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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-24 · Heft 12 (24.3.1899) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 12 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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4 zwei Schuldftagen, worauf Leutnant Jonasfohn und Kanonier Enzenberger freigesprochen wurden. . Oesterreich-Ungarn. H Wien, 20. März. Unsere Gemeindevertreter haben, in ihrer letzten Sitzung einen wichtigen Beschluß gefaßt mit Bezug auf die Kultussteuer. Sie haben zunächst einen Antrag auf Ermäßigung der kleinsten Steuerquote von 10 fl. auf 5 fl. an die Finanzsektion zur schleunigsten Borberathung gewiesen, dann aber die Erhöhung des Maximums auf 6000 fl. angenommen, hingegen blieb der (Bertagungs-) Antrag, daß diese Erhöhung zugleich mit der Ermäßigung des Steuerminimums auf 5 fl. Platz greifen, somit die Eingabe an die Behörde erst nach Durchberathung dieser Angelegenheit gemacht werden soll, in der Minorität. Bis jetzt war nämlich das Steuermaximum 3000 Gulden, und auch die Krösusse unserer Gemeinde zahlten nicht mehr. Vielleicht wird jetzt das chronische Defizit in der Gemeindekasse schwinden! — Der mährische Landtag hat der Olmützer Kultusgemeinde ein Darlehen von 60 OOÖ fl. zum Zweck der Konvertirung der anläßlich des Tempelbaues bei der Olmützer Sparkasse kontrahrrten und höher zu verzinsenden Schuld bewilligt. Anstandslos bewilligt — hätte sich nicht ein Redner gefunden, der dagegen sprach, und dieser Redner war der — getaufte Jude Dr. Stransky, und zwar stützte er seinen Widerspruch darauf, daß, im Falle sich alle Olmützer Juden taufen lieben oder auswandern würden, der Landtag sich sein Geld suchen könnte. Unnöthige Angst! Die Olmützer Judengemeinde besieht fast ausnahmslos aus beststtuirten Kaufleuten und Fabrikanten, und ein noch echt religiöser jüdischer' Sinn schützt sie auch blos vor dem Gedanken, sich taufen zu lassen. Auch der Bischof von Brünn stimmte für die Gewährung des Darlehens.' G. Paris, 21. März. Am 19. d. M. hat hier eine Sitzung der im Central-Komitee des Choveve Zion vereinigten Kolonisationsgesellschaften stattgefunden, in der wichtige und erfreuliche Beschlüsse gefaßt wurden. Der Bericht über Kartinieh (Beer Tobiah) war sehr vielversprechend, denn es konnte mitgetheilt werden, daß die Einnahmen allein aus dem Verkauf von Weizen mehr als 2000 Fres. pro Familie betragen und außerdem noch jedem Kolonisten für seinen Hausbedarf genug verblieben ist. Außerdem hat noch jede Familie hübsche Einnahmen aus der Geflügelzucht, dem Anbau von Sesam, Gerste rc. erzielt. In dem nächsten Jahre, d. h. von der kommenden Ernte an, werden die Kolonisten mit den Abzahlungen beginnen, die natürlich auf eine längere Reihe von Jahren vertheilt find. Es ist als ein großer Erfolg zu bezeichnen, daß in dieser erst dreijährigen Kolonie die jüdischen Bauern schon sich vollkommen selbst erhalten können, und ist der Hauptfaktor so schöner Resultate jedenfalls in dem Getreidebau zu suchen, der schnellere Resultate liefert als die Wein- oder Öelpflanzungen. Ein weiterer Punkt der Tagesordnung ist die neue Kolonie Machnaim, über die Dr. Salz aus Tarnow berichtet. Ein Bericht liegt von Margulies- Kalonicky vor. Es geht aus der Mittheilung hervor, daß 12 galizische Juden und vier Jerusalemer Familien auf der Kolonie find, daß die Galizianer vorläufig ohne ihre Familien gekommen find, und. daß die Bestellungsarbeiten auf einem kleinen Terrain begonnen find. Zur Aufnahme der Kolonisten ist bis zum definitiven Häuserbau eine große Baracke errichtet. Die Galizianer haben sich eine Milchwirtschaft eingerichtet, für deren Produkte die nahe gelegene Stadt Safed genügenden Absatz bietet. Das Centralkomitee beschließt, dieser Kolonie Machnaim eine Subvention von 40000 Frs. zuzuwenden, zu der d!e angeschlossenen Vereine nach ihren Kräften beisteuern werden. Allgemein erkannte man rühmend die Thätigkeit des Vereins Ahawaß Zion an, der in zwei Jahren 40 000 Frs. nur in Galizien gesammelt hat, und hob hervor» daß diese erste Regung zur Selbsthilfe in Galizien wärmste Unterstützung finden müsse. Auch die Einreichung eines Gesuches an die Colonisation Association um Gewährung einer Beihilfe für Machnaim wurde von vielen Seiten befürwortet. Zum Schluß theilte Herr Prag aus London mit, daß auch auf dem Grundstück der Bnei Jehudah die Arbeit mit 50 Kolonisten begonnen habe, während von anderer Seite die Errichtung einer neuen großen Kolonie mit 100 Familien in Ausficht gestellt wurde. Die Uebersicht der Vereine ergab, daß die Einnahmen des deutschen Vereins Esra im Vorjahre von 7600 auf 11 545 Mark gestiegen sind; aus London wurde berichtet, daß die Situation der Choveve Zion seit der reinlichen Scheidung von den politischen Zionisten sich sehr gebessert hat; ebenso war aus Rußland von gesteigerten Einnahmen zu berichten, und die schönen Erfolge de- Ahawaß Zion find schon mitgetheilt. Aus Kopenhagen fehlte ein Bericht, und nur die Pariser mußten einen ungünstigen Rapport erstatten, denn unter dem Druck der „Affäre" sind ihre Einnahmen zurückgegangen. Mit Vornahme von Neuwahlen schloß die bedeutungsvolle Sitzung. Von Nah und Fern. --- Dem außerordentlichen Professor an der Friedrich Wilhelms- Universttät zu Berlin, Dr. Julius Wolf ist. der Charakter als Geh. Medizinalrath verliehen worden. — Der Reichsanzeiger publizirt jetzt die aus Anlaß der Kaiserreise nach Palästina erfolgte Dekorirung des Großrabbiners von Jerusalem, Jakob Eljaschar, mit dem Kronenorden II. Klasse. — Sanitätsrath Dr. M. Wiesenthal, der zu den ältesten, bekanntesten und angesehensten Berliner Aerzten gehört, feierte am 20. d. M. sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum. — Am 15. d. M. ist der Stabsarzt a. D. Dr. Eugen Julius der g im besten Mannesalter nach schwerem Leiden gestorben. — Die Beschlagnahme des „Deutsch. Generalanzeigers" und des von demselben verbreiteten Ost ern-Fk1?g - blattes ist aufgehoben. — Gegen den Amtsvorsteher Grafen PüÄler- Klein-Tschirne soll nun doch wegen seiner Judenhetze gerichtlich vorgegangen werden, wie ein konservatives Blatt aus Glogau, seine frühere Mittheilung widerrufend, meldet. Am 21. fei ihm die Anklageschrift zugestellt wordem — In Liegnitz ist am 19. d. der angesehene Stadtrath Adolf Prager, Ehrenbürger der Stadt Liegnitz, im 77. Lebensjahre gestorben. — In Harzburg hat der Magistrat auf Ersuchen des Landrabbiners Dr. Rülf von Braunschweig in das Statut über das Tödten des Schlachtviehs die Bestimmung ausgenommen, daß das Schächten der Thiere nach israelitischem Ritus gestattet sei. —In Seesen am Harz hat am 15. und 16. d. an der Jacobson-Schule (berechtigte Realschule) unter dem Borfitz des herzoglichen Regierungskommiffars Herrn Schulraths Professor D. Dr. Koldewey aus Braunfchweig die mündliche Reifeprüfung stattgefunden. 21 Schüler der Prima haben dieselbe mit Erfolg bestanden. — In Nürnberg verurtheilte das Schwurgericht den antisemitischen Redakteur Weber aus Fürth, der wegen eines Artikels über die Einweihung der Erlöserkirche in Jerusalem durch den Kaiser angeklagt war, zu einer Gefängnißstrafe von drei Monaten. — In Budapest ist Sonnabend den 1l. d. Alexander Wahrmann, ein Bruder des verstorbenen ungarischen Abgeordneten Moritz Wahrmann, nach langer Krankheit im 60. Lebensjahre verschieden. Bor Jahren war er Mitglied des einstigen Bankhauses Wahrmann & Sohn, doch zog er sich bald ins Privatleben zurück. Biele Jahre hindurch war er ein eifriges Mitglied der Budapester Stadtrepräsentanz. Seine Hauptthätigkeit und sein Hauptverdienst erstreckten sich jedoch auf das Gebiet der Humanität. Er nahm thätigen Antheil an der Leitung vieler philanthropischer Vereine, dabei opferte er selbst Tausende, stets ohne in den Vordergrund treten zu wollene — Baron Leopold v. Rot hschild in London, der erst neulich auf der Jagd gestürzt und sich die Nase zerschlagen hatte, hat abermals mit seinem Pferde Unglück gehabt und hat dieses Mal sich das Schlüsselbein und zwei Rippen gebrochen.— Am 28. v. M. ist der britische Bizekonsul in Cobija, Lewis Joel, im 75. Lebensjahre gestorben. Er war seit 1861 im englischen Staatsdienst. — Der letzte jüdische Chevaliergardist in Rußland, Orschansky, ist vor wenigen Tagen gestorben. Das Hichenbegängniß fand in feierlicher Weise mit allen militärischen Ehren in Gegenwart des Offizierskorps des Garderegiments in der Kaserne des Chevalierregiments nach jüdischem Ritus statt. Die Chevaliergarde ist das vornehmste Regiment Rußlands.— Am 13. d. M. ist inHillersdon Sir Julius Vogel, einer der angesehensten Männer des Kaplandes, im 65. Lebensjahre gestorben. Er war seit 1861 Mitglied deS dortigen Parlaments, dann Generalpostmeister, später Schatzfekretär, endlich 1873 Minister der Kolonie. Bon 1876 bis 1881 war er General-Agent für Neuseeland in London und 1884 wieder Mitglied der Regierung daselbst. Erst 1887 trat er aus dem Staatsdienst: — Samuel Marks, Chef der großen Firma Lewis und Marks, einer der angesehensten Männer in Johannisburg, hat die meisten Ausfichten, Präsident der'Transvaalrepublik an Stelle des bisherigen Präsidenten Krüger zu werden. Druck und Verlag voll Rudols Muffe in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

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