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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1899-03-03 · Heft 9 (3.3.1899) · p. Seite 108

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
63 (1899)
Issue
Heft 9 (3.3.1899)
Date
1899-03-03
Page
Seite 108 (sequence 12)
Language
German
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' - -7—-- - - 7- T- " <r‘ >ww*wwv <B^t^y^j3»**,yW*^*»rw»*SW«ray«"T»»T*P|'TtFH^iWFP^^ - 108 - „Es war Dein Wille, o Herr! Israels Weiser ist gestorben. Du aber hast ihn an meinen Blicken vorübergefiihrt als Knaben, bis er heranwuchs zum Mann und dann hinwankte zum Grabe! Und mich ließest Du lebe», diesem Knaben seine Krone zu retten! Es ist Dein Wille, ich erfülle ihn!" Der Greis eilte mit sicheren Schritten hinaus. „Sulannth!" rief der Prinz mit wildem Frohlocken. „Gott sei Dank, so ist sie wenigstens noch immer in meiner Gewalt und mit ihr Edoms Krone!" Und dann trat er an das Fenster, während die alten Räthe und Krieger hinausgingen, ihren todten König anzuschauen. (Forts, folgt.) Literarische Mittheilungen. — Im Verlage von Josef Singer in Straßburg i. E. ist erschienen: „Offene Frage über den allgemeinen Rabbiner-Verband Deutschlands v on einem konservativen RabbinerAuf der ersten Seite der Broschüre findet fich folgende Fußnote: „Gleichzeitig machen wir auch auf die für das orthodoxe Judenthum gefahrdrohende Existenz des „Verbandes der jüdischen Lehrer im Deutschen Reiche" aufmerksam. Die erste That des Vorstandes dieses neubegründeten Verbandes bestand darin, an alle jüdischen Lehrervereine je vier Exemplare der in unserer offenen Frage genügend gekennzeichneten „Methodik des jüdischen Religionsunterrichts" von Dr. Maybaum-Berlin und desgleichen von dem „Urbild und Ebenbild" von Dr. Goldschmidt-Offenbach, der in seiner Bearbeitung würdig den von Dr. Maybaum in seiner Methodik geforderten Grundsätzen sich anschließt, verschickt hat. Darum, ihr Lehrer, die Ihr noch treu zu der Fahne des glaubenstreuen Judenthums schwört, tretet aus diesem Verbände und den ihm angeschlossenen Vereinen, und lasset Euch nicht durch etwaige pekuniäre Vortheile bestimmen, einem solchen für das unverfälschte Judenthum gefahrvollen Verbände noch weiter anzugehören." Die gefahrdrohende Existenz des Verbandes für das orthodoxe Judenthum wird von dem Veifasser allein damit begründet, daß der Verbandsvorstand eine Anzahl Exemplare der „Methodik des jüdischen Religionsunterrichts" von Dr. Maybaum und von dem mit „Urbild und Ebenbild" betitelten „Lehrbuch der israelitischen Religion" von Dr. Goldschmidt, welche ihm für den Verband zugewiesen worden waren, an die zum Verbände gehörenden Vereine verschickt hat. — Der Herr Verfasser nennt dieses die erste That des Verbandsvorstandes. Diese Behauptung ist jedoch eine völlig irrige. Der Vorstand hat die Verschickung der Bücher gar nicht als eine That aufgefaßt, und so kann sie füglich nicht als erste That bezeichnet werden. — Es wäre wohl vergebliche Mühe, den Herrn Verfasser überzeugen zu wollen, daß der Verband für das orthodoxe Judenthum nicht gefahrdrohend und für das unverfälschte Judenthnm nicht gefahrvoll ist. Wenn der Herr Verfasser dem Verbände eine Anzahl Exemplare seiner Broschüre zuweisen wollte, so würde wohl der Verbandsvorstand keinen Anstand nehmen, dieselben an die dem Verbände zugehörenden Vereine zu verschicken. IZ. Sprertzsaat. Sehr geehrter Herr Redakteur! (5D)er Leitartikel in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Zeitung <§9 beschäftigt sich mit der Frage der „Berliner Rabbinerwahl", die seit dem Ausscheiden des Herrn Rabbiner Dr. Ungerleider aus dem Rabbinate den Gegenstand eifriger Berathuug bei den Verwaltungsbehörden sowie lebhafter Diskussion bei den Mitgliedern der hiesigen jüdischen Gemeinde bildet. Es werden dort mancherlei Gründe für die bisherige Erfolglosigkeit der Rabbinerwahl-Kommisston geltend gemacht, die zum Theil das Nichtige treffen, zum Theil aber so allgemein gehalten sind, daß sie alles oder gar nichts beweisen. Ich will hier nicht auf die Einzelheiten jenes Artikels näher eingehen; ich müßte sonst zunächst um genaue Auskunft darüber bitten, was wohl der Verfasser meint, wenn er sagt, daß „nicht zwei von den mehr als zwanzig (?) Rabbinern, deren Namen in dieser Angelegenheit genannt wurden, auf dem Boden der gleichen religiösen Anschauungen stehen", und welcher „religiöse Boden" denn von dem Verfasser als derjenige bezeichnet wird, den der Rabbiner nach seinem Herzen zur Basis haben muß. Eine genau umschriebene Definition dieses Begriffes wäre nicht nur vom Verfasser zu erwarten gewesen, sondern hätte auch die Mitglieder der Kommission von Anfang an bei ihrer mühevollen Thätigkeit leiten sollen. Es wäre dann manche überflüssige Anfrage vermieden worden, und man hätte sicherlich nicht volle drei Jahre gebraucht, um — nichts zu erreichen; denn nicht einmal die erforderliche Klarheit in dieser Frage ist geschaffen worden. Freilich ist eine deutliche Umschreibung jenes Begriffes nicht leicht, zumal wenn man über die Gesichtspunkte, nach denen er zu erläutern ist, sich selbst im Unklaren ist; und der Verschiedenheit der religiösen Anschauungen bei den gesuchten Rabbinern dürfte eine nicht minder große Divergenz in den religiösen Ansichten bei den Herren der Kommission gegenüberstehen. Wenn Männer, von denen kaum einer auf dem Boden des altüberlieferten Judenthums steht, mit der Aufgabe betraut werden, einen Rabbiner zur Wahl vorzuschlagen, der eben dieses Judenthum zu erhalten sich bemüht, so ist es begreiflich, daß ihre Thätigkeit eine vergebliche sein muß, denn die mangelnde Kenntniß von dem gesuchten Objekte kann der schnelleren Auffindung desselben nicht geradezu förderlich sein. . . Und hier ist es mit einem noch so eindringenden Verfiändniß für rein verwaltungstechnische Angelegenheiten nicht gethan. Es ist eine religiöse Frage im eminentesten Sinne, die hier gelöst werden soll, und es ist vielleicht ein Glück zu nennen, daß eine Entscheidung noch nicht herbeigeführt ist. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es auch völlig verfehlt, die alten und abgebrauchten Schlagwörter von der „äußersten" oder „starren Orthodoxie" ins Feld zu führen; denn der Verfasser dürfte in ziemliche Verlegenheit gerathen, wenn er sich klar und bündig über diese Begriffe aussprechen müßte, die vielleicht innerhalb anderer Konfessionen ihre Berechtigung haben mögen, auf dem Boden des Judenthums aber durchaus keinen Platz haben. Es ist daher auch nicht zu entscheiden, ob „innerhalb der großen jüdischen Gemeinde zu Berlin die starre Orthodoxie überhaupt existirt" oder nicht. Sicherlich aber entspricht es dem Wunsche der verantwortlichen Leiter der Gemeinde nicht, solche „Elemente" an die Adaß-Jisroel-Gemeinde zu verweisen. Nach meiner Kenntniß dieser Dinge waltet hier das Bestreben vor, alle Elemente in dem Rahmen der Großgemeinde zu vereinigen; und dieser Wunsch ist nur recht und billig. Denn wenn man die Reformgemeinde mit liebevoller und fürsorgender Zärtlichkeit umfängt, so hat man keinen Grund und auch kein Recht, die sogenannten „Orthodoxen" kalt und unfreundlich zurückzuweisen. So ganz und gar außerhalb des Judenthums stehen doch wohl die „Orthodoxen" noch nicht, daß sie keinen Raum mehr finden könnten in der jüdischen Gemeinde zu Berlin, „einer der größten jüdischen Gemeinden an Kopfzahl, Intelligenz, Reichthum und sozialer Stellung". Das; übrigens diese Gemeinde „seit einem Jahrhundert führend und tonangebend für das deutsche Judenthum geworden", ist ein Kompliment, für das die Verwaltuug der Gemeinde bei dem Verfasser sich bedanken mag, entspricht aber nicht den geschichtlichen Thatsachen, soweit sie das innere religiöse Leben der jüdischen Gemeinden Deutschlands betreffen. Was mich jedoch in jenem Aufsatz am meisten befremdet und verletzt hat, das ist die abschätzige Aeußerung über gewisse religionsgesetzliche Vorschriften, die dem gläubigen Juden heilig und unverbrüchlich sind. Denn es ist nicht blos sehr leicht und bequem, sich über solche Vorschriften hinwegzusetzen, sondern es grenzt schon an Intoleranz, das Festhalten an einer altüberlieferten Satzung eine „Beschränktheit" zu nennen. Ist das die vielgerühmte Duldsamkeit, deren Mangel oft mit ebenso viel Behagen als Unrecht der „Orthodoxie" zum Vorwurf gemacht wird? Wahrlich, der konservative Rabbiner mag in aufrichtiger Dankbarkeit seine tiefe Verbeugung vor dem Herrn Verfasser machen, der noch so gütig ist, zu meinen, daß „wohl auch kein Bedenken vorläge, diesem konservativen Rabbiner die Aufsicht über die oben erwähnten Einrichtungen (wie Schechita, Mikwa u. s. w.) einzuräumen!" Mit vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. M. Petuchowski. Druck und Verlag von Rudolf Bioiie in Berlin. Verantwortlich für die Nedaltion: Duu Ba u chwik in Berlin.

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