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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-10 · Heft 10 (10.3.1899) · p. Seite 119

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 10 (10.3.1899)
Date
1899-03-10
Page
Seite 119 (sequence 11)
Language
German
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- 119 SWWWMM der Völker hervor. Jsaac Pereire, wie sein Freund Gustave d'Eichthal, bewahrte bis zum Ende seines Lebens den Glauben an die Ideen, welche die Schule ihn gelehrt hatte. Wir sehen also, welche große Rolle die Juden im Saint-Simonismus spielten, besten Anhänger die eifrigsten Förderer des wirth sch östlichen Fortschrittes, der Eisenbahnen und der Banken waren. Erst kurze Zeit, dank der Revolution, selbst im Besitze bürgerlicher Gleichstellung, nahmen sie freudig eine Lehre an, welche eine allgemeine Gleichstellung predigte. An Geldgeschäfte gewöhnt, vereinigten sie sich zu einer Schule, welche die finanziellen Unternehmungen zu rühmlichen machte und den Banken eine fast religiöse Bedeutung gab. Ein junger Theologe, Eugüne Rodrigues, gründete die saint-simonistische Lehre; Olinde Rodrigues, ein Mann von seltener Biederkeit, gab sich ganz der Aufgabe hin, die Lage der arbeitenden Klaffen zu verbessern; bedeutende Finauzmäimer, die Pereire, trugen durch ihr eifriges Betreiben der Herabsetzung des Zinsflißes dazu bei, den Gewinn des Kapitalisten zu verringern, um den Vorthcil des Arbeiters zu vergrößern. Saint Simon hatte gelehrt, man solle, statt auf das Glück eines künftigen Lebens zu warten, cs auf der Erde, durch die Arbeit, suchen; die Juden blieben den Traditionen ihres Stammes und ihrer Religion treu, indem sie danach strebten, das Paradies auf Erden zu verwirklichen. EUILLETON Die Kose von Saron. Eine Erzählung. XXXVI. ehabeam beobachtete mit gespannter, zorniger Aufmerksanikeit die Szene, die vor dem königlichen Palast vorfiel. Der freie Platz vor der Burg war nach und nach fast ganz von den unruhigen Haufen besetzt worden, welche theils neugierig, theils spottend zu den Befestigungen des Palastes emporschauten, wo einzelne scheue Gestalten das Treiben der Menge betrachteten. Während der größte Theil des Volkes zu Fuß erschienen war, erblickte man im Mittelpunkt der Haufen, und zwar hart vor der ersten Reihe, mehrere Reiter, in denen Jerobeam, jetzt als Feldherr und König prachtvoll gekleidet, und dann mehrere Parteiführer aus den zehn aufrührerischen Stämmen Israels erkannt wurden. Diese Reiter sprengten rasch vorwärts, als der Patriarch des Stammes Juda aus dem Thor des königlichen Palastes trat, ganz allein, da er den Leibwachen des Königs verboten hatte, ihn zu geleiten. Während der Greis den Reitern entgegenging, blieb das Thor des Palastes angelehnt, und die Menge strömte brausend und murmelnd in einen Halbkreis zusammen. Als die Reiter standen, spornte Jerobeam sein Pferd noch einige Schritte und blieb unmittelbar vor dem greisen Patriarchen stehen. Zugleich bemerkte Adöniram, daß rechts und links gebräunte, wildblickende und regelrecht bewaffnete Gestalten sich über die äußersten Reihen des Volkes drängten, als setzten sie sich in Bereitschaft, dem ersten Wink Jerobeams zu gehorchen. Der Greis blieb ruhig und richtete seinen festen Blick auf den Feldherrn, welcher seinerseits mit höhnischen Zügen der Rede des Patriarchen harrte. „Ich bin an Euch abgesandt von Rehabeani, ihr Männer aus Israel," wandte sich der Greis an die ganze Menge. „Ist cs dieser Mann, der für Euch alle zu sprechen hat?" Jerobeam kehrte sich um und überblickte die Haufen mit stolzen Blicken. „Jerobeam! Israels König!" brüllte es mit tausend Stimmen. Der Patriarch schien fast erschrocken, er hatte offenbar so entschiedenen Ausspruch des Volkes nicht erwartet. Dann wandte er sich ab und rief: „In dem Falle schickt Rehabeam keinen Gesandten an Aufrührer!" Und der Greis begann zurückzugehen. Jerobeam spornte sein Pferd, daß es mit einem einzigen Satze neben dem Patriarchen war, seine Gewänder streifte und dann mit unwilligem Schnauben stand. Ein Ausruf ließ sich hier und da unter der Menge hören, man glaubte den Patriarchen verletzt. Aber Adöniram stand ruhig da, und keine einzige Geberde des Schreckens hatte die Würde seines Wesens gestört.! „Was willst Du?" sagte er mit gelassener Stimme und blickte 1 den übermüthigen Empörer kalt au. Jerobeam zog sein Pferd wieder zurück und sagte dann mit i befehlendem Ausdruck: j; „Wir wollen die Botschaft Rehabeams hören!" > „König Rehabeam hat keine Botschaft für offene Aufrührer!" „Steh', verwegener Greis! So hinterbringe Du unsere Bot-; schüft an den König. Höre: Israel ist müde des Joches, welches j Salomo auf unsere Schultern geladen hat. Aber Rehabeam hat j gesagt, er wolle das Joch zehnmal schwerer machen, und darum entsetzt ihn Israel des Thrones. Gehe hin und sage dem Knaben: er solle heruntersteigen vom Throne Zion, denn der Herr hat seinem | Stamme die Macht genommen. Das ist der Wille, welchen zehn Stämme Israels durch meinen Mund aussprechen! Ist dem nicht also, ihr Kinder Israels?" Der Feldherr wandte sein schönes, stolzes Gesicht der Menge zu, und seine blitzende», leutseligen Augen forderten die Aufrührer auf, seine Worte zu bestätigen. „Jerobeam! Israels König!" brüllten von Neuem tausend und tausend Stimmen. „Du hörst es!" fuhr Jerobeam fort, indem er sich wieder an den Patriarchen wandte. „Geh hin und melde, was Du hörtest!" Der Greis schüttelte stolz das ehrwürdige Haupt und richtete dann seine Rede an die Menge, nicht an den Führer der Empörung. „Verirrte Heerde," rief der Patriarch mit klarer, tönender Stimme, „hast Du des Schwures vergessen, welchen Deine Väter und du selbst dem Hause Davids geleistet? Ehrt Ihr also des Herrn Willen und Geheiß?" Der Patriarch konnte nicht ausreden, die Wuth des Volkes imterbrach ihn brüllend: .1 „Es ist Gottes Wille, welchen wir ausführen!"; Dann sprang eine hohe, düstere Gestalt aus den Reihen des Volkes hervor und schwang einen langen Stab drohend gegen; Adöniram. „Der Prophet, der heilige Mann von Silo!" ging es murmelnd durch die Reihen des Volkes. „Verräther aus Judas Stamm!" rief der Prophet in leidenschaftlichen Tönen, „meinem Geist hat sich Gottes Gnade offenbart, und seine Stimme sagte: Jerobeam sei König Israels!" Das Volk brauste tmnultuarisch durch einander. „Jerobeam! Israels König!" brüllte es, und dann verschwand der Prophet unter den Haufen. „Du hörst es!" rief Jerobeam mit stolzem, triumphirendem? Ausdruck. „Der heilige Mann hat Gottes Gnade verkündet, aber l auch irdische Macht setzt Jerobeam Davids entartetem Hause ent-! gegen. Siehe, unter den Männern Israels sind gewaltige Kämpfer

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