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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-10 · Heft 10 (10.3.1899) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 10 (10.3.1899)
Date
1899-03-10
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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MW ’&i'M Ehren des Stadtverordneten Joseph Krzywynos daselbst. anläßlich seiner 28 jährigen Zugehörigkeit zu der Stadtvertretung ein Festessen. §. Zabrze, 27. Februar. Die hiesige Chewra-Kadischa beging am heutigen Tage ihr Stiftungsfest. Nachdem am Bormittag eine religiöse Feier auf dem Friedhof stattgefunden hatte, versammelten sich die Mitglieder des Vereins am Abend zu einem Festmahl, welches in diesem Jahre dadurch eine erhöhte Bedeutung gewann, daß Herr Michael Kaiser auf eine 25jährige Thätigkeit als Vorstandsmitglied der Chewra-Kadischa zurückblicken konnte. Nachdem Herr Waldmann die Anwesenden Namens des Vorstandes begrüßt hatte, erhob sich nunmehr Herr Rabbiner Dr. Kaatz und feierte im Anschluß an die Festrede den verehrten Jubilar, indem er feiner großen Verdienste um die Chewra gedachte. Als äußeres Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung wurde dem Jubilar eine kunstvoll ausgeführte Adresse überreicht, in welcher Herr Kaiser zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wird. Das Vorstandsmitglied Herr I. H. Lewin hatte es freundlichst übernommen, die Adresse zu verlesen. Herr Dr. Kaiser, ein Sohn des Jubilars, der sichtlich durch die Ehrung zu tief gerührt war, um selbst zu sprechen, dankte Namens seines Vaters und erhob sein Glas auf das weitere Gedeihen und Blühen des Vereins. Damit war der offizielle Theil des Festes erledigt, und die allgemeine Fidelitas trat in ihr Recht, die Mitglieder noch lange beim Mahle zusammenhaltend. A Köln, 21. Februar. Von dem hier gegründeten Verein für jüdische Krankenpflegerinnen ist kürzlich nachstehendes Cirkular in Rheinland und Westfalen versendet worden: Die große Nachfrage nach tüchtigen Krankenpflegerinnen und die allerorts durchgedrungene Erkenntniß, daß ein Pflegerinnenpersonal, dessen technische und ethische Ausbildung seinem schweren Berufe entsprechend ist, nur im Rahmen einer Schwestern-Organisation geschaffen werden kann, hat auch hier zur Gründung eines Vereins für jüdische Krankenpflegerinnen geführt. Dank dem Entgegenkommen der Verwaltung des israelitischen Asyls für Kranke und Altersschwache kann sich die Pflegerinnenschule diesem anlehnen, das schon seit mehreren Jahren unter der Leitung einer tüchtigen Oberin Schwestern mit vorzüglichem Erfolge ausgebildet hat. Wie wir Schülerinnen aus allen Gemeinden nehmen, so werden wir auch unsere Schwestern wenn eine genügende Zahl ausgebildet ist, überall in die westlichen Provinzen Deutschlands zur Dienstleistung gern entsenden. Wff glauben daher, auch Ihre thatkräftige Mitwirkung erbitten zu dürfen für unser Hilfswerk, das zugleich hochgesinnten und gebildeten jüdischen Mädchen und Frauen den Zugang zu einem wenn, auch schweren, aber höchst ehrenvollen Beruf ermöglicht, der ihnen zugleich eine gesicherte Lebensstellung verbürgt. Wir haben nicht nur die Verpflichtung, die Mittel für die Verpflegung und Besoldung unserer Schülerinnen und Schwestern während ihrer Lehrzeit und Amtsthätigkeit bereit zu stellen, sondern auch für einen standesgemäßen Unterhalt bei Arbeitsunfähigkeit durch Krankheit oder Alter zu sorgen. Indem wir uns erlauben, unsere Statuten, Pensions- Reglement und Bestimmungen Ihnen zu übersenden, bitten wir Sie, unsere Bestrebungen durch Beitritt zu unserem Verein und durch Zuweisung geeigneter Kandidatinnen zu fördern und einliegende Karte gütigst ausgefüllt uns zurückzusenden. Mit Hochachtung der Vorstand: Dr. B. Auerbach, dir. Arzt des Asyls, Vorsitzender. Rechtsanwalt Carl Elzbacher, stellv. Vorsitzender. Dr. F. Cahen, chir. Oberarzt des Asyls, Schriftführer. M. Bendix, Schatzmeister. I. Dülken, Fabrikbesitzer. Amtsgerichtsrath Löwenherz. PH. Neckarsulmer. L. Oppenheimer, Dr. med. F. Rothschild, Fabrikbesitzer. Frankfurt a. M., im März. Gleich nach Bekanntwerden der im heiligen Lande ausgebrochenen Hungersnoth hat das hiesige Hilfskomitee für die nothleidenden Brüder im Auslande, bestehend aus den Herren Rabbiner Dr. Breuer, Wilhelm Hackenbroch, Max M. Kulp, Dr. Israel Roos, Michael Katzenstein, Hermann Lehmann, Adolf Stern in F. I. u. S. Goldschmidt), mit den Sammlungen zu Gunsten der Hungernden begonnen. Bis jetzt sind 8300 Mark eingegangen und durch Vermittelung der Pekidim und Amkaalim des heiligen Landes in Amsterdam theilweise telegraphisch an die betreffenden Stellen nach Palästina überwiesen. Im Interesse der so sehr von der Noth heimgesuchten Glaubensbrüder sind weitere baldige Spenden dringend nöthig und erwünscht. xgx Frankfurt a. M., 4. März. Der Verein Kindergarten für Israeliten hielt am 22. d. M. seine Generalversammlung unter dem Vorsitz des Stadtverordneten Herrn A. Meyer ab. Im abgelaufenen Jahre wurden 65 Kinder ausgenommen, der Tagesdurchschnitt war 50. Die 1897 in Angriff genommene Selbstbeköstigung hat die besten Resultate geliefert, indem die Kinder durch die bessere Kost, wie die Wägungen nachwiesen, kräftiger und widerstandsfähiger geworden sind. Es wurden c«; 1000 Bäder verabreicht. Bei einem Besuche sprachen die Herren Stadtschulinspektor Liermann und Stadtarzt Dr. Spieß nach genauer Besichtigung der Anstalt ihre volle Befriedigung aus. Ersterer wohnte auch dem Kinderfest am 11. Dezember bei und drückte wiederholt seine Genngthuung aus, indem er die Anstalt als eine Musteranstalt bezeichnete. Die Anmeldungen sind zahlreicher, als die Räume aufzunehmen gestalten; mindestens 50 Kinder müssen alljährlich zurückgewiesen werden. Herr Dr. med. Mehler berichtete über die sanitären Verhältnisse. Dieselben waren günstig. Seit im Juni die Anstalt eigene Küche hat, ist die Gewichtsabnahme von ca. 40 pCt. auf 5 bis 15 pCt. herabgegangen. Nach dem Kassenbericht des Herrn Leo Holzmann zahlten 729 Mitglieder 5161 M. Jahresbeitrag; an Kostgeldern gingen 528 M. ein. Im Ganzen betrugen die Einnahmen 9840 M., die Ausgaben 9610 M., das Vereinsvermögen ca. 21000 M. Laut Revisionsbericht des Herrn Jakob Kahn wurde die Entlastung ertheilt. Die aus dem Vorstand turnusgemäß austretenden Herren Professor Dr. Sulzbach, Rechtsanwalt Fuld. Dr. Levi, Dr. Mehler und A. Meyer wurden wiedergewählt und zu Revisoren ernannt: Gustav Gutenstein und Daniel Worms, als Ersatzmann Jakob Kahn. 81 München, 3. März. Die Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde macht folgende Mittheilungen über die Hermann und Jettchen Müller'sche allgemeine Wohlthätigkeitsstiftung. Aufgabe der Stiftung ist: a) Die Förderung und Unterstützung von Einrichtungen und Veranstaltungen für Erziehungs-, Unterrichts- und Wohlthätigkeitszwecke sowie sonstiger gemeinnütziger Zwecke innerhalb des Judenthums; b) die Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Glaubensgenossen, jedoch nur, sofern die Gewährung im mittelbaren oder unmittelbaren Interesse des Judenthums ist (andere Unterstützungsgesuche können nach dem Stiftungsstatute keine Berücksichtigung finden); e) die Verbesserung der bürgerlichen Stellung der Juden. Die Erledigung der Gesuche, welche bis spätestens Freitag den 31. März d. I. an die Kultusverwaltung einzureichen sind, geschieht ohne Rücksicht auf Ort und Land der Petenten. Oestrrrrrch-Ungarn. LI Wien, 1. März. Der älteste Mann von Wien, Herr L. M. Kohn, ist im Alter von 112 Jahren gestorben. Das Geschick hatte diesem Methusalem ein so hohes Lebensalter, aber sonst nur sehr wenig Freuden beschieden. Der Greis, den der Tod schon fast vergessen zu haben schien, verbrachte den größten Theil seiner 112 Jahre in harter Arbeit und Dürftigkeit, die letzten Jahre in vollständiger Armuth. Und doch blieb er bis an sein Lebensende körperlich und geistig so gesund, daß man von Zweifel befallen wurde, ob er wirklich so alt sei. Seine Papiere sprachen jedoch dafür; da stand es klar und deutlich, daß der Mann am 20. Januar 1767 in Frauenkirchen im Wieselburger Komitat geboren war, also noch unter der Regierung des Kaisers Joseph II. Nach diesem Kaiser hatte er nachfolgende Monarchen auf dem österreichischen Throne gesehen: Leopold II., Franz I., Ferdinand I. und Franz Joseph I. Er war ein junger Mann von 22 Jahren, als Napoleon I. in Schönbrunn einzog. In den sechziger Jahren, als Greis von einigen siebzig Jahren, kam er nach Wien, um, wie er sagte, hier bei seinen Kindern zu sterben; er überlebte aber alle seine Kinder, bis auf einen Sohn, der heute selbst schon ein alter Mann und gleichfalls nicht mit Glücksgütern gesegnet ist. Seinen eigenen Angaben nach war der 112jährige Mann nie in seinem Leben krank. Er konnte bis in die letzte Zeit ohne Brille in seinem Gebetbuche lesen, und nur das Gehör und die Füße versagten ihm den Dienst. Die Last der Jahre hatte ihm den Rücken gewölbt, sonst war er körperlich und geistig erstaunlich frisch. Sein merkwürdig kleiner, zusammengeschrumpfter Kopf hat eine Fülle von langen Haaren, von einer eigenartig weißen, ins Gelbliche spielenden Farbe. Man glaubte, es sei ein verwittertes, langes, gelbliches Moosgeflecht. Die Kultusgemeinde hatte ihm schon vor Jahren ein Freiquartier und eine monatliche Pfründe gewährt. Der Greis erkannte dies dankbar an. Bor etwa acht Tagen erkrankte er, obwohl er seit Dezember nicht das Zimmer verlassen hatte, infolge

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