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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-17 · Heft 11 (17.3.1899) · p. Seite 128

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 11 (17.3.1899)
Date
1899-03-17
Page
Seite 128 (sequence 8)
Language
German
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''-"-^^^^^^.^u^dU.WMDWMIWWPWWWMWWMWM^^W 138 großer Zahl und mit hervorragendem Erfolg. Sie sind nicht von jüdischem, sondern von deutschem Geiste beseelt, vielleicht in einiger, Modifizirung, wie ja auch bei den übrigen Konfesfionen solche Modifikationen bestehen. Aber nun deswegen, weil eine im Uebrigen verdienstvolle, bewährte Person jüdischer Abstammung und jüdischen Bekenntnisses ist, mit Argusaugen darüber zu wachen und die einschneidendsten Vorschriften darüber zu erlassen, daß nur ja so und so viel jüdische Kinder in der Klasse vorhanden sein müssen, um einigermaßen ihre Lehrthätigkeit zu rechtfertigen — das ist nicht der Standpunkt der Humanität, auf welchem die deutsche Nation seit langer Zeit steht; das find, wie der verdiente Privatdozent Dr. Preuß bei der Besprechung des Gegenstandes in der Stadtverordnetenversammlung mit Recht geäußert hat, nicht die Wege Lesstngs, das find die Wege des Hauptpastors Götze! Ich wollte bei dieser Gelegenheit nicht unterlassen, wenigstens anzudeuten, welches tiefere Moment diesen Vorgängen zu Grunde liegt. Was nun aber die spezielle Angelegenheit der jüdischen Lehrerinnen, betrifft, so möchte ich der Humanität des Herrn Ministers und seinem Gerechtigkeitsgefühl recht dringend empfehlen, noch einmal angestchts der hiefigen Verhältnisse zu erwägen, daß, wenn 20 Jahre hindurch, von' 1875 bis 1895, diese Zustände bestanden haben, ohne erhebliche Beschwerden zu erregen, vielmehr zur allgemeinen Zufriedenheit, wenn 20 Jahre hindurch man nicht gefunden hat, daß die Verfassung dadurch verletzt wurde, wenn anerkannt ist, daß die angeblichen Uebelstände fich nicht vermehrt, sondern im Gegentheil vermindert haben, daß es dann aügezeigt wäre, diese Verfügung zurückzunehmen oder doch zu modifiziren? Meine Herren, der Herr Minister würde fich dadurch zu seinen anderen Verdiensten noch ein weiteres und großes erwerben. Der Friede, welcher, wie der vorletzte Herr Redner mit so schönen Worten betonte, zwischen den beiden christlichen Konfesfionen, der katholischen und der evangelischen, in unserem Baterlande herbeizuführen ist, dieser Friede sollte auch auf die Bekenner des Judenthums ausgedehnt werden. (Bravo! bei den Freifinnigen.) Iahresversarnmlung Les Vereins israelitischer Lehrer Oberschlesiens. Sie zwölfte Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Oberschlesiens wurde am 26. und 27. Dezember in Rybnik abgehalten. Zu derselben hatte sich eine nicht unbeträchtliche Zahl der Vereinsmitglieder eingefunden. Der Eröffnung, welche um 272 Uhr in Wittigs Hotel stattfand, ging eine Befichtigung des israelitischen Waisenhauses unter Führung des Dirigenten, Herrn L. Katz, voraus. Auf alle Theilnehmer machten die anheimelnden Räume, die wohlgesttteten Zöglinge und deren gutes körperliches Aussehen einen wohlthuenden Eindruck. Ebenso wurden mit großer Befriedigung die schönen Erfolge im Handfertigkeitsunterricht, welche fich an den ausgestellten Gegenständen zeigten, anerkannt. Als Vertreter des Vorsitzenden, Kollegen Bernhard-Tarnowitz, der als Delegirter des Deutsch-israelitischen Lehrerverbandes nach Berlin einberufen war, übernahm Kollege Eisenberg- Beuthen die Leitung der Versammlung. Zu Beisitzern werden Katz- Rybnik und Jakobsohn-Gleiwitz, zu Schriftführern Brann-Beuthen und Schwarz-Beuthen ernannt. * Der Vorsitzende begrüßt die erschienenen Mitglieder des Vorstandes und der Repräsentanz der jüdischen Gemeinde Rybnik. Der Präses der letzteren, Herr S. Bender, dankt im Namen des durch eine nothwendige Reise am Erscheinen behinderten ersten Vorstehers, des Herrn Stadtrath Prager, für die ergangene Einladung, beleuchtet in längerer, sehr beifällig aufgenommener Rede die Schwierigkeiten des Lehrerberufes und schließt mit herzlichen Wünschen für den guten Verlaus und Erfolg der Versammlung. Hierauf hält Kollege Abraham-Leobschütz sein Referat über: Lazarus, „Ethik des Judenthums". Redner führt in großen Zügen den Inhalt des so bedeutsamen Werkes vor und schließt mit dem Wunsche, durch seinen Vortrag das Interesse für das Studium des Werkes in den Kollegen erregt zu haben; damit wäre der Zweck feines Vortrages erfüllt. Der Vorfitzende dankt dem Referenten und schließt fich dessen Wunsche an, denn ein eingehendes Studium dieses Werkes, in welchem zum ersten Mal im Zusammenhang die volle Höhe unserer. Ethik gezeigt werde, würde besonders für uns Hehrer yyn unschätzbarem Nutzen fein. Eine eigentliche Debatte lehnt fich an den Vortrag nicht an; die Anficht des Kollegen Schwarz-Beuthen fand jedoch allgemeine Zustimmung, es sei wünschenswerth, daß das Werk oder einzelne Abschnitte desselben bei dem Religionsunterricht in der Oberklasse unserer Lehrerseminarien Verwendung finden möge (etwa als Lektüre unter Anleitung des Lehrers). Nach einer kurzen Pause hielt Kollege Rosenbaum-Rybnik sein Referat über: „Konzentration im jüdischen Religionsunterricht". Der Referent hält die Methode der Konzentration, mit welcher Dr. Kroner im jüdischen Religionsunterricht den Anfang gemacht, für die fruchtbringendste. Er strebt eine innige Verschmelzung der einzelnen Disziplinen an unter Auflösung der Selbständigkeit derselben und will das Gebetbuch zum Mittelpunkt des gesammten Religionsunterrichtes erhoben wissen. Es schließt sich an den Vortrag eine zweistündige Debatte an, an welcher sich die Kollegen Petzall-Zabrze, Jakobsohn-Gleiwitz, Brann, Schwarz, Effenberg, und Rofenbaum II-Beuthen O/Schl., betheiligen. Sämmtliche Redner stellen fich mehr oder minder in Oppofition zu den Ausführungen des Referenten. Kollege Jakobsohn meint, daß diese Methode die Erfolge in den einzelnen Disziplinen in Frage stelle und ein zusammenhängendes Wissen in denselben nicht erreichen läßt. Eisenberg- Beuthen hält sie höchstens in der einklasstgen Schule für durchführbar; sie verlange aber einen bis in Kleinste sorgfältig ausgearbeiteten Stoffplan und eine große pädagogische Befähigung des Lehrers. Er spricht sich mehr für eine Bereinigung des systematischen Religionsunterrichts mit der Biblischen Geschichte aus und hält in Uebereinstimmung mit sämmtlichen Rednern den Siddur gerade für den ungeeignetsten Mittelpunkt des gesammten Religionsunterrichts. Schwarz-Beuthen weift auf die Bewegung im Geschichtsunterricht zu Anfang unseres Jahrhunderts hin, die Harnisch mit seiner Forderung hervorgerufen hat, die gesammten Disziplinen des Realunterrichts zu einer einheitlichen „Weltkunde" zu verschmelzen. Wie es bei der Durchführung jener Forderung der Fall war, so werde fich auch die Verschmelzung aller Disziplinen des Religionsunterrichts als nur schwer ausführbar und wenig erfolgreich zeigen, da die einzelnen Disziplinen betreffs ihrer Anordnung und Behandlung besondere Forderungen stellen (Siddur und Bibl. Geschichte), denen man bei einer Vereinigung nicht werde gerecht werden können. Die Versammlung lehnt die aufgestellten Thesen des Referenten unter voller Anerkennung der durch seine Ausführungen gegebenen geistigen Anregung ab, faßt aber keinen positiven Beschluß, weil die Angelegenheit in Versammlungen noch zu wenig behandelt und noch nicht genügend geklärt ist. Es folgt nun Stellungnahme zu Punkt 6 der Tagesordnung. Katz- Rybnik hält es für durchaus wünsche nswerth, daß bei den Verhandlungen des oberschlesischen Gemeinde-Berbandstages der Lehrerstandmit beralhender Stimme vertreten sei, und stellt den Antrag, daß der Vorstand des Vereins stch mit einem dahin zielenden Ersuchen an den Oberschlesischen Gemeindebund wende. Die Mehrheit der Versammlung erachtete es jedoch für zweckmäßig, daß zunächst der Antragsteller in dieser Angelegenheit mit dem Vorsitzenden des Oberschlefischen Gemeindebundes Fühlung nehme. Auf Anregung des Kollegen Brann soll auch der Verband der Lehrervereine veranlaßt werden, in analoger Weise beim Deutsch- Israelitischen Gemeindebunde vorstellig zu werden. Zu dem hierauf folgenden Souper hatte die Gemeinde Rybnik die Versammlung eingeladen. Am 2. Berhandlungstage hielt Kollege Jakob-Loslau mit den Zöglingen des Waisenhauses eine Lehrprobe über „Veredelung der Obstbäume", worauf Semmel-Laurahütte über den im Sommer 1898 in Rybnik stattgefundenen Gartenbaukursus berichtete. Kollege Katz wies darauf hin, daß die Lehrprobe wohl gezeigt habe, wie durch eine größere Betonung der Obstbaumzucht der botanische Unterricht in unseren Schulen belebt werden könnte, und zeigte, durch welche Mittel im Unterricht das Interesse für den Gartenbau bei den Schülern besonders zu erwecken sei. Brann-Beuthen referirt über verschiedene Eingänge von Verlagsbuchhändlern und Redakteuren von Fachzeitschriften und empfiehlt insbesondere den Flanter'schen „Jugendfreund". Eingegangen sind ein Begrüßungstelegramm des in Berlin tagenden Delegirtentages des Reichsverbandes israelitischer Lehrer, ein Begrüßungsschreiben des israelitischen Gemeindebundes, desgleichen ein solches von dem Seminargärtner Herrn Kynast in Peiskretscham.

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