Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-17 · Heft 11 (17.3.1899) · p. Seite 132

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228311-3228323--55344-3291539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

132 Literarische Mittheiiungen. * Geschichte der Juden von Efra bis zur Jetztzeit für?' Volksschulen und höhere Lehranstalten, bearbeitet von Stadt- '' rabbiner Dr. Theodor Kroner, Kirchenrath zu Stuttgart. Frankfurt«. M.- Verlag von I. Kauffmann. 1899. Während wir an einer Ueberproduktion von biblischen Geschichts- . büchern leiden, mangelt es uns an guten Werken über die nachbiblische Geschichte und Litteratur. Wohl ist — von Graetz abgesehen — auch in dieser Beziehung durch Karpeles, Brann und Baeck Treffliches geleistet worden, allein diese Werke sind einestheils zu umfangreich, eignen stch mehr zur Lektüre für Erwachsene als zu Lehrbüchern für die Schule, enthalten aber auch andererseits trotz des großen Umfanges viel zu wenig Proben. Diesem Uebelstande suchte der als gewiegter Pädagoge bekannte Kroner abzuhelfen, indem er in einer leicht verständlichen Sprache trotz möglichster Kürze zahlreiche Proben giebt. Wir. glauben aber dem verdienstvollen Verfasser keinen Gefallen zu erweisen, wenn wir nicht auf einige Punkte aufmerksam machen, welche der Verbesserung bedürfen. Abschnitt III —VII. ist nach Kroners eigener Bemerkung für die obersten Klaffen der Mittelschulen bestimmt. Gerade hier aber vermissen wir nicht nur eine größere Ausführlichkeit in den Litteraturproben, sondern auch eine genauere Charakterisirung der Hauptwerke. So fehlt eine genauere Charakteristik des „Emunot Wedeoth" mit einigen Proben. Mainronides wird zu kurz behandelt; Proben aus dem „More Nebuchim" (etwa I., 26; Auszüge aus I., 31 und 32 über die Grenzen menschlichen Erkennend und einiges aus dem III. Abschnitt) wären nothwendig. Maimonidcs verdient doch in einem Lehrbuch für jüdische Geschichte und Litteratur einen ebenso großen Raum wie ein deutscher Klassiker in einem deutschen Lehrbuch für Mittelschulen. Ebenso muß dem Schüler Gelegenheit geboten werden, sich durch passende Proben einen Begriff über die Pentateuchkommentare von Raschi, Rschbm und Rnrbn zu machen. Bei allen bedeutenderen historischen und litterarischen Persönlichkeiten muß der Schüler einen tieferen Einblick in ihr Leben und ihre Schriften gewinnen, was nur dann möglich ist, wenn jüdische Geschichte und Litteratur so gelehrt wird wie die deutsche Litteratur am Obergymnastum. Also das Wichtigste von den äußeren Lebensoerhältnissen, kurze, aber treffende Charakteristik der Hauptwerke und als nothwendigeErgänzung hierzu die entsprechenden Proben. Der größere Umfang infolge der zahlreicheren Proben wird dem vortrefflichen und empfehlenswerthen Buche nur förderlich sein. Brüx. Dr. A. Biach. ---- Lesemaschine für den hebräischen Lese- und Sprachunterricht an Volks-, Bürger- und Mittelschulen vom Rabbiner H. K o hn Reichenau, herausgegeben vom Israelitischen Landeslehrerverein in Böhmen. Preis 8 fl. — Bestellungen an Rabbiner M. Freund in Bodenbach a. E. Die Besprechung eines Lehrmittels für den israelitischen Religionsunterricht gehört zu den Seltenheiten selbst in diesen Spalten. Der Grund hierfür liegt auf der Hand. Vorerst wagt es Niemand, ein Lehrmittel für diese Disziplin aus Furcht vor mangelndem Absatz herauszugeben, und dann halten ja unsere Lehrer der Religion es für unnöthig, solche überhaupt in Anwendung zu bringen. Das hebräische Lesen wird noch wie anno dazumal nach der Buchstabirmethode eingebelfert, und der Erfolg bleibt auch nicht aus. Mangelhafte Fertigkeit im hebräischen Lesen, Unlust zu dem Gegenstände, die nie mehr besiegt werden kann, weil dem Kinde der Anfang zu schwer gemacht wurde sind die Folgen. Giebt es doch bisher kein Lehrmittel für den Anfangsunterricht im hebräischen Lesen, ein Lehrmittel, das für alle anderen Sprachen in jeder Dorfschule zu finden ist! Und doch ist das Erlernen des hebräischen Lesens nicht leichter, die Unterstützung, die t>iefer Disziplin seitens des Hauses entgegengebracht wird, keine wärmere und die den Kindern selbst hierzu innewohnende Lust keine größere. — Aufs Wärmste ist daher das Unternehmen des rührigen israelitischen Landes^ lehrervereins in Böhmen zu begrüßen, der eine von Rabbiner H. Kohn in Reichenau erfundene Lesemaschine mit großen Kosten herausgegeben hat. Das Lehrmittel repräsentirt sich im anständigen Gewände, kann leicht von einem Lehrzimmer in das andere transportirt werden und läßt sich nach einer demselben beigegebenen Anleitung nicht blos zum ersten Unterricht im Lesen, sondern auch zum Einüben von Gebetstücken, ferner besonders zum Sprachunterricht mit Nutzen verwenden. Was unserenKindern zumeist fehlt, ist die Liebe für den hebräischen Unterricht, und diese kann durch Anwendung dieses Lehrmittels, welches den Unterricht nicht nur anziehend, sondern auch leicht gestaltet, erreicht werden. An den Kultusgemeinden liegt es, das Lehrmittel, dessen Preis sehr niedrig angesetzt ist, anzuschaffen, an den Religiönslehrern, sich mit der Anwendung desselben vertraut zu machen, und wir sind überzeugt, daß die Klagen über mangelnde Fertigkeit im hebräischen Lesen allmälig verstummen werden. Kprertzsaal. Sehr geehrter Herr! L^urch mannigfache Abhaltungen bin ich verhindert gewesen. Ihnen mitzutheilen, daß ich die Ausführungen des Herrn Justizrath Dr. Geiger in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" vollständig billige. Es ist unrecht und unklug, wenn die betreffende Petition Sonderrechte für die Juden beansprucht. Auf dem Boden der Gesetze wollen wir stehen; wir verlangen die uns gesetzlich gewährleistete Gleichstellung mit anderen Konfessionen und bekämpfen es, wenn auf dem Verwaltungswege uns die gesetzliche Gleichstellung genommen werden soll. Aber ebenso wenig wie wir schlechter als Andersgläubige gestellt werden dürfen, sind wir berechtigt, günstigere Positionen für uns in Anspruch zu nehmen. Hüten wir uns, selbst den Weg zu weisen, die Gesetze mit Rücksicht auf das religiöse Bekenntniß verschieden anzuwenden. Hoffentlich lehnt der Frankfurter Magistrat den an ihn gestellten Antrag ab. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Berlin, 13. März. Stadtrath Dr. Max Weigert. * Sehr geehrter Herr! ie in Nr. 1 der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" enthaltene Ausführungen des Herrn Justizraths Dr. Geiger über „Sabbath Heiligung und Sonntagsruhe" entsprechen durchaus meinen Anschauungen. Berlin. Ihr ergebenster Leo Mugdan, Stadtrath. # Sehr geehrter Herr Redakteur! n den beiden jüngsten Nummern Ihrer gesch. Zeitschrift wird vom Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann in einem gedankenreichen und „lichtvollen" Artikel der Entwickelungsgang gezeichnet, den das Licht als Metapher in der Bibel durchlaufen. Als Ausgangspunkt der Ent* Wickelung wird das Wort im Priestersegen: „Es lasse der Ewige sein Antlitz dir leuchten", bezeichnet, wo die Metapher stch von dem Substrat „Antlitz" noch nicht losgeschält und stch zu einem reinen abstrakten Bilde nicht erhoben. Zu diesen geistvollen Ausführungen sei mir eine kurze Bemerkung gestaltet. Es unterliegt wohl kaum einem Zweifel, daß diese Metapher, die ja von dem eigentlichen Sinne des Wortes weit entfernt ist, auch einen langen Weg der Entwickelung hinter stch haben, ebenso richtig dürfte auch die Annahme des gelehrten Historikers sein, daß dieselbe ursprünglich mit irgend einem sinnfälligen Objekte verknüpft gewesen. Es darf jedoch bezweifelt werden, ob sich dieses Substrat in der Bibel überhaupt vorfindet, wie auch, ob dasselbe mit dem angeführten Worte des Priestersegens identisch sei, und zwar aus folgenden Gründen. Es werden bekanntlich mit dem Worte „panim“ auch andere Verba verbunden. (Deut. 117, X17, XXVIII90 u. m. a.) Durch diese Verbindung entsteht ein völlig neuer Begriff, und der eigentliche Sinn des Berbi tritt ganz in den Hintergrund. Es liegt daher kein klarer und überzeugender Grund vor, an dieser Stelle eine Metapher oder einen Ansatz zu einer solchen anzunehmen. Ferner: Licht und Finsterniß treten trotz ihrer unversöhnlichen Gegnerschaft an vielen Stellen der Bibel in engster Verbindung auf. Diese Stellen bilden einen Beweis für die Neigung der Bibelsprache zu Antithesen, aber auch dafür, daß der metaphorische Gebrauch des einen Wortes in gleicher Weise das andere beeinflußt, und es ist sehr fraglich, ob dem Lichte die Priorität zugefprochen werden muß. Schüttenhofen, 6. März. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. Josef Wohlstein, Rabbiner. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.