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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-17 · Heft 11 (17.3.1899) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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WWMWWWWM^«ww*;’ f 63. Jahrgang, tlc. 11. Weikcrge $ßtv O^rmrinörltutr. Gerün. 17.Mär; 1899 zur „Allgemeinen Zeitung öes Iuöenltzums". Ksrrespondenzerl und Nachrichten. Deutschland. 22 Berlin, 15. März. Wie wir erfahren, ist der Vorstand der jüdischen Gemeinde einstimmig dem Beschluß der Kommission, Herrn Dr. Jacob aus Göttingen als Rabbiner nach Berlin zu berufen, beigetreten. — Herr Direktor Herrmann feierte am 14. d. M. seinen 70. Geburtstag. Seine früheren Kollegen im Gemeindevorstand überreichten dem verdienten Mann eine Adresse. — Innerhalb des Vorstandes sind in der letzten Zeit einige Veränderungen vorgegangen. An Stelle des Herrn Rechtsanwalts Dr. Fuchs, der seine Demission aufrecht erhalten, tritt nunmehr Rechtsanwalt Lilienthal. Erster Stellvertreter wird Herr Wilhelm Goldschmidt, zweiter Stellvertreter Herr Hermann Landsberger, der diese Wahl jetzt definitiv angenommen, und dritter Stellvertreter Herr Selmar Solmitz, der seit Jahren dem Vorstand des jüdischen Krankenhauses und anderen gemeinnützigen Institutionen angehört. Herr Solmitz ist seit dessen Begründung auch Mitglied des „Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde". — In der letzten geheimen Sitzung der Repräsentantenversammlung ist dem ältesten Kantor der Gemeinde, Herrn A. Marksohn, die Penstonirung zuerkannt worden. V Berlin, 13. März. Am 11. d. M. ist hier im Alter von 64 Jahren der Lehrer der israelitischen Gemeinde-Mädchenschule, Gustav Jaeobsohn, nach kurzem Krankenlager gestorben. Er war ein trefflicher, braver Mann, ein tüchtiger und pflichttreuer Lehrer, eine poetisch begabte Natur. Seine Gedichte haben in unserem Blatt stets den Beifall der Leser gefunden. Unter großer Betheiligung seitens der jüdischen Lehrerschaft, begleitet von vielen Freunden und Bekannten und den Schülerinnen der Mädchenschule der jüdischen Gemeinde wurde heute die irdische Hülle des theuren Verblichenen auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee zur ewigen Ruhe gebettet. Gustav Jaeobsohn wirkte 40 Jahre als Lehrer der Jugend, 8 Jahre in Schwerin a. W. und 32 Jahre an der hiesigen jüdischen Mädchenschule. Wegen eines fortschreitenden körperlichen Nebels sollte er Ende dieses Monats in den Ruhestand gesetzt werden, und schon hatten Verehrer und Freunde des Verblichenen die nöthigen Vorbereitungen getroffen, den Tag seines Ausscheidens aus dem Schuldienst feierlich zu begehen und durch Aufführung einer seiner Dichtungen durch die Schuljugend dem allgemein beliebten Lehrer den Tribut der Dankbarkeit und Anerkennung zu zollen. Da entriß ihn jäh der unerbittliche Tod seinen Gönnern und Freunden und der großen Schaar von den in Liebe und Verehrung an ihn hängenden Schülerinnen, und verwandelte den Tag der Freude in Trauer und Klage. An der von Blumen und Pflanzen umringten Bahre gab Herr Dr. S. Adler, als Rektor der Schule sowohl, wie als Freund des Verblichenen, den Gefühlen der Trauer um den Heimgegangenen einen tief empfundenen Ausdruck. Mit vor innerer Erregung zitternder Stimme schilderte er den schmerzlichen Verlust, den die jüdische Mädchenschule durch das plötzliche Ableben Jacobsohns erlitten hat. Denn der Verblichene sei nicht blos ein tüchtiger Pädagoge gewesen, sondern auch ein Dichter, dessen poetische Gebilde nicht ohne Eindruck auf die Kinderherzen geblieben wären. Die innige und formvollendete Rede des Herrn Dr. Adler, die wir wegen Raummangel im Wortlaut wiederzugeben uns versagen müssen, die aber hoffentlich im Druck erscheinen wird, machte auf die Trauerversammlung einen erschütternden und zugleich erhebenden Eindruck, und kein Auge blieb thränenleer, als er dem Verblichenen seine eigenen Worte als Abschiedsgruß zurief: „Ach, wir können gar nicht sagen, wie Dein Scheiden uns betrübt. Du gehst fort, wir aber schenken Dir ein Herz voll Lieb und Dank, ja, wir werden Dein gedenken unser ganzes Leben lang." Hierauf sprach Herr Lehrer Remack und widmete dem Verblichenen Namens der „Wissenschaftlichen Bereinigung jüdischer Schulmänner zu Berlin", deren Mitbegründer und de Vorstandsmitglied er gewesen, einen warmen Nachruf. Ein von n Schülerinnen gesungener Choral beschloß die Feier, und die irdische Hülle des theuren Mannes wurde der kühlen Gruft übergeben. Schmerzerfüllten Herzens schieden wir von dem theuren Todten, dessen Andenken wir alle stets in Ehren halten werden. B. Berlin, 15. März. Die lex Heintze hat dem Staatssekretär v. Nieberding Ursache gegeben, über die Vermehrung der Unsittlichkeit an der Hand der Ziffern Klage zu führen. Er konnte feststellen, daß dieselben seit 1882 um beinahe die Hälfte gestiegen find, wenn man die Steigerung der Bevölkerung mit in Anrechnung 'bringt in absoluter Ziffer sogar um noch mehr. Wir wollen nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß wir Juden gerade bei diesen schweren Delikten überaus günstig stehen, wie aus folgender Tabelle hervorgeht. Die Ziffern sind der amtlichen Publikation, der deutschen Kriminalstatistik entnommen und können dort nachgeprüft werden. 10 a 10b 10c lOd lOe 10g 10h Jahrzahl über- Jnhaupt> den überhaupt In den überhaupt In den überhaupt Juden über-1 In* hamtj den überhaupt Juden überhaupt Inden 1882 38 314 — 67 1 329 1 2852 39! 1404 26 100 — 1883 44 1 330 1 84 1 269 3 2738 3011277 25 127 2 1884 53 1 332 3 42 — 345 1 2756 38i 1403 18 121 — 1865 60 _ 288 — 34 — 391 4 2864 33 1514 23 113 — 1886 51 — 338 1 34 — 873 2 3188 32 1465 16 159 4 1867 76 _ 347 — 38 — 418 — 8134! 28 1472 30 167 1 1888 59 — 312 — 46 - 353 3 3044! 81 1377 18 203 2 1889 59 _ 326 — 43 | — 367 2 307! 34 1404 22 172 3 1890 51 _ 310 — 39; i 412 — 3254 33 1554 32 172 — 1891 61 — 404 1 39! — 446 1 3295 33 1689 34 195 3 1892 68 — 375 1 40 : — 459 3 3452 23 1644 28 193 2 1893 77 1 401 1 57 — 524 — 3761 40 1756 32 183 3 1894 81 - 415 2 51! — 529 2 4060 37 1871 20 246 8 1896 83 1! 484 2 65 — 481 3 4116 43 2334 24 273 i 5 1896 75 1! 462 - 62 1 — 533 2 4445 36 1835 24 319 2 Man sieht wenn man die Summe zieht, daß 1882 die Ziffer der jüdischen Verbrecher 67 betrug, dagegen 1896 nur 65 Dieselben sind also nicht nur nicht gestiegen, sondern sogar relativ zurückgegangen. Nur ein Verbrechen 10 f macht eine Ausnahme. Hier stieg die Zahl der jüdischen Verbrecher ebenso wie die der christlichen in diesen 15 Jahren auf mehr als das Doppelte, allein gerade bei diesem Verbrechen hat die Regierung anerkannt, daß die Rechtsprechung zu hart ist, indem sie die Strafgesetze in der neuen Vorlage milderte. Wir Juden sind also erfreulicherweise von der steigenden Unsittlichkeitsepidemie nicht betroffen. g. Berlin, 14. März Wir nehmen auch in diesem Jahr Veranlassung, alle 2^122 auf die von Herrn Jstdor Joachim in den festlichen Sälen des Vereins junger Kaufleute, Beuthstraße 20, veranstaltete Szijum-Feier aufmerksam zu machen. Sie zeichnet sich vor anderen durch altbewährte Würde und durch die fesselnden und erhebenden Vorträge Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr Rosenzweig aus und verwendet ihre Erträgnisse zur Unterstützung Bedürftiger, denen damit zugleich eine Festfreude bereitet wird. Meldungen werden angenommen von den Herren Isidor Joachim, Elisabethkirchstraße 2, Rechtsanwalt Moses, Landsbergerstraße 45, I. Weinberg, Wasserthorstraße 50, und am Tage und Ort der Feier selbst. o. Charlottenburg, 14. März. Herr Rabbiner Dr. Philipp Kroner, der seit 1897 am hiesigen Reformgpmuasium als Religionslehrer wirkt, ist, wie wir erfreulicherweise mitzutheileu in der Lage sind, zur Grtheilung des jüdischen Religionsunterrichts an sämmtlichen. höheren Lehranstalten der Stadt berufen worden. Die Mitglieder unserer Gemeinde werden diese Maßregel unserer Verwaltung mit Dank begrüßen Potsdam, 12. März. Eine äußerst erregte Debatte fand am Freitag in der hiesigen Stadtverordneten-Versammlung statt, und zwar anläßlich eines von dem konservativ-antisemitischen Reichstagsabgeordneten Pauli, dem Kaufmann Frölich und 9 anderen

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