und die erste That gewesen, als die Schöpfung ins Dasein gerufen, und daß das Licht der Religion ewig fortleuchten möge in Israel. Der Umzug mit den Thorarollen vollzog sich, Herr Kantor Blumenthal sang mit schöner, sonorer Stimme, abwechselnd mit dem Chor, und die heilige Lade wurde geschlossen. Jetzt bestieg der Rabbiner Herr Dr. Frank die Kanzel und hielt die formvollendete und äußerst gedankenreiche Festpredigt, welche in der Stadtausgabe der „Kölnischen Zeitung" im Wortlaut abgedruckt ist und auch in der Lektüre einen großen Genuß bereitet. Nach Beendigung derselben folgte eine Festkantate und die treffliche Weiherede des Rabbiners Herrn Dr. Rosenthal. Das Gebet für Kaiser und Reich, ein Chorgesang und Postludium beschlossen t ie erhebende Feier. Nachmittags fand im Hotel Disch ein Diner unter allgemeiner Theilnahme statt. Ein besonderes Festkomitee halte Abends im Gürzenich ein Konzert unter Leitung des Kantors Blumenthal und unter Mitwirkung namhafter Künstler des Konservatoriums veranstaltet. Der Ertrag war für das hiesige israelitische Asyl und ein anderes Wohlthätigkeits-Jnstitut von Köln bestimmt. o. Frankfurt a. M., 24. März. Bor einigen Tagen ist in Nizza ein Mann gestorben, der es wohl verdient, daß ihm in diesem Blatte ein Nachruf gespendet wird. Er hieß Joseph Wertheim und war im ausgedehntesten Sinne des Wortes ein selfmade man. Er war geboren in Eschwege, lernte dort Mechaniker, ging dann nach Amerika und kam Ende der 1850 er Jahre nach Frankfurt. In Amerika hatte er in einer Nähmaschinenfabrik gearbeitet, und suchte nun in Frankfurt die Nähmaschine, System Wheeler-Wilson, einzuführen. Den Kampf gegen das Vorurtheil, das Arbeiter und Käufer gegen die Nähmaschine hegten, nahm er mit der ihm eigenen Entschiedenheit auf, die nothwendig war, um zu siegen. Auf der einen Seite wollte das Publikum keine Maschinenarbeit an den Kleidern, auf der anderen Seite fürchteten die Arbeiter, brodlos zu werden. Heimlich mußte Wertheim anfänglich in einem Hinterzimmer auf der Maschine nähen. Er war aber beharrlich, und eines Tages errichtete er in dem seinem Schwiegervater in der Fahrgasse gehörenden Hause das erste Berkaufslokal der aus Amerika bezogenen Maschinen. Um das Publikum dafür zu interessiren, saß er stundenlang in dem Erkerfenster, nähte auf der Maschine und zeigte die erzielten vorzüglichen Leistungen. Von der Fahrgasse aus verlegte er sein Verkaufslokal später nach der Zeil in den im Hause der Effektenbank befindlichen Laden. Bald darauf begann der rastlos thätige Mann mit Herstellung einzelner Maschinentheile, zu welchem Zweck er sich in dem alten Bau der Reichskrone in der großen Friedbergerstraße ausgedehnte, aber sehr primitive Räume miethete. Die Verkaufsstelle verlegte er auf die Zeil, der ehemaligen Konstablerwache gegenüber. Unendlich waren die Schwierigkeiten, die Wertheim zu überwinden hatte. Er wollte sich u. a. mit einem hiesigen Schneidermeister assoziiren, in der Hoffnung, seine Waare durch einen Sachverständigen leichter absetzen zu können. Für den anfänglich unbemittelten Mann war es keine Kleinigkeit, als er sich entschloß, die noch recht kleine Fabrik nach Hanau zu verlegen, wo er zur Fabrikation von Maschinen nach dem System Singer überging. Es glückte ihm aber, der Erfolg blieb nicht aus, und so konnte er sich endlich in Bornheim ankaufen. Das Etablissement hat sich im Laufe der Jahre einen Weltruf erworben. Mit berechtigtem Stolz konnte der bis an sein Lebensende bescheiden gebliebene Mann auf sein großartiges Lebenswerk zurückblicken, das er einzig durch Umsicht, eisernen Fleiß und nicht nachlassende Thatkraft schuf. Allezeit hatte er eine offene Hand für die Nothleidenden, man wandte sich nie vergebens an seine Güte und Menschenfreundlichkeit, die er auch bei allen Gelegenheiten seiner zahlreichen Arbeiterschaft gegenüber offenbarte. Ehre seinem Andenken! Oesterreich - Ungarn. □ Wien, 27. März. Am 19. d. M., Mittags, fand im rechtsseitigen Arkadengange der Universität die feierliche Enthüllung des Denkmals für den Augenarzt Professor Dr. Ludwig Mauthner statt. Der Enthüllungsfeier ging eine Versammlung im kleinen Festsaale voraus, in welchem sich nebst der Wittwe und der Familie, des Verstorbenen fast sämmtliche Professoren der medizinischen Fakultät und zahlreiche Studirende eingesunden hatten. Der Nachfolger Mauthners im Lehramte, Hofrath Professor Dr. Schnabl, hielt die Gedenkrede. Unter Führung des Pedells mit dem Universitätsszepter begab sich sodann die ganze Festversammlung in den Arkadenhof, wo inmitten eines Palmenhaines die von Professor Weyr aus carrarischem Marmor gemeißelte Büste nächst dem Billroth-Denkmal ihren Platz gefunden hat. Hier dankte der Bruder des Verstorbenen dem akademischen Senate für die so ehrenvolle Feier, gedachte in anerkennenden Worten des Bildhauers Professor Weyr und bat schließlich den Rektor Hofrath Wiesner, er möge das Denkmal in den dauernden Schutz der Alma mater nehmen. Sodann ergriff der Rektor das Wort zu einer Ansprache, in der er das Wirken Professor Mauthners würdigte und hervorhob, daß Mauthner

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