Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 11 (17.3.1899)
- Date
- 1899-03-17
- Page
- Seite 130 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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.. “''r- . ..U ^.H'M.MH^VWUMHWMVWMWWWWWWWWWWWW IDO lediglich um eine juristische, vom Standpunkte dieser Zeitung aus nicht weiter interessirende Frage. Endlich soll bei dieser Gelegenheit auf zwei Bestimmungen desebenfalls am 1. Januar 1900 in Kraft tretenden neuen Handelsgesetzbuches — der 6. Abschnitt ist mit Ausnahme eines Paragraphen bereits seit 1. Januar 1898 in Wirksamkeit — hingewiesen werden. 8 62 Abs. 2, welcher dem § 618 Abs. 2 des Bürgerlichen Gesetzbuches nachgebildet ist, lautet: „Ist der Handlungsgehilfe in die häusliche Gemeinschaft ausgenommen, so hat der Prinzipal in Ansehung des Wohn- und Schlafraumes, der Verpflegung sowie der Arbeits- und Erholungszeit diejenigen Einrichtungen und Anordnungen zu treffen, welche mit Rücksicht auf die Gesundheit, die Sittlichkeit und die Religion des Handlungsgehilfen erforderlich sind". Die Mißachtung dieser Vorschrift verpflichtet den Prinzipal gemäß 8 62 Abs. 3 a. a. O. zum Schadenersätze und giebt, was im Falle der Verletzung der Verpflichtung der Rücksichtnahme auf die Religion von vorzugsweiser Bedeutung ist, dem Handlungsgehilfen das Recht außerordentlicher Kündigung — 8 71 Nr. 3 H. G. B. 8 76 Abs. 3 H. G. B. lautet: „Der Lehrherr darf dem Lehrling die zu seiner Ausbildung erforderliche Zeit und Gelegenheit durch Verwendung zu anderen Dienstleistnngen nicht entziehen; auch hat er ihm die zum Besuche des Gottesdienstes an Sonntagen und Festtagen erforderliche Zeit und Gelegenheit zu gewähren . . ." Die Verletzung dieser Vorschrift zieht unter Umständen gemäß § 82 H. G. B. strafrechtliche Ahndung nach sich. Daß diese übrigens bereits am 1. Januar 1898 in Kraft getretenen Vorschriften sich auch auf Handlungsgehilfen und Lehrlinge mosaischer Konfession beziehen, unterliegt keinem Zweifel, ebenso wenig, daß die desfallsigen Verpflichtungen auch dem nichtjüdischen Prinzipal gegenüber seinem jüdischen Personal, wie dem jüdischen Prinzipal gegenüber seinem christlichen Personal obliegen. EUILLETON MW Are Rose von Saron. Eine Erzählung. f XXXVII. as Sterbegemach des Königs war von den Weibern verlaffen worden, nur die liebste Gattin des Königs kniete noch an dem Todtenlager. Zwei oder drei Krieger standen, auf ihre Lanzen gelehnt, an der hohen Eingangspforte. Die Verwirrung und der Tumult, welche in diesem Augenblick die Königsburg durchbebten, halten zur Folge, daß der Todte verlaffen worden war, und Sulamith allein neben demselben kniete. Sulamith war stumm. Ihr Schmerz hatte etwas Starres, Verzweiflungsvolles an sich. Edoms Erbin war ein schwaches, liebendes, glückliches Mädchen gewesen, und sie hatte Edoms gebrochene Hoffnungen leicht vergeffen auf Salomos strahlendem Throne. Aber nun war die Hand machtlos, welche sie einst stützte, und das Herz schlug nicht mehr, welches sie einst glücklich gemacht. Und nun war auf Edoms Trünimern und den Schelde» eigenen Glückes nur ein schwaches, verzweifelndes Mädchen übrig geblieben. Die Wächter vor der Thür zeigten plötzlich einige Unruhe, welche indeß von Sulamith nicht bemerkt wurde. In der That aber wälzle sich das Geräusch eines nahen Kampfes immer näher und näher. Während der Sturm der Aufrührer an der Vorderseite der Königsburg nur in dumpfen Tönen herttberklang, brüllte der Kampf, welcher in den Gärten des Königs gefochten wurde, ganz in der Nähe und drohte diesem Theil des Palastes und seinen Bewohnern die größte Gefahr. Die Angreifer, welche unbemerkt die Mauer des Gartens überstiegen hatten, kämpften mit einer ausdauernden, hartnäckigen Wuth und warfen die Vertheidiger immer mehr und mehr zurück. Die hohe Pforte, welche von den Wächtern besetzt gehalten wurde, ging in den Garten hinaus, während eine andere, entgegengesetzte Thür nach dem Inneren des Palastes führte. Die letztere Thür wurde plötzlich aufgeriffen, und Rehabeam stürzte mit bloßer Klinge herein, und ihm nach einige Führer der Leibwache, welche aber sogleich an die Gartenpforte eilten und dieselbe öffneten. Rehabeam, nachdem er einen Blick wilden Frohlockens auf die knieende und regungslose Sulamith geworfen, eilte ebenfalls an die Gartenpforte. Als diese geöffnet worden, überblickte man vollkommen den wüthenden und blutigen Kampf, welcher durch den Garten tobte und rasch näher kam. Halbbekleidete braune Wüstensöhne, bewaffnet mit Säbeln, Speeren und riesigen Keulen, schlugen voll Todesverachtung auf die Leibwachen des Königs los, welche zu Fuß kämpften und sichtbar verwirrt dem wüthenden Andrang der Wüstensöhne wichen. Das Feldgeschrei derselben, welches nun vollkommen gut vernommen werden konnte, erklang fort und fort in donnernden Tönen: „Naömi! Edoms Stern!" Rehabeams Züge lächelten voll Wuth und Schadenfreude. Dann gebot er den Führern, die Flucht der Reiter aufzuhalten, und blieb selber mit geschwungener Klinge auf der Schwelle stehen. Die Reiter schienen in der That durch eine rasche Anstrengung Raum zu gewinnen. Aber nun stellten sich in den Mittelpunkt der Angreifer zwei düstere, hohe Männergestalten, die eine mit einer Keule, die andere mit funkelnder Klinge bewaffnet. „Nasmi!" riefen sie in tiefen Tönen, und dann schlugen sie grimmig und unermüdlich darauf los, und die Kraft und Wuth der Wüstensöhne steigerte sich an dem Beispiel der beiden Führer. Eine Minute, und der größte Theil der Vertheidiger entsprang nach allen Richtungen. Rehabeam trat von der Schwelle mit einem Wuthschrei zurück und war mit einem Sprunge neben Sulamith. Das fast bewußtlose Mädchen hatte sich bei den wilden Tönen des Kampfes erhoben und, instinktmäßig eine nahe Gefahr ahnend, hatte es den tobten Geliebten mit seinem Leibe fast bedeckt und streckte die eine Hand abwehrend und mit verstörten, entsetzten Zügen dem Prinzen entgegen. Diese Gruppe war voll Liebe und voll Schrecken, und nie war dies unglückliche Mädchen rührender erschienen als jetzt, wo es mit gebrochenem, verzweifelndem Herzen den todten Geliebten noch zu schützen suchte. Auf der Schwelle erhob sich tumultuarisches Gedränge. Die letzten Vertheidiger wehrten hier die Feinde ab. Aber schon erblickte man jene hohen, düsteren Gestalten, und donnernd klang es in den Saal herein: „Nasmi!" Das Mädchen erhob sich bei diesen Lauten, und sichtbar rang der Ausdruck seiner Züge nach Bewußtsein, obgleich das Auge ein