Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 63 (1899)
- Issue
- Heft 9 (3.3.1899)
- Date
- 1899-03-03
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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-- 2 - Terrain zur Verfügung gestellt worden, und voraussichtlich würden auch die Mittel zum Bau aufgebracht werden. Zunächst würde es sich empfehlen, in der Nähe von Berlin mit Miethsräumen anzufangen, doch habe sich das Gründungskomitee hierin vollständig freie Hand Vorbehalten. Herr Rosen stiel verlas alsdann eine große Reihe aus den verschiedensten Städten eingetroffener Sympathiekundgebungen, darunter auch eine der in ihrer Wohlthätigkeit so unermüdlichen Baronin Hirsch. In der sich anschließenden Diskussion bestätigt der rühmlichst bekannte Philanthrop Herr Alfons Jacobson aus Leipzig die über Ems gemachten Angaben und verspricht seine rege Mitwirkung an dem edlen Werk. Einen breiten Raum der Debatte nahm die Frage der Konfesstonalität oder Jnterkonfesstonalität des Institutes ein, doch entschied sich die Versammlung durch Abstimmung mit überwiegender Majorität zur Wahrung der Konfessionalität. Auf Anfrage giebt Herr Dr. Adler noch an, daß natürlich nur diplomirte Lehrerinnen ausgenommen werden können, wozu auch Musik-, Handarbeits- und Turnlehrerinnen, die ihr Examen abgelegt, gehörten. Nachdem noch die Namen derjenigen Damen und Herren zur Verlesung gelangt waren, welche für das zunächst zu bildende Kuratorium in Vorschlag gebracht find, schloß die Vorsitzende die Versammlung mit herzlichen Worten des Dankes an die Erschienenen und an Diejenigen, die mit bewährter Opserfreudigkeit an die Gründung des Lehrerinnenheims herangetreten sind. §2 Bnli«, 26. Februar. Der Israelitische Miethe-Hilfs- Berein hielt am 16. d. Abends seine zahlreich besuchte Generalversammlung ab. An Stelle des verreisten Vorsitzenden, Herrn D. Struck, begrüßte Herr S. Wedell die Erschienenen und erstattete den Jahresbericht, welcher für die segensreiche Wirksamkeit des vortrefflichen Vereins abermals wohlthuendes Zeugniß ablegte. Die Jahresbeiträge sind von 4111 auf 4303 Mark, die Gesammt - Einnahmen auf 8587,20 Mark gestiegen. Die Ausgaben betrugen 6754,65 Mark, darunter für Mieths-Unterstützungen in 490 Fällen 6460 Mark (gegen 6436 Mark im Jahre 1897). Der Vorsitzende gedenkt der im Berichtsjahre verstorbenen Mitglieder, zu deren Ehren sich die Versammlung von den Sitzen erhebt. Der Bericht der Revisoren, Herren I. Rosenblüth und I. Fuld, wird verlesen und die beantragte Decharge ertheilt. Bei der Wahl des Vorstandes werden die Herren D. Struck, G. Lewy, S. Wedell und S. Weile per Akklamation wieder- und an Stelle eines ausgeschiedenen Mitgliedes Herr Herm. Jaffe neugewählt. In sehr angeregtem Gedankenaustausch wird sodann von mehreren Rednern die fördernswerthe Thätigkeit des Vereins hervorgehoben und der Zuversicht Ausdruck gegeben, daß durch eine kräftige Propaganda das thätige Interesse weiterer Kreise für den Verein würde geweckt werden können. Es wäre in der That aufrichtig zu wünschen, daß das Streben, den Aermsten der Armen die allerwefentlichste Voraussetzung einer menschenwürdigen Existenz zu bieten, ihnen die Wohnung zu erhalten, diejenige Unterstützung finde, welche eine ausgedehntere, dem steigenden Bedürfnisse mehr entsprechende Thätigkeit ermöglicht. Vorfitzender des in fiebenundzwanzigjähriger Wirksamkeit erprobten Vereins ist Herr D. Struck. 22 Berlin, 19. Februar. Der Wohlthätigkeitsverein, Chebra gemilus Chassodim, hat am 16. d. M. seine Generalversammlung abgehalten. Dem Rechenschaftsbericht entnehmen wir, daß dieser Verein im abgelaufenen Jahre 21130,36 M. Einnahmen und 18 896 M. Ausgaben gehabt hat. Die Bilanz des Vereins ist eine sehr günstige, seine Wirksamkeit in Krankheits- und Unglücksfällen eine ebenso rationelle wie gedeihliche. Die Zahl der Mitglieder ist auf 461 gestiegen. Vorsitzender ist Herr A. Kunz, Weißenburgerstr. 5, Bereinsarzt Dr. Margoniner, Rendant Herr I. Baschwitz. Kp. Aus der Provinz Posen, im Februar. Stadtrath Wolff Jaffee in Wreschen hat anläßlich seiner Ueberstedelung nach Posen der Stadt Wreschen 2000 M. mit der Bestimmung übergeben, daß alljährlich am Geburtstage des Kaisers die Zinsen des Legats abwechselnd an die Armen der drei Konfessionen zu vertheilen sind. Die gleiche Summe hat Herr Jaffe auch der dortigen Synagogengemeinde übergeben, um die Zinsen an verschämte Arme zu vertheilen. Bei der kürzlich in Pleschen stattgehabten Vorstandswahl der israelitischen Gemeinde daselbst wurde Rentier Joachim wieder- und Kaufmann M. Kozminski neugewählt. — Das Schneidermeister Hirsch Machol'sche Ehepaar in Nakel feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — Vor Kurzem feierte der Jüdische Verein für Krankenpflege und Unterstützung armer Kranker in Jastrow das Jubiläum seines 28jährigen Bestehens durch einen Gottesdienst in der Synagoge und ein Festessen im Barz'schen Saale, an welchem 80 Personen Theil genommen haben. Nachdem in der jüngst abgehaktenen Generalversammlung des Israelitischen Armenvereins in Wreschen erstatteten Rechenschaftsbericht betrugen die Einnahmen des letzten Jahres 2831,37 M., die Ausgaben 1520,19 M. Es verblieb demnach ein Bestand von 1310,47 M. Dem Verein gehören gegenwärtig 77 Mitglieder an. In den Vorstand gehören die Herren L. Türk, M. Miodowski, Zlotnicki, A. Zucker, Kantorowicz, A. Sieburth und Gumpert. — Das Louis Kruschke'sche Ehepaar in Po widz feierte neulich das Fest der goldenen Hochzeit. — Der seit 30 Jahren als Beigeordneterfungirende Herr Kallmann in Nakel ist zum Stadtältesten daselbst ernannt worden. — Der Kreisphystkus Dr. Wolf in Löbau ist zum Magistratsmitglied daselbst gewählt worden. — Die Verwaltung der jüdischen Lehrerstelle in Schrimm ist nicht, wie jüngst berichtet, Herrn Abraham Zerkow, sondern Herrn Lehrer David Loeb in Gernsheim übertragen worden. — Zu Repräsentanten der Synagogengemeinde in Osterode sind kürzlich die Herren Abraham Gardt, David Lonky, Max Samulon und Siegfried Elias gewählt worden. — In Neumark sind die Kaufleute C. Landshut und Caspar Cohn zu Mitgliedern der Handelskammer in Thorn gewählt worden. — Herr Kaufmann Ruß in Koschmin ist kürzlich zum Vorstandsmitglied des Jüdischen Beerdigungsvereins daselbst gewählt worden. — Ende Februar cr. hielt der Israelitische Wohlthätigkeitsverein in W oll stein seine diesjährige ordentliche Generalversammlung ab. Die Einnahmen im letzten Jahre betrugen 649,64 M., die Ausgaben 603,64 M. Zu Vorstandsmitgliedern wurden die Herren S. W. Meseritz, A. Xions und M. Basch gewählt. L. Schneidemühl, 20. Februar. Da in dem benachbarten Usch wegen einer zu geringen Anzahl von Kindern vor ca. einem Jahre die jüdische Schule aufgelöst worden ist, ist Lehrer Moses von hier seitens des Gemeindeverbandes des Bezirks Bromberg ersucht worden, den Religionsunterricht daselbst zu ertheilen. Herr Moses hat am 1. Februar d. I. den Unterricht übernommen. — In unserem Orte werden die patriotischen Feste von allen hiesigen städtischen Volksschulen gemeinsam im Saale des „Höcherlbräu" gefeiert. In diesem Jahre hielt am Geburtstage des Kaisers Lehrer Lew in die Festrede. — Unter großer Therlnahme wurde gestern die Gattin des Kaufmanns und Gutsbesitzers Louis Kronhe im von hier zu Grabe getragen. Die Verblichene erfreute fich hier, infolge ihres großen Wohlthätigkeitsstnnes gegen Jedermann, allgemeiner Beliebtheit. I. Leipzig, 1. März. Heute feierte hier unter allgemeiner Theilnahme weiter Kreise der Kantor und Lehrer der israelitischen Synagogengemeinde Herr Bernhard Jacobsohn sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Derselbe ist am 12. Januar 1846 in Wielatowo, einer kleinen Stadt in der Provinz Posen, geboren. Nach bestandener Lehrer- und Mufiklehrer- Priifung, Ostern 1867, übernahm er zunächst die Lehrer- und Chordirigentenstelle in Märkisch-Friedland und vertauschte dieselbe nach zwei Jahren mit einer Religionslehrer- und Kantorstelle in Magdeburg. Drei Jahre später wurde er als erster Kantor, Hauptlehrer und Prediger nach D ortmund berufen und wirkte daselbst bis Mitte Februar 1874. Seit 1. März desselben Jahres ist er Kantor und Lehrer bei der hiesigen israelitischen Religionsgemeinde. Seine hervorragende stilistische Gewandtheit machte es ihm möglich, mit diesen Hauptämtern zugleich das Sekretariat des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes bis zu dessen Sitzverlegung nach Berlin versehen zu können. Die von ihm herausgegebene Erinnerungsschrift „Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund" nach Ablauf des ersten Decenniums ist ein werthvoller Beitrag zur Geschichte dieses Bundes. Inzwischen arbeitete er rüstig auf synagogal-musikalischem Gebiete weiter. Bei dem berühmten Opernsänger Carl Reß hatte er seine vollständige künstlerische Ausbildung im Gesänge erhalten. Die von ihm verfaßten Werke sind: 1. Beiträge zur Kultusfrage, 2. Der israelitische Gemeindegesang, 3. Schire beth Jacob, Schuld und Gemeindegesangbuch, 4. Vierstimmige Partitur zu demselben, im Manuskript vollendet, noch nicht gedruckt, 5. Biblische Frauengestalten. Charakterschilderungen für die reifere weibliche Jugend. Verlag von Oskar Leiner, Leipzig. Schließlich ist er Mitarbeiter verschiedener größerer jüdischer Blätter, für welche er werthvolle Abhandlungen schreibt. — Möge es dem verdienstvollen Jubilar vergönnt sein, noch viele Jahre sein Amt zur Erbauung seiner Gemeinde zu verwalten.