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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-17 · Heft 11 (17.3.1899) · p. Seite 131

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 131 (sequence 11)
Language
German
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131 verstörtes Wesen beibehielt. Aber rasch war Rehabeam neben den« Mädchen, schlang seinen Arm gewaltsam um dasselbe und riß es von der Leiche Salomos gänzlich empor. Sulamith stieß einen schwachen Schrei aus. sträubte sich in den Armen des Prinzen und blickte ihn entsetzt mit entstellte» Zügen an. Er aber hob den Stahl und rief mit wildem Triumphe: „Naömi schreien sie, sie möchten Edoms Krone mit eineiil raschen Gewaltstreich an sich reißen. Aber noch ist sie mein Eigenthum!" Und er strebte, das Mädchen gewaltsam mit sich fortzureißen, um sie also ihren nahen Befreiern zu entziehen. „Gnade!" rief das zarte Wesen in gellenden Tönen und suchte sich mit verzweiflungsvollen Anstrengungen zu befreien und das Sterbebett wieder zu erreichen. Rehabeam schleifte die auf die Knie Gesunkene wüthend mit sich, aber ihre heftigen Anstrengungen, sich frei zu machen, hatten dennoch zur Folge, daß sie nur wenige Schritte fortgerisien wurde. Der Kampf war bereits über die Schwelle gedrungen. Mit fürchterlichen Keulenschlägen machte sich eine blutende, wankende und doch noch immer von wilder Energie beseelte Gestalt Raum. Eine hochgeschwungene, bluttriefende Klinge unterstützte den Kämpfer. Erhitzte Gesichter brauner Wüstensöhne und funkelnde Sperre drängten neben den Führern allen Widerstand nieder. Aber noch immer rang eine Anzahl der Reiter mit der Ueber, macht und warf sich stets von Neuem auf die wilden Angreifer. „Edoms Held, ich will Dir Raum machen!" schrie der Phönizier mit sinkender Stimme, und dann raffte er die letzte Kraft empor. Ein letzter Keulenschlag schmetterte zwei Feinde nieder, und dann, '»dem mehrere Lanzen in sein treues Herz drangen, riß der sidonische Mann fallend noch den dritten Feind nieder. Eine Lücke war gebrochen, Reson, nach einem traurigen Blick auf den sterbenden Freund, sprang mit dem lauten Rufe „Nasmi!" auf Rehabeam zu. Das Auge des.Prinzen funkelte voll tückischer Schadenfreude. „Wohlan," brüllte er, „ist Edonis Krone nicht anders zu retten, soIstirb!" Und mit gewaltigem Arme stieß er den Stahl in Nasmis zarte Brust, riß ihn dann wieder heraus und ermordete das Mädchen vollends mit einem zweiten Stoße. „Gnade!" schrie der Edomiter in heiseren und doch durchdringenden Tönen und fiel auf die Knie nieder. „Da, nimm Edoms Krone!" schrie der Prinz, riß den Stahl an sich, und indem die letzten Vertheidiger sich um ihn sammelten, zog er sich rasch aus dem Mordgemach zurück und verschwand. Der Kampf war zu Ende. Die Wüstensöhne ließen ihre Waffen sinken, und Reson kniete noch immer und murmelte irrsinnig: „Gnade!" Das Mädchen lag regungslos da mit starren, geöffneten Augen, während das Blut aus dem Busen quoll und die langen, ans dem Boden liegenden Haare und die weißen Gewänder langsam überrieselte. Sie war todt! Die Blume, die für Salomos verschwiegene, üppige Gärten geblüht hatte, die auf Edoms Thron hingewelkt wäre, sie war gewaltsam gebrochen worden, da, wo sie glücklich gewesen. Auf den Knieen schleppte sich Edoms verratheuer, unglückseliger Held neben die Todte und blickte sie mit starren Augen lange an. „Nasmi!" rief er leise, „Nasmi!" Dann ergriff er sie mit zitternden Händen, hob ihr bleiches! Haupt auf seine» Schooß, horchte dem erstorbene» Schlag ihres j Herzens, suchte den Strom des Blutes zu hemmen und rief sie mit; kosenden Namen. Es war vergebens, sie war todt! „Sie ist todt!" murmelte er, dann blickte er scheu um sich, sank! zusammen, und ein Thränenstrom stürzte aus seinen Augen. Seine Stimme war erstickt, seine Heldenkraft war gebrochen, er konnte nur! weinen noch, und er weinte wie ein harter Mann, welcher nie geweint. I welcher lausend Schläge des Geschickes trug, bis der letzte ihn vernichtete. Die Wüstensöhne aber standen gramvoll um die klägliche Gruppe, und Etliche beugten sich zu dem sidonischen Manne nieder, der auch gestorben war, besten Auge sich geschlossen, eh' Nasmi todt hinsank, der mit dem freudigen Herzen gestorben war, daß er seinem Führer und Bruder die Geliebte erworben. Aber Edoms Held wendet sich noch einmal an seine Treuen; mit verstörten, gramvollen Worten ermahnt er sie. sich nach allen Richtungen zu zerstreuen, und entbindet sie aller Pflichten, für Edom und seinen Helden zu streiten. Dann aber nimmt er raschen Abschied, spornt sein Pferd, und das todte Mädchen immerwährend in den Armen haltend, jagt er in rasendem Lauf nach Osten zu. (Forts, folgt.) Thrrt nichts, bev Jude rnivd nervrannt (SgCfi* schade, daß man jetzt verwundert Auf unser Mittelalter blickt. Wo Fanatismus dem Jahrhundert Den blut'gen Stempel aufgedrückt. Wo man die Juden drückte nieder. Jetzt ist man viel zu tolerant. Man hört den Ruf nur hin und wieder: Thut nichts, der Jude wird verbrannt. Zwar zwischen damals, zwischen heute Ist schon so mancherlei pasfirt. Es haben sich auch unsre Leute In jüngster Zeit emanzipirt. Sie wollen in Nichts sich unterscheiden Und kleiden sich auch elegant. Man darf sie aber doch nicht leiden, Thut nichts, der Jude wird verbrannt. Sie woll'n nicht schachern mehr und handeln. Wo man die Schranken fortgeschafft. Sieht man sie neue Wege wandeln In Lehre, Kunst und Wissenschaft. Sie weihen sich jedem Geistesstreben Mit regem Eifer und Verstand, D^ß wahre Bildung sich soll heben, Thut nichts, der Jude wird verbrannt Auch feige kann man sie nicht schelten. Sie zeigen viele Kampfeslust, Das Eisenkreuz, der Schmuck der Helden, Er ziert auch manches Juden Brust. Sie schlugen mit uns unsere Kriege Für unser, das ihr Vaterland Und halfen muthig uns zum Siege, Thut nichts, der Jude wird verbrannt. Klopft Noth und Elend an die Pforten, So eil'n die Juden schnell herbei. Sie helfen, nützen aller Orten, Weß Glaubens der Bedürftige sei. Christliche Liebe auszuüben. Ist stets der Jude bei der Hand Gleichviel, man darf sie doch nicht lieben, Thut nichts, der Jude wird verbrannt. Berlin. David Hirschfeld.

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