Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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- 2 - habe die Gemeinde die Pflicht, Einspruch zu erheben. Man habe schon viel zu lange gewartet, die Petition hätte schon längst abgesandt werden müssen. Was heute den Lehrkräften an den Volksschulen geschehe, könne sich schon in der nächsten Zeit bei den Lehrkräften an den höheren Schulen und den Universitäten ereignen. Ein schrittweises Zurückgehen sei in dieser Beziehung zu beobachten, und dagegen müsse protestirt werden. Die Versammlung gab ihre Zustimmung zu diesen Ausführungen durch lebhaften Beifall kund. Vom Vorstandstisch räth Herr Dr. Fuchszur Vermeidung jeder Verzögerung sofort die Kommission zu ernennen zur Redaktion der Petition. Nachdem noch die Herren Prof. Baginsky, Geheimrath Senator, Dr. Minden und Stadtrath Dr. Weigert für eine möglichste Beschleunigung der Angelegenheit bei der in keiner Weisq veränderten Situation sich ausgesprochen hatten, schließt die Debatte damit, daß in die Redaktionskommission die Herren Geheimrath Senator, Landgerichtsrath Löwe, Stadtrath Weigert und Professor Baginsky gewählt werden; vom Vorstände gehören dieser Kommission, die Herren Rechtsanwälte Dr. Fuchs und Lilienthal an. 8. Berlin, 5. März. Die Nachricht hiesiger Blätter, daß Herr Dr. Jacob aus Göttingen zum Rabbiner für die hiesige Gemeinde gewählt worden ist, muß als durchaus verfrüht bezeichnet werden. Es bestätigt sich zwar, daß die zur Vorbereitung der Rabbinerwahl eingesetzte Kommission sich für die Wahl des Herrn Dr. Jacob ausgesprochen hat, jedoch ist der Repräsentanten-Versammlung, die hierüber zu entscheiden hat, noch nicht die entsprechende Vorlage zugegangen. Statutengemäß müssen bei einer solchen Wahl mindestens zwei Dritttheile der Repräsentanten-Versammlung anwesend sein, und ist zur Giltigkeit derselben eine Stimmenmehrheit von mindestens zwei Dritttheilen — das sind 14 Mitglieder — erforderlich. Sind in den betreffenden Sitzung der Repräsentanten-Versammlung nicht mindestens^ zwei Dritttheile der Mitglieder anwesend, so ist die Wahl auf eine? andere Sitzung zu vertagen. Die aus dieser Sitzung hervorgehender Wahl ist giltig, wenn mindestens 11 Mitglieder anwesend sind. §2 Berlin, 1. März. Von allgemeinem Interesse dürfte folgende- Notiz aus dem „Gemeinde-Blatt der Haupt- und Residenzstadt Berlin"/ vom 12. Februar d. Js. sein: Protokoll der Armen-? Kommissions - Borsteherversammlung. Verhandelt Berlin? den 20. Januar 1899. Der Vorsitzende Dr. Münsterberg theilt mit, daß wieder Fälle vorgekommen seien, wonach jüdische Bürger deshalb von' Unterstützungen zurückgewiesen seien, weil reichlichere Geldmittel den jüdischen Mitbürgern zu Gebote ständen. Es ist dies unstatthaft, da die jüdische Gemeinde wohl über reichere Stiftungsmittel verfügt, aber Anträge auf Unterstützungen zunächst wie alle andern angenommen und geprüft werden müssen, da es für die öffentliche Armenpflege Konfession^ unterschiede nicht gäbe. 8. Berlin, 6. März. Ueber „die Juden im türkischen Reiche" sprach, in dem heutigen, beifällig aufgenommenen, zum Besten des Stipendienfonds der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judenthums, gehaltenen. Montagsvortrage Herr Rabbiner Dr. L. Lucas. Nachdem bei' Redner einen Ueberblick über die Verhältnisse der Juden in der Türkei^ der Kaiserzeit und der damaligen aufs Grausamste entwickelten Juden-I feindschaft gegeben, schilderte er in anregender Weise die Lage der^ türkischen Juden nach der Eroberung von Konstantinopel, die für die; Juden der ganzen Welt von größter Bedeutung zu werden schien. Der. Kampf gegen die Türken wurde für wichtiger erklärt, doch wandte sich^ die Kirche schon nach kurzer Zeit wieder der Verfolgung der Juden zu.. Weit glücklicher gestalteten sich die Verhältnisse nach der Einwanderung, der spanischen Juden, die zwar kein Vermögen mitbrachten, aber, was: ihnen an Reichthum abging, durch umfangreiche Kenntnisse und außer-i ordentlichen Fleiß ersetzten. Der Redner schilderte die Phasen der" glänzenden Entwickelung und gab in ausführlicher Weise ein Lebensbild der drei hervorragendsten Führer der Juden, Joseph Nässt, Joseph Fano und Sabbatai Zewi. Diese glückliche Position blieb den Juden nicht erhalten, mit dem Niedergange der Türkei wurden die Verhältnisse^ wieder ungünstiger, und mittelalterliche Zustände brachen für die Juden an. . X. Aus Westpreußen, im Februar. In der Generalversammlung) des Israelitischen Frauenvereins in Thorn sind die Frauen Professor! Horowitz, Hulda Fabian, Ernestine Asch und Cäcilie Honius wieder-, gewählt, und an Stelle der verstorbenen Frau Sultan ist Frau Margarethe* Sultan neugewählt. Zu Beisitzern sind die bisherigen Herren Professor Horowitz, Ad. Jacob und D. Wolff wiedergewählt. — Herr Kaufmann Segall in Culm ist von der Stadtverordneten-Versammlung in den Berwaltungsausfchuß gewählt worden. — Der wiedergewählte Rathmann Herr Rentier S. Goldstandt in Löbau ist jüngst eingeführt und verpflichtet worden. — In Flatow sind die Herren Kaufmann Oscar Stein als Rathmann bestätigt und eingeführt und Rechtsanwalt Dr. Pink zum stellvertretenden Stadtverordneten-Vorsteher gewählt worden. — In Neust ettin ist der Kaufmann Herr Hertzberg zum unbesoldeten Rathsherrn auf fernere sechs Jahre wiedergewählt. — In Neuteich wurde Herr Kaufmann I. Jacoby, in Tapiau Herr Kaufmann Fr. Zacharias zum Stadtverordneten-Borsteher, in Schwetz Herr Kaufmann B. Bukofzer und in Riesenburg Herr Kaufmann A. Becker zu Stellvertretern der Stadtverordneten-Borsteher gewählt. — Die jüdische Gemeindevertretung in Briefen hat den Kantor Falkenstein aus Namslau in O.-Schl. zum Kantor der Synagogengemeinde gewählt. — Zum 1. März d. I. übernimmt der Kultusbeamte in Schönek, Herr Rose, die Kantorstelle in Rügenwalde. — Die Herren Kaufmann Jacob Bieber in Schwetz und Getreidehändler Herrmann in Marienwerder sind für die in Grandenz zu errichtende Handelskammer von der zweiten Abtheilung gewählt worden. — Der jüdische Krankenpflege- und Beerdigungsverein Chewra Kadischa in Elbing hat seinen langjährigen Vorsitzenden, Herrn Julius Wollenberg, zum Ehrenmitglied ernannt. — Die Orgel in der neuen Synagoge in Danzig erhält eine neue Gebläsevorrichtung, welche durch einen elektrischen Motor in Thätigkeit gesetzt wird. Ein Schalthebel, in der Nähe des Spielpultes angebracht, ermöglicht es dem Organisten, jederzeit das Gebläse in bezw. außer Betrieb zu setzen. — In Lautenburg ist Herr Kaufmann Louis Jacobi zum Vorsitzenden des Stadtverordneten-Kollegiums gewählt worden. — Ferner sind in das Büreau der Stadtverordneten-Versammlung gewählt: in Liebemühl Herr Kaufmann Rosenthal, in Willenberg Herr Marcus und in Tremessen Herr Kaufmann Jacob; Herr Rechtsanwalt Warschauer daselbst ist zum Stadtverordneten-Borsteher gewählt. — Der Kaufmann Herr R. Schneider jun. in Memel ist zum spanischen Vizekonsul ernannt. — Der Stadtrath Jap ha in Königsberg hat 10 000 Mark für wohlthätige Zwecke, zur Hälfte für Anstalten rein jüdischen Charakters, testamentarisch vermacht. — Die Hauptversammlung des Turnvereins in Rosenberg wählte Herrn Kaufmann Sandmann zum Vorsitzenden. — Der Israelitische Verein für Krankenpflege und Unterstützung armer Kranker in Jastrow feiert am 19. d. Mts. sein 25jähriges Bestehen. — Herr Simon Blumenthal in Schulitz feiert am 21. d. Mts. das Fest der Diamant-Hochzeit; er sowie feine Ehefrau sind noch recht rüstig. — Die Synagogengemeinde in Schwetz a. Weichsel hat beschlossen, neben dem Rabbiner und Kantor einen zweiten seminaristisch gebildeten Lehrer anzustellen, der zugleich Hilfsschächter, Hilfsvorbeter und Rendant sein muß, und ist die Stelle bereits ausgeschrieben. Lp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Anfangs d. M. wurden in W oll st ein die Herren Löwenstein, Basch, Heinrich Herzog, Löwenthal, Simonsohn und Josua Cohn zu Repräsentanten der dortigen Synagogengemeinde und zu deren Stellvertretern die Herren B. Karger, B. Levy und Berwin gewählt. An der Wahl beiheiligten sich von 60 eingetragenen Wählern 25 Prozent. Die Wahl wurde durch den israelitischen Beigeordneten Kaufmann S. Krause geleitet. — Lehrer Schneider an der israelitischen Schule zu Ko sch min feierte neulich das Jubiläum seiner 25 jährigen Amtsthätigkeit daselbst. Aus diesem Anlaß gingen ihm zahlreiche Glückwünsche zu. — Die Repräsentanten zu Groß-Wartenberg wählten den Kaufmann Nieastus Birnbaum zu ihrem Vorsteher. — Kantor Jacobsohn in Gollub beging kürzlich das Jubiläum seiner 50jährigen Amtsthätigkeit. — Das M. Schwarz'sche Ehepaar in Arnswalde feierte jüngst das Fest der goldenen Hochzeit. — Zu Repräsentanten der Synagogengemeinde in Kr o Losch in sind vor Kurzem die Kaufleute Moritz Wagner, Samuel Dienemann, Hermann Cohn, Abraham Schmul und S. Sklarek jr. gewählt worden. Der Israelitische Kranken- und Beerdigungsverein zu Crone a. Br. hielt neulich seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Nach dem Bericht des Vorsitzenden, Kaufmann Abraham Joseph, betrug die Einnahme im letzten Jahre 229,27 Mark, die Ausgabe 86,60 Mark. Außer dem Bestand besitzt der Verein noch ca. 400 Mark. Der Verein beschloß, vom 1. April ab Monatsbeiträge von den Mitgliedern zu erheben. In Gnesen veranstalteten neulich die Stadtverordneten zu äiiÜ