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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-17 · Heft 11 (17.3.1899) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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s2 Stadtverordneten gestellten Antrages, „der fortgesetzten Thierquälerei des Schächtens im städtischen Schlachthause dadurch ein Ende zu bereiten, daß das Schächten verboten wird und jeder Schlachtung eine Betäubung durch Kopfschlag oder Schlagmaske voraufgehen muß". Schon vor Eintritt in die Tagesordnung zogen die Stadtverordneten Konditor Hermann und Fabrikbesttzer Baumgart ihre Unterschrift zu dem Anträge zurück, mit der Erklärung, daß Stadtverordneter Frölich sie gewissermaßen zu der Unterschrift verleitet habe, indem er den Antrag, den sie flüchtig gelesen, als eine Sache des Thierschutzvereins darstellte. Stadtverordneter Frölich bestritt dies und führte das Zurückziehen der Unterschriften auf befürchtete geschäftliche Nachtheile zurück. Auch der Stadtverordnete praktischer Arzt Dr. Mastus ließ erklären, daß er seine Unterschrift zurückziehe, zumal er sich überzeugt habe, daß das Schächten keine Thierquälerei sei. Stadtverordneter Frölich führte alsdann aus, daß ihn nur das christliche Mitgefühl für die Thiere, nicht sein antisemitischer Parteistandpnnkt zu dem Anträge bewogen habe. Er suchte dann, häufig unterbrochen, nachzuweisen, daß das Schächten keine religiöse Satzung des Judenthums sei! Im Laufe seiner Rede machte Frölich heftige Angriffe gegen die Juden und gegen die Minister, welche hier und dort abhängig seien. Er wurde zur Ordnung gerufen. Stadtrath Zwicker gab hierauf die Erklärung ab, daß schon aus formellen Gründen der Antrag abzulehnen sei, weil das Schächtverbot Sache der Polizei wäre, die Minister des Kultus und des Inneren auch eine Aenderung anderwärts abgelehnt hätten. Oberbürgermeister Höhne bedauerte, daß der Antrag mit Thierquälerei motivirt sei; denn nach der Betriebsordnung des Schlachthofes sei solche ausgeschlossen. Die Antragsteller müßten sich zudem an den preußischen Landtag wenden. Als nunmehr der Stadtverordnete Rechtsanwalt Dr. Friedländer das Wort zur Abwehr der Frölich'schen Angriffe nehmen will, beantragte Stadtverordneter Maurermeister Enders, demselben nicht das Wort zu ertheilen, da er als Jude persönlich interesstrt sei. Auch er selber habe nicht reden dürfen, als es sich um eine Bausache handelte. Stadtverordneter Frölich ersucht, den Dr. Friedländer reden zu lassen, was die Versammlung auch beschließt. Stadtverordneter Enders ruft: „Das ist zweierlei Maß!" worauf ihm vom Borstandstisch zugerufen wird, daß sich der Vorstand derartige Reden verbitte. Stadtverordneter Enders verläßt hierauf ostentatw den Saal. Stadtverordneter Dr. Friedländer warf hierauf dem Stadtverordneten Frölich vor, daß er sein Amt als Stadtverordneter mißbraucht habe, um Unfrieden zu stiften. Dr. Friedländer sprach seine Verwunderung darüber aus, den Realgymnastaldirektor Dr. Walther, den er sonst hoch verehre, als Mitunterzeichner des Antrages zu sehen (!), er hätte auch den Anschein vermeiden müssen, als huldige er dem Antisemitismus, zumal auch jüdische Schüler das Realgymnasium besuchen. Zur Sache beantragte Dr. Friedländer Uebergang zur Tagesordnung. Nachdem ein Schlußantrag angenommen war, beantragte Stadtverordneter Frölich, feinen Antrag an eine Kommission zu verweisen. Mit überwiegender Majorität beschloß hierauf die Versammlung, über den Frölich'schen Antrag zur Tagesordnung überzugehen. u. Myslowitz, 12. März. Am 5. d. Mts. feierte der „Israelitische Jungfrauenverein" sein diesjähriges Stiftungsfest, welches sehr zahlreich besucht war. Das Fest wurde durch einige Konzertstücke der Richter'schen Kapelle aus Krakau eingeleitet. Alsdann gelangte „Die Gouvernante" von Körner zur Aufführung, und ernteten die mitwirkenden Damen Fräulein Schäfer, Nothmann und Auerbach durch ihre außergewöhnlichen Leistungen den reichsten Beifall. Darauf brachte Herr Kantor Spandau mit feinster Empfindung zwei Lieder, Arioso aus „Undine" von Lortzing und das Minnelied aus der Operette .Mama", zum Vortrag, und wurden die Zuhörer nicht müde, durch lebhaften Beifall Herrn Spandau m neuen Zugaben zu bewegen. Ein animirtes Tanzkränzchen beendete das in allen Theilen wohlgelungene Fest. (JD Breslau, 14. März. Am 1!. d. M. feierte Herr Dr. Guttmann, Rabbiner der hiesigen Synagogengemeinde, im engsten Freundeskreise sein 25jähriges Amtsjubiläum. Herr Dr. Guttmann der zu den ersten Schülern des Breslauer jüdisch-theologischen Seminars gehörte, war zunächst zweiter Rabbiner in Breslau, dann viele Jahre Landrabbiner in Hildesheim. Von dort wurde er als Nachfolger Joels nach Breslau berufen. Herr Dr. Guttmann hat sich dadurch, daß sein Jubiläum erst nachträglich weiteren Kreisen bekannt wurde, allen Ovationen zu entziehen gewußt. Möge Herr Dr. Guttmann in derselben segensreichen Weise wie bisher für feine Gemeinde weiter wirken und in gleicher geistiger und körperlicher Frische auch sein SOjähriges Jubiläum feiern. Dann aber hoffentlich nicht in so engem Kreise. 6. Sora«N.-L., 12. März. Am 28. v. M. feierte die hiesige C h e wra Kad ifcha ihr zehnjähriges Stiftungsfest. Der Vorsitzende der Chewra, Herr S. Bick, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und deren Angehörige, während Schreiber dieses die Mitglieder zum ferneren Gedeihen und Ersprießen des Vereins, in Anbetracht der guten und wohlthätigen Sache ermahnte. Zur Verschönerung des Festes wurden von den Damen A. Crohn und M. Müller Gesangsstücke in großartigster Weise vorgetragen; auch ein Theaterstück, welches von Mitgliedern der Chewra gespielt ward, wurde mit größtem Beifall ausgenommen. Herr Felix Müller, der durch seine vortrefflichen Leistungen auf der Violine sowie durch aufopfernde Mühe zum Wohlgelingen des Festes alles aufgeboten, verdient den wärmsten Dank. Ein kleines Tanzvergnügen hielt die Theilnehmer bis zum frühen Morgen in gemüthlichster Stimmung zusammen. g. Leipzig, 11. März. Die Jubiläumsfeier des Kantors B. Jaeobsohn gestaltete sich für denselben zu einer Reihe herzlicher Ehrungen. Adressen von Seiten des Gemeindevorstandes, des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, begleitet von einem kostbaren Silbergeschenk, vom Vorstand des Verbandes der jüdischen Lehrervereine des Deutschen Reiches enthalten die ehrenvolle Anerkennung des Jubilars auf den verschiedenen Gebieten seiner Thätigkeit. Deputationen seitens des gesummten Lehrerkollegiums der Religionsschule, mit Ansprache des Direktors Rabbiner Dr. Porges, eine Abordnung seiner Schüler mit Ueberreichung eines kunstvoll gearbeiteten Silberpokals, des israelitischen Kinderhorts, dessen Zöglinge ein ergreifendes Lied sangen, des Jubiläums-KomiteeS unter Führung des Herrn Bankier Alphons Jacobson, der, nach einer herzlichen Rede, dem Jubilar ein namhaftes Ehrengeschenk seiner Freunde und Verehrer überreichte, folgten einander. Außer den vielen Beweisen von Theilnahme seitens der Gemeinde erhielt der Jubilar mancherlei ehrende Kundgebungen von Nah und Fern. Seine Schüler in Meerane i. S. übersandten ihm ein künstlerisch ausgestattetes Diplom in stilvollem Rahmen. Vom österreichisch-ungarischen Kantoren-Berein lief ein herzliches Telegramm ein, ebenso von den hervorragendsten Kollegen, wie aus Wien, Berlin, Königsberg, München, Dresden, Essen u. s. w. u. s. w. Möge es Herrn Jacobsohn vergönnt sein, noch lange segensreich wirken zu können! Chemnitz, 8. März. Gestern Mittag fand die Einweihung der auf dem Stephansplatz errichteten Synagoge statt. Sie bildet ihrer Konstruktion, ihres imposanten Aeußeren und ihrer geschmackvollen inneren Einrichtung wegen eine neue Sehenswürdigkeit unserer Stadt. Der kostbare, in echter Goldstickerei künstlerisch ausgeführte Tempelvorhang ist aus dem Atelier von Geschwister Bleichrode hervorgegangen. Der Bau, dessen Kosten etwa 225000 Mark betragen, wurde im August 1897 begonnen. Zur Feier, hatte der Himmel das denkbar beste Wetter gespendet. Das aus Backsteinen in romanischen Bauformen aufgeführte Gebäude mit seinen grünglasirten gemusterten Dächern leuchtete weithin durch die unbelanbten Baumäste. Die Zahl der Erschienenen mochte wohl 700 übersteigen. Unter den Gästen bemerkte man Deputationen der Schwestergemeinden zu Dresden, Leipzig, Plauen, Annaberg, als Vertreter der Schulbehörde den Schulrat h Dachselt, als Vertreter der hiesigen katholischen Gemeinde den Pfarrer Müller; ferner waren der Stadtbaurath Hechler, Prof. Dr. Ohorn und Schuldirektor Holscher anwesend. Die Weiherede hielt Rabbiner Dr. Mühlfelder; dann sprach der Gemeindevorsteher, Herr Max Bergmann, Allen, die sich um den Bau verdient gentacht, den Dank aus, und schließlich hielt Dr. Winter aus Dresden die Festrede, anknüpfend an ein Gesicht des Ezechiie (Hesekiel 40, 2), das er in geistvoller Weise auslegte. Dr. Winter schloß mit einem längeren Gebet um Segen, in das er auch Kaiser, König und die Obrigkeit einschloß. Ein erhebender Schlußgesang beendete sodann die weihevolle Feier. Eine offizielle Vertretung der Behörden bei diesem feierlichen Akte hat nicht stattgefunden, weil die Nächstvorgesetzte Aufsichtsbehörde (der Stadtrath zu Chemnitz) zuvor den Wunsch zu erkennen gegeben hatte, mit einer Einladung verschont zu werden. Die Angelegenheit wird vielleicht noch in der Stadtverordneten-Bersammlung zur Sprache kommen. Aus diesem Grunde war auch seitens der Gemeinde von einer größeren

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