Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 13 (31.3.1899)
- Date
- 1899-03-31
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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63. Mmma. «c. ia. Gerlin, 31. Mär; 1899 Werbcrge zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenlhums". Korrespondenzen und Nachrichten. Leutschland. 82 Berlin, 28. März. Wir freuen uns, den Lesern dieses Blattes die folgende Mittheilung machen zu können: Heute traf im Büreau des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes ein allerhöchster Erlaß, unterzeichnet vom 13. Februar d. I., ein, wonach dem Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde die Rechte einer juristischen Person ertheilt werden. 82 Berlin, 29. März. An der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums werden im Sommersemester folgende Vorlesungen gehalten werden: Dr. Baneth wird lesen: 1. Talm. stat.: (Jeruschalmi und Babli) P'sachim Kapitel II, 4 Stunden, Montags und Donnerstags 8—10 Uhr. 2. Talmud Babli eursorisch: Baba Mest'a, Kapitel IV (Fortsetzung), 4 Stunden, Sonntags und Mittwochs 8 bis 10 Uhr. 3. Jore De'a (Tur und 'Schulchan Aruch) XXXV—XXXIX, 2 Stunden, Montags und Donnerstags 10—11 Uhr. 4. Eben ha-ezer Hil. Gittin (Fortsetzung), 1 Stunde, Montags 11—12 Uhr. 5. Mischne Tora, III. Buch, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 12—1 Uhr. 6. Einleitung in den Talmud (Fortsetzung), 1 Stunde, Donnerstags 11—12 Uhr. Dr. May bäum wird lesen: 1. Lektüre des Berefchith rabba, 1 Stunde, Dienstags 8-9 Uhr. 2. Homiletische Uebungen, 2 Stunden, Freitags 8—10 Uhr. Dr. Schreiner wird lesen: 1. Alte Pentateuchkommentare, 2 Stunden, Sonntags 11—1 Uhr. 2. Erklärung der 12 kleinen Propheten, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 10 bis 11 Uhr. 3. Einleitung in die heilige Schrift, 2 Stunden, Dienstags und Freitags 11—12 Uhr. 4. Historische Uebungen, 1 Stunde, Dienstags 9—10 Uhr. 5. Erklärung von Saadjas Emunoth we-deoth, 2 Stunden, Mittwochs 11—1 Uhr. 6. Geschichte der Juden, 2 Stunden, Sonntags und Mittwochs 10—11 Uhr. Die Eröffnung des Sommersemesters findet am 18. April um 10 Uhr Vormittags statt. 82 Berlin, 26. März. Auf der Tagesordnung der letzten Stad tverordneten-Bersammlung stand abermals die mehrfach vertagte Vorlage betreffend die Ordinariate jüdischer Lehrkräfte an den Gemeindeschulen. Inzwischen ist bekanntlich die Antwort des Ministers an den Magistrat ergangen, und es sollen zwischen dem Ministerium und dem Magistrat kommissarische Verhandlungen, und zwar heute, stattfinden. Mit Rückstcht darauf beantragte Stadtverordneter Dr. Schwalbe abermals die Vertagung der Berathung. Gegen diesen Antrag erklärte sich mit Entschiedenheit der Stadtverordnete Dr. Preuß in einer sehr klaren und sachgemäßen Rede, in der er ausführte, daß ein solcher Beschluß verderblich sein und den Verzicht der Versammlung bedeuten würde, über das Grundsätzliche der ganzen Frage mitzureden. Es handle sich hier nicht um Zweckmäßigkeits- und Verwaltungs-, sondern um Rechts¬ und Grundsatzfragen. Die Versammlung habe die Pflicht, vor Beginn jener Verhandlungen ihren Rechtsstandpunkt nochmals zu betonen, den paritätischen Charakter unserer Schulen hervorzuheben und zu erklären, daß dieser Charakter beeinträchtigt wird, wenn das Prinzip des Ministeriums geltend würde. Die Vertagung wurde gleichwohl mit 50 gegen 35 Stimmen^beschloffen. 8. Berlin, 28. März. Die Generalversammlung der „Gesellschaft jüdischer Handwerker und Künstler zur Unterstützung in Krankheitsfällen" fand am 16. d. in den Räumen der Loge „Hammonia zur Treue" unter reger Betheiligung der Mitglieder statt. Nachdem der Vorsitzende, Herr Hermann Landsberger, drei Skrutatoren für die Neuwahl des Vorstandes ernannt hatte, giebt er an der Hand der gedruckt vorliegenden Ueberstcht einen ausführlicheren Bericht über die Wirksamkeit der Gesellschaft. Er giebt hierbei dem Bedauern Ausdruck, daß der Verein, wenn er auch bei 700 Mitgliedern zu einem der größten Wohlthätigkeitsvereine gehöre, noch nicht die ihm gebührende Zahl von Mitgliedern aufweise, und bittet, die segensreichen Bestrebungen des Vereins weiteren Kreisen zugänglich zu machen. Der Verein habe im verflossenen Jahre allen Anforderungen gerecht werden können, wozu wesentlich die bei freudigen und trüben Veranlassungen von einzelnen Gönnern gemachten Zuwendungen beigetragen hätten. Als erfreulichen Fall erwähnt der Vorsitzende, daß eine seit Jahren unterstützte Wittwe infolge ihrer gebesserten Bermögensverhältniffe auf die Beihilfe des Vereins verzichtet habe, und widmet dann einen warm empfundenen Nachruf den verstorbenen Mitgliedern, den Herren Weil und Moritz Halle. Die von Herrn Halle, dem letzten lebenden Mitbegründer des Vereins, über den Verein seit Begründung in pietätvoller Weise gesammelten Papiere seien von dem Sohne des Verstorbenen dem Vorstand überreicht worden. Nur ein Zweig der Thätigkeit mache dem Vorstand große Sorgen, die Unterstützung der Mitglieder zu Badereisen und Sommerkuren; hier müßten durch reichliche Zuwendungen neue Fonds geschaffen werden, um allen Ansprüchen zu genügen. Im Vorjahre hätten 122 Kranke auf Kosten des Vereins eine Erholungskur unternehmen können. Ein eigenartiger Zufall fügte es, daß der Tag der Generalversammlung ein Jubiläum für Herrn Landsberger bedeutete, da seit dessen Eintritt in den Verein gerade 25 Jahre verflossen sind. Aus diesem Anlasse stellte Herr Landsberger dem zuletzt erwähnten Fonds 300 Mark zur Verfügung. Nachdem ein Mitglied der Gesellschaft, Herr Fränkel, dem Vorstand für die vortreffliche Leitung des Vereins Dank abgestattet und die Kaffenrevisoren dechargirt waren, trat die Gesellschaft in eine kleinere Diskussion über eine vom „Verein selbständiger Handwerker jüdischen Glaubens" ergangene Interpellation ein, wonach in jüdischen Kreisen dafür gesorgt werden solle, daß bei Vergebung von Lieferungen mehr als bisher selbständige Handwerker berücksichtigt werden sollen. Alsdann hielt Herr Rechtsanwalt Holz einen Vortrag über „die Rechtsteüung des Handwerkers nach dem am 1. Januar 1900 in Kraft tretenden Bürgerlichen Gesetzbuch". Der Referent erörterte in anregender und allgemein verständlicher Form die Bestimmungen des Dienstvertrages und des den Handwerker speziell interessirenden Werkvertrages und giebt an der Hand aus dem Leben gegriffener Beispiele ein anschauliches Bild der durch das neue Gesetz veränderten Rechtslage. An den Vortrag schloß , sich eine kurze Diskussion, in welcher der Redner die an ihn gerichteten Fragen beantwortete. Vom Vorsitzenden wurde angeregt, einen Cyklus von Vorträgen über diese Materie zu veranstalten, wozu der Referent seine Bereitwilligkeit zu erkennen gab. Das am Schluffe der Generalversammlung veröffentlichte Resultat der abgegebenen Stimmen ergab die Bestätigung des Vorstandes in seiner alten Zusammensetzung. L2 Berlin, 24. März. Das Komitee für Ferien-Kolonien jüdischer Kinder hat seinen Bericht über das Jahr 1898 veröffentlicht. Auch in diesem Jahre war der Erfolg seiner Thätigkeit eine gleichmäßig fortschreitende Entwickelung. 353 armen Kindern konnte die Wohlthat eines auf Körper und Geist belebend und erfrischend einwirkenden Sommeraufenthalts von mindestens vier Wochen gewährt werden. Hiervon wurden 90 Kinder in dem von Herrn Eugen Rosenstiel und Gattin in Bad Elmen gestifteten Heim untergebracht. Der Erfolg des Sommeraufenthalts war für alle Kinder ein nützlicher und kräftigender. 106 Kinder waren in eigenen Kolonien, 247 Kinder wurden in Freistellen geschickt, welche in hochherziger Weife eine große Anzahl von Familien, namentlich in der Provinz Posen, zur Verfügung gestellt hatte. In erster Reihe strebt das Komitee an, eine eigene, wenn auch vorläufig noch nicht große Kolonie an der Ostseeküste zu begründen. Die Ausgabe für 106 Vollkolonisten betrug für 2968 Berpflegungstage 5759,75 M., die Gesammtausgaben für 353 Kolonisten 9561,75 M. Zum ersten Mal ist das Komitee in der Lage, über Winter-Kolonien zu berichten. Zweimal wurde Kindern in Bad Elmen eine Kur gewährt, die von günstigem Erfolge war. Falls die Mittel gewährt werden sollten, wird beabsichtigt, diese Winter- Kolonie zu einer ständigen Einrichtung zu machen. Die Ausgaben dafür betrugen 1571,30 M., die Einnahmen decken 1540 M. Das Komitee besteht aus den Herren Ad. Mayer, Vorsitzender, Wilh. Arnheim, B. Benjamin,