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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-31 · Heft 13 (31.3.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 13 (31.3.1899)
Date
1899-03-31
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Julius Cohn, Louis Kreslawski, Sanilätsrath Dr. Maretzki, Eugen Rosenstiel und Rechtsanwalt B. Timendorfer. Die junge Institution verdient die wärmste Unterstützung aller Menschenfreunde. a. Samter, 28. März. Am 19. d. fand in der hiesigen Volksschule eine Feier seltener Art statt. Es wurde das Bild des vor ca. 8 Jahren verstorbenen Lehrers M. Kremm, der 50 Jahre hier wirkte, in Gegenwart seiner früheren und jetzt noch die Schule besuchenden Schüler enthüllt und in der Schule aufgestellt. Herr Borchardt, der würdige Nachfolger des Verstorbenen, hatte in einem längeren, wohldurchdachten Bortrage das Leben und Wirken des beliebten Präeeptors, ausgehend von dem Thema: „Ein edler Mensch zieht edle Menschen an und weiß sie festzuhalten" (Goethe), beleuchtet. Anschließend an diese Feier, hatte der Korporationsvorstand beschlossen, daß der Name des Lehrers Kremm in das „Maskirbuch" und auf die im Temptl hängende Gedächtnißtafel eingetragen wird. Als Schöpfer dieses ganzen Werkes ist Herr Borchardt zu bezeichnen, wofür ihm hier allerseits Dank gezollt wird. e. Breslau, 20. März. Wie bereits in der letzten Nummer kurz mitgetheilt wurde, starb hier der Aelteste der Breslauer Damenkonfektions- Industrie. Kaufmann Emanuel Breslauer, Chef der gleichnamigen Firma. Der Verstorbene, der die Firma aus kleinen Anfängen zu einer der bedeutendsten in ganz Deutschland emporgebracht und für den Osten überhaupt erst diesen Industriezweig begründet hatte, erfreute sich der allgemeinsten Achtung. Tausende gaben dem Verstorbenen das letzte Geleit. Voran schritten gegen 500 Angestellte der Firma, während hinter dem Sarge eine fast unendliche Reihe von Wagen folgte. In der Leichenhalle des israelitischen Friedhofes eröffnete der Sängerchor der Synagogengemeinde mit dem Psalm: „Herr, was ist der Mensch" die Trauerfeier. In ergreifenden Worten schilderte dann Herr Rabbiner Dr. Guttmann den Lebensgang des Verstorbenen. Unter den Klängen des Mendelssohn'schen Liedes: „Es ist bestimmt in Gottes Rath" wurde der Sarg in der Familiengruft beigesetzt. — Im Verein „Machsike Thora", auf den vor einiger Zeit in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" Herr Rabbiner Dr. Freund-Ostrowo aufmerksam gemacht hatte, als den ältesten jüdischen Litteraturverein Deutschlands, hält zur Zeit Herr Rabbiner Dr. Zuckermandel einen Cyklus von Vorträgen über „das Ceremonialgesetz der Juden". Am 17. d. M. sprach außerdem Herr Rabbiner Dr. Rosenthal über „Die Hagada des Passahfestes". — Von der „Industrieschule für israelitische Mädchen" ist der Jahresbericht für 1898 soeben erschienen. Die Anstalt, an der zwei Lehrer und' drei Lehrerinnen thätig sind, zählt 155 Schülerinnen, die sich auf 4 Klassen vertheilen. Am 31. März v. I. wurden 16 Schülerinnen feierlich entlassen. Am Sonntag den 19. März veranstaltete die Industrieschule in der städtischen Turnhalle, Trinitasstraße, ein Schauturnen; am 22. d. M. werden die Handarbeiten der Mädchen im Caftrestaurant zur Besichtigung ausliegen. Das neue Schuljahr beginnt am 10. April. Die Anstalt richtet an alle Gemeindemitglieder die dringende Bitte um weitere Unterstützung, damit die segensreiche Thätigkeit der Industrieschule ungestört fortgesetzt werden kann. L. Hannover, 24. März. Am 18. d. M. verstarb hier plötzlich Herr Semmi Oppenheimer. Der Verstorbene war Mitglied des Synagogenvorstandes und erfreute sich durch seine ausgezeichneten Charaktereigenschaften allgemeiner Achtung. Die Gemeinde verliert einen Mann, der bei festem Willen und klarem Blick ein warmes Herz besaß. Die rege Beiheiligung bei der Beerdigung war ein Beweis der Werthschätzung, welcher sich der Verblichene zu erfreuen hatte. Im Hause und am Grabe sprach Seminardirektor Dr. Knoller. Landrabbiner Dr. Gronemann, der in der Ferne weilte, war noch im letzten Augenblick herbeigeeilt, um dem dahingeschiedenen Freunde ein letztes Lebewohl zuzurufen. —- Gestern beging die Meier Michel'sche Stiftungsschule hierselbst ihre Centenarfeier. Von dem wohlthätigen Finanzmann Meier Michel David begründet und für jene Zeit mit reichen Mitteln ausgestattet, wurde sie von den Söhnen der besten Familien besucht, und eine große Zahl sehr angesehener Gemeindemitglieder verdankt dieser Anstalt reiche Kenntnisse. Der jetzige Leiter der Schule, Herr Lehrer Meier, veranstaltete an dem Jubiläumstage eine öffentliche Prüfung, zu der Landrabbiner Dr. Gronemann, Seminardirektor Dr. Knoller, die Mitglieder des Gemeindevorstandes uno die Lehrer des jüdischen Lehrerseminars geladen waren. Die Prüfung zeigte, daß sowohl in den Religions- und Elementarfächern als auch in den fremdsprachlichen Disziplinen die Schule den Anforderungen der Zeit vollkommen entspricht. Das Schulgebäude, das den modernen Ansprüchen nicht mehr genügt, soll demnächst einer gründlichen Umgestaltung unterzogen werden. Hamburg, 23. März. In dem am 20. d. verstorbenen Herrn Moritz Meyersberg hat unsere Gemeinde eines ihrer achtbarsten Mitglieder verloren. Nicht nur im Vorstand der Deutsch-Israelitischen Gemeinde, sondern auch im kommunalen Leben unserer Vaterstadt that sich der Verewigte durch seine hervorragende Thätigkeit hervor. Fast 25 Jahre bekleidete er das Amt eines Abgeordneten der Bürgerschaft, und zu wiederholten Malen wurde ihm die Ehre zu Theil, das Amt eines Alterspräsidenten zu bekleiden. Die Beerdigung am 23. d. legte Zeugniß für seine Beliebtheit ab. Der Vorstand der Deutsch-Jsr. Gemeinde war durch die Herren Tr. Max Cohen und M. W. Hinrichsen vertreten, verschiedene Institutionen und Vereine durch Delegirte; auch viele Mitglieder der Bürgerschaft hatten sich eingefunden. Die Trauerrede hielt Prediger Dr. Leimdörfer, anknüpfend an die Worte des Psalm 37, V. 37: „Achte auf den Tugendhaften und sieh' auf den Rechtschaffenen, denn das Ende des Mannes ist der Frieden." Ein treues Lebensbild des Verstorbenen wurde entwickelt. Meyersberg habe fein Lebensziel nicht nur darin gesucht, das Wohl seiner Familie zu fördern, er stellte sich auch zur Aufgabe, den Armen und Bedrängten beizustehen. Gar manche gemeinnützige Stiftung, so namentlich das Asyl für Obdachlose, verdankt der Thatkraft und der Munificenz des Verblichenen ihre Begründung. Mit Trostesworten an die greise Wittwe und die Verwandten schloß der Prediger seinen tief empfundenen Nachruf. — Hierauf setzte sich der Leichenkondukt, der aus zahlreichen Fußgängern und vielen Equipagen bestand, nach dem Krematorium in Ohlsdorf in Bewegung, wo aus letzten Wunsch die Feuerbestattung des Verewigten stattfand. Hier hielt der Enkel, Herr Professor Dr. v. Halle-Berlin, dem theueren Familienoberhaupt einen tiefempfundenen Nachruf. Die Beisetzung der Asche erfolgte auf dem Israelitischen Friedhof in Ohlsdorf. Es möge noch erwähnt sein, daß Delegirte des Gemeiudevorstandes in Paderborn, der früheren Heimath des Verblichenen, mit einer kostbaren Kranzspende zur Beerdigung nach hier gekommen waren. Paderborn, 29. März. Die hier bestehende Waisenerziehungsanstalt für Rheinland und Westfalen hat einen schweren Verlust erlitten. Am 21. d. M. wurde die langjährige Vorsteherin, Frau Johanna Marcks, geb. Dinkelspiel, im 61. Lebensjahr durch den Tod abberufen, allzu früh für die Anstalt, allzu früh für die große Anzahl von Verehrern und Freunden, die diese seltene Frau durch eine Thätigkeit von beinahe einem Vierteljahrhundert sich erworben hatte. Ihre Vorgängerin und Tante, Fräulein Fanny Nathan, eine durch außergewöhnliche Thatkraft ausgezeichnete Frau, war die Begründerin der Anstalt. Die Aufgabe, die die Verblichene von dieser übernommen hatte, hat sie zum Segen des Werkes bis zu ihrem Lebensende fortgeführt. Mit ihrem an warmer Liebe und gewinnender Güte überreichen Herzen hat sie einen Geist in die Anstalt gebracht, der allen Waisen, die ihrer Obhut anvertraut waren, diese Stätte wirklich zu einem Heim, zu einem Ersatz für das verlorene Elternhaus machte. Wie eine Mutter war sie unermüdlich für das Wohl ihrer Waisen thätig, und ihr treues Auge folgte ihnen, auch wenn sie in die Welt hinausgetreten waren, liebevoll, sorgend und schützend. Eine edle, geistig hochstehende Frau, verband sie die größte Selbstlosigkeit, Einfachheit und Bescheidenheit mit einem rastlosen Drange, für ihre Mitmenschen Gutes zu wirken. Mit einem Worte, sie war eine Erscheinung, die nur selten ihresgleichen finden wird. Bei der Trauerfeier, die im Hause, wo sie gewirkt hatte, stattfand, kamen alle Gefühle der Trauer, Hochachtung, Liebe und Dankbarkeit, die die an ihrer Bahre Versammelten beseelten, in ergreifender Weise zum Ausdruck. Bonder Behörde war Herr Geheimer Regierungsrath Landrath Jentzsch erschienen, und selbst aus weiter Ferne war eine Anzahl ehemaligerZöglinge herbeigeeilt, um ihrer mütterlichen Freundin die letzte Ehre zu erweisen. Unter dem Schluchzen und Weinen der Kinder und die eigene Rührung kaum bemeisternd, wies der Lehrer der Anstalt Herr B. Huhn in ergreifenden Worten auf die Wirksamkeit der Verklärten hin, die immer nur von Liebe getragen worden sei. An Stelle des durch Krankheit am Erscheinen verhinderten Herrn Oberrabbiner Dr. Horowitz- Krefeld hielt Herr Lehrer Weyler die Trauerrede und pries in beredten

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