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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-24 · Heft 12 (24.3.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 12 (24.3.1899)
Date
1899-03-24
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Dr. Minden in Erinnerung, daß innerhalb des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes .sich eine Unterstützungskommisston für die kleine« Gemeinden befindet. Da es nicht gut fei, wenn von zwei Centralpunkten solche Unterstützungen gewährt würden, so empfehle eS stch, entweder derartige Anträge der' genannten Kommission zu überweisen oder mit derselben Hand in Hand zu gehen. — Für Pflasterung der Wege auf dem Friedhofe in Weißensee werden 2337,33 Mark, für Pflasterarbeiten in der Lothringenstraße, dem meist benutzten Zugang zum Friedhose- 15 000 Mark bewilligt. AlS letzter Punkt folgt die Rechnungslegung der Kommission zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten vom 1. April 1898 bis 3 l. Dezember 1896. Ausgegeben sind 7822,53 Mark, eingenommen 6430 Mark. 1309 Parteien sind befördert worden, darunter 643 Russen, 473 Oesterreicher, 162 Deutsche und 31 Angehörige anderer Nationen. Der Kommission wird von der Versammlung Decharge ertheilt. — Aus der geheimen Sitzung ist noch mitzutheilen, daß aus der Reihe der Repräsentanten die Herren Professoren Geiger und Lewin in die Verwaltungskommission der Gemeindebibliothek gewählt worden sind. Zum 8. April ist der orthodoxe Landrabbiner Dr. Manheimer aus Oldenburg zur Gastpredigt in der alten Synagoge eingeladen worden. Die in unserer vorigen Nummer gebrachte Meldung, daß der Vorschlag der Rabbiner-Wahlkommisfion, Herrn Dr. Jacob aus Göttingen das vakante Rabbinat zu übertragen, die Bestätigung des Gemeindevorstandes erhalten hat, ist richtig. Für den Augenblick ruht jedoch, wie wir aus authentischer Quelle erfahren, diese Angelegenheit. L2 Berlin, 17. März. Die Trauerfeier für Ludwig Bamberger hatte heute den weiten Kreis der politischen Freunde und persönlichen Verehrer des Entschlafenen zahlreich in das Sterbehaus in der Margarethenstraße 18 geführt. Unter den zahlreichen Kranzspenden nahm ein prachtvolles Blumenarrangement der Kaiserin Friedrich den ersten Platz ein. Auch der Finanzminister v. Miquel hatte Anlaß genommen, dem Kommerzienrath Rudolf Bamberger sein herzliches Beileid auszufprechen. Die Aufbahrung des schlichten Sarges war im Arbeitszimmer erfolgt. Am Sarge selbst waren die letzten Liebeszeichen der großen politischen Bereinigungen niedergelegt. Unter den zahlreichen Leidtragenden befanden sich der Präsident des Reichstags, Graf Ballestrem, der Staatsminister v. Delbrück, der Gesandte der Hansastädte, Dr. Klügmann, der braunschweigische Gesandte Freiherr v. Cramm- Burgdorf, viele Professoren, Schriftsteller, Abgeordnete, Vertreter der HandelSwelt. Die beiden freisinnigen Fraktionen waren mit ihren Führern Rickert und Eugen Richter fast vollzählig zur Stelle. Als die Trauergemeinde sich versammelt hatte, nahm Professor Mommsen das Wort. Er knüpfte an die Sturm- und Drangzeit Bambergers an, die ihn nicht habe verzagen lassen, zeigte, wie er sich damals selbst geholfen, wie er im großen Nachbarlande eine zweite Heimath gefunden, sich dort ein neues Leben und jenes große Arsenal der Erkenntniß und Beherrschung des politischen Lebens geschaffen hatte, das ihn zu seinem ferneren Wirken so befähigt habe, wie er aber auch in der Fremde die deutsche Heimath nicht einen Augenblick vergessen und gern und als einer der Ersten zurückgekehrt sei, als die politischen Verhältnisse dies in Ehren gestatteten. Mit immer bewegterer Stimme lenkte der Redner dann die Blicke zurück in jene Zeit, wo ein Twesten, ein Lasker, ein Forckenbeck neben Bamberger gekämpft haben. „Heute", fuhr er dann fort, „tragen wir den Letzten von ihnen hinaus, den Letzten dieser gewaltigen, großartigen und für ihn so glücklichen Zeit. Er hat daS beseligende Gefühl haben können, daß er die großen Werke jener Zeit nicht blos miterlebt, daß er sie als selbstthätiger Arbeiter mitgeschaffen hat/ Begeistert feierte der Redner sodann den Parlamentarier: „Vielleicht ist nie ein wirksamerer Redner dagewesen wie Ludwig Bamberger. Das lag nicht blos in der angeborenen Klarheit seiner Rede, sondern vor allem daran, daß Bamberger zu jenen Männern gehörte, die mit dem Herzen erfaßt hatten, waS sie vorbrachten." Dann schilderte der Redner den Menschen, der Jedem ein warm mitfühlendes Herz entgegentrug, den er für würdig befunden, ihm näher zu treten. Ties ergriffen gab Professor Mommsen endlich dem Schmerz Ausdruck über Bambergers Dahinscheiden, dem Schmerz, in dem sich die Freude der Erinnerung an den „deutschesten Deutschen" mische. Nachdem der Redner geendet hatte, sang ein Quartett das Lied „Das Leben welkt wie Gras" und „ES ist bestimmt in Gottes Rath". Dann wurde der Sarg auf den Leichenwagen gehoben und nach dem Friedhof in der Schönhauser Allee geleitet. Bei der Bestattung wurden nur die üblichen Gebete gesprochen, da Bamberger alles Uebrige vorher sich selbst verbeten hatte. Sein Grab in der Ehrenreihe des Friedhofes befindet sich zwischen dem von Eduard Lasker und dem von Justizrath Mäkywer Am Abend desselben Tages fand die Gedächtnißfeier für Ludwig Bamberger im Künstlerhaus, Bellevuestraße 3, patt; diese gestaltete sich zu einer weihevollen Kundgebung für den Verstorbenen. Es war eine erlesene Gesellschaft, die den Saal füllte. Die Feier wurde eingelMet durch den Männerchor, der den Schubert'schen Gesang „Ruhn in Frieden alle Seelen" vortrug. Darauf betrat der Landtagsabgeordnete Dr. Th. Barth die Rednertribüne und hielt die Gedächtnißrede, deren wesentlicher Inhalt in der letzten Nummer der „Nation" abgedruckt ist. Sie giebt ein treues Bild von dem Leben und Schaffen des großen Todten. Nachdem der Chor: „Sei getreu bis in den Tod" von Neidhart gesungen, schloß die Trauerfeier, die einen tiefen Eindruck auf alle Teilnehmer gemacht hat. 8. Berlin, 17. März. Der letzte Vortragsabend des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" brachte ein sehr interessantes Referat des HerrnC.Frauberger, Direktors des Centralgewerbevereins für Rheinland und Westfalen, über „jüdische Kunst im M.iMalter", Redner betonte, daß es, so vielfach es auch bestritten werde, zweifellos eine bildende Kunst bei den Juden gegeben habe. Der schöpferische Geist gehe aus der Art und Weise hervor, wie der Tempel und die Stiftshütte beschrieben worden seien. Im Uebrigen brauchen jüdische Kunstwerke nicht immer von Juden verfertigt zu sein. Ebenso wie es Juden gebe — Redner führt diese namentlich auf —, die die hervorragendsten Symbole und Monstranzen für katholische Kirchen fertigen, so hätten auch eine Zahl von Christen nach Angabe von Juden jüdische Symbole und Kultusgegenstände geschaffen. Die Frage nach einem jüdischen Stil sei ebenfalls zu bejahen. Zum mindesten seien die Eigenthümlichkeiten der Bauten aus der spanisch-maurischen Epoche als Stilspielart zu bezeichnen. Reste jüdischer Kunst aus dem Mittelalter seien bis jetzt außerordentlich spärlich aufgefunden. In Tram (Unterrtalien) seien zwei Synagogen erhalten, die jetzt als katholische Kirchen verwendet werden, in Spanien in Toledo die Kirche „El Trinidad" mit einer eingemeißelten hebräischen Inschrift, in Avignon sei noch eine Synagoge entdeckt worden. Die Synagogen seien sämmtlich zweischiffig gebaut. In Worms existire eine Synagoge aus der romanischen, in Prag zwei Synagogen aus der gothischen Zeit. Eine zweite Gruppe von Bauten werde durch die Bäder dargesteüt, wovon noch Reste sich erhalten hätten in Speyer. Friedberg, Andernach, Worms und Cleve. An Wohnhäusern aus dem Mittelalter seien nur wenige vorhanden. So existire noch das Gebäude des Finanzministers Samuel al Levi in Toledo, ferner zwei Wohnhäuser in Lincoln. Bon Stickereien fei bis jetzt nichts aus dem Mittelalter aufgefunden worden, von Leistungen der Goldschmiedekunst dagegen recht viele aus der gothischen Zeit, so eine große Menge von kunstvollen Eheringen, zum Theil mit Inschriften. Leider sei bei den Juden für die Erhaltung dieser Kunstgegenstände der konservative Sinn zu vermissen. Der Redner knüpfte hieran die eindringliche Bitte, mehr als bisher für diese Bestrebungen, die noch ein so spärliches Resultat gezeitigt hätten, thätig zu sein. Der Vortrag fand den wohlverdienten Beifall der zahlreichen Zuhörer. n. Berlin, 17. März. Am 12. d. M. hielt die Gesellschaft Mag ine Reim unter dem Vorsitz des Herrn Moritz Manheimer ihre 95. Generalversammlung ab. Nach den einleitenden Worten des Vorsitzenden erstattete der Schriftführer Herr Syndikus Dr. Minden den Jahresbericht. Er verglich zunächst die Sachlage im Anfänge des jetzt scheidenden Jahrhunderts, als der Verein gestiftet wurde, mit der jetzigen, und zwar anknüpfend daran, daß einst die Kabinetsordre, welche der Magine Reim Korporätionsrechte ertheilt hatte, dieselbe als Jüdischen Wohlthätigkeitsverein bezeichnet hatte, nach zwei Richtungen hin. Die soziale Lage der Juden in Berlin sei damals trotz der mangelnden gesetzlichen Gleichstellung eine ziemlich hohe gewesen. Jetzt sei die Gleichstellung seit einem Menschenatter im Gesetze garantirt, aber man versuche die Juden gesellschaftlich herabzudrücken. Dies werde nicht gelingen, soweit sie sich nur selbst treu bleiben. Was die Wohlthätigkeitspflege anbetrifft, so sei sie damals eine rein patriarchalische gewesen. Man habe nicht ahnen können, daß sie sich zu einer Wissenschaft auswachsen werde, wie das jetzt der Fäll ist. Aber auch vor der Wissenschaft mußte daS Selbsthilseprinzip, auf dem die Gesellschaft begründet sei, noch heute als ein wohlberechtigtes

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