Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 10 (10.3.1899)
- Date
- 1899-03-10
- Page
- Seite 120 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- '■ *, 'V'-'L■1M ..l'i,',.W'.vlJ.1 1 -^ 120 aus der Wüste, und Aegyptens Heer lagert bereits auf Israels Boden. Geh' hin und melde dem Knaben dies alles!" „Uebermüthiger!" sagte der Patriarch ruhig, „diese schändliche Empörung gegen Israels heiliges Fürstenhaus wird Dir nicht gelingen." Das Geschrei der Haufen übertobte die Stimme des Greifs. Dann rief Jerobeam befehlend: „Dieses noch melde dem vaterlosen, herrschsüchtigen Knaben, welchem Du dienst: Er steige vom Thron und gebe Edoms Prinzessin, welche Salomo raubte, heraus und in Jerobeams Hand. In diesem Fall soll kein Haar an seinem Scheitel gekrümmt werden, rzud unter Jerobeams Herrschaft bleibe er Oberster des Stamines Juda-l" „Empörer!" rief der Patriarch jetzt zürnend aus. „Diese Schmach wagst Du Davids Haus zu bieten? Dein Beginnen ist verflucht im Voraus, denn Du legst die frevelnde Hand an düs Heiligste. Frohlocke nicht! Juda und Benjamin haben sich in Waffen erhoben und werden Davids Haus vertheidigen!" „Verräther Israels!" schrie in diesem Augenblick eine Stimme aus dem dichtesten Haufen heraus. „Schon schlachten die Aegypter auf Judas Gefilden alle männliche Geburt!" > Jerobeam bebte, denn er hatte die Stimme Ahijas erkantit. Gleich darauf flog, von sicherer Hand geschleudert, ein Stein au d!es Feldherrn Pferd sausend vorüber und traf mächtig die Brust des Patriarchen. Die erwähnte Stimme schrie in gellenden Lauten:! „Steinigt den Verräther Israels! Er hat Juda von »ns abgewendet!" ' Wilde Unruhe bemächtigte sich aller Haufe», als aber die blutgierigen Söldner schnell die empfangene Weisung befolgten und die Felsstücke, die auf dem Boden herumlagen, auf den Patriarchen schleuderten, da ergriff der wüthige Rausch die ganze Menge, Und ein Hagel von Steinen schmetterte auf den in die Kniee gesunkenen Greis nieder. 1 Wenige Sekunden, und Adoniram stiirzte, gräßlich verstümmelt, dahin, und ein Steinhaufen erhob sich rasch über der Leiche. In diesem historischen Moment verlor Rehabeam Muth und Besinnung. Er stürzte mit einem Schrei des Entsetzens vom Fenster weg, sobald er Adonirams Fall gesehen. Da stürzten die Männer herein, welche ehemals in Krieg und Frieden König Salomo unterstützt hatten. Ihre Züge waren von Schrecken, Wuth und Zweifel verzerrt. Der Fall Adoniwiys beraubte sie allen Vertrauens auf die Sache des Prinzen. Sie eilten auf ihn zu. stellten sich um ihn her, und Jeder rief zweifelhaft aus: „Was soll nun geschehen, Königssohn?" ‘ Die Anwesenheit der Männer gab dem Prinzen seine Fassung wieder. Da erscholl unermeßliches Geschrei von außen her. Der Prinz eilte mit entstellten Zügen von Neuem an das Fenster. „Verwegene!" schrie er, „sie wagen den Palast zu stürme»! Augenblicklich laßt die Thore öffnen, und die ganze Leibwache mag wider den Pöbel rennen! 5 Die anwesenden Führer schüttelten das Haupt. „Die Leibwache" sagte der Oberste der Reiter, „zog kaum zyr Hälfte die Schwerter. Die Uebrigen horchen verdrossen den Tönen des Aufruhrs. Sie wollen nicht gegen Israels Kinder, gegen ihr eigenes Volk streiten, sagen sie. Sie wollen Salomos Sohn im Palast vertheidigen, aber sie mögen nicht angreifen! Der Prinz stürzte, ohne ein Wort zu sagen, mit geschwungetier Waffe zur Thür. „Wohin?" rief der Oberste, fast erschrocken ob der Wuth Prinzen. § „In Stücke will ich die Feigen hauen, die Empörer, die Verräther, die Meineidigen an Davids Haus!" Aber ehe der Prinz die Thür errichte, eilten mit bleichen Zügen mehrere entwaffnet« Krieger herbei. Eine Schaar habe die Gartenmauer überstiegen, im Garten wüthe blutiger Kampf, schon wälze er sich in die Gemächer des Palastes. Rehabeam trat zurück, denn ein plötzlicher Gedanke änderte seinen Entschluß. „Sie wollen Sulamith haben!" rief er. „Ich erkenne die Absicht des Angriffes! Bei den Donnern des Herrn, sie werden zu spät kommen!" Der Prinz stürmte fort und verschwand, während die Männer ebenfalls forteilten, den neuen Angriff abzuwehren. Jetzt war es um die Stunde des Mittags. Der Aufruhr brüllte und stürmte entfeffelt um die Königsburg, und ganz Jerusalem schien an dem Angriff Theil zu nehmen. (Forts, folgt.) Sprerhsaal. tas Herr A. E. in Nr. 7 d. Bl. über „das Ende des Zionismus" gesagt, ist mir sowie unzweifelhaft der großen Mehrheit der deutschen Juden aus der Seele gesprochen, und wenn ich ihm dazu ein eklatantes „Bravo" zurufe, so findet das sicher ein imposanteres Echo als all der lärmende Applaus, den feine Claqueurs den hochtrabenden Auseinandersetzungen des Herrn Max Nordau spendeten. Wer über den Zionismus jener Herren sich ein unbefangenes Urtheil bildete, der mußte sich von Anfang an sagen, daß sie mit ihrer angeblichen Heilsverkündigung nichts Anderes erzielen, als Wasser auf die Mühle der Antisemiten zu tragen, die uns darauf zurufen könnten: Hinweg aus Deutschland, Europa, für das ihr doch kein Herz habt, geht hin nach Asien, Palästina, dem es allein warm entgegenschlägt. Und als sehr gelehrige Eleven der Antisemiten erweisen sich jene Herren auch durch den schäumenden Geifer, den fie über alles ausgießen, was nicht zu ihrer Fahne schwört oder ihnen ernsteren Widerstand entgegensetzt. Eine altbewährte Erfahrung lehrt, daß, wenn gewisse Leute Unrecht haben, sie ausfällig werden, und hat dann der Autor gedachten Artikels vollkommen Recht, wenn er sagt: „wer schimpft, hat Unrecht", und auf Den, der sich erkühnt, nicht nur die Reichen in Israel, weil sie keine Lust haben, für seine Utopien und Luftschlösser, wie er naiverweise erwartet, ihre Beutel weit zu öffnen, sondern auch hochverehrte Rabbiner wie Maybaum und Bogelstein (ohne fie zu nennen, ließ er sie doch deutlich errathen), weil sie seinen mehr verderblichen als heilbringenden Tendenzen offen und ehrlich entgegen getreten, mit Schimpsworten zu bewerfen und fie explicite als eine Null (!!) hinzustellen, auf den findet jenes Verdikt im Superlativ entschiedenste Anwendung. Haben wir an der uns von außen entgegengebrachten Rischus noch nicht genug, daß wir es auch selbst noch gegen einander üben und schüren müssen? Ist das vielleicht der Weg, von dem das neueste Cirkular des Zionismus spricht: „wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg"? Ein solcher kann doch wahrlich wie ein Irrlicht nur in einen Sumpf hineinlocken. Und wie den Antisemiten, so ähneln jene Herren auch den Sozialisten, die mit ihrem fabelhaften Zukunftsstaat der blöden Menge eine Fata Morgana vorspiegeln, indem fie mit hohem Brustton verheißen, besser als Jene den Jammer des armen Volkes zu beschwören, wozu aber der Zionismus weder die materiellen noch intellektuellen Mittel besitzt. Ganz im Gegentheil ist sogar, wie unser Autor auch andeutet, Gefahr vorhanden, daß der Zionismus, wenn er seine Agitation nicht bald einstellt, die vor seinem Auftreten schon so verheißungsvoll eingeleitete allmälige Kolonisation Palästinas gänzlich ins Stocken bringt. Diese mit Rath und That energisch zu fördern, ist aber der rationellste Weg zum Ziele, und wer es daher mit Israel, besonders den Unterdrückten und Nothleidenden in seiner Mitte, wahrhaft wohl meint, der verfolge diesen Pfad, lasse fich aber durchaus nicht von den Sirenenstimmen der Zionisten in die Irre führen. Wenn irgendwo, hat hier das Mahnwort seine Geltung: „Behüt uns Gott vor unseren Freunden!" Berlin, 22. Februar. Dr. M. Stern. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin, verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.