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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-24 · Heft 12 (24.3.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 12 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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3 gellen. Der Verein hat im. Jahre 1898 über 23 000 Mark an Unterstützungen ausgegeben; die Mitgliederzahl beträgt 1238, worunter 191 verstorbene Immerwährende. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder Moritz >Manheimer, Herrn. Landsberger, Geh.-Rath Blumenthal wurden wicdergewählt. L2 Berlin, 19. März. Das Jüdische Mädchenstift, Münzstraße 23, erzieht nach seinem eben erschienenen 9. Jahresbericht 16 unbemittelte jüdische Mädchen im Alter von 14—17 Jahren in einem besonderen Heim ganz unentgeltlich und läßt sie von einer Hausmutter unter Aufsicht von Vorstandsdamen in den mannigfachen Zweigen der Haushaltung für den Dienstbotenberuf heranbilden. Im abgelaufenen Jahre find wieder 8 und im Ganzen bisher 36 Zöglinge nach beendigter, in der Regel zwei Jahre währender Ausbildung in den Dienst getreten. Drei frühere Zöglinge konnten für mehrjährigen treuen Dienst bei derselben Herrschaft durch eine Prämie ausgezeichnet werden. Die Zahl der Mitglieder ist auf 548, die Summe der Jahresbeiträge auf 5183 Mark, das Gesarnmtvermögen aus 41600 Mark gestiegen, doch hat der Reservefonds zur Deckung der Ausgaben, welche pro Kopf ca. 535 Mark betrugen,^ eine Schmälerung um ca. 1500 Mark erfahren. Der Vorstand unter dem Vorsitz des Waisenhausdirektors Dr. Strelitz und der Frau Julie Neumann ist darauf bedacht, für das Stift ein auf die Dauer unentbehrliches eigenes Heim zu erwerben, und hat zu diesem Zweck einen Baufonds gebildet, der, durch hochherzige Schenkungen vermehrt, jetzt 14 900 Mark beträgt. Die Generalversammlung, zu welcher auch Gäste willkommen sind, findet Mittwoch den 29. d. Mts., ßl/2 Uhr, Wilhelmstraße 111 I. iw Saal der Loge „Hammonia" statt. r. Magdeburg, 17. März, Durch das am 10. d. M. erfolgte Hinscheiden des Herrn Philipp Rosenheim hat die hiesige Gemeinde -einen schweren Verlust erlitten. Nahezu 34 Jahre war der Verblichene, hervorragend durch treffliche Charaktereigenschaften, durch Gradheit und Biederkeit, einen im hohen Grade entwickelten Gerechtigkeitssinn, im Dienste uyserer Gemeinde thätig. Am 1. Juli 1864 zum Repräsentanten gewählt, trat er am 17. Juli 1873 an die Spitze der Versammlung, die ihn am 30. Juli 1879 in das Vorstandskollegium entsandte, dem er 10 Jahre lang als sein Vorsitzender angehört hat. Anhaltende Krankheit zwang ihn, sein Amt als Vorsteher am 23. Dezember 1897 niederzulegen. Die ihm aus diesem Anlaß von Seiten der beiden Körperschaften unserer Gemeinde überreichte Adresse hebt mit Recht hervor, daß sein Name in den Annalen unserer Gemeinde für immer verzeichnet bleiben und das Andenken an ihn nie verschwinden wird, denn der Name Philipp Rosenheim ist eng verknüpft mit dem Aufschwung, den unsere Gemeinde genommen, und mit den einzelnen Institutionen, die er durch sein thatkräftiges und warmherziges Eintreten gefördert hat. Die Trauerfeier gestattete sich zu einer erhebenden Kundgebung. Vorstand und Repräsentanten waren in corpore erschienen, zahlreiche Gemeindemitglieder, evangelische und katholische Geschäftsfreunde von Nah und Fern hatten sich eingefunden, um Zeugniß von der Achtung und Liebe, die sich der Entschlafene bei ihnen erworben, abzulegen. Herr Rabbiner Dr. Rahmer gab in warm empfundenen Worten eine lebenstreue Charakteristik des Verklärten. Von den zahlreich eingegangenm Kondolenzschreiben erwähnen wir. besonders das des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, dessen Delegirter der Verstorbene war. Have pia anima. L. Leipzig, 10. März. Heute, am Jahrestage der Beerdigung des verewigten Vorstehers der israelitischen Gemeinde Hierselbst, des Herrn Alexander Werthauer, versammelten sich mit Anverwandten des Heimgegangenen die Vorstandsmitglieder, sämmtliche Ausschüsse sowie zahlreiche Mitglieder der Gemeinde auf dem Friedhofe vor dem mit Palmen und Blumen geschmückten Grabe zu pietätvoller Gedächtnißfeier. Nachdem der Chor unter Leitung des Herrn Sternberg das „Todtenlied" von Lewandowsky vorgetragen hatte, hielt der gegenwärtige Vorsteher der Gemeinde, Herr D. Magnus, eine ergreifende Ansprache, in welcher er dem Verblichenen tiefempfundene Worte herzlichen Gedenkens widmete und hervorhob, daß die Gemeinde aus treuer Dankbarkeit ihrem verklärten Vorsteher ein Grabdenkmal habe errichten lassen, das der Redner der Familie^, Werthauer zu dauernder Pflege anheim stellte. Hierauf feierte Herr Rabbiner Dr. Porges die edlen Charaktereigenschaften des Verewigten, seinen wohlthätigen, gemeinnützigen Sinn, sein unvergeßliches Wirken für die Gemeinde. Allezeit werde sein Andenken gesegnet bleiben. Mit Gebet schloß der Redner seine Ansprache, worauf abermaliger Ehorgesang die schlichte und doch erhebende Feier beendigte. r, Hildburghausen, 19. März. Die hiesige Gemeinde hat einen schweren Verlust zu beklagen; am 12. v. Mts. verschied unerwartet in seinem 78. Lebensjahre der Rentier Sigmund Simon, der»fast zwei Jahrzehnte im Dienste der Gemeinde ausharrte und in gewissenhafter Weise zuerst daS Amt des Kasfirers und dann das des ersten Vorsitzenden verwaltete. Er ehrte dadurch die Traditionen seiner Familie, die unS nicht nur mehrere wackere Gemeindeführer gab, sondern der auch unsere religiöse Gemeinschaft werthvolle Stiftungen, ja fast alle Gemeindeinstitutionen „zu verdanken hat. Freisinnig in seinen religiösen Anschauungen, hatte er doch ein warmes Herz für alle Angelegenheiten des Judenthums, nahm sich des Armenwesens mit Eifer an und hatte bis an sein Lebensende ein reges Interesse an allen Dingen, die das Wohl und Wehe unserer Glaubensgemeinschaft betrafen. Durch sein streng rechtliches, bescheidenes und leutseliges Wesen wurde der Verewigte in unserer Stadt allgemein geschätzt, das gab sich auch durch die zahlreiche Betheiligung an seinem Leichenbegängniß kund. Am Grabe sprachen der Herzogliche Landrabbiner Fränkel von Meiningen, der hiesige Gemeindelehrer Mühlfelder und der zweite Vorsitzende. Der Tod dieses Mannes ist für unsere Gemeinde um so empfindlicher, als dadurch für unsere Stadt seine Familie ausstirbt, nachdem der einzige Sohn des Hauses, Herr Rechtsanwalt Dr. jur. Simon, in Meiningen wohnt. Doch wird unsere Gemeinde das Andenken an ihren verblichenen Führer gewiß in dankbarer Erinnerung ehren. ----- München, 19. März. Die Freisprechung eines jüdischen Offiziers, dessen Angelegenheit den Antisemiten schon Anlaß zu häßlichen Angriffen gegeben hat, ist das Ereigniß des Tages. Vor den Militärgeschworenen hatten sich heute der Landwehrleutnant Hugo Jonassohn, Dr. juris und Rechtsanwalt in Hamburg, und der Kanonier Christian Enzenberger wegen eines militärischen Vergehens, der durch unvorsichtige Behandlung eines Feldgeschützes bewirkten Körperverletzung von Menschen zu verantworten. Den Vorsitz führte Generalleutnant v. Xylander; die Verhandlung leitete der Direktor des Gerichts, Oberstabsauditeur Stuhlreiter. Am 2. September 1898 fand bei Nesselwang das erste Brigademanöver statt; Leutnant Jonassohn, der zu einer 42tägigen Reserveübung einberufen war, war als Ordonnanzoffizier beim Abtheilungsstab eingetheilt. Als Nachmittags das Gefecht abgebrochen wurde, hatte die 1. fahrende Batterie die letzte Gefechtsstellung inne und rückte mit geladenen Geschützen vom Gefechtsplatze ab. Leutnant Keil übergab das Kommando an Jonassohn mit dem Aufträge, die Batterie zum Biwakplatze zu führen und nach dem feldmäßigen Abkochen mit den Geschützen zum Parkplatze abzurücken. Gegen 5 Uhr Nachmittags kam die genannte Batterie zum Parkplatze, und Jonassohn gab das Kommando „Absitzen", „Abspannen", das weitere Kommando „Ablegen" erfolgte nicht, und Jonassohn überzeugte sich auch nicht, ob die Rohre freigemacht, d. h. entladen waren. Da nach Ansicht des Jonassohn mit der Einnahme des Rapports und Aufstellung von Posten zur Sicherung der Geschütze seine Pflicht erfüllt war, ließ er die Mannschaft abrücken, ohne sich zu überzeugen, ob die Rohre frei und die Mannschaften vom Parkplatze abgerückt seien. Letzteres war nicht geschehen, denn die beiden Kanoniere Enzenberger und Straulino waren eigenmächtig dort zurückgeblieben. Am Parkplatze hatte sich eine größere Zahl von Civilpersonen angesammelt, um die Geschütze zu betrachten, und gerade vor dem vierten Geschütze standen mehrere Personen. An diesem Geschütze machte sich Enzenberger, der Bedienungskanonier war, zu schaffen; als er das Geschütz abzog, entzündete sich die noch im Rohre befindliche Mauöverkartusche, der Schuß krachte, und ein schweres Unglück war geschehen. Bon den vor der Mündung des Geschützes stehenden Personen waren fünf mehr oder minder schwer verletzt worden. Dem Leutnant Jonassohn war nun ein Verschulden an dem Unglück deshalb zur Last gelegt, weil er das Kommando „Ablegen" nicht gegeben haben soll, sich nicht überzeugte, ob die Geschütze schon entladen sind, und nicht dafür sorgte, daß seine Befehle richtig zur Ausführung gelangten; weil er es unterlassen hatte, darüber zu wachen, daß die gesummte Mannschaft den Parkplatz verließ. Im Wesentlichen vertheidigt sich Jonassohn dahin, daß er überzeugt sei, „Ablegen" kommandirt zu haben. Die Hauptschuld an dem Unglück trifft nach dem allgemeinen Urtheil den Kanonier Enzenberger. Der Staatsanwalt hielt die Anklage^aufrecht und suchte in längeren Auseinandersetzungen die Schuld der beiden Angeklagten nachzuweisen. Die Geschworenen konnten sich jedoch von einem Verschulden der Angeklagten nicht überzeugen und verneinten die

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